Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 2 (13.1.1899)
- Date
- 1899-01-13
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 44 Dr. Bloch's Wochrnfchrist. Nr. S Briefkasten. I. E«, Annag aste. Es ist sehr bedauerlich, das; die Leute es nicht wagen, Stellung zu nehmen. Dr. B. Nachdem jüngst noch ein jüdischer Senator in Italien ernannt worden ist, Ugo Pisa. Präsident der Handelskammer in Mailand, gibt es jetzt sieben jüdische Senatoren. M. 91* Der deutsche Kaiser hat in der That zu der vor einigen Tagen stattgehabtcn diamantenen Hochzeit des jüdischen Ehepaares Fließ in Berlin ein herzliches Glückwunschschreiben gerichtet, in welchem er seiner regen Antheilnahme an dem Feste Ausdruck verlieh. L. B—r« Die Antisemiten streben in jeder Beziehung auch in Oesterreich einen Ex lex-Zustand an. Sie wollen, daß für sie keine Gesetzesschranken existirenund daß dieJudendes Schutzes der Gesetze beraubtwerden. Dr. B. G. Es ist eine feststehende statistische Thatsache, daß die Mehrzahl der Hausircr aus Nichtjudcn besteht. Aber um den Juden wehe zu thun, haben die Antisemiten auch für arme Christen keine Schonung. A. B. (Lehrer in N.) Auf solche Bemerkungen geben Sie am besten mit dem geistvollen Hamburger Prediger Salomon Antwort, der einst in einer Streitschrift gegen einen Judenhasscr schrieb: „Wir wollen vergessen, was uns die unparteiische Geschichte von den grauenhaften und schaudererregenden Handlungen erzählt, die sich christliche Regenten und ch r i st l i ch e Bischöfe gegen Juden erlaubt; wir wollen alle die Scheiterhaufen und Blutbäder vergessen, die Christen für Juden Jahrhunderte immerwährend in Bereitschaft hatten; wir wollen vergessen, wie Ihr uns verkauft und verpfändet, ausgesogen und ausgezogen und nackt und bloß in die Fremde wieder unter andere Barbaren stießet. Vergeht Ihr aber, daß in alten bestäubten Büchern, die unter Tausenden kaum fünf verstehen, einige unzarte und gehässige Redensarten sich befinden, gegen die gerichtet, die lächelnd die einp örendsten Thaten verrichtete n." L. P—r. Der geistvolle Freund Friedrichs des Großen, Marquis d'A r g e n s, sagte im Hinblick auf die infamen, verlogenen Blutbeschuldigungen gegen die Juden: „Wenn man derlei hört und liest, dann schämt man sich beinahe — Christ zu sein." I. G. in St. Für diese Woche zu spät. Ew. in L. Nr. 285 nicht erhalten. H—n. Ein Mensch kann über Menschen urtheilen. Wenn aber ein Mechaniker Schneider den Juden das Menschenthum abspricht, dann kann Jeder mit geringschätzigem Schweigen darüber hinweggehen, Einen ausgenommen: der Vorsitzende des Landtages, wo Schneider diese infame Beleidigung gegen die Juden schleuderte. Warum Baron G u d e n u s schwieg, wissen wir freilich nicht. Anna Fr. Die Schriftstellerin G y p, die von den Antisemiten so verehrt wird, hat auch eine Reihe pornographischer Schriften veröffentlicht, die die passendste Lectöre für jene Damen bietet, in deren Gesellschaft P u r s ch t so gerne weilte. Adolf H. Warum Vergani seinen Freund P u r s ch t für seine Spittelberg-Thätigkeit als„Wohlthäter der Menschheit" feiert, ist normalen Menschen unerklärlich. Nach Vergani sind dann wohl Jene, die Asyle für reumüthige Gefalleue errichten, Schädl in g e d er M e nsch h e it? B. B. Sie thun dem Dr. Lueger Unrecht. Er wird von dem Verwandlungskünstler F r e g o l i übertroffen. Werkführer Ä. Ihre Zuschrift hat uns interessirt und gefreut. Wenn Ihre Grundsätze von Vielen getheilt werden, dann wären die Zustände, die Sie schildern, nicht möglich. Ihr Vorschlag ist sehr vernünftig, jedoch könnnen wir nichts thun, um ihn zu verwirklichen. G. in Ung.-Brod. Besten Dank für die Mitthcilung; zur Veröffentlichung ungeeignet. R R Die Mutter Goethes. St. i« Stanislau Ihre Anfrage über Bonität und Coulance des „Giselavereines" zur Ausstattung heiratsfähiger Mädchen ist unser Herausgeber aus eigener Erfahrung zu beantworten in der Lage, da ihm von dieser Anstalt am 7. Jänner l. I. zwei Aussteuerpolizzen seiner Tochter, welche erst am I. März 1899 fällig werden, in coulantester Weise über einfaches Ersuchen sofort liquidirt wurden. Der Verein hat circa 90.000 Versicherte mit fl. 58,000.000 Versicherungscapital und fl. 13,000.000 Reserven. Es ist also bestens zu empfehlen, daß Sie ihm die Versicherung Ihrer beiden Töchter überweisen. Alfons M. Ihre Zuschrift