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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-12-15 · 50 (15.12.1899) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
50 (15.12.1899)
Date
1899-12-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 954 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 50 Czernowitz. Ein Damencomite, an der Spitze Frank Josephine Brunnslein hat sich die Aufgabe gestellt, von Haus zuvs Haus ziehend, die nöth'gen Geldmittel für Bekleidung armer L Kinder einzusammeln. So wurden 180 Mädchen der israelitisch-H deutschen Volksschule mit Wäsche, Strümpfen, Kleidern, und Oberjacken betheilt. Dazu erhielt jedes Mädchen von der israeliti-^' schen Gemeinde auch noch ein Paar Schuhe. Die Vertheilung fand in feierlicher Weise statt. Cultuspräses kaiserlicher Rath : N. Tittinger dankte Namens der Cultusgemeinde den edlen Wohlthäterinnen, worauf Oberrabbiner Dr. Rosenfeld auf das Edle und Hochherzige dieser That hinwies und den Segen Gottes auf die Wohlthäterinnen herabflehte. Namens des Lehrkörpers und der Schule dankte den Damen Oberlehrer D u b e n s k y, worauf die Schülerin der 4. Clafle Ernestine Sternberg vortrat und in schlichten, aber vom Herzen kommenden und darum zum Herzen gehenden Worten in ihrem und ihrer Mitschülerinnen Namen ihren Wohlthäterinnen dankte. Wenn die Damen — die natürlich alle erschienen waren — die leuchtenden freude- und dankerfüllten Blicke der Kleinen gesehen haben — wir glauben, das dürfte ihr schönster Lohn sein. So zogen denn hundertachtzig Kinder reichlich beschenkt — jedes hatte sogar eine Düte Zuckerwerk erhilten — nach Hause und jedes hat gewiß beim Anlegen der schönen, warmen Kleider ein Gebet für die hochherzigen Damen verrichtet. Wenn das Alles aber möglich war, ja wenn man sogar noch daran gehen kann, an anderen Schulen arme Mädchen zu bekleiden, so ist es das besondere Verdienst der Frau Josephine Brunn st ein sowie der Damen Pepi Zentner und Fran Dr. Weich, denen wir auch hier die vollste Anerkennung und vollstes Lob zollen. Das sind Frauen in des Wortes schönstem Sinne. Burgkundstadt. Se. Excellenz, der Erzbischof von Bamberg, Dr. Joseph v. S ch o r k beging kürzlich seinen 70. Geburtstag, zu dessen Feier sich die katholische Bevölkerung des Frankenlandes rüstete. Auch wir Israeliten dürfen an derselben den wärmsten Antheil nehmen; denn dieser edle Kirchenfürst hat die wahrhaft humane Gesinnung, die ihn auszeichnet, auch uns gegenüber allezeit bethätigt. Als ich ihm hier vor einigen Jahren meine Aufwartung machte, sagte er unter Anderem, ev betone es oft öffentlich bei feierlichen Anlässen, daß die Menschen nicht blos Toleranz, d. h. Duldsamkeit (vom lat. tolerare) gegen einander üben sollen, daß sie vielmehr zur gegenseitigen Liebe ohne Unterschied des Bekenntnisses verpflichtet seien. Vor Kurzem ergriff ich die Gelegenheit zu einer längeren Unterredung mit Sr. Excellenz. die infolge der Affaire von Polna um sich greifende wahnwitzige Blutbeschuldigung zu berühren. Ich halte mich nicht für befugt, den Inhalt dieses bedeutsamen Gesprächs zu veröffentlichen, soviel aber darf ich wohl sagen, daß alle Aeußerungen des hohen kirchlichen Würdenträgers von humanstem Geiste erfüllt waren, und daß er die durch die Blutlügner veranlaßte gewissenlose Verhetzung weiter Bevölkerungskreise und Entfesselung niedriger Leidenschaften aufs entschiedenste verurtheilte. Möge es dem hohen Jubilar vergönnt sein, noch lange in Kraft und Gesundheit seines hehren Amtes zu walten und möge an ihm auch fürder sich bewahren das Wort der heiligen Schrift: „Der Gerechte blühet wie die Palme, wie die Ceder des Libanon gedeihet er" (Psalm 92, 13). Dr. E. Goitein, Districtsrabbiner. Dresden. (Offene Worte in der „Antisemitischen Correspondenz") sDeutsch.-soc. Blätter^, zu lesen, ist eine Seltenheit. Um so wirksamer sind sie. Und so drucken wir aus der Nummer 588 vom 23. November folgenden Passus aus einer Studie ab, die ein „acliver Off-cier" geschrieben hat, der bereits als Gymnasiast die „Antis. Corresp." gelesen hat und Anhänger der deutschsocialen Reformpartei ist: „In zwei Städten der Provinz Posen war ich mehrere Jahre als Mitglied der Menagecommiffwn meiner Truppe, das die Lieferanten der Mannschafts- und Unterofflciers-Küchen in erster Linie zu überwachen und den Abschluß der Verträge mit diesen vorzubereiten hat. Sowohl nach meinem ersten Eintritt in dies Amt, als später vor Neuvergebung der Lieferungen Jahr für Jahr, bemühte ich mich, die jüdischen oder in der einen Garnison diese und die polnischen Lieferanten auszuschließen, und fand dafür bei meinen Vorgesetzten stets größtes Entgegenkommen. Aber zum Schluß wurde mir