Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 20 (14.5.1897)
- Date
- 1897-05-14
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 20 Vr. Vwch « »vchenschrtfl. Seile 415 auf der Neustadt seinen Platz findet. Dieser Bau muß ein großer, mit Raum für wenigstens 200 Personen sein. Dieser große Raum ist bedingt, daß selbst bei großem Budget dem Mittelstand Sitze für mittelmäßige Preise überlasten werden können und dennoch der Ertrag für die Sitze hinreicht, um die Synagogenbedürfnisse zu decken und die Baukosten zu amortisiren. Die Menge muß es ausmachen. Rede desGrand-Rabbin von Belgien, Armand Bloch, am Sarge Dr. W. Herzbergs in Brüssel am 22. April 1897. Deutsch von M. Rosenthal (Brüssel). M e i n e B r ü d e r! Die jüdische Literatur hat soeben einen empfindlichen Verlust erlitten in unserem verehrten Bruder Herrn Dr. Herzberg. Mit ihm verschwindet ein Mann, der einen universalen Ruf im Judenthum hatte uild dessen Name in beiden Continenten geehrt ist. Man konnte dieses erst neulich constatiren, durch die Aeußerungen, welche in der jüdischen Presse der ganzen Welt zur feierlichen Begehung seines 70jährigen Geburtssestes erfolgten. Was Herrn Dr. Herzberg einen so ehrenvollen Ruf verschafft hat, es ist die beständige Ergebenheit, mit welcher er seine ganze Existenz den höher» Interessen des Judenthums gewidmet hat. Als Director der Ackerbauschule in Jaffa, als Gründer und Director des israelitischen Waisenhauses in Jerusalem, als Schriftsteller, Gelehrter ilnd Publicist hat Dr. Herzberg dem Judenthum die ausgezeichnetsten Dienste erwiesen. Er liebte das Jndeuthum mit tiefer, vibrirender, feuriger Liebe, nnd setzte sein Talent, seine Fähigkeiten und seine ganze Kraft in die Dienste einer Sache, welche er mit Glück vertheidigte und mit einer Beredtsamkeit, die seine Werke zum ersten Range emporhoben. Man kann den Charakter, die Herzenswärme solcher Menschen nicht genügend ehren, welche von einer absoluten Uneigennützigkeit belebt sind, welche, sozusagen, sich ausschließlich der Sache widmen, die sie lieben, und nur darnach streben, dieselbe triumphiren zu sehen; sie betrachten nach und nach endlich diese Sache ganz allein, zum Nachtheil ihrer materiellen Interessen, sogar ihrer Bedürfnisse. Diese G^dankenhelden werden meistens ungenügend geschätzt, oder sie leben in ihrer Würde und Bescheidenheit freiwillig unbekannt, und lassen still hinter sich Werke, die bleiben werden, Saaten, die noch nicht aufgebläht sind und von denen sie nicht die Freude der Ernte erleben können, welche jedoch eines Tages einen reichen, wohlthuenden Erntesegen liefern werden. So war das wechselvolle und so enttäuschungsreiche Schicksal Herrn Dr. Herzberg's. Aber nichts entmnthigte unfern verehrten Bruder. Seine Anhänglichkeit an das Judenthum, seine Liebe zur Literatur, seine Hingebung für die Sache der Religion belebte ihn mit demselben Entzückungshäuche, mit demselben Aufopserungsgeiste bis zu seinem letzten Tage. Er arbeitete noch an wichtigen Werken*), die er unvollendet zurückläßt. Er wollte noch, trotz seines Alters, Propaganda-Reisen unternehmen, so sehr ” war er vom Eifer ftir das Judenthum beseelt, ftir welches er einer der treuesten Gedankenausleger, einer der wärmsten und überzeugtesten Vertheidiger war. Die „Jüdischen Familienpapiere", sein Hauptwerk, eines der geschätztesten Producte unserer Zeit, wird sicher ans die Nachwelt übergehen, und hier überbringen wir, im Namen des ganzen Judenthums, dem frommen Israeliten, dem seinen Literator, welcher seine besten Fähigkeiten der heiligen Sache der Religion aufgeopsert hat, die Huldigung unserer Dankbarkeit. Aber unser Bedauern richtet sich nicht blos an den Gelehrten, es richtet sich gleichzeitig an den Mann; an diesen würdigen, redlichen, guten, bescheidenen, frommen Mann, voll Mitleid und Erbarmen mit jedem Leiden, mit jeder Betrübniß, welcher die Wohlthätigkeit in einem Maße ausübtc, das seine persönlichen Mittel beträchtlich überstieg. Wir empfanden für ihn eine lebhafte Achtung, eine liebreiche Verehrung, deshalb sind wir so sehr über sein Hinscheiden betrübt, welches für das Jndeuthum, sowie ftir seine zahlreichen und ergebenen Freunde ein schmerzhafter Verlust ist, und für alle seine Angehörigen ein furchtbarer Schlag, den zu ertragen nur Gott allein ihnen Muth und Kraft verleihen kann. Laßt mrs zu Gott beten, damit er ihnen beistehe in dieser