berührt den Kern der Sache nicht, die vom principiellen Standpunkte aufgefaßt werden muß. Gustav G. Antisemitische Witze in Postbücheln sind ebenfalls ein böses Zeichen der Zeit. Feitler & Comp., Wien. Der 112jährige Herr Kohn wohnt Währing, Schopenhauergasse 39. Israelitische Cultusgemeinde Wien. KUNDMACHUNG. In der am 0. Jänner 1899 stattgeliabten öffentlichen Sitzung des Cultusvorstandes wurde im Sinne des § 9 des Statutes die Wahl der Vicepräsidenten und der Obmänner und Obmannstellvertreter der Sectionen für das Jahr 1899 vorgenommen. Hiebei wurden gewählt: Zum I. Vicepräsidenten: Herr Dr. Alfred Stern 11. Dr. Gustav K 0 h n Obmauue der I. Section : Dr. Maximilian Steiner II. Dr. Gustav Kohn , Hl- , Theod. Ritt. v.Goldschmidt „ iv. „ Moriz Hirsch V Dr. Alfred Stern , , VI. „ Wilhelm S t i a s s 11 y Obmannstellv. der I. Section Herr Max Fleischer „ „ , u. „ Dr. Josef Grünfeld „ „HI- „ Salo G 0 h n „ „ * iv. , Gottlieb Taussig V. Dr. Marcus Spitzer „ 7, VI. „ Arthur Edler v. Mises WIEN, 8. Jänner 1899. Der erste Secretär: Der Präsident: Dr. Lieben m. p. H. Klinger m. p. Salomon Goldschmidt’sche Stiftung für Gymnasialschüler. Vom Vorstande der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde wird hiemit bekanntgemacht, dass die Zinsen der obigen Stiftung für fünf israelitische Gymnasiaischüler, und zwar für zwei im Betrage von je 50 fl. und für drei im Betrage von je 48 fl., zur Verleihung kommen. Bedingungen: 1. Zeugnisse über guten Studienfortgang 2. „ „ streng sittliche Haltung 3. „ „ Mittellosigkeit 4. Diejenigen Schüler, welche die Stipendien erhalten, sind verpflichtet, am Vorabende des 22. Adar und am Morgen desselben Tages beim Gottesdienste im Bethause der Cultusgemeinde (I. Seitenstettengasse 4), anwesend zu sein und ihre Anwesenheit dem jeweiligen Bethaus-Iuspicienten zu melden, welcher schriftlich die Anwesenheit der Stipendisten zu bestätigen hat, worauf dieselben erst unter Vorweisung dieser Bestätigung an der Cassa der Cultusgemeinde die Stiftungszinsen ausgezahlt erhalten können. Diejenigen Stipendisten, welche vater-, mutter- oder elternlos sind, sind verpflichtet, nach dem Abend- und Morgengottesdienste das Kadischgebet zu verrichten. Verwandte des Stifters Herrn Moriz Bitter v. Goldschmidt, oder seiner Gattin Frau Nane11e geb. Landauer und Waisen erhalten den Vorzug. Bewerber um obige Stipendien haben ihre Gesuche bis 31. Jänner I. J. in der Kanzlei (Einreichungs-Protokoll) der Cultusgemeinde (I. Seitenstettengasse 4, 1. Stock) einzureichen, woselbst Gesuchsblanquette während der Amtsstunden (9—12 Uhr Vormittags) unentgeltlich zu beheben sind. In dem Gesuche ist anzugeben, ob der Bewerber in dem Genüsse eines Stipendiums steht, eventuell in welchem Betrage. Salomon Frankl’sche Heirats-Stiftung. Aus der obgenannten Stiftung gelangen die einjährigen Zinsen im Betrage von 200 fl. an ein armes israelitisches Mädchen zur Verleihung. Die Bewerberinnen haben ihre mit einem Geburts-, Armuths-, Moralitäts- und Brautstandszeugnisse belegten Gesuche bis längstens 15. März 1899 im Einreichungs-Protokoll der israelitischen Cultusgemeinde Wien, woselbst Gesuchsblanquette während der Amtsstunden (9—12 Uhr Vormittags) unentgeltlich verabfolgt werden, zu überreichen. Auszüge aus den Geburts-, Trauungs- und Todtenmatriken der Wiener israelitischen Cultusgemeinde sind als Gesuchsbelege nicht erforderlich und genügt die genaue Angabe der betreffenden Daten. Nicht gehörig belegte oder verspätet überreichte Gesuche finden keine Berücksichtigung. WIEN, 1. Jänner 1899. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde Wien. Zweiter Temprldiener für einen Wiener Tempclverein wird provisorisch ausgenommen. Bewerber muß auch als Vorbeter in Koreh Aushilfsdienste leisten können. — Schriftliche Offerte oder Briefe an die löbliche Redaction der Wochenschrift unter Chiffre: „Tempeldierrer". 127 Israelit. Religionslehrer ledig, in allen hebräischen Fächern mit Vorzug geprüft, mit Bürgerschuilehrer-Curs und vorzüglichen Verwendungs-Zeugnissen im Schuldienste, sprachenkundig, derzeit angestellt, sucht Posten an einer Volksschule. Gefällige Anträge unter „Pädagog 27“ befördert die Administration dieses Blattes. 143 Herausgeber: Dr. Josef S. Bloch. — Verantwortlicher Redacteur: Robert Wolf. — Druck von R. Kamus & Co., Wien, VI. Theobaldg.7.