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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-03-13 · 11 (13.3.1896) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
11 (13.3.1896)
Date
1896-03-13
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 11 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 227 Es lag Alles wie angegossen. Der Frack war schön, lang, mit schmalen Aermeln, und das Ganze machte einen wunderbaren, großartigen Eindruck. Bah! Damals hatten die Leute Geschmack, kleideten sich wie die Puppen, und die Herren waren nobel! Für eine Garnitur zahlte man — ohne zu feilschen — fünf Gulden Arbeitslohn! Der Großvater hatte zwei Söhne; so kam denn auf Indka's Vater nur der achte Theil des Hauses. Die Zeiten fingen an, schlechter zu werden, die Firma ließ sich herab zum blähen von Bauernkitteln und vorsintfluthlichen, wenngleich noch immer modernen Röcken für die Kleingrnndbesitzer. Damals erblickte unser Held zum erstenmale das Licht der Welt. (Fortsetzung folgt.) Literatur Die gegensinnigen Wörter im Alt- und Neuhebrinschen, sprachvergteichend dargestellt von Dr. E Landau. Berlin, Calvary 1896. Es ist schwer, eine so grundgelehrte, strengphilologische Arbeit populär zu besprechen; nur solche, die mit den behandelten semitischen Dialecten vertraut sind,können dengeistreichen und trefsendenAnssnhrungen des Verfassers folgen. Das Problem, welches L. behandelt, hat selbstverständlich auch für den Psychologen hohes Interesse. Geiger hat bekanntlich in seiner grundlegenden Schrift „Ursprung der Sprache" reiche Anregung zum Nachdenken gegeben und Abel's ebenso kühnes als absonderliches Werk „Der Gegensinn der Urworte" wirbelte in Fachkreisen genug Staub auf. Mit leeren Phantasien beschäftigt sich L. nicht. Im Gegentheil: er ist bündig und trocken und fordert ernste und gelehrte Schulung. In der semitischen Sprachgruppe kommt es nicht selten vor, daß ein und derselbe Wortstamm in den einzelnen Idiomen sich in verschiedenem Sinn entwickelt; oft sind die Bedeutungen völlig entgegengesetzte. Das zeigt sich im Hebräischen, Arabischen, Syrischen, Assyrischen, Aethiopischen, Neuhebräischen. Diese Erscheinung des Gegensinnes zeigt sich auch im Deutschen, Griechischen, Lateinischen Englischen, Französischen. Die Thatsache war längst bekannt und beob achtct und allerlei phantastische Erklärnngsversuche sind gemacht worden. Eine ganze Reihe von Gelehrten sprach sich entschieden gegen die Möglichkeit einer vorhandenen Antiphasis ans, und zwar aus logischen und psychologischen Gründen. Schon die alten arabischen Grammatiker kannten die Erscheinung, die sie durch Dhiddan bezeichneten. Die wirklichen Lösungsversuche des Problems sind dreifach: 1. logisch, 2. linguistisch, 3. psychologisch. Der erwähnte Abel schlägt den ersten Weg ein. Der Urmensch kann ohne contrastirende Vorstellung keinen Begriff klar und deutlich fassen; der Contrast bildet ein wesentliches Moment der Jdeenassociatiou. Abel sagt: ,,Gegensinn enthüllt sich als das grundlegende Denk- und Sprachgesetz der Menschheit".. Gegen diese Hypothese nahmen alle Forscher Stellung und Abel selbst modificirt sie, indem er Lautuuancinlng und charakterisirende Zeichen zur Unterscheidung annimmt. Der linguistische Lösungsversuch ist der einfachste; in allen Fällen sind zwei Wurzeln anzunehmen,^ die entweder noch vorhanden oder durch Abschleifung der differenzirenden Merkmale zusammengefallen sind. Allerdings ist der Nachweis durchaus nicht immer möglich. Auch der Lösungsversuch des Franzosen Leguest geht schließlich auf dasselbe zurück, wenn dieser sagt, daß in den semitischen Sprachen der dreiradicale Stamm aus zwei biliteralen Wurzeln hervorgegangen sei. Bei vorhandenem Gegensinn eines solchen Wortes, besteht es aus zwei Wurzeln, von denen jede einzelne einen zur anderen antithetischen Begriff bezeichnet. Hieher gehört auch der Hinweis auf die zahlreichen Dialecte der semitischen Sprachen. Die Grundbedeutung eines Wortes kann sich so lange in einzelnen Dialecten differenziren bis Gegensinn entsteht. Die psychologische Lösung nimmt einen neutralen Mittelbegriff an, von dem aus die Differenzirnng stattfand; ferner daß der Gegensinn durch die Erscheinung, welche das Wort bezeichnet, veranlaßt ist. Schon die ältesten Bibelcommentatoren, Targum und Talmud kennen den Gegensinn; 18 termini technici hat die hebräische Sprache für diese Erscheinung. Landau betrachtet nun die gegensinnigen Wörter des Alt- und und Neuhebräischen in XII Abschnitten, die folgende Titel tragen: I. Kategorie der Wurzelverschiedenheit bei Lautgleichheit; H. Kategorie der Privation; III. Kategorie der räumlichen Verhältnisse; IV. Kategorie der zeitlichen Bestimmungen; V. Kategorie der Bewegung; VI. Voees ambiguae; VII. Kategorie der Reciprocität; VIII. Kategorie der