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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-01-29 · 5 (29.1.1897) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
5 (29.1.1897)
Date
1897-01-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr 5 Dr. Vwch's Wochrnschrift Seite 91 eingedenk der Pflichten gegen Gott und ihr Volk sich einem ihrer christlichen Bedränger hingab. Die Jüdin Schebelein, nachmals Barbara Lueger, ist das Prototyp jener Wankelmüthigkeit, jener Charakter- und Gesinnungsschwäche, welche das bezeichnendste' Merkmal der Persönlichkeit des Dr. Karl Lueger ist. Vor Einem ist allerdings der Judenftämmliug Lueger sicher. Die Frage nach seiner Satisfactionsfähigkeit wird seine jüdische Abstammung nicht weiter beeinflussen. Diese Frage ist bereits bei seiner Affaire mit dem Sohne des verstorbenen Ministers Giskra — eine „Ehren-Assaire" können wir dieselbe nicht nennen — ein für allemal entschieden worden. Vor der Gefahr einer neuerlichen Herausforderung ist Dr. Carl Lueger geschützt. Tine Reform der Irrrnbehandlung. (Der Stimmzettelfälscher spricht über Fälschungen.) Jin niederösterreichifchen Landtag hat der Vernichtungskamps gegen die jüdischen Stenographen begonnen. Denn dem kleinen Mann muß geholfen werden, und darum gilt es, das allmächtige Großkapital zu vernichten, jenen stenographirenden Millionären den Garaus zu machen, die sich in ihren schwelgerischen Mußestunden dem üppigen Sinneskitzel hingeben, Bergani'sche Reden nachzusttnographiren. Die jüdischen Stenographen müssen also aus dem Landtag verschwinden, spurlos verschwinden, wie etwa die Obligationen aus der Gemeindecassa von Mühldorf. Bei Herrn V erg an i ist es die begreifliche Eifersucht. Er haßt und verfolgt die Leute, die tagaus, tagein Sachen Anderer a bschreiben, und noch dazu ohne orthographische Fehler. Ueber den Antrag und leinen Urheber braucht man also weiter kein Wort zu verlieren. Und ebensowenig kann es Jemanden Wunder nehmen, daß in dieser Versammlung kaum Einer oder der Andere unter den liberalen Mandatsträgern den Muth fand, den Pauschalien-Ritier von Sollen; in seine Grenzen zurückzuweisen und die Stenographen zu entschuldigen, daß sie kein jüdisches Bankinstitut seien und Herrn B e rg a n i nicht mit etlichen gutbezahlten Texteinschallungen beschwichtigen können. Auch wird kein Kenner der österreichischen Verhältnisse darüber er° staunen, daß der Herr Landmarschall in aller Gemüthlichkeit mitberäth und durch den Gedanken an ein gewisses Gesetz, man verzeihe das harte Wort, an ein Staatsgrundgesetz, welches alle Aemter allen Staats' bürgern zugänglich erklärt, aus seiner olympischen Ruhe nicht aufgestört wird. Die Debatte aber, die der Feldzug gegen die jüdischen Stenographen nach sich zog, muß sogar auf blasirte Leute, auf abgestumpfte Nerven einen Eindruck gemacht haben. In dieser Debatte hat sich nämlich auch Ernst Schneider zum Wort gemeldet. Dieses In« dividuum hat den Stenographen Fälschung vorgeworfen, die Fälschung der Reichsrathsprotokolle. Nicht in den Umstande, daß dieser Vorwurf sich, wie nicht anders zu erwarten war, als erstunken und erlogen herausstellte, liegt das Empörende. Ein Anderes muß dem objektiven Beobachter auffallen. Es hat den Anschein, daß das Sprichwort vom Stricke, von dem im Hause des Gehängten nicht gesprochen werden darf, eine rein jüdische Erfindung ist. . . 