Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 23 (4.6.1897)
- Date
- 1897-06-04
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 480 Vr. VLoch's Wochrnschrist Nr. 83 Fawisch lauschte und sah; dann kam seinen Gliedern das Leben zurück; wenn schon seine Ohren entehrt waren, seinen Augen sollte die Schmach erspart bleiben. Er setzte das Horn an die Lippen und blies. Und er blies, wie kein Mensch vor oder nach rhm; vielleicht wird es am Tage des Gerichtes so blasen. Erst war's wie das Wimmern eines jungen Wolfes, dann schwoll es zum Donner im Gebirge und endlich war es wie der Schrei Satans, der sich ins Paradies einzudrängen sucht und in der Thüre eingeklemmt wird. Bei dem Laute fuhr TalKr mit einem gellenden Schrei auf und floh, so gut es seine fetten Schenkel zuließen, dann mußte Fawisch das Horn wegwerfen und sich an die Mauer lehnen, denn er platzte beinahe in seinem wahnwitzigen Lachen. Hierauf trat er an Jenta heran, die noch immer dastand, weiß und unbeweglich wie eine Salzsäule, und neben ihr sah Fawisch etwas Glitzerndes auf der Erde; es war das Fleischermesser Talkas, welches er auf der Flucht hatte fallen lassen; es war lang und zugespitzt wie seine freche Nase, nicht gerade und viereckig wie das unserer geprüften Schächter. Fawisch hob es auf und stand seiner Frau gegenüber. „Du frißt also Schweinefleisch?" fragte er. Sie sah ihn an, aber sogar ihre Augen hatten die Sprache verloren. „Nun denn. Du sollst ein Festmahl haben, wie Du es in Deinem Leben nicht gehabt hast", kreischte er und warf sich auf die Heerde Schweine und hackte und schnitt und metzelte unter chnen herum — wohin sein Messer traf; und er lachte wie wahnsinnig über die zuckenden Leiber und die vergeblichen Versuche der Thiere, sich von der Schnur loszureißen. Und so oft er einen mörderischen Hieb führte, schrie er: „Da hast Du, Freund Talka." Dann sah er sich nach Jenta um, die noch immer dastand, wo er sie verlassen hatte, ging auf sie zu, packte sie bei ihrem langen Haare und schleppte sie zum Haufen der geschlachteten Thiere. „Friß, friß!" brüllte er, „da hast Du es ja in Hülle und Fülle", und er stieß sie hinein, daß sie mitten unter dem wogenden Fleischberg taumelte. Dann ging er, ohne sich nur einmal umzusehen, wortlos in die Nacht hinaus. * * * Salomon hatte geendet, und sein Kopf sank ihm schwer auf die Brust. Ich wagte es nicht, ihn anzusehen. „Und was ist aus Fawisch geworden?" flüsterte ich. „Was aus Fawisch geworden ist?" wiederholte er. „Er trat für einen Recruten ein, zog in den Krieg und wurde in den Gräben von Sebastopol gefangen genommen, als er es versuchte, ein englisches Pulvermagazin in die Luft zu sprengen". Literatur. Zeitschrift für hebräische Bibliographie. Soeben ist das Heft I dieser von Dr. H. B r o d y herausgebenen, im zweiten Jahrgang stehenden Zeitschrift (Verlag S. Calvary und Co. Berlin, NW. Luisenstraße 31), erschienen. Dieselbe ist ebenso übersichtlich als gediegen redigirt und enthält höchst schätzenswerthe Beiträge aus der Feder namhafter Gelehrter. Sehr beachtenswerth ist die Recension über das talmudische Werk I. Z. D u e m e r s, die der Bedeutung des Autors gerecht wird, aber manches scharfe Wort gegen seine kritische Methode hat. Interessant sind die unter der Rubrik „Poetisches" enthaltenen Mittheilungen aus der Feder des Herausgebers. Werthvoll ist die Studie über die „hebräischen Druckereien zu Carlsruhe i. B. und ihre Drucke" von Dr. E. Bieberfeld. Das Buch E. Meyer's „Die Entstehung des Judenthums" wird eingehend von M. Friedländer besprochen. Jahresbericht. Herr Rabbiner Dr. I. Guttmann, der an der Spitze der Gemeinde- und Religionsschule in Breslau steht, hat dem 54. Jahresberichte, den er veröffentlicht, nachdem er über den Jndifferentismus so vieler jüdischer Eltern Klage geführt, einige ganz beachtenswerthe Bemerkungen pädagogischer und religiöser Natur vorangeschickt. Weiters entnehmen wir dem Jahresberichte: Die Ueberfüllung der untersten Knabenclaffe hat eine Theilung derselben in zwei Parallelklassen erforderlich gemacht, wozu die Gemeindebehörden die Mittel zur Verfügung gestellt haben. Die Anzahl der Zöglinge betrug am Schluß des vorigen Schuljahres 310, neu hinzugetreten sind im Laufe des Jahres 134, so daß im Ganzen am Unterricht theilnahmen 444, und zwar 279 Knaben und 165 Mädchen. Das neue Schuljahr begann am Dienstag den 27. April. Die Ausnahme