unvergleichlichen Trauer und daß sie ein wenig Trost finden in dem allgemeinen Beileid, das ihnen bezeigt wird. *) So z. B. an einem zweiten Theile der „Jüdischen Familienpapiere", deren Bedeutung Nahida Remy erst jüngst mit dankbaren Worten in Wien gepriesen hat. Lebe wohl! Lieber und verehrter BruderDu hast die Gottheit verherrlicht durch dein Leben, deine Werke und deine Opfer, während deines anstrengungsvollen und an Wohlthaten reichen Lebens. Du hast die Bahn eingehalten, welche zur ewigen Glückseligkeit führt und du hast uns den Weg dorthin gezeigt durch deine Beispiele und deine Lehren. Jetzt wirft du belohnt für deine hohen Verdienste, in dem neuen Leben, wo die Freuden nie enden werden. nr mjxir: -[*:a ns mrraa* Die Zionisten an der Arbeit. Brünn, 28. April. Am 28. April fand ini großen Festsaale des deutschen Hauses in Brünn ein Festcommers der' vier zionistischen Verbände aus Anlaß des Passahseftes statt, welcher durch die 'Anwesenheit Theodor Herz l's ausgezeichnet war. Der Obmann des „Jüdischen Vereines", phil. et med. Dr. Em. Löwenstei n begriißte die Erschienenen, unter ihnen vor Allein den Herrn Dr. Theodor Herz l, der schon bei seinem Eintritt in den Saal mit brausendem, nicht endenwollendem Beifalle acclamirt wurde, weiters den Präsidenten des Verbandes „Zion", Herrn Dr. M. T. S ch ni erer, den Vertreter des Einzelverbandes Wien des „Zion", Herrn Ingenieur Siegsried Rosenbaum, die akademischen Verbindungen „Kadimah", „Unitas" und „Astra", die Rabbiner Seine Ehrwürden Dr. W o l s s o h n, Dr. B u r s z t y n, Herrn Professor Dr. Max G r ü n f e l d. ferner das Mitglied des Cultusvorftandes Alois W i t r o f s k y u. s. w., sowie die überaus zahlreich erschienenen Damen. Mediciner Alois M u u k (Unitas, Zephirah) hielt die Festrede. Ausgehend von der Aehnlichkeit der Verhältnisse, zog er eine gelungene Parallele zwischen der Jetztzeit und der egyptischen Knechtschaft und beleuchtete endlich die Nvthwendigkeit des Zionismus. Die Tendenz rede hielte U. C. Berthold Feiwel, der mit seiner bekannten Rednergabe die Vorzüge und das Zwingende der zionistischen Bestrebungen unter großem Beifall entwickelte. Ein T o a st vom Ingenieur Arthur T i n t n e r auf Dr. T h e o d o r H e r z l veranlaßte Letzteren zu einer längeren Rede, der wir im Nachstehenden einige Stellen entnehmen. „Ich will", sagte Dr. Theodor Herzl nach einigen einleitenden Worten, „keine großangelegte Rede über den Zionismus halten. Nur einige Seiten dieser wirklich wunderbaren Bewegung will ich berühren. Es sind heute zweifellos mehrere, vielleicht viele Gegner des Zionismus anwesend. Und wenn diese bei unserem Gedankenaustausch erfahren, daß das, was wir wollen, nicht Commersphrase oder utopistische Schilderung ist, so ist auch der Zweck unserer Vereinigung erreicht. Denn der Zionismus ist ja vorläufig eine Bewegung der Aufklärung nach allen Seiten hin. Man glaubt ja gar nicht, wie viele Jrrthümer, wie viele Schrecknisse die Judensrage von allen Seiten, innen und außen umgeben; und es gehört mit zu unserem Unglück, daß man die unbefangenen Worte Derer, die die Judensrage gleichsam mit neuen Augen besehen, noch nicht vertrügt. Es gibt so viele Juden, die davor erschrecken, wenn man das Wort „Jude" gebraucht. Die Zionisten nun haben es gewagt, über die Judenfrage freimüthig und so zu reden, daß Christ und Jude endlich darüber discutiren können. Und da war es nun wunderlich, und, wenn Sie wollen, vielleicht betrübend, was wir Alles aus unserem Wege erlebt haben, der sich heute schon in eine lichtere Höhe zu erheben beginnt. Anfangs das verblüffte Erstaunen, das Gelächter, daraus das verlegene oder böswillige Schweigen und endlich — wir haben es mit Genugt h u u n g begrüßt — der erste offene A ng r i s f." Dr. Herzl erzählte nun einige hübsche Episoden aus lener Zeit, wo man den Zionismus noch als etwas Komisches behandelte, und fuhr dann fort: „Es gibt viele Juden, die dann, wenn sie es durch eigene Kraft zu einer angenehmen Stellung im Leben gebracht haben, die Weltgeschichte — ftir abgeschloffen halten. Das ist die Weltgeschichte nicht. Auch wenn einzelne Personen durch geschickte Arbeit und durch Glück sich in eine gesicherte Position gebracht haben, ist d a m i t, weder für s i e, noch s ü r i h r V o l k die Weltgeschichte abgeschlossen. Ich glaube, es ist etwas Rühm- , liches für Diejenigen, an welche die Noth oder der Kampf des