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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-07-30 · 31 (30.7.1897) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
31 (30.7.1897)
Date
1897-07-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 640 Dr. Vloch's Wochrnfchrifl Nr 31 Inzwischen war Granbom's Sohn Isaak zu einem Manne, Namens Rabbi Meir Gans, gekommen, bei dem er neben talmudischem Wissen die Kunst der Diamantschleiferei erlernte. Alle seine freie Zeit am Tage und besonders mehrere Stunden der Nacht verwendete er fortgesetzt auf das Talmudstudinm, bis ihn ein Blutsturz zwang, das Handwerk aufzugeben, wodurch er in die ihm angenehme Lage kam, sich ausschließlich dem Studium zu widmen. Er legte sich mancherlei asketische Beschränkungen in seiner Lebensweise auf; so enthielt er sich z. B., außer an Sabbathen und Festtagen des Wein- und Fleifchgenusses. Als damals palästinensische Abgesandte nach Amsterdam kamen, um für die Armen des heiligen Landes Gaben zu sammeln, und ihm vorstellten, daß er in Palästina die beste Ausbildung genießen könnte, reifte in ihm der Plan, dahin überzusiedeln und er verkaufte, um sich die Reise zu ermöglichen, einen Theil seiner Habe. Da traten an ihn einige angesehene Männer, unter ihnen Rabbi Saul, der Sohn des obgenannten Rabbi Löb Löwenstam, der seinem Vater als Oberrabbiner gefolgt war, an ihn heran, baten ihn zu bleiben und übertrugen ihm das Amt eines Lehrers am Beth hamidrasch (Lehrhaus) „Ez hachajim“, und als Rabbi Saul 1780 starb und die Gemeinde drei Jahre lang ohne geistliches Oberhaupt blieb, verwaltete Rabbi Isaak als Rabbinatsassessor (Dajan) die Geschäfte eines solchen zum Segen der Gemeinde. Gar viele bedeutende Männer, wie sein ehemaliger Meister und Lehrer R. Meir Gans, A. Schnitzelaar und Jacob Hartang waren seine Collegen, respective Schüler in jener Zeit. Als im Jahre 1797 unter dem Namen „Adath Jeschurun" eine neue Gemeinde, an deren Spitze Männer wie Bromet, Van Emden, Aster, Holländer, Metz, Littawk, De Lima und Andere standen, gegründet wurde, wählte man Rabbi Jizchak zmn Oberrabbiner (Opper-Rappijn), ein Amt, das er bis zu seinem am 10. März 1807 ') erfolgten Tode in der schönsten Weise verwaltete. Eine große, ehrenvolle Grabschrift und eine auf seinen Tod von Rabbi David Friedrichsfeld gedichtete Elegie bezeugen seine Bedeutung, Ehrlichkeit, Uneigennützigkeit und in jeder Hinsicht edle Gesinnung, so daß die Bemerkung Jost's (Geschichte des Judenthums und seiner Secten, III., 324), daß die genannten Männer mit einem „unwissenden C h r i st e nso hn als Rabbiner an der Spitze eine neue Gemeinde bildeten", in zweifacher Hinsicht hinfällig ist. Von ihm ist auch eine nach den Grundsätzen Thora, Abodah (Gottesdienst) und Gemilath Chasodim (Wohlthätigkeit und Menschenliebe) geordnete Schrift „Sero Jizchak‘£ 1786 zum Druck gekommen, wie er auch bei zwei Gelegenheiten hebräische Hymnen dichtete. Da die Gemeinde, deren geistliches Oberhaupt er wurde, im Rufe einer Reformgemeinde (im damaligen Sinne) stand und R. Jizchak von seinen Gegnern mit verketzert wurde, verfaßte sein Sohn Rabbi Israel (gestorben am 24. September 1843) eine Schrift „Meliz joscher" zur Rechtfertigung der Thätigkeit seines verstorbenen Vaters. Correspondenzen. Der Zionisten-Congretz findet also am 29., 30. und 31. August in Basel statt und das von Herrn Dr. Theodor Herzl publicirte Congreß-Programm zeigt sehr bemerkenswerthe Abweichungen von jenem Programm, welches ursprünglich für den Congreß in München geplant war. Das Arbeitsprogramm weist 7 Punkte auf, und zwar: „Die allgemeine Lage der Juden": Max Nordau. „Begründung des zionistischen Programms" : Dr. N. Birnbaum und Dr. D. Farbstein. „Die zionistische Organisation" : Dr. M. Bodenheimer. „Die Colonisation Palästinas": Dr. M. T. Schnirer. „Hebräische Literatur" : Dr. M. Ehrenpreis. Bestimmung des nächsten Congreßortes und Einsetzung eines Bureaus. Congreßabschied und Resumirung der Beschlüsse. Alles, was auf die Gründung des „Judenftaates" Bezug haben kann, wurde somit ausgeschieden. Es fehlen vor Allem die beiden Punkte des ursprünglichen Programmes: „Die Regelung der tü rkisich en Fi n a n zen" und „Die Vertretung der Juden bei dem nächsten Congreß der Großm ä ch t e". Die Fortlassung dieser speciellen Discussionsstoffe, welche allein die Ideen Theodor H e r z l's darstellen und zum Ausdruck bringen, wird vielfach als eine vollständige Capitulation betrachtet, als Beweis, daß die Proteste ') Lei Lewysohn irrlhümlich II. März. des deutschen Rabbiner-Verbandes und der jüdischen Oeffentlichkeit gegen die geplante judenstaatliche Agitation auch aus Herzl ihre