Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1896)
- Date
- 1896-11-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Beiblatt zum ״Berliner Vereinsbote.“ Nummer 48. Berlin, den 27. November 1896. 11. Jahrgang. Hotel Mttnehener Hof, _ JMF" כשר Restaurant I. Ranges, כשר SMäMmtr. 1113, EMK empfiehlt seine mit allem Comfort der Neuzeit ausgestatteten Pestsäle für Hochzeiten und Festlichkeiten. — Vorzügliche, von orthodoxen BaDblnern für streng rituell anerkannte Küche, Mark!,— pro Hang, incl. Wein, Bier, Selter. Grosser Frühstücks- und Mittags-, ttsotu —- Diners und k la carte. — Gut gepflegte Weine von 25 Pfg. a Glas an. — Reichhaltige Speisenkarte zu jeder Tageszeit. Sonntag, Mittwooh nnd Freitag: §MF״■ Fische, ^WE k Portion 75 Pfg. — Fernsprecher Amt V, 8139. L. Rothenberg H. MATZKE Vergrösserungs-Institut Alexanderstr. 34. , V Wegen Ersparnis derLadenmiethe \ hin ich in der Lage umsonst \jede Photographie herzustellen, wenn dieselbe bei mir zur Vergrösserung bestellt wird in Kreide, Fkstell und Oelfarbe von 6,—Mk. ap. Garantie für volle Aehnlichke|t. Auswärts franco. Bedeutende Preisherabsetzung. 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Oktober 1896. Dem hochlöblichen Vorstande der israelitischen Gemeinde zu Berlin erlaube Ich mir im Interesse der israelitischen Gemeinde zu Calcar nachstehende Bitte ganz ergebenst vorzulegen: Die israelitische Gemeinde zu Calcar, eine arme Gemeinde, da sie seit der Xant&ier Affäre wirtschaftlich nicht vorwärts kommen kann, steht vor der Notwendigkeit, ein Schulhaus bauen zu müssen. Aus eigener Kraft kann sie das nicht fertig bringen, sie trägt schon jetzt eine Kultussteuerlast von 260 Prozent der Einkommen- Steuer. Nur mit grosser Mühe ist es mir, den! Ortsschulinspector, gelungen, den Bestand der Schule, die sM1 der Anerkennung der Vorgesetzten erfreut und eine recht lebensfähige ist, aufrecht zu erhalten. Ich habe, da die Regierung die Benutzung des allerdings ganz unzulänglichen jetzigen Schulraumes nicht länger dulden will, den Neubau einer Schule angeregt, auch bin ich der Verfasser der anliegenden herzlichen Bitte. (Diese im Druck beigefügte Bitte geht von dem Vorstand der israelitischen Gememde zu Calcar aus, und ist an die israelitischen Glaubensgenossen im Lande gerichtet. D. Red.) Wir haben mit unserem Unternehmen bis jetzt guten Erfolg gehabt, circa 1500 Mk. sind schon gesammelt. Noch gestern übersandte der Herr Rabbiner Dr. Frank in Köln 200 Mk. als Gahe der Alliance israeiite universeile, auch der ״Israelitische Gemeindebund״ hat uns kräftig unterstützt. Die israelitische Gemeinde in Calcar hat es durch ihr treues Zusammenhalten, durch ihr Leiden in schwerer Zeit, durch den rechtschaffenen Lebenswandel ihrer Glieder wohl verdient, dass ihre Glaubensgenossen ihr in dieser bedrängten Lage helfen. '"׳ , " * ׳׳ ‘-V . , ׳ . Wenn es Huch hier mkeiiier Weise auffallend erscheint, dass ein evangelischer Pfarrer für seine israelitischen Mitbürger" eintritt, so liegöii findörswo die Verhältnisse anders. Darum möchte •*׳ ich mein EintDGn motiviren. Abgesehen von meiner dienstlichen;י Stellung zur israelitischen Gemeinde, bin ich hier seit zwölf Jahren in dieser stockultramontanen Gegend (1er Repräsentant und der Mund der bedrückten Minoritäten. Das sind die evangelischen Gemeinden, deren Pfarrer ich hin, und die israelitische Gemeinde, die sonst Niemand hat, der sich ihrer amiähme. Die grosse Freiheit, welche meine Stellung mir gewährt, habe ich stets im Dienste meiner Mitmenschen ohne Rücksicht auf ihr Glaubensbekenntniss benutzt. Den Antisemitismus sehe ich mit allen meinen Glaubens* brüdern am Niederrhein als etwas Verächtliches und Schmaehvolles an. Meine Glaubensüberzeugung drängt mich, alle Menschen zu lieben und allen zu helfen, vor allem den schwachen, etc. etc. Pennekamp, evang. Pfarrer, Schulinspektor. Natürlich ist dein Ansuchen der Gemeinde zu Calcar ohne Weiteres entsprochen worden. Das Beispiel des Pfarrers Pennekamp aber, der, wie er selbst sagt, mit allen seinen Glaubensbrüdenr am Niederrheiu den Antisemitismus als etwas ״Verächtliches und Schmachvolles״ ausieht, verdient es, im Gegensätze zu dem Vorgehen mancher seiner Amtsbrüder, die die Verhetzung und Unduldsamkeit als ihr vornehmstes Metier betreiben, in den Annalen der Tagesgeschichte dauernd festgehalten zu werden. ץ.י'■"־". ' . (Aus: - ß. T.) Eine Ehrengabe von Berliner Frauen wurde am ■Mittwoch Vormittag Frau Lina Morgenstern anlässlich ihres•!lösten Geburtstages überreicht, und zwar in Anerkennung für die Verdienste, die sie sich als Urheberin des!Frau'en-Oongrös- 868 um denselben erworben. Die Ehrengabe bestand in einem von den Damen überaus kunstvoll in Gobelin Stickerei angefertigten Lehnstuhl und einer geschmackvoll ausgeführten Adresse mH. •der Devise: ״Sie hat’s gewagt.״ Leider fühlt sich Frau Morgenstern seit den Anstrengungen der- Oongresstage leidend und liegt zur Zeit an einer Nervenentzündung krank darnieder.