Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 44 (30.10.1896)
- Date
- 1896-10-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Garantierte Auflage 5000 Exempla: Berliner $erein$b61e Pcstzeitungs-Liste 978. *' Cenlrd־Orq,c1r| für die jüdischen Vereine ßerlins. Erscheint jeden Freitag, 'wird allen Mitgliedern der Vereine gratis zugestellt, und liegt in. allen jüdischen Hotels und Restaurants aus. Bezugspreis für Nichtmitglieder 1 Mark vierteljährlich. — Insertionspreis für die viergespaltene Petitzeile 30 Pfg. Expedition und Annoncen-Annahme: Berlin HO., Kaiserstrasse 39 40. Nummer 44. Berlin, den 30. Oktober 1896. II. Jahrgang. Wir bitten höfl. um gefl. Angabe etwaiger Adressenveränderungen. Wegen Unpünktlichkeit oder Unregelmässigkeit in der Zusendung wolle man in unserem Bureau Kaiserstr. 39 40 reklamieren. , Auf zur That! Der Worte sind genug gewechselt. 1• Nun lasst ui!"■ Thate!1 >el!en. j Die vun einem hervorragenden Mitgliede unserer! bensgorneinsehaft nusgegangene Anregung zur Gründung j einer jüdischen höheren Mädchenschule in Berlin W. hat! zur Erörterung einer Frage Anlass ■ gegeben. die wie | nicht anders zu erwarten war — die verschiedenartigste i Beantwortung gefunden hat. Dass der weitaus grössere j Teil der Zuschriften für die (Gründung der in Bede stehen- | den Schule sieh aussprieht, •erscheint .uns als ■ein bedeutj sarnes ,,Zeicheg der Zeitu. Man scheint nicht tu ein׳' ge- I willt zu sein, die Zurücksetzungen, die unsere Mädchen j seitens huinenhgfter und intoleranter Schulvorstoherinnen ן erfahren, und die dadurch unserem Bekenntnis zugefügte j Schmach ohne weiteres hinnehmen zu wollen. Es scheint | sich in den Herzen der Zu rückgesetzten und lh •nacht eij ligten endlich dasjenige Gefühl zu regen, das inan in der i Zuversicht auf das baldige Verschwinden dieser Symptome, j von Intoleranz gewaltsam zurückdrängen zu müssen gej glaubt hat. Man empfindet jetzt anscheinend Reue dafj über, dass man sich die verletzende Behandlung so lange• j hat gefallen lassen, während•• doch ein energischer Brotes!, ן weit eher am Platze gewesen wäre, als eine fernere gej duldete Gemeinsamkeit mit jenen Unduldsamen. denen zwar’j das Schulgeld aus jüdischen' Häusern die, vernehmlichste j Einnahmequelle ist, die aber nicht im entferntesten daran j denken, die jüdischen Kinder dieselben Rechte• gen!essen j zu lassen, wie die christlichen.. \ Im Gegensatz zur Erziehung der männlichen Jugend j überlässt sowohl der Staat; als auch, die Sta3t die Unterj Weisung der Mädchen zum grossen Teil privaten Unternehj ' muiigen. Man sollte' meinen, dass es Aufgabe gerade der j Privat schulen sein sollte, den paritätischen 'Charakter zu j währen. Weit gefehlt!! Wir stehen nicht einen Augenblick an, zu erklären, | dass wir die paritätische Schule als den fdealzustaud des | gesamten Schulwesens betrachten. Aber wir verlangen | dann auch Parität in allen Stücken, sowohl in bezug auf | die Behandlung der Kinder, als auch bezügl. der Anstellung! der Lehrkräfte. Bade r, haben wir ׳ keine paritätische Schulen in diesem Sinne gehabt. oder sie wurden so gen'annt, aber es fehlt«- ihnen die Parität. Wir stellen mit allen Fasern unseres II׳uz׳ ns auf deuL-eli-nat iona!•*m Boden und sind jederzeit gewillt, alle unsere Kräfte und Fähigkeifen in den Dienst unseres gemeinsamen Vaterlandes zu stellen. Jeden Vorwurf ׳ separatistischer. Gelüst.- weisen wir mit aller Entschiedenheit zurück, und trotz unserer religiösen Eigenart, oder besser ׳•ben weil wir ,luden sind, wollen wir an dem Streben nach einem Ausgleich der e*mfessionellen Gegensätze Tn*farbeiten. - Verdienen wir aber nicht die VorwüriAuicr Aufdringlichkeit,- wenn wir unsere Kinder Instituten übergeben.-.in denen inan sie nicht haben will, wo sie den Kränkungen ■ gewissenloser und ptliehtvergessener Lehrer und der Geringschätzung und Missacl'itnug ihrer Sehulgenossen ausgesetzt -sind, wo ihr B<׳ kenntniss x ersehmäht wird und siedein Kinttuss des ..christiiclien Geistesli systematisch gewonnen werden sollen? Diejenigen Fltern. die dem jetzigen Zustand ruhigen Gemütes Zusehen kömnen, sind sieh‘ jedenfalls der Tragweife .ihres dolce far niente nicht bewusst; -sie vergessetC” dass das ruhige Hiinmlnnen der unseren Kindern nu^r uns zugefügten Kränkungen und Verletzungen den - Mangel an Selbstachtung verrät, der sich, in der Vernichtung seitens der anderen bitter, ■aber nicht .unverdient nicht. Die in dem ersten Artikel ׳ in No. 40־ unseres Blattes angeführt en Falle von Undfildsamkeitmmd Zurücksetzung sind, wie schon ' erwähnt:,, als typisch ans einer " Menge ■ u ns vor- 1 iegen<1 en Ma ter! a ls h einusgegri ffenund•' wir sind ׳ in der Lage, mit mehreren traurigen Beispielen das MädehensehulWesen im Westen zu illustrieren; Dms es dort eine ganze Anzahl Schulen gh-bt, die Mädchen jüdischen Glaubens ausschliessen, Kt• br-kannf. Welche Früchte aber die Teilnahme jüdischer' Mädchen am christlichen -1 'eligioiis- ־ unterricht treibt, und welc he Gefahr für unser 'Be.ke'nnt.uL ' daraus erwächst, möge am folgenden Beispiel gezeigt werden, das wir einem von uns nicht veröffenrlicliteii ■.Briefe.,ent-, nehmen. Die hier in betracht kommende .Stelle lautet wärtlieh: .,Veranlasst ■durch den Meinungsaustausch über die Gründung einer jüdischen höheren Mädchenschule in Ihrem geschätzten Blatte teile Ihnen mit, ■da>s ich ganz־ eben