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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-01-25 · 4 (25.1.1901) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
4 (25.1.1901)
Date
1901-01-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 4 Ar. Vloch.'s Wochenschrift Bette 59 fallen lassen mußte, weil die liberale Opposition, geführt von seinen Schwager Sturdza, durch Scandalmeetings rc. ihn daran verhinderte. Eine Auslassung, wie die obige jedoch, die offenbar sowohl zutreffend ist für den deutschen Markt, als auch wohlgesinnt für Rumänien, sollte von den Interessenten in Berlin wie Bukarest ernstlich berücksichtigt werden; vielleicht gelingt es dann doch, in Rumänien durch eindringliche Aufklärung und entschlossenes Vorangehen endlich Zustände zu schaffen, die jenen scandalösen Ungerechtigkeiten ein Ende machen, und so allmählich das Vertrauen des ausländischen Marktes zurückkehren zu lassen, daß in Rumänien Gewaltmaßnahmen und Unterdrückung endgiltig beseitigt werden, und daß deshalb auch das nicht rumänische Capital dort auf Recht und Billigkeit rechnen dürfe. * * * Die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" in Berlin schreibt: „Nach längerer Pause kommt wieder einmal eine Nachricht aus dem lieben Rumänien. Bei den Debatten über den Etat im Senat Lheilte Minister Carp mit, „daß ein Consortium jüdischer Banken bereit sei, Rumänien 400 Millionen Francs zu leihen, wenn Rumänien die Gesetzgebung, welche widerrechtlicher Weise die eingeborenen Juden für Fremde erklärt, abändern wolle. Herr Carp war jetzt in Deutschland, wahrscheinlich um die Stimmung der betreffenden Kreise zu erforschen. Hoffentlich wird man ihn darüber nicht im Unklaren lassen, daß man von seinem liberalen Regime nun endlich Thaten statt der schönen Worte und großen Versprechungen erwarte." Antheil der Juden an den Fortschritten der Naturwissenschaften. Frankfurt a. M. Am 7. Jänner sprach im Verein für jüdische Geschichte und Literatur Herr Privatdocent Dr. Asher aus Bern über den Antheil der Juden an den Fortschritten der Naturwissenschaften im 19. Jahrhundert. Schon in früheren Zeiten hatten die Juden einen nicht unbedeutenden Antheil an gewissen Theilen der Naturwissenschaft, namentlich dadurch, daß sie das alte Wissen der Griechen und Araber aus den dunkelsten Zeiten des Mittelalters hinüberretteten. Größen, die im Mund der gesammten Culturwelt sind, wie Newton, Galilei, Gauß und Helmholtz sind freilich unter den Juden nicht zu finden. Das beweist jedoch keine Minderwerthigkeit. Aus einer ganzen Reihe von Gründen für jene Erscheinung führte der Redner nur einige an. Das Arbeiten an der Naturwissenschaft des 19. Jahrhunderts verlangt eine intensive Vorbildung in einer ganz bestimmten Richtung, die den Juden bis zu Anfang des Jahrhunderts verschlossen war Ein anderer, ideeller Gesichtspunkt ist folgender: Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß unter dein jüdischen Volk Männer entstanden sind, so weltumfassender Art, wie in keinem anderen Volk, nur nicht gerade auf dem Gebiet der Naturwissenschasten Außer seiner unbestreitbaren, welthistorischen religiösen Mission hat es noch die Mission, Männer hervorzubringen, die in die geistige Entwicklung der Menschheit eingriffen, wie sie nicht leicht in solcher Anzahl bei einem anderen Volk zu finden sind. Solche Männer treten ab und zu nach längeren Perioden aus dem israelitischen Volk auf. — Die Naturwissenschaft unserer Zeit schreitet fort durch eine Summe von Einzelarbeiten. Schon aus der großen Zahl jüdischer Studenten und Mediciner kann man