Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 7 (12.2.1897)
- Date
- 1897-02-12
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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Nr. 7 Vr. Vlortz's Wochruschrlfr. Seite 149 New-Aork.. Großes Aufsehen machte hier die Ansprache Sr. Ehrwürden des Herrn Madison C. Peters, die derselbe letzten Sonntag Abends an ein überaus zahlreiches Publikum in seiner Kirche richtete. Die Veranlassung und der Ausgangspunkt seiner Predigt war der Bericht des Presbyteriums von New-Uork, in welchem die jüdische Moral abfällig beurtheilt wurde. Der ehrwürdige Herr begann seine Rede mit dem Geständniß, daß er die Inden liebe und daß die Jnter-- pretation christlicher Lehren durch jüdische Rabbiner oft ein gründliches Berständniß dieser Lehren beweise. Dann las er einen Theil eines Briefes von Harry Ward Beecher an Cleveland vor, in welchem derselbe einen Juden für den Gesandtschaftsposten in der -Türkei empfiehlt. Er sprach von dem Patriotismus der New-Porker Juden, von denen er einige namhaft machte, und erging sich in Lobeserhebungen über die menschenfreundlichen Thaten eines Montefiore, eines Baron Hirsch. Die „Gesetze Moses", sagte er ferner, „beweisen ihre Wirksamkeit zur Genüge dadurch, daß sie das moralische und physische Wohl einer Nation fordern, welche sie strenge befolgt." Er iprach ferner von jüdischen und christlichen Financiers und hob h'rvor, daß die Ersteren große Industrien schassen, während die letzteren große Vermögen verschwendeten; ja viele von den christlichen Financiers wagten sich ohne Delective nirgends hin, aus Furcht, daß Diejenigen, die sie bitter benachtheiligt hatten, Ihnen ein Leid anthun könnten. In Amerika, fährt der edle Redner fort, seien die Juden in Kunst und Wi'senschaft Allen voran; die Kinder der Juden in den öffentlichen Schulen erweisen sich als die besten Köpfe, als ehrgeizige, strebsame, ernste, fleißige Schüler, und er, der Redner, würde an Stelle des Sprichwortes „reich wie ein Jude" sagen, „weise wie ein Jude." Er tadelte die Versuche, die Kinder jüdischer Ellern zu bekehren, auf das Schärfste und fügte hinzu, daß er wohl den Jaden den Rath geben würde, sich mit dem Volke, in dessen Mitte sie leben, zu assimiliren, daß er aber niemals die Juden auffordern würde, den Lehren des Alten Testamentes untreu zu werden. Der Redner schloß mit einem Berichte über seinen Besuch der jüdischen Kolonien in Vineland. Woddbine und Alliance, entwarf in raschen Zügen ein Bild des Lebens, an das die jüdischen Ackerbauer sich gewöhnten und sprach rühmend von den Erfolgen, die sie an denselben Orten aufznweisen hatten, welche Andere entmuthigt verlassen hatten. Vermischtes. Wien. (O e st e r r.-J s r a e l it. Uni on.) Montag, den 15. Februar 1897, Abends l/28 Uhr, findet im Restaurant Khuner I., Schottenring 19 eine Bereinsversammluug statt. Tagesordnung : 1. Mittheilungen des Vorstandes. 2. Besprechung der bevorstehenden Reichsrathswahlen. 3. Anträge und Interpellationen. Wie». (T r a u u n g.) Sonntag, den il4. d. M., 7,2 Uhr, findet tut israelitischen Tempel, I., Seitenstettengasse die Trauung von Fräulein Cecilie M i d e l b u r g mit Herrn Univ. Med. Dr. Eugeri Wolf statt. Wien. (T raun n g.) Sonntag den 14. Februar, Nachmittags 7,4 Uhr, findet im israelitischen Tempel, l., Seitenstettengasse die Trauung von Frl. Jda F-a s s e l mit Herrn Adolf Hernfeld statt. Wien. (S p e n d e.) Die Freiherril Albert und Nathaniel v. Rothschild haben dem Synagogenbauverein für Wieden und Margarethen, der sich das Ziel gestellt hat, anläßlich des Kaiserjubiläums ein Gotteshaus zu erbauen, den Betrag von zehntausend Gulden gewidmet. Wien. (Spenden für das Inserat: „Inständigste Bitte!") Eine arme Familie, deren Oberhaupt brustleidend ist und deshalb keinen Erwerb findet, um seine 9 Kinder zu ernähren, sind uns zu den bereits ausgewiesenen 63 fl. 90 kr. von Herrn Berger, I, Bäckerstraße 22, 1 fl., von Frau Amalie Beck, für den Josefstädter Frauenverein 5 fl., von Fräulein Gisela B eck 3 st., in Summa 72 fl. 90 kr. zugekommen, welche wir ihrer Bestimmung zugeführt haben. Wien. (A u s z e i ch n u n g.) Wie die „Wiener Zeitung" im amtlichen Theile verlautbart, hat der Kaiser mit Entschließung vom 30. Jänner d. I. dem Publicisten Emanuel Singer in Wien den Titel eines kaiserlichen Rathes taxfrei verliehen. Wien. (C o n c e r t für die R e t t u n g s g e s e l lf ch a f t.) Der als Lehrer, wie als Violinvirtuose rühmlichst bekannte Professor Max Adler veranstaltet Sonntag den 14. d. im Saale Schweighofer ein großes