ganz mit Recht immer wieder gesagt: „Was Sie wollen, wollen wir längst, aber es geht, nicht!" Und thatsächlich geht es nicht, meist weil die Deutschen zu faul sind, oder gelinder ausgedrückt, die größere Arbeit scheuen, die die strengen Contractsbedingungen der Militärbehörden ihnen verursachen, denn was sie zu ihrer Entschuldigung anführen, ihre geringere Capitalkraft, löte ihnen nicht erlaubte, das angebliche Risiko zu übernehmen, «hat auf derartige kleinere Lieferungen, die Tag für Tag oder 8Woche für Woche dieselben sind, bei Führung nur guter Waare «keinen Einfluß. |j Dem Deutschen, sei er Kaufmann, sei er Handwerker, paßt ' es eben nicht, genau auf die Minute nach den Abnahmebedingungen beste Waare für kleinen Preis, bei also anscheinend kleinem Nutzen — (den Verdienst bringt wohl erst die Regelmäßigkeit und die große Zahl der Lieferungen) — liefern zu müssen. Er antwortet, wenn man bittet — wie ich es öfters that —, die Lieferung zu übernehmen: „Es lohnt sich für mich die viele Schererei nicht." Ganz anders ist der Jude und Pole. Sie drängen sich nicht nur zu dem Geschäft, sondern sie liefern auch meist so gut und den scharfen Bedingungen entsprechend — (z. B. wird jede Eßwaare. besonders Fleisch, vor und nach der Zubereitung von einem Officier, Affrstenzarzt und Roßarzt tagtäglich untersucht und kann der Lieferant ohne weiteres von der Commission zur Nachlieferung oder Strafzahlung verurtheilt werden, auch wenn sich erst nach der Zubereitung herausstellt, daß die Procente der nahrhaften Substanzen in der betreffenden Lieferung nicht genügen) —, daß fast nie Ausstellungen zu machen sind. Und wenn, wie ich es einmal bei einem jüdischen Großschlächter fand, der Versuch gemacht wird, unvorschriftsmäßige Waare der Küchenverwaltung anzudrehen, so kann solcher Lieferant so gedrängt werden, daß er bald Uebergewicht und bessere Qualität liefert, als er braucht, um die noch schärfere Einhaltung des Wortlauts des Contracts künftig los zu werden. Also kurz gesagt, im kleinen (bei Lieferungen an die Truppe direct) sucht die Militärbehörde fast stets zuerst Deutschen den Verdienst zuzuschieben; es gelingt fast nie, und sie muß mit Juden sich einlaffen, die aber dabei nur reell verdienen können, weil die Controle — und Sie können es mir glauben, neuerdings nicht nur nominell, sondern sehr thatsächlich — sehr scharf ist. In letzter Zeit werden Fleischlieferungen (um die Inanspruchnahme der Truppen-Officrere für die Abnahme um 6 Uhr Morgens und um 11 Uhr Vormittags zu verringern) garnisonweise von der Intendantur vergeben und sucht diese, wie ich bestimmt weiß, möglichst Innungen oder einen Ring von mehreren deutschen Fleischern damit zu betrauen, scheitert aber ebenso oft an der Uneinigkeit und Uncoulanz, so daß der Jude, nicht durch Unterbietung allein, sondern manchmal nur infolge größern Entgegenkommens, schließlich die Lieferung erhält." Der Schreiber dieser Ausführungen, offenbar ein gewiegter Fachmann, hat vollständig Recht, und es ist nur zu verwundern, daß das erwähnte antisemitische Blatt diese Offenherzigkeiten, die doch in jeder Zeile gegen das antisemitische Dogma der Gemeingefährlichkeit der Juden verstoßen, überhaupt ausgenommen hat. Das wird jene Geister freilich nicht hindern, falls wieder einmal ein Jude mit einer Lieferung betraut wird, ein gewaltiges Geschrei zu erheben und die betreffenden Behörden zu Juden und Judengenossen zu stempeln. _ Vermischtes. Wien. (Israelitische Cultusgemeinde.) Oeffentliche Plenar-Sitzung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde Wien im Sitzungssaale I., Seitenstettengasse Nr. 4, II. Stock, Mittwoch d en 20. December 1899, Abends 6 Uhr. Tagesordnung: 1. Präsidialbericht; 2. Bericht des Vertreter-Collegiums: a) Voranschläge der Einnahmen und Ausgaben der Cultusgemeinde pro 1900 (§ 96 des Statutes), b) Anträge wegen Abänderung einiger Bestimmungen des Statutes (88 16 lit. f. und 108). Wien. Freitag, den 15. Abends und Samstag den 16. . d. M. Vormittags wird der Obercantor aus Mühlbausen (Elsaß) Herr Adolf Kahn, im Lecpoldstädter Tempel Probevorträge halten. Beginn des Gottesdienstes: Freitag Abends um 4 Uhr, 15 Minuten, Samstag Früh um 8 Uhr. Wien. (Verlobung.) Der langjährige Administrator unseres Blattes Herr Max Schwager, hat sich mit der P i a n i st i n Fräulein R^gine K o h n verlobt. Wien. (A l l e r h ö ch st e Anerkennung.) Gelegentlich des vorwöchentlichen Besuches in der Winterausstellung des Museums nahm Se. Majestät der Kaiser Gelegenheit, seinen Beifall über die dort ausgestellten Silberornamentik-Artikeln auf Glas und Porcellan des Silberarbeiters Max- Schwarz, Wien,

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