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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-02-25 · 8 (25.2.1898) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
8 (25.2.1898)
Date
1898-02-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 146 Dr Vlortz's WochrnfchrM Nr. 8 Herr Dr. Eduard Glaser sandte folgende Berichtigung an die Redaction des Herzlichen Blattes: Herr Redacteur! -Auf Grund des § 19 des Preßgesetzes ersuche ich um Aufnahme folgender Berichtigung in die nächste Nummer der „Sßelt*. In Nummer 4 der „Welt" vom 4. Februar 1898 behauptet Dr. Theodor Herzl, daß er mir meine Briefe auf mein Verlangen zurückfandte und mir auf spätere Briefe keine Antwort gegeben habe. Das ist unwahr. Wahr ist vielmehr, daß eine Zeitlang sowohl Dr. Herzl mir meine Briefe zurücksandte, wie auch ich ihm die seinigen. Nachher fand keine Zurücksendung der Briefe mehr statt, so daß Dr. Herzl Briefe von mir in Händen hat, und ich Briefe von Dr. Herzl. Nur E i n Brief blieb unbeantwortet, weil keine Antwort erforderlich war; denn er enthielt die Mittheilung an Dr. Herzl, daß ich gegen seine palästinensischen Pläne fortan öffentlich auftreten werde. Es ist unwahr, daß ich behaupte, Dr. Herzl hätte meine Einladung „zu einer Besprechung mit Dr. Karpeles in Berlin angenommen. Wahr ist vielmehr, daß ich behaupte, Dr. Herzl habe „seine Bereitwilligkeit erklärt, an der von mir öffentlich in Vorschlag gebrachten Besprechung in Berlin theilzunehmen". Von einer Besprechung mit Dr. Karpeles war also keine Rede. Herr Dr. Karpeles hatte als Redacteur der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" blos die Anmeldungen zu der von mir vorgeschlagenen Besprechung entgegenzunehmen. Dr. Herzl's Bereitwilligkeit, an der Besprechung theilzunehmen, wurde durch den damals zionistischen Schweizer Universitätsprofeffor Dr. L. Stein Herrn Dr. Karpeles und durch diesen am 7. Jänner 1898 mir mitgetheilt. Die Anmeldung Dr. Herzl's erfolgte also nach Erscheinen meines Artikels vom 28. December 1897 im „Berliner Tageblatt". Es ist daher unwahr, daß dieser Artikel Grund einer angeblichen Ablehnung war, zumal von einer solchen Absage sogar noch nicht einmal in dem an mich gerichteten Briefe des Herrn Professor Stein vom 12. Jänner die Rede war. W a h r ist vielmehr, daß die A n m e l d u n g des Dr. Herzl durch Herrn Professor Stein erst eine Folge meines „Berliner Tageblatt"-Artikels war. Bor Erscheinen dieses Artikels wurden mir von Herrn Dr. Karpeles andere Personen als angemeldet genannt. Die Behauptungen des Dr. Max Nordau in seinem in der „Welt" vom 4. Februar 1898 abgedruckten Briefe de dato Paris 18. Jänner 1898 soweit sie mich betreffen, erkläre ich, ebenso wie die in demselben Briefe enthaltenen Insinuationen, für unwahr und wird Dr. Nordau veranlaßt werden, für diese in seinem Briefe enthaltenen Behauptungen, Insinuationen, Verdächtigungen und Beschimpfungen sich vor dem competenten Gerichte zu verantworten. Ein Gleiches gilt von den anderen Personen, die sich in der „Welt" Beschimpfungen meiner Person zu Schulden kommen ließen. Mit Achtung Dr. Eduard Glaser. München, 8. Februar 1898. Vortrag im „Politischen Volksdereine". Ein katholischer Priester, als Herold der Juden-Emancipation. Die ganze gebildete Welt blickt mit Spannung auf die Vorgänge in Paris, wo ein unerschrockener Mann muthig den Kampf ausgenommen hat gegen Haß und Intoleranz, in deren Banden der größte Theil des französischen Volkes gefesselt erscheint. Welcher Unterschied zwischen Einst und Jetzt! Tiefbetrübt muß man sich abwenden von diesen Verirrungen des menschlichen Geistes, um Trost und Hoffnung zu suchen bei jenen glänzenden Lichtgestalten, die am Ende des vorigen Jahrhunderts als glühende Vertheidiger der Toleranz und Aufklärung auftraten. Eine Lichtgestalt solcher Art hat uns jüngst Herr Rabbiner Dr. B. Rippner aus Glogau vor Augen geführt, der in einem über Einladung des „Politischen Bolksvereines in Wien", am 17. d. M. im Festsaale des Jngenieur- und Architekten-Bereines abgehaltenen Vortrage das Wirken eines edlen katholischen Priesters. Graf Henri Gregoire, Bischof von Blois, zeichnete, welcher noch auf den untersten Stufen der geistlichen Hierarchie stehend, sich zum Herold der Juden-Emancipation aufwarf und dieselbe bis zu seinem Tobe (1831) in Wort und Schrift verfochten hat. Nach einer allgemeinen