Concert, dessen Erträgniß dem Baufond der Rettungsgesellschaft znfließt. Außer dem Concertgeber und seinen Schülern werden bei diesem interessanten musikalischen Abend die großherzoglich-hessische Kammersängerin Fräulein Roth, Fräulein Juliska Soldner aus Ungarn, Herr Dr. V. B u d a u und Schauspieler Carl B ö h m vom Deutschen Volkstheater in Prag Mitwirken. Ueberdies wird ein Streichquartett anläßlich der Schubert-Feier Compositioneir des Lledertürstell zum Vortrage bringen. Wien. (T o d e s f a l l.) Samstag den 6. Februar starb hier der in weitesten Kreisen bekannte türkische Großhändler Herr Jsack I. R u s s o im 78. Lebensjahre. Untergroßer Betheiligung vieler Freunde und Verehrer des Verblichenen, sowie fast der gesammten türkischen Gemeinde mit ihren Vorständen an der Spitze, fand am Montag den 8. Februar unl '/-2IO Uhr Vormittags das imposante Leichenbegängniß statt. Wien. Am 8. Februar haben wir eine brave, jüdische Frau zur letzten Ruhe gebettet. Frau Therese Ster n, Gattin des Webereibesitzers Herrn Adolf Stern in Firma A. Stern und Sohn, ist einem längeren Leiden erlegen. Die Heimgegangene war das Muster einer treuen Gattin und zärtlichen Mutter, geschätzt und verehrt wegeil ihrer Wohlthätigkeit und Herzensgüte, ihrer aufrichtigen Antheilnahme an jedem fremden Leiden. _ Herr Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n widmete ihr einen ergreifenden Nachruf. Wien. (Jüdische S ch n e e s ch a n f l e r.) Man schreibt uns aus Bekanntenkreisen. Letzten Sonntag traf ich einen jüdischen Schneeschaufler bei der Arbeit. Derselbe ist mir aus einer Zeit bekannt, wo er noch in besserer Stellung sich befand, welche er, wegen Auflösung des Geschäftes, in dem er conditionirte, verloren hat. Der arme Manu bat mich, sein Jncognito nicht zu verrathen, da er befürchtet, als Jllde erkannt, weggejagt zu werden, weil Juden auch als Schneeschauster nicht connnunale Beschäftigung finden. Nun ist wohl Stampiglien-Schneider mit seinem Anwnrs, daß die Judeil manuelle Arbeit scheuen, ad absurdum geführt. Wien. Der israelitische Tempel- und Schul-Verein, Wien, VI., Stumpergasse Nr. 42 hält am Sonntag, den 14. Februar 1897, präcise 3 Uhr Nachmittags, im Vereinslocale, VI., Stumpergasse Nr. 42, die VI. ordentliche General-Versammlung ab. Tagesordnung: 1. Verificirung des Protocolls der V. General- Versammlung vom 14. Mai 1896. 2. Jahresbericht des Vorstandes. 3. Vorlage des Rechnungsabschlusses und der Bilanz per 1896. 4. Bestimmung der Jahresbeiträge der Mitglieder pro 1897. 5. Anträge. 6. Wahl der Revisoren per 1897. 7. Neuwahl des Gestimmt - Vorstandes auf die Dauer von 3 Jahren. (Nach § 31 der Vereins-Statuten sind Acclamationswahlen in den Vorstand liicht zulässig.) Anträge voll Mitgliedern, welche bei der General-Versammlung verhandelt werden sollen, müssen 5 Tage vor derselben dem Vorstände schriftlich und recomniandirt angemeldet werden. (§ 24 der Statuten.) Leopold Werter Max Keller Präsident. Scyrqtjühtei. Wien. (Zwei ganz besvllders interessante Vorträge für A n g e h ö r i g e aller Stände.) Der B e r e i n z u r H e b n n g der Gewerbe i n W i e n ladet hiermit zu der am Samstag den 13. Februar, \,H Uhr- Abends in Khuner's Restauration stattfindenden P l en a r - Versa m m l u n g ein. Tagesordnung: I. Vortrag des k. k. Ho frathes und Oberbaurath es Herrn Josef K a r e i s „über den Einfluß der Berkehrsverhältnisse einer Großstadt auf das Wohl der Bevölkerung." II. Vortrag des Herrn Professor Richard Singer, „über die Ausstellung 1898 in Wien." Damen und auch Nichtmitglieder willkommen! Hochachtungsvoll Der Schriftführer: Alfred Kisch. Der Präsident: S. Brod. Wien. (Literarischer Gesellig keilsveretu jüdischer Mädchen „M 0 r i a".) Der letzte Vortragsnachmittag dieses Vereines fand am 31. v. M. statt und verlief in überaus animirter Stimmung. Es sprach Herr Schriftsteller Z w e igen t h a l über das Thema „Heinrich Heine und sein Berhältniß zur jüdischen Literatur" vor einem zahlreich erschienenen Auditorium. Hierauf las das Mitglied Frl. Natalie Pollak einem von Herrn Dr. Berthold Feiwel anläßlich der Gründungsfeier der jüdisch-akademischen Vereine „Beritas" und „Zephira" in Brünn gehaltene und nunmehr in Druck erschienene Tendenzrede „Das moderne Judenthum" vor, die ebenfalls mit wahren Beifallsstürmen ausgenommen wurde. Der nächste Vortrag findet Sonntag den 14. d. M>, Nachm. 3 Uhr in den Localitäten des Vereines, I., Schottenring 23, statt. Herr Dr. Feiwel hat rn liebenswürdiger Weise einen Vortrag zugesagt, der besonderes Interesse zu erwecken verspricht. Derselbe be-