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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-09-11 · 37 (11.9.1896) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
37 (11.9.1896)
Date
1896-09-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 37 Dr. Vloch'» Wochrnfchrist. Seite 739 in denselben ausgedrückten Ansichten allerdings von einer Seite mit anerkennenswerthem Heldenmuthe bekämpft, von einer anderen Seite aber mit gelungener Jronisirung der Ausführungen meines offenbar allzunervösen Gegners, des Herrn Dr. D a n i e l, wacker vertheidigt wurden. Es Lhut mir herzlich leid, durch das von mir dargestellte düstere Bild des „Antisemitismus in Galizien" den Herrn Dr. Daniel mitten in seinem sanften Schlafe Plötzlich aufgeschreckt; ihm dadurch den angenehmen Traum, daß in Galizien zwischen Jud und Christ eitel Frieden und Eintracht herrscht, grausam verscheucht, und ihm bei seinem Erwachen den Schmerzensschrei erpreßt zu haben, daß meine häßlichen Gespenstergeschichten die allerdings von ihm nur geträumten paradiesischen Zustände in Galizien zu trüben, beziehungsweise den „deutschen" Antisemitismus nach Galizien zu verpflanzen geeignet sind, wo nach der beschwichtigenden Behauptung des Dr. Daniel „nur eine gewisse Abneigung gegen Religion rmd Volksthum der Juden" herrscht. Im Ernst gesprochen, es wäre geradezu ein Berhängniß, die Politik des Vogels Strauß nachahmend, die traurigen Zustände in Galizien nicht wahrnehmen zu wollen, und sich gegenüber der trostlosen Wirklichkeit mit ihren Schrecken (dem wühlenden Antisemitismus und dem durch diesen täglich zunehmenden namenlosen Elend der großen Masse der galizischen Juden) mit den Händen im Schoße unthätig zu verhalten! Zur Abhilfe der durch die antisemitische Bewegung hervorgerufenen materiellen und moralischen Drangsale der Juden in nahezu ganz Europa haben bekanntlich edelgesinnte Philantropen und sonstige hervorragende Männer im' Judenthume mannigfache Pläne in Vorschlag gebracht. Darunter hat die vom bekannten Schriftsteller und Publicisten Dr. Theodor Herzl veröffentlichte Broschüre: „Der Judenstaat" am meisten die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gelenkt, sowohl wegen der angesehenen Stellung des geistreichen Verfassers, als durch die geradezu verblüffende Originalität der Idee der Wiederherstellung des alten, vor 18 Jahrhunderten aus der Geschichte verschwundenen, selbstständigen Judenreiches. Ich muß gestehen, daß mich, wie Viele andere mit den Verhältnissen und der Denkungsweise des Gros der Judenheit vertrauten Glaubensgenossen beim Lesen der genannten, im bekannten, glanzenden Stile des Dr. Herzl verfaßten Broschüre ein eigenthümliches Gefühl der Wehmuth beschlich! In der gegenwärtigen Zeit qualvoller Bedrängniß ist begreiflicherweise das Gefühlsvermögen eines jeden Juden tief erregt, und sein ganzes Geistesleben wird vornehmlich von der mehr als sonst thätigen Phantasie beherrscht, auf deren Schwingen er sich aus dem jetzigen Zustande der ihn druckenden Misere, respective aus dem Lande, wo er verfolgt wird, in ein von der alles Unmögliche negirenden Einbildungskraft gezaubertes freies Fabelreich hoffnungsvoll erhebt. So entstand der in seinen Zielen und Zwecken unklare, jedoch den europäischen Juden unbedingt schädliche „Zionismus", auf den wir in unserenr nächsten Artikel zurückkommen werden, und in weiterer Consequenz die unstreitig erhabene Idee der Bildung eines Judenstaates, ein Gedanke, der offenbar den Wunsch zum Vater hat und lediglich den tiefen, aber nicht berechnenden Mitgefühle mit den Leiden unserer Glaubensbrüder entsprungen ist. Es würde uns zu weit führen, wollten wir hier alle Gründe erwähnen, welche die Verwirklichung der patriotischen Ideen des Dr. Herzl unbedingt für immer unmöglich machen. Abgesehen von den vom Verfasser angeführten, unerfüllbaren Bedingungen, die unter Anderem in der Erlangung der Souveränität seitens der europäischen Mächte, die zweifellos nie erzielt werden dürfte, und in der Erlaubniß zur Auswanderung der Juden bestehen, die doch kein europäischer Staat wegen des großen Beitrages an Blut- und Geldsteuer derselben entbehren kann, ist auch eine Menge sogenannter „interner" Hindernisse zur Bildung eines Judenstaates vorhanden. In erster Linie sind dieselben „religiöser" Natur, indem es feit dem letzten jüdischen Aufftande unter Barkochba (dem jüdischen Koscinsko) den Juden verboten ist, die Wiederherstellung eines selbstständigen Reiches vor der Ankunft des „Messias" anzustreben. Darauf bezieht sich eben das von Dr. Herzl citirte Wort des Schlußgebetes am Versöhnungstage: „Ueber's Jahr in Jerusalem!" Und da nach dem Plane des Verfassers die ersten Auswanderer aus der ärmsten Classe sich recrutiren sollen, und nachdem bekanntlich die armen