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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-03-06 · 10 (6.3.1891) · p. Seite 189

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
10 (6.3.1891)
Date
1891-03-06
Page
Seite 189 (sequence 15)
Language
German
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Nc. 10 Hesterreichifche Wochenschrift Seite 189 Griechin und Jude Erzählung von *** (Fortsetzung.) Hierauf mußte Simon seine griechische Tracht wieder anlegen, die Augen wurden ihm verbunden und zwei Männer geleiteten ihn durch den Wald. Nach einem Marsche von ungefähr einer halben Stunde hatten sie die Straße erreicht. Sie nahmen Simon die Binde ab. zeigten ihm den Weg nach Hebron und liefen wieder in den Wald hinein. Simon schlug den Weg nach Hebron ein. Als er nach einem zieinlich anstrengenden schnellen Marsche die Stadt erreichte, ward er von der Trauer, die in ihr herrschte, überwältigt. Die Läden waren geschlossen, die Straßen fast ganz leer; nur hie und da sah man eine Gestalt weinend dahinschleichen. Die Gedanken an den Zweck seiner Rückkehr, an die Gefahr der Geißeln, welche der schnelle Marsch in frischer Luft etwas zurückgedrängt hatte, traten in der Küstern stillen Stadt um so lebhafter hervor, und bemächtigten sich Simon's vollständig. Er sah sich schon vor dem römischen Tribun, fühlte sich schon an's Kreuz geschlagen, und rief unwillkürlich, wie ihm Abraham befohlen: „Höre Israel!" Der Ruf widerhallte laut in der einsamen Straße, so daß Simon selbst über das Echo erschrak. Doch er faßte sich bald und eilte zur Caserne der römischen Soldaten. „Was willst Du!" schrie ihm ein, vor dem Eingang Wache haltender Soldat zu. „Ich bin Simon, der den Centurio getödtet hat. Sage dem Tribunen, daß er meinen Großvater und die Vorsteher der Gemeinde freilassen und mich allein richten soll." Erstaunt blickte der Soldat auf den griechisch gekleideten Mann, der doch nach Art der Juden sprach und sich so eifrig und unerschrocken zum sichern Tode meldete. Doch die Wache durfte ihren Posten n cht verlassen, und der Soldat wußte sich nicht zu helfen. Simon, der sein Zaudern nicht begriff, wollte an ihm vorbei in die Caserne hineingehen! Dies wollte aber der Soldat nicht gestatten. Ihr lauter Wortwechsel rief einige in der Nähe befindliche Soldaten herbei die, nachdem sie erfahren hatten, um was es sich handle, Simon ergriffen und zum Tribun schleppten, wobei sie es nicht unterließen, ihn auf dem Wege zu mißhandeln. So hatte Simon bereits einen Vorgeschmack seines Märtyrerthums bekommen, als er vor den Tribun gebracht wurde. Ohne eine Aufforderung abzuwarten, wiederholte er vor diesem sein Geständniß und verlangte die Freilassung der Geißeln. „Hund von einem Juden." schrie der Tribun, „Du wagst es zu behaupten, daß Du allein einen römischen Centurio getödtet hast. Zehn solcher nichtsnutziger Kerle wie Du würden es nicht wagen, einen römischen Soldaten anzugreifen. Gesteh' also sogleich, wer Deine Helfer waren und wo Du bis jetzt versteckt warst, oder es wird Dir schlecht ergehen." „Ich habe keinen Helfer gehabt, ich habe die That allein gethan, wo ich bis jetzt war, kann ich nicht sagen und Schlimmeres als die Hinrichtung kann mich doch nicht treffen." „So glaubst Du," höhnte der Römer, „das wirst Du ja gleich sehen." — Rufet die Folterer herbei," herrschte er den Soldaten zu, u >d versetzte zugleich dem armen Simon einen Faustschlag in's Gesicht, daß ihm das Blut aus Mund und Nase schoß. Simon stieß keiuen Laut aus, er schien den Schmerz nicht zu fühlen. Der Schlag des Tribunen erinnerte ihn an den, welchen ihm der Centurio versetzt hatte, und mit einem Male standen alle Ereignisse jener Nacht wieder vor seinen Augen. Es war ihm, als hörte er wieder die süße Stimme Irenens, wie sie ihn zur Flucht beredete. „Wo sie nur jetzt sein mag." dachte er, „ist sie schon in Egypten oder schisst sie noch aus dem großen Meere? Wenn ich sie doch noch einmal sehen» nur noch einmal ihre Stimme hören könnte." Doch die rohen Stimmen der Foktersclaven, welche inzwischen herbeigeeilt waren und über ihn herfielen, weckten ihn aus seinen