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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-01-29 · 5 (29.1.1897) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
5 (29.1.1897)
Date
1897-01-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 5 Dr. Vloch's WvchrnsrhrM Seite 93 zu wenden; wir wollen es auch nüt Werken Ihnn. Und uns gilt der Spruch: „Hilf Dir selbst, so wird auch Gott Dir helfen!" Ihr aufrichtiger Theodor Herzl. * Ans London wird uns geschrieben: Von Mr. A. Wainer, dem Präsidenten der Jewish National Union in Leeds (England), ist in einem Aufruf vom 17. d. M. der Vorschlag gemacht worden, eine „Halb-Schekel-Sammlung" für den Nationalfonds, d. h. für die Erwerbung Palästinas einzuleiten. „Beim herannahenden Purimfeste", schreibt Mr. Wainer, „sollte jeder Jude einen halben Schekel für den Zweck widmen." Der Einstutz des jüdischen Geistes aus die antike Welt. v. Die griechische Bibel. Die Sprache der Synagoge, sowie ihrer gottesdienstlichen Vorträge war die griechische. Die Synagoge zählte überall zahlreiche heidnische Proselyten oder „Judengenossen" zu ihren Frequentanten. Die hebräische, den Heiden ganz unverständliche Bibel hätte nimmer eine solche Anziehungskraft auf die griechische Welt anszuüben vermocht. Der Gebrauch der Septuaginta in den Synagogen ist uns auch sonst geschichtlich verbürgt. Wenn Philo sagt, „daß der Ruhm der von Moses hinterlassenen Gesetze durch alle bewohnten Länder gedrungen und sich bis zu den Grenzen der Erde verbreitet habe"'), so läßt er uns keinen Augenblick darüber im Zweifel, ob die hebräische, oder ob nicht vielmehr die griechische Bibel diese erstaunliche Verbreitung bewirkt habe. Sein diesbezüglicher Commentar lautet: „Daß nun die Heiligkeit unserer Gesetzgebung nicht nur von den Inden, sondern auch von allen anderen Völkern bewundert wird, geht aus dem bereits Gesagten hervor. Ursprünglich wurden die Gesetze in chaldäischer Sprache geschrieben, während ihre Schönheit den andern M e n s ch e n noch unbekannt war . . . . Einige hielten es für unwürdig, daß die Gesetze nur einem Theile des Menschengeschlechtes bekannt seien und noch, dazu einem nichthellenischen, daß aber die Griechen von ihnen nichts wissen sollten; sie veranlaßteu daher eine Uebersetzung derselben .... Deshalb wird noch jetzt jährlich ein großes Fest ans der Insel Pharos gefeiert, wohin nicht nur Juden,- sondern auch viele Andere wallfahrten, aus Verehrung gegen den Ort des Ursprungs der Uebersetzung und um Gott für die alten, sich immer wieder erneuernden Wohlthaten zu danken"-). Das ist doch wohl klar gesprochen: die chaldäische Bibel konnte, weil sie in einer der nichtjüdischen Welt unverständlichen Sprache geschrieben war, keine Verbreitung finden. — Die Verhältnisse drängten gebietend nach einer griechischen Verdolmetschung — und diese erst errang ungeahnte Verbreitung und die Dankbarkeit nicht blos der Juden der Diaspora, welchen sie ein Bedürfniß geworden, sondern auch vieler Heiden. Daß die griechische Bibel in den Synagogen bald die Alleinherrschaft errungen, wird vielfach bezeugt. So lesen wir bei Justin Martyr: „Weil aber die Egypter den hebräischen Text nicht verstanden, schickte Ptolomäus noch einmal Gesandte ab, den Herodes zu ersuchen, ihm Männer zu schicken, welche diese Bücher ins Griechische übersetzen sollten. Dieses geschah, und die Bücher blieben bis auf den heutigen Tag bei den Egyptern; aber auch alle Juden besitzen und lesen sie, ohne jedoch dieselben zu verstehen/") — Das Gleiche berichtet Tertuflimt* 2 3 4). Nach ihm wurde die griechische Uebersetzung überall bei den Juden allsabbathlich öffentlich, will sagen, als vollständig gleichberechtigt mit dem hebräischen Urtext — so interpretirt auch Scaliger — vorgelesen. Mehr noch als den jüdischen Hellenisten galt die Septuaginta den ältesten Lehrern der Kirche, die ausschließlich auf dieselbe angewiesen waren, als göttlich inspirirt. „Diese Uebery Vita Llos. II, 80. 2) Daselbst II, 137, ff. 3) Justin. Apol. I, 31. 