schließen, daß sie fleißig Bausteine Zusammentragen. Hier handelt es sich aber mehr um die hervorragenden, und da mögen nur solche Namen genannt sein, deren Träger nicht mehr unter den Lebenden weilen, und alle dazu gerechnet sein, die jüdischen Stammes' sind, gleichviel ob sie im Verlauf ihrer Carriöre den äußeren Religionswechsel vollzogen haben oder nicht. Da man alles Mißliche, was geschieht und nur im Entferntesten etwas zu thun hat mit dem jüdischen Stamm, immer den Juden in die Schuhe schiebt, sind wir berechtigt, den Spieß umzudrehen und was Gutes geschieht, wenn es aus jüdischem Stamm kommt, theilweise den Juden zuzurechnen. Uebrigens ist zu bedenken, daß die hervorragenden Naturforscher, die ihre Stammesgenossenschaft verlassen haben, dies zu einer Zeit thaten, wo die Gegensätze nicht so groß waren wie heute, die zu einer Vertiefung des religiösen Sinnes geführt haben. Da dieser im Anfang des Jahrhunderts ein viel loserer war, so haben sie nichts anderes gethan und thun wollen, als etwas Aeußerliches, ja, sie haben nicht einmal die alte Zugehörigkeit losgelöst; denn eine Reihe von Naturforschern jüdischen Stammes waren gerade ausgezeichnet in ihrer Forschungsart durch alle Vorzüge und hatten auch einzelne Nachtheite, wie sie dem jüdischen Stamm eigen sind, und ihre Biographen haben sehr oft Veranlassung genommen, hervorzuheben, wie die Art und Weise ihres Schaffens mehr oder minder eng Zusammenhänge mit der Eigenart ihres Stammes. — In der Mathematik waren die Juden von altersher bedeutend. Im IS. Jahrhundert sind namentlich zwei Juden zu nennen, die stets einen Ehrenplatz in der Entwicklung der Mathematik einnehmen: Sylvester und Kronecker. Jener, in England geboren und gestorben, wurde berühmt durch die Jnvariantentheorie, die der Mathematik ein ganz neues Feld eröffnete. Dieser brachte die Algebra zu reicher Vervollkommnung und bildetete mit Kummer und Weiherstraß in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das leuchtende Dreigestirn am Himmel der Mathematik. In der Physik finden wir eine ganze Reihe hervorragender Forscher. In der Chemie ist in erster Linie ein Mann zu nennen, in dessen Adern jüdisches Blut rollte, Justus von Liebig, der Entdecker der organischen Chemie. Ein zweiter berühmter Chemiker jüdischen Stammes ist Victor Meyer. In der Botanik zeichneten sich besonders aus Pringsheim, der Gründer der Physiologie des Pflanzensystems, und Ferdinand Cohn, der sich um die Erforschung der kleinsten Lebewesen verdient gemacht und Robert Koch die Wege geebnet hat. Auch in den eigentlichen biologischen Wissenschaften finden wir eine ganze Reihe jüdischer Forscher. Unter den Anatomen ragt hervor Jacob Henle, an dessen Handbuch der Anatomie heute noch kein Werk heranreicht; er stellte zuerst den Satz auf, daß eine Anzahl von Krankheiten durch Jnfection hervorgerufen sei. Stilling war einfacher Arzt in Kassel, dem einerseits die Chirurgie, andererseits die Untersuchung des Centralnervensystems unendlich viel verdankt. Remack schenkte der Wissenschaft die grundlegendsten Thatsachen in der Entwicklungsgeschichte. In der Medicin seien nur die hervorragenden Männer genannt: Traube, der Begründer der klinischen Wissenschaft, Cohnheim, der die Tuberculose als Infektionskrankheit erkannte, und Heidenheim, der große Physiologe. In der Psychologie ist Professor Steinthal, der Schöpfer der Völkerpsychologie, der, auf dessen Untersuchungen Wundt fußt. Dies ist der allerkleinste Theil der Namen, die hätten angeführt werden können, wenn der Rahmen eines Vortrages nicht Beschränkung auserlegte. Hoffentlich