neuer Zöglinge fand Mittwoch, den 21. April, Nachmittag von 3 bis 5 Uhr und Sonntag, den 25. April, Vormittag von 10 bis 12 Uhr im Schullocal (Am Schweidnitzer Stadtgraben Nr. 8, 1 Tr.) statt. Die Anstalt besteht aus sieben Knaben- und sechs Mädchenclassen und einer für Knaben und Mädchen combinirten Entlassungsclasse mit zweijährigem Cursus. „Schulchan-Aruch". Herr Ph. Lederer, emiritirter Rabbiner in Marienbad, veröffentlicht (Frankfurt, Commissionsverlag bei I. Kaufmann) den ersten Theil dieses Werkes in deutscher Uebersetzung. Der Verfasser zeigt überall eine tüchtige Kenntniß der Quellen und hat mit Gewandtheit seiner Aufgabe entsprochen, ein Handbuch zu schaffen, das Vielen willkommen sein dürfte. >»Die nationale Wiedergeburt der Juden." Die zionistische Idee schafft eine ganze Literatur, krc> und contra wird Stellung genommen und die Frage nach allen Seiten ventilirt. Einen nicht uninteressanten Beitrag bildet das von Max Taffe (Verlag HugoSteinitz, Berlin), erschienene, von Geistund Sachkenntniß zeugende Büchlein „Die nationale Wiedergeburt der Juden", in welcher der Verfasser sich mit Feuereifer als entschiedener Parteigänger Theodor Herzl's bekennt. Manchen Ausführungen wird Jeder beistimmen können. So z. B. den Bemerkungen über die antisemitischen Geistlichen. Da heißt es: „An und für sich ist der Antisemitismus bei einem christlichen Geistlichen unverständlich; er, der in der einen Hand das alte, in der anderen das neue Testament hält, er, der die Erzväter und Propheten den Juden gleich hoch und heilig hält, er der es doch studirt hat und genau weiß, daß das Christenthum aus dem Judenthum geboren, er hebt die Faust und reizt zum Kampfe gegen jenes Volk, welches heute noch der sichtbare Träger der alten Offenbarungen und Ueberlieferungen ist. Briefkasten. N. B. Krakau: Berichte zu spät angelangt. Mit novellistischen Beiträgen sind wir versehen. M. R. Kladno r Der 31. Juli 1884 war Freitag der 9. Ab 5644 und der 20. August 1886 war Montag der 20. Elu! 5646. A. B. Im Wiener Gemeinderathe neigt man dermalen der Ansicht zu, es ist bester, wenn ein jüdischer Wohlthäter Hund erltausende für Arme ohne Unterschied der Confeffion spendet, bevor man einen Kreuzer armen jüdischen Kindern zukommen läßt. Berthold D. Dr. L u e g e r^lst, seitdem er Bürgermeister ist, von einem Machtbewußtsein erfüllt, "daß seinen Parteigenossen vor seiner Gottähnlichkeit bange wird. Arnold B. Die Heine-Forscher sind noch immer nicht einig darüber, an welchem Tage Heinrich Heine geboren ist. Der Name der hohen Persönlichkeit, die für Heine's Grab eine solche zarte Rücksicht bekundet, war nicht genannt, ist jedoch leicht zu errathen. M. H. Der Abgeordnete I r o, der heute der fanatische Anhänger Schönerer's und wohlbesoldete Schriftleiter seines Blattes ist, soll einst recht bosbafte Artikel gegen den Gutsherrn von Rosenau geschrieben haben. m. Die Mutter Paul Heyse's war eine Jüdin. „Ego." Die Behauptung gewisser Deutschthümler ist umso blödsinniger, als es doch bekannt ist, daß von dem Stifter des Christenthums kein Bild existirt. N. Die Mitarbeiter des „Deutschen Bolksblatt", das beweist das bewußte Feuilleton zur Genüge, verstehen im Nothfalle noch immer besser den jüdischen Jargon als ein correctes Deutsch.? Dr. Lueger ist der Vasall Badeni's. Er bezahlt prompt den Preis seiner Bürgermeisterwürde. Ignaz D. Dr. Dünner ist polnischer Abstammung A. B. In Athen ist eine jüdische Gemeinde, die etwa 309 Mitglieder zählt. R. N. Die Worte bedeuten eine Ehrenkränkung und werden bei einem gerichtlichen Verfahren allerdings eine Verurtheilung herbeiführen. Jvri, Podwoloczyska. Die Exemplare sind alle vergriffen. A. &. 100: Die Schulstiftung des Baron Hirsch für Galizien befindet sich Wien, I., Schwarzenbergstraße 4. I. W—m. r.r Es ist richtig. Die Juden sollten in Localen nicht verkehren, wo dieses sogenannte Witzblatt aufliegt. I. A. Geheimrath Professor Lazarus wohnt jetzt in Schönefeld bei Leipzig. Ein Ersatzreservist. Daß die antisemitische Gesinnung auch unter den Officieren theilweise ihre Vertretung findet, dafür hat es leider zahlreiche Beweise. G. L., in Ungarisch-Hradisch. Der Ausflug des jüdischen Tempelchors nach Welehrad, dem bekannten Wallfahrtsort, ist zu heiter, um ernsthaft gerügt zu werden. Herausgeber jl verantw. Redakteur r 9«. Josef S. «loch. — Druck v. L. Beck 4 Sohn, Wien, VH1., Lerche.ffelderstr. 48,