4) Apol. C. 18: Hodie apud Serapaenm Ptolomaei Bibliotüecae cum ipsis Hebraicis litteris exhibentur. Sed et Judaei p a 1 a m lectitant. Vegtigalis libertas vulgo additur Sabbathis omnibus. setzn li g", so lehrten sie, „wurde durch göttliche Kraft vollendet .. Wollte aber Jemand, der gern widerspricht, diese Bücher als nicht uns, sondern den Juden gehörig ausgeben, weil s i e n o ch jetzt in ihren Synagogen anfbewahrt werden, und bemerken, daß wir aus ihnen unsere Religion geschöpft haben, der möge aus dem Inhalte der Bücher selbst ersehen, daß nicht die Juden, sondern wir die Lehre, welche in diesen Schriften aufbewahrt ist, besitzen. Daß aber dieselben, welche unsere Religionslehre enthalten, auch heute noch bei den Juden ausbewahrt werden, ist eine Fügung der für uns sorgenden göttlichen Vorsehung . . ., damit aus den bei ihnen allsbewahrten Büchern an den Tag komme, daß wir im Besitze solcher Gesetze sind, welche von heiligen Männern zur Belehrung geschrieben worden sind/") Die ältesten Kirchengeschichtsschreiber bestätigen, daß die. Septuaginta im Zeitalter Jesu zur Volksbibel geworden war und daß sie in d.m gottesdienstlichen Versammlungen die Alleinherrschaft ausübte. „Die Apostel", sagt Irenaus, „stimmen mit der Uebersetzung der Siebzig überein . . . denn Petrus, Johannes, Mathäns, Paulus, sowie die übrigen und deren Anhänger haben alle Worte der Propheten so verkündet, wie es die Uebersetzung der Alten enthält."') — „Es war dem Zweck, den Gott bei der Belehrung der Propheten durch seinen Geist hatte, nicht fremd, daß, wie er die Prophetie gegeben hatte, ebenso auch die Uebersetzung derselben gleichsam eine h el l en i sti s ch e Prop h e t i e gab. War doch auch Esra, welcher die untergegangenen heiligen Schriften herstellte, von dem göttlichen Geiste getrieben."') — Sehr richtig nrtheilt Deißmanu über die Uebersetzung der Siebzig: „Ueber ihr Werk ist eine inhaltsreiche Geschichte von zwanzig Jahrhunderten dahingezogen; hervorgegangen aus einem so wirkungsvollen Selbstbewußtsein des Judenthums, wie es nie wieder erreicht worden ist, hat es dem C h r i st e n t h u m Weltreligion werden Helsen; es hat den Scharfsinn der jungen christlichen Theologen beschäftigt und war in Bibliotheken zu finden, wo man den Homer und Cicero vergeblich gesucht hätte/") Die Kenntniß der hebräischen Sprache war, zum mindesten im letzten vorchristlichen Jahrhundert, in der Diaspora nicht mehr vorhanden, die griechische Bibel hatte allenthalben Besitz von der Synagoge ergriffen. Diese Unkenntniß des Hebräischen ging so weit, daß sie selbst von den Grabsteinen verrathen wird, welche doch zu allen Zeiten und überall bei den Inden und selbst dort, wo man die Sprache der Bibll kaum mehr verstand, fast ausschließlich hebräische Inschriften trugen. Das bezeugen schlagend die jüdischen Cömeterien in Rom, „wo die Inschriften überwiegend griechisch, allerdings bis zur Unkenntlichkeit jargonartig, daneben sich lateinische, a b e r k e in e h e b r ä i s ch e f i n d e n."'') Und doch stand die große jüdische Gemeinde daselbst in fortwährendem und regem Verkehr mit Jerusalem! Mit der griechischen Uebersetzung der Bibel „war der Anfang der so folgenreichen Bekanntschaft griechischer Gelehrter mit den heiligen Büchern der Juden gegeben. Außerdem war die mächtige Scheidewand der sprachlichen Verschiedenheit umgefallen, welche das religiöse Denken der Juden von den Griechen trennte. Sie gewöhnten sich in Egypten die griechische Bibel zu gebrauchen statt der hebräischen. So erhielt das griechische Idiom für sie einen heiligen Charakter und da mußte denn der beständige Verkehr mit griechischen Gelehrten, die sich für ihre Religionsschrift interessirten, es mußte der Austausch der Gedanken in der ihnen nicht mehr gottlos erscheinenden Sprache auf die Aenderung ihres religiösen Bewußtseins mächtig wirken". "') Der Gottesdienst und die sich daran knüpfenden Vorlesungen aus der heiligen Schrift waren in der jüdischen Diaspora, und selbst an allen Orten Judäas, wohin diese ihre Ausläufer verpflanzt hatten, in griechischer Sprache abgehalten worden; nur so ist es verständlich, daß griechische Heiden in großer Zahl an denselben theilnehmen konnten, „daß der Gott des alten Bundes in Rom selbst, und wo immer jüdische Synagogen sich bildeten, zahlreiche Proselyten aus dem Heidenthum an sich zog." ") Die Apostelgeschichte berichtet es als etwas Ge- 3. Justin. Cohort. 13. 6) Iren adv. haeres. III, 21. 7) Tzschirner, der Fall des Heidenth. S. 115. Clemens Alex. Strom. I. 22. *) Ad. Deißmanu, Bibelstudien. S. 66. Marburg 1895. 3) Friedländer, Sittengesch. Roms. III., S. 619. '0) Langen, das Judenthum in Palästina zur Zeit Christi S. 16. ") Döllinger, Hriventhuin und Judeiithnm als Borh. zur Geschichte des Christenthums S. 628.

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