werden auch in Zukunft aus dem jüdischen Stamm in reichem Maß Männer hervorgehen, bedeutsam für ihre Wissenschaft und ehrenvoll für das jüdische Volk. Zur Circular« ote des Sultans. Die in Berlin erscheinende „Jüdische Presse" von Herrn Dr. Hirsch Hildesheimer schreibt in der letzten Nummer: „Es ist wieder einmal von diplomatischen Verhandlungen mir der Türkei die Rede, wobei behauptet wird, daß die in vorige,. Nummer gewürdigte Aufhebung des Landankaufs-Verbots einer de Erfolge dieser Verhandlungen ist. Demgegenüber fei auf Grund von Erkundigungen an bestunterrichteter Stelle constatirt, daß die Verhandlungen über jenes Jradö, in dem die Aufhebung des LandankaufS- Verbots ausgesprochen ist, einzig und allein von Herrn Isaak Fernandez, Vorsitzenden des .^Ilwuee-Comites in Constantuiopel, geführt wurden, und daß die Erwirkung ausschließlich des Letzteren Verdienst ist. Zu der Beurtheilung der Frage, ob und wie weit die Verquickung politischer, d. h. judenstaatlicher Tendenzen mit der Colonisation auf den Erlaß und die Fortdauer des Einwanderungs-Verbots eingewirkt hat, liefert eine Zuschrift an den Chroniele einen Beitrag, der, falls es noch eines Beweises bedurfte, diesen auf's Ueberzeugendste erdringt. Unser Glaubensgenosse Joussuf Bey Krieger, jetzt bekanntlich oberster Leiter des Polizeiwesens auf Rhodus. früher zwanzig Jahre hindurch Secretär und erster Dragoman des Paschas von Jerusalem, schreibt dem genannten Blatte, daß er im Jahre 1891 Ohrenzeuge einer Unterredung war, in welcher der derzeitige Direktor der Ackerbauschule in Jaffa, Herr Hirsch, dem Pascha gegenüber die Aeußerung that, daß die Colonisten mit der Hoffnung in Palästina eingewandert seien, daselbst einst das jüdische Königreich wiederherzustellen. Kaum war diese Aeußerung gefallen, als der Pascha dieselbe telegraphisch nach Constantinopel meldete, und bereits drei Tage später traf in Jerusalem die Ordre ein, die Einwanderung der Juden in Palästina mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu verhindern. Diese Mittheilung wird für alle Besonnenen gesteigerte Mahnung sein, die „politische" Progapanda, welche, wie anerkannt werden muß, unter dem Zwange der Thatsachen stark eingeschränkt worden ist, gern; zum Schweigen zu bringen." Das stimmt vollständig mit den von uns selber publicirten Mittheilungen überein. Die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" und die „Israelitische Wochenschrift" in Berlin, „Der Israelit" in Mainz haben überdies ähnlich lautende Berichte aus Constantinopel publicirt. Der „Herr von Wien". Dr. Lueger, der „Herr von Wien", hat sich von einer Mitarbeiterin des „^.merieau Israelite" interviewen lassen! Das Empfehlungsschreiben, das ihr die Thür des antisemitischen Oberhäuptlings geöffnet und den freundlichsten Empfang gesichert hat, lautete: „Lieber Freund! Ich stelle Dir hiemit eine Verwandte, Frau Rosa Sonnenschein, vor, die für amerikanische Zeitungen schreibt und Dich interviewen möchte. Ich bitte Dich, die Dame liebenswürdig zu empfangen. Schimpfe nicht zu sehr auf die Inden, damit ich jenseits des Oceans nicht compromittirt werde. Mit Gruß, Dein alter Freund jüdischer Confession, Dr Emil F r i' ch a u e r, Hof- und Gerichtsadvocat." Die Fragestellerin gab zunächst ihrem Befremden darüber Ausdruck, einen so „hervorragenden Mann" als Führer der antisemitischen Bewegung in Oesterreich zu sehen. „Das ist das Resultat von Umständen", war die Antwort. Bekannt ist ja, daß Tr. Lueger bis vor wenigen Jahren viel nähere Beziehungen zu Juden unterhielt

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