Wirkung nicht verfehlt haben. Es fragt sich blos, ob diese verspätete Einsicht nicht zu spät kommt, ob die Alarmirung der jüdischen Oeffentlichkeit und die grundsätzliche Ablehnung des Projectes durch uahezu alle Diejenigen, welche bisher als Zionisten gegolten und als solche sich bereits bewährt hatten, nicht eine dauernde Schädigung der Sache der Colonisation herbeigesührt hat. Herr I. T uro ff, welcher in Kopenhagen eine erfolgreiche Agitation zur Unterstützung der Colonisation Palästinas eingeleitet hat, unternahm zu gleichen! Zwecke eine Reise nach der Schweiz, um auch dort Colonisationsvereine zu gründen und er berichtet von dort der „Jüdischen Presse": „Zürich, 10. Juli. Tie ermuthigenden Erfolge, welche eine kaum dreiwöchentliche Arbeit in Kopenhagen erzielt hatte, bestimmte mich zu einem ähnlichen Versuch iu der Schweiz, dessen Gelingen eine größere Gruppe von Glaubensgenossen für die Unterstützung der Colonisation Palästinas gewinnen und eine Steigerung der für die Besiedelung des heiligen Landes zur Verfügung stehenden Mittel erhoffen ließ. Die Thatsache, daß in einem Zeitraum von kaum acht Wochen der Colonisationsfoud durch planvolle Thätigkeit einen jährlichen Zuwachs von ca. 8000 Francs erfahren konnte, dürfte den Freunden dieser Bestrebungen in allen Ländern die Wege zeigen, wie den in der That bestehenden Schwierigkeiten zu begegnen ist. Leider trat mir in der Schweiz eine Reihe von Hindernissen in den Weg, deren Uebcrwindung einen großen Aufwand von Zeit und Arbeit erforderte. In erster Linie stieß ich fast überall auf einen neuen Gegner, den Z i o n - H e r z l i a n i s m u s, indem nian niich für einen Agenten jener Gruppe hielt, welche in den letzten fünfzehn Jahren für die jüdischen Colonien in Palästina nie einen Heller übrig hatte, dafür aber stets mit Artikelchcn und Preßnotizen über allerlei kühne Zukunftspläne zur Hand war." ^Jn Bingen hingegen fand am 11. d. eine Vorbesprechung der sogenannten „deutschen Zionisten" statt. Es wurde beschlossen, sich als national-jüdische Vereinigung zu constituiren und an dem Congreß der Zionisten officiell theilzunehmen. Ans Grund der gemachten Vorschläge wurde auch eine Erklärung festgestellt, die folgenden Wortlaut hat: Gestatten Sie uns auf die in Ihren! geschätzten Blatt veröffentlichte ^Erklärung des Deutschen Rabbiner-Verbandes Folgendes zu erwidern: 1. Cs ist unrichtig, daß die zionistischen Bestrebungen den messianischen Verheißungen des Judenthums widersprechen. Wir verweisen in dieser Hinsicht nur auf das von einer der hervorragendsten rabbinischen Autoritäten, Rabbi Kalischer, unter dem Titel „Drischat Zion" veröffentlichte Werk, aus dem das Gegentheil unwiderleglich hcrvorgeht. Mit dem Lehrinhalt des Jndenthnms beschäftigen sich übrigens unsere Bestrebungen überhaupt nicht, sind vielmehr lediglich darauf gerichtet, den anormalen Zustand des jüdischen Volkes zu beseitigen. 2. Ten in der Rabbiner-Erklärung durch die gänzlich uumotivirte Hervorhebung ihrer Vaterlandsliebe unterstellten Vorwurf, als ob die zionistische Gesinnung uns an der Bethätigung vaterländischer und staatsbürgerlicher Pflichten verhindere, weisen wir als eine jeder Begründung entbehrende Verdächtigung ganz entschieden zurück. 3. Daß die „edlen Bestrebungen, die auf die Colonisation Palästinas durch jüdische Ackerbauer abzielen", mit den unserigen nicht zu identificiren sind, geben auch wir zu. Wenn wir sie aber von unserem Standpunkte aus ebenfalls unterstützten, so kann dies doch weder uns, noch auch diesen Bestrebungen irgendwie zum Tadel gereichen. Vor dem Congreß iu Basel zu warnen, liegt für Niemandem, am wenigsten für den Deutschen Rabbiner-Verband, eine Veranlassung vor. Der Congreß wird sich hoffentlich zu einer imposanten Kundgebung dafür gestalten, daß das jüdische Volk auch heute auf feine nationale Existenz noch nicht verzichtet, sondern gewillt ist, als Volksindividualität Hand in Hand mit den anderen Nationen an dem Fortschritt der menschlichen Cultur zu arbeiten. Bingen, 11. Juli. Tie National-Jüdische Vereinigung für Deutschland. I. A. Tr. Bodenheimer (Köln), Rechtsanwalt. Tr. Schauer (Bingen), Rechtsanwalt. Wien. (IV. Jahresbericht der israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien f ü r d a s Schuljahr 1896/97.) Voran geht: die hermeneutische Analogie in der talmudischen Literatur vom Rector Prof. Dr. Adolf Schwarz. Bericht des Curatoriums: Wir haben über die Vorgänge in dem abgelaufenen Studienjahre in Bezug auf die Verwaltung unserer Lehranstalt nur Weniges zu berichten. Herr M o r i z K a r p e l e s, welcher seit dem Bestände unserer

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