Zeichnung jener Zeitperiode, welche das XVJII. Jahrhundert abschloß und das XIX. Jahrhundert eröffnete, ging der Vortragende auf die einzelnen hervorragenden Persönlichkeiten über. In Lessing, sagte er, haben sich Duldung und Aufklärung zu innigem, unauflöslichem Bande vereinigt, aber schon in dem großen Zeitgenossen L e s s i n g's, in Friedrich dem Zweiten, war die Aufklärung nichts weniger als duldsam. Ein Bannerträger der Aufklärung, wie Herder, mußte sich den Vorwurf gefallen lassen, daß es ihn genirte, in einem Badeorte vor aller Welt mit Mendelssohn zu verkehren. Voltaire, der Vorkämpfer der Aufklärung in Europa, der von den Souveränen wie ein Gleichgestellter behandelt wurde, hat doch nicht daran gedacht, das ganze Volk aus seiner Noth zu erheben. Sein erbarmungsloser Spott ist ein Zeugniß dafür, daß Duldsamkeit und Aufklärung nicht immer Hand in Hand gehen. Ihn und den Philosophen von Sanssouci hat es in ihrer philosophischen Ruhe nicht gestört, wenn der Straßenpöbel mit Steinen auf die Juden warf. Diesen Größen gegenüber steht am Schluffe des vorigen Jahrhunderts ein schlichter katholischer Priester in Frankreich, Graf Henri Gr 6 goire, geboren 1750 zu V6ho unweit Luneville, der bei aller Treue gegen das katholische Dogma und bei der schwärmerischen Verehrung für das Papstthum ein begeisterter und höchst wirksamer Apostel der Juden-Emancipation gewesen ist. Er wartete nicht erst, bis die Revolution die Zungen löste, sondern schon lange vor Ausbruch derselben hat er in seiner 1788 von der Akademie zu Metz preisgekrönten Schrift, »Essay sur la regeneration des juifs« das Recht der Juden wahrgenommen. Henri Grdgoire war einer der edelsten Charaktere des Revolutionszeitalters. Der Historiograph Hippolyte C a r n o t, der Sohn jenes C a r n o t, welchen man den „Organisator desSieges" nannte und der der Vater des unglücklichen Präsidenten der dritten Republik war, charakterisirt ihn mit folgenden Worten: „Wäre die Kirche dem Gedanken ihres Stifters treu geblieben, gälte es ihr als die höchste Tugend, nach Gleichheit zu streben, als die höchste Pflicht, dem Nächsten zu dienen, als der höchste Ruhm, für seinen Glauben zu dulden, so müßte G r 6 g o i r e von der Kirche wie ein Heiliger verehrt werden." Weit mehr noch als der feurige Mirabeau hat Gregoire die Gleichberechtigung der Juden in Frankreich herbeigeführt. Wohl hat Mirabeau durch sein Buch über Mendelssohn die Axt an das Vorurtheil gegen die Juden gelegt, das damals in Frankreich noch tief wurzelte und durch Voltaire nur noch stärker geworden war. Aber Mirabeau war nicht ein so unantastbarer Charakter, daß sein Wort die Vorurtheile gegen die Juden völlig hätte entwaffnen können. G r 6g o i r e wendet sich bald an den Verstand, bald an das Gemüth des Lesers. Er behauptet, daß die Ausschließung vom Ackerbau und Handwerk die Juden erniedrigt habe. Der Jude wurde verachtet, so wurde er verächtlich. Wie ein Prophet wendet er sich in einer Schrift an die Völker der Erde: „O, Ihr Nationen! Seit achtzehn Jahrhunderten tretet Ihr die Trümmer Israels mit Füßen. Eure Väter hatten sich aus dieser trostlosen Heerde ihre Opfer erwählt. Was soll mit den zaghaften Männern geschehen, die, dem Blutbade entronnen, sich in Eure Arme flüchteten? Ist es genug, das Leben zu lassen, wenn Ihr ihnen Alles nähmet, was das Leben erträglich macht? Oeffnet ihnen eine Zufluchtsstätte, daß sie ihr Haupt ruhig hinlegen können, daß sie ihre Thränen trocknen können und der Jude, des Christen zärtliche Neigung erwidernd, wird Euch als seinen Mitbürger, als seinen Freund und Bruder umarmen!" In eine scharfe literarische Fehde war Grsgoire mit dem berüchtigten Göttinger Judenfeind Professor Michaelis gerathen, weil Letzterer behauptet hatte, daß die Juden nicht besserungsfähig und nicht patriotisch seien. „So gebt ihnen ein Vaterland, und sie werden es lieben", erwiderte Gregoire. „Sollen sie vielleicht für ihre Scharfrichter schwärmen?" — „Palästina ist ja das Vaterland der Juden" — antwortet Michaelis. Darauf wieder Gregoire: „So lange das Unheil über den Juden hereinbricht und er zitternd das Brod des Elends ißt, seufzt er nach der Ankunft des Messias. Diese Ankunst werde ihm weniger wünschenswerth erscheinen, wenn die Humanität ihn stei aufathmen läßt unter dem heimischen Dach: Er werde die

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