6raeebi äe seäitioae guaereutes, der Stampiglienfälscher klagt über Fäl schungl Dieser Mensch, den in offener Parlamentssitzung ein Mann, den man wirklich weder einen Juden noch judenliberal nennen kann, der Führer der clerical-conservativen Partei, Graf Hohenwart, der Stimmzettelfälschung geziehen hat, wagt es, die Erinnerung an seine eigene Criminalvergangenheit wachzurufen. Menschenfreunde, Idealisten und Schwärmer werden daran zweifeln, daß irgend ein Mensch diesen Chimborasso der Unverfrorenheit erklimmen kann. Der Gauner, welcher sich zu retten sucht und mit dem Ausruf „Haltet den Dieb" zu verschwinden trachtet, findet den Muth dazu, nur wenn er auf frischer That ertappt wird. Bei Ernst Schneider steht die Sache anders. Man wird nachgerade zu der Ueberzeugung gedrängt, daß man es hier mit einem Wahnwitzigen zu thun hat, über den Staatsanwalt und Richter die Macht verloren haben. Nur der Arzt, der Psychiater, hat das Wort. Man mag Irrsinnige bemitleiden; aber man wird nicht umhin können, wenn sie gemeingefährlich sind, ihre Jnternirung zu verlangen. Eine Reform der Jrrenpflege ist eine der dringendsten Aufgaben unserer Gesetzgebung. « * * Zur Stenographenjagd. Sv ist es denn den Antisemite» gelungen, die Stenographen, welche seit Jahren die Arbeit im Landtage tadellos versahen, um ihr Brot zu bringen. Die Weigerung des Landmarschalls Freiherrn v. Gudenus. ihnen für die ungerechten Beschimpfungen, die ihnen zugefügt worden waren, Genugthmmg zu geben, hat die Stenographen gezwungen, zwischen Brot und Ehre zu wählen und aus das Brot zu verzichten, das sie nur mit Preisgeörmg ihres Ehrgefühles hätten genießen können. Das alte Bureau hat ohne Rücksicht aus die Confession der einzelnen Mitglieder, einschließlich des Directors, seine Arbeit gänzlich ein estettt. Auf der Stenographenbank sitzen Landes- und Communalbeamte, sowie Hilfsstenographen des gemeinderüthlichen Stenographen-Bureaus. Man wird bald Gelegenheit haben, die Schreibekunst des neuen Bureaus aus ihre Zulänglichkeit rücksichtlich des Dienstes bei Plenarfitzuuge» 'zu prüfen. Zwischen der antisemitischen Majorität und ihrer neuesten Schöpfung, der arischen Stenographenbank, bestehr ein intimer Rapport. Bergani, Schneider und der Edle Herr v. Gudenus können jetzt stolz sein! Sie haben ein paar Juden ums Brot gebracht! Vie Zionisten an der Arbeit Die englischen Blätter bringen ausführliche Berichte über ein Massenmeeting, welches am 16. Jänner im Eastend zu London stattgefunden hat. Der große Saal des Working Men's- Club war überfiitlt. Biele mußten an den Thüren umkehren. Das Meeting galt der Expedition des Mr. Herbert B entwich und seiner dreißig Genossen nach Palästina. Zweck und Ziele dieser Expedition wurden der Versammlung durch ein Schreiben des Dr. Theodor Herzl erklärt, welches zu Beginn des Meetings von Mr. I. de Haas verlesen wurde. Wir reproduciren dieses Schreiben nach dem Londoner „Jewish World": Wien, 7. Jänner 1897. Mr. Chairman, gestatten Sie einem Abwesenden das Wort zu ergreifen bei dem fiir die Zionisten der ganzen Welt so hochinteressanten Meeting, in welchem Mr. Herbert Bentwich seinen Entwurf des Palästina- Pilgerzuges vortragen will. Es ist nicht zu viel gesagt, wenn wir in allen Welttheilen die Aufmerksamkeit unserer Gesinnungsgenossen bei dieser Gelegenheit voraussetzen. Der politische Zionismus hat thatsächlich Anhänger in allen Ländern, wo Juden wohnen, und die Zahl dieser Anhänger wächst von Tag zu Tag in einer Weise, die ich erfreulich nennen würde, wenn nicht Verfolgungen der verschiedensten Art und eine leider nur zu berechtigte Unzufriedenheit mit den für uns geschaffenen Verhältnissen zu den rührigsten Werbern unserer Schaaren gehörten. Lange Zeit war der Zionismus nur ein verschwommener und unklarer Traum, und darum hatten die Gegner leichtes Spiel, wenn sie ihn verhöhnten und verlachten. In früheren Zeiten hatten wir nicht die Mittel und nicht das Bewußtsein von der Nothwendigkeit dieser Lösung, dieser einzigen Lösung der Judensrage. Und weil wir weder das Bewußtsein noch die Mittel besaßen fehlte es uns auch an der Energie, zu einer That zu schreiten. Wir wissen beute mehr

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