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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-01-26 · 4 (26.1.1900) · page 20

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
4 (26.1.1900)
Date
1900-01-26
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Seite 80 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 4 Männer wie Wilhelm und Alexander von Humboldt, Schleiermacher und Gentz gehörten zu den intimsten Freunden Rahel's, Prinz Louis Ferdinand von Preußen war ihr Bewunderer und der Prinz von Ligne besingt sie in reizenden Versen. Niemand versteht es so wie sie Goethe zu würdigen, niemand liebt wie sie Friedrich den Großen, den Heros der preußischen, der deutschen Geschichte. Und alles das nicht trotzdem, sondern weil sie Jüdin war. Alle wußten es und sie nicht zum mindesten, daß das jüdische Milieu, aus dem sie hervorgegangen, einen großen Antheil hatte an ihrer Entwicklung, an der Heranbildung ihres Geistes, an der Veredelung ihres Charakters. Ihr Gatte Varnhagen von Ense theilt einige merkwürdige Worte mit, die sie in einer schweren Krankheit, wenige Tage vor chrem Tode zu ihm sprach: „Welche Geschichte! Eine aus Egypten und Palästina Geflüchtete bin ich hier und finde Hilfe, Liebe und Pflege von Euch! Mit erhabenem Entzücken denk ich an diesen meinen Ursprung und den ganzen Zusammenhang des Geschickes, durch welches die ältesten Erinnerungen des Menschengeschlechtes mit der neuesten Lage der Dinge, die weitesten Zeit- und Raumfernen verbunden sind .... Was lange Zeit meines Lebens mir ein herbes Leid war. eine Jüdin geboren zu sein, um keinen Preis möcht ich das jetzt missen." Und es sind auch ihre speciell jüdischen Eigenschaften, die uns Rahel als so modern^ als, bis auf einige Redewendungen, so wenig veraltet erscheinen lassen. Daß sie graziös und anmuthig, eine Heldin des Salons, eine treue verständnißvolle Freundin und Gattin war, brächte sie unserem Gefühle kaum näher. Aber unsere Sympathie wird erweckt durch ihren heißen Wissensdrang, durch ihre Ehrfurcht vor dem geistig Großen, und insbesondere durch ihre echt jüdische Sehnsucht nach dem Fernen, dem Wunderbaren, dem Zion des Geistes. Heinrich Heine war es, der das Lied von Bimini sang, der Zauberinsel, nach der so viele Seelen sehnend suchen. Eine suchende Seele war auch Rahel Levin. Und auch die unverwüstliche Hoffnungskrast des jüdischen Volks, die gepaart mit feiner Sehnsucht nach allem Hohen und Großen, nach Fortschritt und Erkenntniß, den Weg ebnet zum mesilanischen Reiche, ihr war sie zu eigen, und durch sie überwand sie die mannigfachen Beschwerden ihres kränklichen Körpers, der allzu gebrechlich für ihre Feuerseele, oft zu erliegen drohte. Und wie sie, voll ehrlicher Bewunderung und neidloser Anerkennung allem, was groß und schön war, den Lorbeer reichte, so wollen auch wir ihr den Kranz nicht versagen, der ihr gebührt, den Kranz zu dessen schönsten Blumen man das Buch Berdrow's zählen kann. L. F. Vriefksstrn. Unsere Freunde bitten wir höflichst, behufs Versendung von Probenummern umgehend —^ Adressen oH— von solchen Personen einzusenden, bei denen Aussicht vorhanden ist, daß sie eventuell unser Blatt abonniren werden. Für die uns hiedurch zutheil gewordene Förderung unserer Bestrebungen sagen wir im Voraus herzlichen Dank. G« &. in H ullein. M. K. in Äolin: Der 26. Februar 1>87 war Samstag, am 2. Adar 5647. Unsere Leser in Rußland ersuchen wir um Auskunft, über Chaim Rasumovsty in Berdietschew. K. in Wien. Das „Deutsche Volksblatt", die „Deutsche Zeitung", die „Reichspost" und das „Vaterland" haben von der Verurtheilung des ehrwürdigen Paters Ambrosius wegen Unzucht und Knabenschändung mit keinem Worte Notiz genommen. Auch gut. I. B—n. Die unausgesetzte Handhabung des Hausknechts- Paragraphen drückt der antisemitischen Aera im Gemeinderathe ihren Stempel auf. Für