Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 13 (27.3.1896)
- Date
- 1896-03-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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13 Dr. Vloch's WochrnPtzrM Teile 259 laugt wird. Die Resolution Ovnrde einstimmig angenommen. — Gemeinderath Stia st u i) sprach sodann über die Gemeinderathswahlen. Nach eingehender Schildernng der Entwicklung der Gemeinde in den letzten zwei Decennien kam der Vortragende ans die Zukunft zu sprechen, welche durch den neuen Gemeinderalh geschaffen werde. Er gibt der Befürchtung Ausdruck, daß die Angehörigen, der jüdischen Consessiou bei Ertheiluug 'von öffentlichen Stellen, bei Ausschreibungen von Arbeiten und Lieferungen noch in weit geringerem Maße berücksichtigt werden würden, als bisher. Mit dein Appell ait die Versammelten, trotz aller Anfechtungen auch fernerhin dem Fortschritt zu huldigen, schließt Gemeinderath Stiaßny unter lebhaftem Beifall seine Rede. Wien. (Verein zur Hebung Ader Gewerbe.) Wohl selten waren die Saallvcatitäten des Restaurant Khuner so überfüllt, als in der Plenarversammlung dieses Vereines vom 17. d. M. Kopf an Kopf gedrängt stand ein überaus zahlreiches und distingnirtes Publicum aus allen Kreisen der Bevölkerung, insbesondere war die Damenwelt glänzend vertreten. Nach einer vom Vorsitzenden Herrn S. B r o d gehaltenen "Ansprache ergreift die Präsidentin des W i e n e r H a u ssr auenv ereines Fr au Ottilie Bond y das Wort zu ihrem Vortrage „Die Frau im Gewerbe". In überaus fesselnder und anregender Weise erläuterte dieselbe das Thema, so daß minutenlanger Beifall die glänzende Rednerin wiederholt unterbrach. Zum Schlüsse las die Vortragende noch eine von ihr verfaßte Dichtung: „A l a d i n's W underl a m p e", die alle Anwesenden zu Thränen rührte. Der P r ä s e s S. B r v d dankte der Vortragenden und stellte einen geschickten Vergleich zwischen der feierlichen Stimmung dieser Fr a n e n v ers am mlnng, in welcher unsere Frauen mit Andacht der erfahrenen Meisterin über Veredlung des Franengeschlechtes und Erweckung des "Arbeitssinnes, unter den Töchtern bauschten, und der Stimmung der in Wien modern gewordenen Frauen- Versammlungen, in denen die Frauen für politische Agitationen ihrem eigentlichen Berufe entzogen werden. (Allgemeiner Beifall.) Hierauf sprach Herr Adolf L ö w y, Tapezierer und Decorateur zu seinen ausgestellten Objecten und Herr Zahntechniker D. H erz 1 über „künstliche Zähne". Beide Demonstrationen wurden beifälligst aufgenommen. Damit schloß in vorgerückter Stunde die überaus anregende Versammlung. Wien. (Vereinigung jüdischer Veterinär- M e d i c i n er „L i b a n o n i ct' in W i e n.) Der Lese- und Unterstützungs-Verein „Libanonia" in Wien, II., Kaiser Josefstraße Nr. 15 (Hotel dn Nord) welchem die jüdischen Veterinär-Mediciner als ordentliche Mitglieder angehörten, hat sich in eine Vereinigung jüdischer Veterinär-Mediciner „Lib anonia" umgebiloet und die diesbezügliche Genehmigung seitens der hohen Statthalterei auch erhalten. — In den 8 Semestern seines bisherigen Bestandes hat der Verein bei den gegenwärtigen Zeitläuften als ein unentbehrlicher Sammelpunkt der jüdischen Veterinär-Mediciner sich erwiesen.— Die Bestrebungen dieses Vereines sind vornehmlich dahin gerichtet, die jüdische Geschichte, Sprache und Literatur unter seinen Mitgliedern zu p lege», durch fachwissenschaftliche Vorträge deren Biloung zu heben, sowie den an Zahl überwiegenden armen Mitgliedern durch Gewährung von Unlersiützui'gen behilflich zu sein. Den Mitgliedern steht auch eine ziemlich reichhaltige, fachwissenschaftliche Bibliothek zur Verfügung. Neben der Pflege der Wissenschaft und Humanität verfolgt aber auch der Verein die Weh'-hastmachung seiner Mitglieder; den letzteren ist behördlich gestattet, ein Band in den Farben blaugrün-gold zu tragen. — Der Verein unterhält die besten Beziehungen zu den akademischen Verbindungen „Kadimah ", „llnitas", „Jvria", „Gamala" und „Jüdische akademische Lesehalle" und betheiligt sich auch an sämmtlichen Bestrebungen derselben. — Speciell der jüdischakademischen Verbindung „Kadimah" muß es zum Verdienste angerechnet werden, daß sie an der Gründung der „Libanonia" in hervorragender Weise sich betheiligt hat. Die zielbewußte Leitung des Vereines liegt in den Händen der Herren: vet. med. Josef F r e y, Präses, vet. med.. Ignaz Jellinek, Vice-Präses, vet. med. Jacob Wvhlmuth, Schriftführer und vet. med. Josef Löwy, Caffier. Diesen ebengenannten Functionären muß nachgerühmt werden, daß sie in Gemeinschaft mit den übrigen Mitgliesern als mannhafte Vertreter gegen jeden Angriff auf das Judenthum nicht nur im engeren Kreise ihrer Studiengenossen, sondern auch in weiteren Schichten der Bevölkerung auftreten. In der Hand unserer bemittelten Glaubensgenossen liegt es nun inwieweit sie