Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 4 (27.1.1899)
- Date
- 1899-01-27
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 4 Vr. Vloch's Wochenfchrifl Seite 83 Schwarzenkopf: Immerhin ist das für mich ein großer Verlust. Pake: Aber wenn Du, Schwarzenkopf, schon gauz blind und taub werden wirst und wirst nicht mehr bei Nacht vor dem Theater stehen können, dann werden Dich Deine Töchter und der Schwiegersohn zu sich nehmen und Du wirst beim warmen Ofen sitzen wie ein Fürst. S ch w a r z e n k o p s: Das wird sein einmal, aber nicht jetzt. Und jetzt werde ich einen großen Verlust haben, wenn man mir meine Tochter Malta wegnehmen wird. Pake: Ihr sollt Euch freuen, wenn man Eure Tochter in einem Kleide nimmt. Und Ihr wollt Euch noch bezahlen lassen? Schwarzenkopf: Soll man mir wenigstens einen neuen Seidenrock zur Trauung machen. Pake: Ei, ei, wie undelicat seid Ihr, Herr Schwarzenkopf, und was bekomme ich von Euch, wenn das Geschäft zu Stande kommt? Schwarzenkopf: Das habe ich Ihnen schon gesagt. Pake: Das sind nur Redensarten. Das ist doch gar kein Geld! Schwarzenkopf: Und Malta, weiß sie schon was davon? Schwarzenkopf: Wenn ich nur mit dem alten Firulkes einig bin, so werde ich's ihr sagen. Jetzt aber muß ich an mein Geschäft gehen, denn es ist schon Abend. Es friert mich sehr und meine Füße zittern. Pake: In der Marschalkowskagasse im Laden, da wird es warm sein. Jetzt gehe ich zum Rosenthal in die Dzikagasse, um ihrer Tochter eine Partie zu vermitteln. Was wird das für ein Schwiegersohn sein! Ich habe lauter feine Cavaliere zu verheiraten — wie Perlen. 2. Scene. Vorige, Malka. (Malta tritt eilt, gekleidet wie im ersten Acte rmd trägt noch darüber ein schwarzes Jacquet. Sie ist sehr blaß und abgezehrt. Beim Eintritt küßt sie dem Vater die Hand und begrüßt Pake.) Schwarzenkopf: Es ist gut, daß Du zurückgekommen bist. Ich gehe jetzt fort und zu Hause bleiben nur die Kinder und die alte Ryske. Malka (legt den Hut ab): Heute bleibe ich schon zu Hause. Pake (sehr liebenswürdig): Fräulein Malka wird mit jedem Tage schöner. Malka: Das ist wohl nur ein Spaß. Mein Aussehen wird immer ärger. P a k e: Denn es ist traurig in der Einsamkeit und es kommen die Jahre, bei denen sich jedes Mädchen nach einem Manne Aber nicht ich. Pake: Das ist schlimm, junge und schöne Männer gibt es sehr viele und Mancher denkt an Fräulein Malka. Malka: Kommst Du spät nach Hause, Vater? Schwarzenkopf: Ich weiß nicht ... wie das Geschäft gehen wird. Malka: Es ist ein schlechtes Wetter draußen, Sturm und Schneegestöber. Bleib' nicht lange aus. Schwarzenkopf: Seit zwei Wochen bin ich schon den Zins schuldig. Die Hausfrau ließ mir sagen, daß sie mich hinauswerfen wird, wenn ich ihr nicht bezahle. Malka: Wir haben nichts mehr zu verpfänden, nur noch das Bettzeug. Schwarzenkopf: Lass' das, das kommt schon zu allerletzt. Vielleicht verdiene ich doch etwas, und übrigens, es wird doch bald anders werden. Malka: Was wirst Du denn heute zum Nachtmahl essen? Schwarzenkopf: Nichts. Uebermorgen ist Schabes und da werde ich mich für die ganze Woche sattessen. Wie mir meine Füße wehe thun. Du. Malta, bleibe zu Hause und gehe nirgends hin. Ich kann das nicht leiden, wenn Du "in den Straßen so herumspazierst. ,'Gebt fort und kommt zurück.) llttb wage es nicht, hier den Mist auszukehren. Hörst Du? Wenn Du Dich noch einmal unterstehen solltest, das zu thun, so werde ich Dich lehren. Verstanden? Du wirst nicht gescheidter sein als Dein alter Vater, wenn Du auch deutsche Bücher gelesen hast. (Mit Pake ab.) Scene. Malta, Ryske, die Kinder. M a l k a: Ach! Ich werde in dieser moralischen und physischen Fäulniß ersticken. Wohin ich nur blicke, Finsterniß und Schmutz. Warum lebe ich auf der Welt? (Nähert sich dem Bett, setzt sich auf einen kleinen Holzstuhl und stützt den Kopf anf die Hände.) Und ich finde nichts! Gar nichts! Keine Arbeit? Keine Lection Das ist schrecklich! Ryske (stöhnend): Was—ser! Was—ser! Malka: Ach, das ist ja die Gelähmte, die da stöhnt. Ich muß zu ihr. R y s k e: Was—ser. Malka (nähert sich ihr). Wollt Ihr trinken? Rytke: A a! a! Malka: Wartet .... ich werde Euch sofort Wasser bringen. Wo ist es denn? Ach die Kanne ist leer. Wie muß diese arme Frau leiden und ich kann ihr nicht Helsen. (Ergreift die Kanne.) Ich werde selbst Wasser holen. (Will hinansgehen und trifft in der Thür den Wiedenski). (Fortsetzung folgt.) Literatur. Neue Bücher. Die Ethik des Judenthums, von Professor- Lazarus. Aus Frankfurt am Main wird gemeldet, daß die erste Auslage der „E t h i k" (Ausgabe B ä 3 Mark) vollkommen vergriffen i st, — natürlich wird nunmehr eine zweite Auflage verbreitet, und zwar beschleunigt, um viele Besteller nicht allzu lange warten zu lassen. Dr. M. Spanier-Magdeburg. Moses Mendelssohn als Pädagoge. Vortrag, gehalten auf der Conferenz des Vereines israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands am 29. Mai 1898 zu Eisenach. Dr. M. Rosenmann, Bezirksrabbiner in Floridsdorf. Zwei Jubiläums-Reden, gehalten am '2. December 1898 anläßlich der Feier der 50jährigen Regierung Sr. Majestät des Kaisers Franz Joses I. Dr. Joachim Jakob Iknger, Rabbiner der israelitischen Cultusgemeinde in Jglau. Patriotische Casual-Reden. Zweite, vermehrte Auflage. Prag, 1899. Druck und Verlag von Jakob Brandeis. Dr. Naphtali Cohn. Die Zarüath-Gesetze der Bibel nach dem KitLH al-kufi des Jüsuf Jbn Saüimah. — Ein Beitrag zur Pentateuchkxegese und Dogmatik der Samaritaner. Nach Hdschan der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft zu Halle und des Brit. Mus. zu London, herausgegeben und mit einer Einleitung und 'Anmerkungen versehen. Frankfurt a. M., Verlag von I. Kauffmann, 1899.