Vicebürgermeister S t r o b a ch wird es charakteristisch bleiben, daß Dr. Lueger zu einer Zeit, wo er selbst von dem Hausknechts-Paragraphen keinen Gebrauch machen wollte, einmal lächelnd sagte: „Für solche Sachen habe ich ja den Slrobach!" I. B. Der Prinz Liechtenstein weiß ganz gut, daß die Systeme L a s s a l l e's und M a r x' mit dem Judenthume als solchem auch nicht das Geringste zu schaffen haben, aber er glaubt die Lehren dieser Beiden vor den Antisemiten am leichtesten discreditiren zu können, wenn er an deren jüdische Abstammung erinnert. I. B. Die Flucht zum Christenthum schützt eben vor antisemitischen Angriffen nicht. Du sollst Vater und Mutter ehre»! Das Straftribunal in. Forli (Obcritalieu) verurthcilte dieser Tage den Pfarrer Lorenzo Silvi wegen Mißhandlung seiner Mutter zu vier Jahren Zuchthaus. Bei der Verhandlung wurde festgcstellt, daß Silvi auch seinen Vater unmenschlich behandelt hatte. Er hatte ihn in einem Stall einquartiert; nach einiger Zeit wurde der Alte dort krank und halb verhungert aufgefunden. Silvi war wegen seines rohen und gewaltthätigen Wesens bereits öfter mit dem Gericht in Conflict gekommen und ein paarmal verurtheilt worden. Trotzdem ließ ihn sein Bischof ruhig wei'teramtiren und auf der Kanzel und in der Schule das vierte Gebot verkünden. Erst als Silvi wegen Mißhandlung seiner Mutter angeklagt wurde, setzte ihn der Bischof ab. Die in Budapest 406 welche seit Erwerbung der PanoniamUhie die Erzeugung von Ostermehlen fortsetzt, empfiehlt die für Ostern gebräuchlichen MehIsort=n entsprechend den Original-Mehlnummern der Budapester Dampfmühlen, welche unter »streng-ritueller« Aufsicht des hiesigen Rabbinats und ganz besonders jener des hochw. Rabbiners Herrn L. Pollak erzeugt werden. Gefällige Bestellungen werden bei billigsten Tagespreisen ausgeführt. Adresse: „Elisabeth'Dampfmühl'Qesellschaft Budapest“. Concurs. Bei der gefertigten israelitischen Cultusgemeinde ist der Posten eines musikalisch gebildeten und tüchtigen Chormeisters und zweiten Cantors 3u besetzen. Gehalt 1800 Kronen jährlich, Alter nicht über 30 Jahre, Dienstantritt nach Uebereinkunft. Bewerber, welche österreichische Staatsbürger sein müssen, und sich über die bereits ausgeübte Leitung eines gemischten Tempelchores ausweisen können, wollen ihre Gesuche sammt Zeugnissen bis 15. Februar d. I. richten an den Vorstand 443 der Israel. Cultus gemeinde Jglau, Mähren. I g l a u, am 21 Jänner 1900. Marienbader Israel. Curhospital Bewerber um die Aufnahme in das isr. Curhospital während der heurigen Saison, haben ihre Gesuche unter Ausweis der Dürftigkeit und ärztlichen Atteste bis I. März 1900 an die Direction in Prag zu Händen des Herrn Alfred Bondy, Prag, Bolzanogasse 3 zu richten. Prag, im Jänner 1900. 444 Das Comitv. Schädeln djr in den feinsten israelitischen Kreisen Zutritt hat, empfiehlt sich. Gefällige Zuschriften erbeten, unter »Glückliche Zukunft« an die Administration dieses Blattes. Anonym bleibt unbeantwortet. Concurs. In der israelitischen Cultusgemeinde Gewitsch in Mähren kommt mit 1. April d. I. die Stelle eines Rabbiners und Predigers zur Besetzung. Mit dieser Stelle ist der Bezug eines fixen Gehaltes von 1600 Kronen, eines Quartierpauschales von 240 Kronen, ferner Unterrichts- Pauschalien, sowie die entfallenden Stiftnngserträgnisse und sonstiger Emolumente verbunden. Bewerber wollen ihre, mit dem Nachweise der österreichischen Staatsbürgerschaft, der akademischen und talmudischen Bildung belegten Gesuche, bis 15. Februar d. I. Hieramts einreichen, woselbst die näheren Aufnahmsbedingungen zur Einsicht aufliegen. Gewitsch, im Jänner 1900. 446 Vom Vorstande der israelitischen Cultusgemeinde. Herausgeber und verantwortlicher Redacteur: Dr. Josef S. Bloch. — Druck von L. Beck & Sohn, Wien, VTIL

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