sehnsüchtigen Träumen. Ohne eine Klage auszustoßen, ließ er sich von ihnen ergreifen und binden. Noch einmal schrie der- Tribun: „Gesteh', wer hat Dir geholfen, frecher Beschnittener." Simon wiederholte seine Betheuerung, daß er allein die That vollbracht. „Und warum hast Du es gethan," fragte der Tribun. Simon wollte antworten, aber da fiel ihm ein, daß ec ja erzählen müßte, daß er sich Irenens angenommen, daß sie ihm zur 'Flucht verholfen habe. Wie, er sollte vor diesen rohen Soldaten sein ganzes süßes Geheimniß erzählen, den Namen Irenens, den er selbst dem Ehrfurcht gebietenden Abraham nicht genannt hatte, verrathen und sie vielleicht in Gefahr bringen! — Das konnte er nicht. Er antwortete, daher nnr: „Das kann ich nicht sagen." Der Tribun, über diese Verstocktheit noch mehr ergrimmt, gab den Sclaven ein Zeichen» Simon ward in den Hof geschleppt und die furchtbaren Geißeln fielen auf seinen entblößten Rücken nieder. Er hielt die ersten Schläge schweigend aus. Als aber die Folterer immer stärker loshieben, der Schmerz immer heftiger wurde, da schrie er laut aus: „Höre Israel! . . . . Der Ruf ward in dem in der Nähe befindlichen unterirdischen Kerker gehört, in welchem sich die jüdischen Geißeln befanden. Sie wußten nicht, daß es Simon war, der da wenige Schrille von ihnen entfernt gegeißelt wurde; aber sie erkannten, daß es ein Glaubensgenosse sei, der von den Römern gepeinigt wurds, und wie um ihm Mulh einzuflößen, fielen sie einstimmig ein: „Unser Herr Gott ist der einzige Gott!" Aber lauter als ihre Stimme, ertönte auf einmal eine Framustimme: „Laßt ihn los, er ist unschuldig," rief sie auf griechisch, und vor dem erstaunten Tribun stand Irene. Mehr noch war Simon überrascht, der sie schon weit weg von Hebron glaubte. „Du hier?" rief er unwMürlich. „Um Dich zu vertheidigen," antwortete sie ihm mit vorwurfsvollem Tone, der aber von dem Blick voll Liebe, den sie ihm zuwarf, Lügen gestr.ift wurde. Dann, sich an den Tribun wendend, sprach sie: „Simon ist unschuldig, er hat sich meiner angenommen, als der Centurio sich Ungebührliches gegen mich erlauben wollte. Darauf schlug ihn dieser mit der Faust in's Gesicht, Simon wehrte sich, sie rangen miteinander, der Centurio stieß mit seinem Schwert nach Simon, sie fielen dann beide zu Boden, und da ist der Centurio getödtet worden." „Was" — schrie der Tribun, „weil der Centurio Dich küssen wollte, hat der Jude ihn ermordet, eine Griechendirne soll sich geehrt fühlen, wenn ein römischer Soldat sie seiner Gunst würdig findet. Und wer hat denn je gehört, daß ein Jude sich einer Griechin angenommen hätte! Aber ihr Griechen und Juden seid alle lügnerisches Gesindel. Ihr beide habt gewiß den Römer aus einem Hinterhalte überfallen, um ihn zu ermorden und zu berauben. Doch was verschwende ich meine Zeit mit Euch. — Werft sie beide in's Gefängniß," rief er den Soldaten zu, „morgen sollen sie beide gegeißelt und dann gekreuzigt werden"» „Sie darf nicht gegeißelt werden," schrie Simon, „sie ist die Tochter eines römischen Bürgers." „Kennst Du so gut das römische Gesetz Jude," rief der Tribun, „so sollst Du auch wissen, daß keine Strafe zu groß ist, für den. der einen Centurio meuchlings ermordet." Unter Lachen und rohen Scherzen wollten die Soldaten Irene ergreifen. Doch sie riß sich los, der nahe bevorstehende Tod machte sie alle bisherige Zurückhaltung vergessen, sie fühlte nur, daß sie Simon liebte und mit ihm vereint sterben werde. Weinend warf sie sich an seine Brust. Und auch Simon vergaß alle seine Scrupel, er umschlang die Griechin und drückte einen innigen Kuß auf ihren Mund. Die Soldaten rissen die Liebenden von einander. Simon ward in den unterirdischen Kerker geworfen, in welchem sich die Geißel» und noch einige andere gefangene Jaden befanden, Irene wurde in eine darüber befindliche Kammer gesperrt. 8. Irene blieb allein in ihrem Kerker, und in der Einsamkeit ward sie sich erst recht des schrecklichen Schicksals bewußt, das ihr bevorstand. Bittere Thränen vergoß sie, nicht über sich, aber über Simon und über ihren Vater. (Fortsetzüng folgt.)

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