Affecte; IX. Tropen; X. Beziehungen; XI. Curiosa; XII. Varia (Nachtrag). Wer sprachphilosophische und sprachvergleichende Studien gemacht hat, wird ungemein reiche Anregung in jedem einzelnen Capitel erhalten, denn das angehäuste Material ist von großer Fülle und Ergiebigkeit; L. läßt sich nirgendwo in vage Hypothesen ein und zeigt allenthalben den nüchternen, sichtenden Philologen, der den Gesammtstoff mit Kennerblick beherrscht; seine Quellenkenntuiß ist imponirend. Fruchtbringend kann das Studium des Buches nur für Denjenigen sein, der die semitischen Dialecte kennt und an eingehende gelehrte Arbeit gewohnt ist. Leider ist es mir nicht gestattet, hier eingehende—Details aus dem Inhalt des Buches zu geben. Nikolsbura, Februar 1896. D. Feuchtwang. Briefkasten. Julius H. Diese Begünstigung wird auch jüdischen Seelsorgern gewährt. Dr. B. G. Es ist ein schöner Zag vom Herrn Berg an i, daß er für das Schicksal des Herausgebers des „Christlichen Extrablattes" verständnißoolle Theilnahine hat. B—en. Die antisemitischen Zeitungen fristen hauptsächlich von den Ausschnitten ans den liberalen Blättern ihr Dasein. Ihre Devise lautet eben nicht: Steht't bei Gesinnungsgenossen. L. B. Die Zeit, in der Dr. Lueger sich über Mechaniker Schneider in der wegwerfendsten Weise äußrrte, ist noch nicht so lange her. Damals meinte er: „Man sagt, Schneider stehe im Dienste der Polizei oder des Clerus — ich glaube Beide s." G—N. (Landstraße). Dr. Lueger hat nicht nur von den Juden so gesproch.'n. Er hat in einer Versammlung ausdrücklich gesagt: „Wenn Schönerer den Vergani spießen läßt, mir kann es recht sein." Heute ist allerdings Vergani sein Spießgenosse. A. Das hat der Manu einmal im Rausche gesagt. Es ist auch im Weine nicht immer die Wahrheit. L. Lächerlich. Goethe hat von Spinoza nie anders als in den Ausdrücken schrankenloser Verehrung gesprochen. Einmal ruft er aus: Heiliger Spinoza! Arthur. Lassen Sie dem armen Vergani doch die Freude. Wenn er schreiben könnte, möchte cr nicht abschreiben. Alfred K. Sie haben recht. In jenem Processe sagte der augeklagte Herr: „Berg a n i pflegte immer in der Redacrivn anszarufen: „Der P a t t a i muß zertreten werden wie ein Wurm." Niemand. Schmul Leeb Kohn lächelt wohl in den seeligen Gefilden, wenn er hört, daß Schönerer die Satisfactionssähigkeit der Jndenstämmlinge bestreitet. H. B. (Brody). Eine Abschrift genügt. Dr. Priester, Agram: Sie haben leider Recht!! Alexander H. Der berühmte Roman des George E l l i o t, in welchem der Held die Gründung eines jüdischen Staates plant heißt: „Daniel Deronda." ' L—o. Im Salon der Henriette Herz verkehrten auch die Brüder Humboldt. — Sie irren. Frau Charlotte Embden, die 96jährige Schwester Heines und ihr Sohn, Baron Embden, sind dem jüdischen Glauben treu geblieben. Ego. Nur die Albernheit kann solchen Lügen Glauben schenken. „Mnth." Diese Studenten haben der Ehre des Jndenthums mehr genützt, als mancher, der nur die Feder führt. Abraham Lötvy, Neumark. Wir haben die gesuchten Nummern bereits erhalten. Wien. L aur e o l naturechtes Pflanzenfett in Verwendung beim israelitischen Taubstummen-Jnstitnt, Wien; israelitischen Volkslüchen-Vereiu, Wien; israelitischen Altersversorgungshaus, Wien; israelitischen Spital, Preßburg; von Capacitäten Oer Wissenschaft begutachtet und aufs Beste empfohlen; ist zu bestellen für Wien: beim Vertreter Julius F r e u d e r, Wien, 2. große Schisfgasse Nr. 2; für die Provinz: in der Fabrik von Julius Moll u. C o m p., Wien, XIV. Huglgasse Nr. 26. Clara Kahane Stiftung zur Heiratsausstattung, Es wird hiemit zur Kenntniss gebracht, dass am 14. Thamus (25. Juni) die Zinsen der obgenannten Stiftung zur Heiratsausstattung zweier mittelloser, anständiger Waisenmädchen israelitischer Confession im Betrage von je fl. 210 ö. W. zur Verleihung kommen. Die Bewerberinnen haben nachzuweisen, dass sie: 1. der israelitischen Confession angeboren, 2. streng sittlich, mittellos und verwaist sind, 3. sich im Brautstande befinden. Bewerberinnen, die sich vor der Verleihung verehelichen, verlieren den A*nsprnch aut die Verleihung. Die Gesuche sind bis 6. April 1896 im Einreichungsprotokcll der israelitischen Cultusgemeiude I, Seitenstettengasse 4, II. Stock einzureichen. Rosa Adler geh. Alschech-Stiftung. Aus der obigen Stiftung gelangen am 24. Mai d. J. die Zinsen im Betrage von ö. W. fl. 8 an eine arme Witwe oder ein armes Waisenkind zur Verleihung. Witwen haben ihre mit dem Todtenscheine des Gatten, Waisenkinder die mit den Todtenscheinen der Eltern nnd einem Armuthszeugnisse belegten Gesuche bis 6. April 1896 im Eiureichungsprotokolle der isr. Cultusgemeinde I., Seitenstettengasse Nr. 4, II. Stock während der Amtsstunden von 9—12 Uhr Vormittags zu überreichen. Auf nicht gehörig belegte Gesuche wird keine Rücksicht genommen.

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