diese Bestrebungen der „Libanonia" durch materielle Zuwendungen fördern helfen wollen. Israelitischer Literaturverein „Mendelssohn". Dieser Verein, gegründet im Jahre 1895 zum Zwecke der F ö rb c nt n g jüdische r W i s.s e n s ch a f t und Lite r a tu r, s o w i e zur Erweiterun g der li ter a ris chlu isse « s ch a s t.l i ch e n K e n n t n i s s e unter den Inden! Oesterreichs, veranstaltete am S a m st a g den 21. M ä r z l. I. ( seinen erster! Vortragsabend. Sowohl die Eröffnungsrede des Herrn Dr. R a b e l, welcher in Vertretung des Herrn Baurathes Wilhelm S t i a ß n y den Vorsitz führte, als auch die Vorträge der Herren Dr. Berrrhard Münz «Ein Pfadfinder des modernen Judenthums) itnd Eduard Kulte «"Alt Eisit, eine Ghettogeschichte), fanden den lebhaftesten Beifall der überaus zahlreich besuchten Versammlung. "Arlch die Ans-stnandersetznngen der Herren Rabbiner Sor, Lector M. Friedmann und S. Brod, welche den Verein zur Entfaltung seiner Thäligkeir beglück lvülkschten, wurden mit großem Beifall anfgenoittinen. Freudig begrüßt wurden die Worte, mit welchen Herr S. Brod die Gründung eines eigenen, den literarisch-wissenschaftlichen Be strebnngen des Vereines würdige!: Heims anregte rlnd den bei fällig aufgenommenen Rath ertheilte, die Unterstützung der ehrwürdigen Rabbiner und Culrusvorsiände zu erbitten. Wien. Samstag den 21. März l. I. schloß der akademische Verein „Gamala" in ordentlicher Plenarversammlung das lausende Wintersemester, das Dritte seines Bestandes, ab. Still und geräuschlos, aber um so intensiver hat die „Gamala" gemäß den Intentionen Ihrer Gründer an der Einbürgerring der Kenntniß hebräischer Literatur und jüdischer Geschützte, wie an der Vertiestlng und wissenschaftlichen Fnndirnng des zionistischen Gedankens gearbeitet. In zahlreichen Vorträgen und Lesenbenden wurden hervorragende Philosophen, Dichter und Geschichtsforscher des Judenthums in ihrer wissenschaftlichen und culturellen Bedeutnng gewürdigt «„Moses Mendelssohn", — „Samuel David Luzzatto", — „Die neuhebräische Poesie", — „Die spanische Dichterschule" :c.). Ebenso wurden politische und sociale Probleme in ihrem Verhältnisse zuni Jndenthum und in ihrer möglichen Rückwirkung ans dasselbe an internen Disenssionsabenden besprochen : i „Materialismus in Natur- und Geschichtsauffassung", — „Soeialisrmrs und Jndenthum", — „Der Zionismus, eine sociale Bewegung", — „Dilettanten der Politik und methodisches Studium"). "Nicht unerwähnt darf bleiben, daß die „Gamala" die hochbedeutenden literarischen und poetischen Schöpfungen bes östlichen Jndenthums, des „uncivilisirten" Galiziens und Rußlands die verdiente Aufmerksamkeit schenkte und so mancher „westliche" Spötter käme da zur Ueberzengung, daß die geistige Frische und Regsamkeit eines wirrhschastlich und sveial so schwer geprüften Volksstammes Bewunderung verdient. "An öffentlichen "Abenden veranstaltete die „Gamala" eine Tisenssion über Theodor Herzl's „Jndenstaat" und eine Kalman Schulmann-Feier. In der erwähnreit Plenarversammlung wurde auch der Ausschuß für das Sommersemester gewählt. Wien. (I ü d i s ch e a k a d e nr i s ch e L e s e hall e.) Unserem unbekannten Gönner, der sich hinter dem schönen Pseudonym Kern» verbirgt, sagen wir für seine rhatkräfrige Hilfe den besten Dank und erlauben uns ihm mitzntheilen, daß seine trefflichen Worte schöne Wirkungen gehabt haben. "Als Erster en ömiete den Reigen Herr Elaviersabrikant Bernhard K 0 h il, der uns 100 fl. spendete und uns beim Buchhändler ein o>-ni» von 50 fl. eröffnete. Herr S. Heit spendete den kleinen bö r a e tz. Möge dieses herrliche Beispiel würdige "Nachahmung unter unseren Glaubens genossen finden! Wien. Der „Wiener akademische Friedensverein" hat in seiner Ausschuß - Sitzung vom 22. März d. I. folgende Resolution beschlossen: „Mir Rücksicht ans die letzten bedauerlichen Ereignisse, die sich innerhalb der Wiener Studentenschaft zugetragen haben, sieht sich der Wiener akademische Friedensverein genöt'higt, unter Wahrung seines principiellen neutralen Standpunktes als Friedensverein zu erklären, daß er jegliches "Vorgehen, durch welches Unfriede llnd Zwist in die Studentenschaft getragen werden, perhorreseirt und gegen die unerhörte, durch Nichts gerechtfertigte, incvllegiale Beschimpfung eines großen Theiles der Wiener Studentenschaft ans das Entschiedenste Protest einlegt". f Karlsbad, den 2:1. März. Sehr geehrter Herr Redactenr! Eine unserer Gemeinschasr würdige Genugthunng wäre es für das tapfere Austreten der jüdischen Studentenschaft in Wien, wenn jede Cultnsgemeinde Oesterreichs den Studenten protokollarische Sympathie-Kundgebung ausspräche. Diesen Antrag des Ausschußmitgliedes der hiesigen Gemeinde, Dr. Bernard Lewa, gestatte ich mir sämmtlichen Enltnsgemeinden unseres Vaterlandes wärmstens zu empfehlen. Dr. Ziegler, Rabbiner.