Juden auch die „frömmsten" sind, so werden sie am wenigsten in ein ohne „Elijahe hannwe" und ohne den ihm folgenden „Messias" gegründetes Reich ziehen wollen. Es ist aber auch noch die Frage, ob die armen Juden in Galizien und Rußland, die das eigentliche Gros des gesammten Judenthums bilden, das geeignete, dem jetzigen Zeitgeiste entsprechende Menscheumaterial zur Gründung eines selbstständigen Judenreiches repräsentirt. Die Mehrheit der hierländischen und russischen Juden dürfte an Qualität jenen nachstehen, die Moses aus Egypten geführt. Und gleichwohl sah sich Letzterer gezwungen, die aus Egypten geführten Israeliten auf den Sterbeetat zu setzen, dieselben nämlich in der Wüste dem Untergange zu weihen, damit ein neues Geschlecht entstehe, das geeignet sein soll, nach Eroberung und Landnahme von Palästina einen selbstständigen Staat zu bilden! — Doch wie es in Zukunft mit dem geplanten Judenstaat des Dr. Herzl aussehen mag, selbst wenn dessen Entstehen einst möglich sein sollte, so ist nun die Frage, in welcher Weise soll der gegenwärtigen jammervollen Lage der am Hungertuche nagenden Biermalhunderttausend Juden in Galizien, die von der Hoffnung auf die einstige Wiederherstellung eines Judenstaates nicht leben können, abgeholfen werden? Nach reiflicher Erwägung aller, über die Ursachen des wachsenden Pauperismus in der hierländischen jüdischen Bevölkerung gemachten Wahrnehmungen ist — nach der begründeten Ansicht hierländischer, unparteiischer und vorurteilsfreier Bolkswirthe — die Auswanderung des galizischen jüdischen Proletariats das einzige Mittel zur Verbesserung des an Verlängerung grenzenden Elends der großen Masse der galizischen Juden. Man darf sich diesbezüglich keinen falschen Illusionen hingeben; man muß vielmehr offen gestehen, daß, wenn selbst der immer mehr sich ausdehnende christlicke „Boycott" gegen den jüdischen Handel in Galizien nicht wäre, es den armen jüdischen Vvlkselassen in Galizien, die bekanntlich durch reichlichen Familiensegen in allzu rascher Progression sich vermehren, unmöglich sein würde, in diesem Kronlande, wo sehr wenig Fabriken sind und der Handel im vollständigen Niedergange ist, irgend einen, auch nur die ersten Lebensbedürfnisse befriedigenden Erwerbszweig zu finden! Die nach Hunderttausenden zählenden beschäftigungslosen jüdischen Armen sind daher gezwungen, ihren Lebensunterhalt auf einem anderen Stück Erde zu suchen. Daß dieses nationalöcnomifche Gesetz der Auswanderung bei einer Ueberbevölkerung eines Landes nicht unterdrückt werden kann und stets mit unwiderstehlicher Gewalt sich geltend macht, davon zeigt sattsam die seit einigen Jahren andauernde massenweise Emigration der galizischen Bauern nach Amerika, die, ungeachtet ihrer unglaublich geringen Lebensbedürfnisse, und obgleich sie während der Feldarbeit eher als die Juden Beschäftigung finden, gleichwohl in Folge der auch unter dem bäuerlichen Landvolke herrschenden Nothlage, den heimatlichen Boden, an dem bekanntlich der' Landmann mit Leib und Seele hängt, verlassen und über den Ocean auswandern, um jenseits des „großen Wassers" Brvd zu finden. Diesem Beispiele der Selbsthilfe, zu der sich die nothleidenden galizischen Bauern gezwungen sahen, mögen auch die im Elend sich befindlichen hierländischer: Juden folgen! Sehr treffend hat diesbezüglich einer Ihrer Correspondenten in Ihren: geschätzten Blatte vom 28. August bemerkt: „Daß die Luft hier viel zu schwül sei und daß wir schließlich früher oder später zur Auswanderung gezwungen werden". — In welcher Weise aber die Auswanderung des galizischen jüdischen Proletariats bewerkstelligt werden soll, und die Frage der Beschaffung der hiezu erforderlichen Capitalien, das soll und muß die Aufgabe jener jüdischen Honoratioren sein, die bei Wahlen durch die Stimmen der armen Juden zu Ehren und Würden und sogar zu Mandaten in die parlamentarischen Körperschaften gelangen! Einige derselben haben auch thatsächlich gezeigt, daß sie die Verbesserung der galizischen Juden anstreben. Hoffentlich werden sie nicht ermangeln, das gute Werk fortzusetzen und nach Thunlichkeit und Kräften zu vollenden! Krakau, 6. September 1896. Arthur Eibenfchitz. Schmock auf der Jagd. Wenn sich die antisemitischen Schmücke dem Vergnügen der Judrnjagd hingeben, dann gibt es manchen Treffer für — Freunde des Humors. Es wäre ungerecht, wollte man die Thalsache nicht gebührend würdigen,daß denHeilo-SchmöckenSchönerer'scher Couleur entschieden der erste Preis gebührt, wenn man einmal daran geht, die unfreiwilligen Witze unserer Antisemiten abzufchätzen und nach ihrem Werthe zu classificiren. Die „Ostdeutsche Rundschau", die „Unverfälschten Deutschen Worte" und all' die anderen Organe der germanischen Dickhäuter

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