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Berliner Vereinsbote · 1896-09-26 · Heft 39 (26.9.1896) · page 3

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 39 (26.9.1896)
Date
1896-09-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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״Gewul-Tauw“-Humanitäts-Verein. Am Sonnabend, den 26. Septbr., Abends 8 Uhr, findet in den prächtigen BräeeFecben Feateälen, Neue Frioärichstr. 35, ein TANZ-KRÄNZCHEN verbunden mit Gesangs- und humoristischen Vorträgen unter Mitwirkung namhafter Künstler zu Gunsten der Gustav Michaelis - Stiftung‘ statt. — Die oben benannte Stiftung dient den edelsten Bestrebungen unseres Vereins und bitten wir im Interesse der Humanität um recht; zahlreiches Erscheinen. — Billets, ä Person 1 Mark, sind zu haben bei dem unterzeichrieten Vorsitzenden und den Vorstandsmitgliedern. Der Vorstand. G. Michaelis, Wiriterfeldtstr. 34. © Aus der Gemeinde. Repräsentanten-Sitzung am 20. September er. Der Vorsitzende (H. Landsberger) . eröfinete die Sitzung mit einem warmen Nachruf an Geh. Sanitäts-Rat Dr. Kirsten!. Die Versammlung ehrt das Andenken des Verstorbenen durch Erheben von^ den Sitzen. Ein Dankschreiben seitens der Hinterbliebenen des Dr. Kirstein wird zur Verlesung gebracht. An Stelle des Dr. Kirstein ist Dr. Eugen Apolant in das Repräsentanten-Collegium eingetreten. Mehrere Zuwendungen, resp. Stiftungen werden von der Versammlung mit Dank angenommen; Herr Louis Sachs und Gattin Mk. 5000 an die Armen-Commission, Geschw. Bölim Mk. 12000 an die Altersversorgüngs - Anstalt, Erl. Glaser und Minna Cohn ca. Mk. 3000 zu Gunsten der Mädchenschule. Zu Revisoren der Hauptkasse und der Depositorii werden die Herren Leichtentritt, Oppenheim u. Simon gewählt, In die Commission zur Vorbereitung der Vorstands- Ergänzung« wähl werden gewählt: M. Manheim er, d. Frankel Di'. Blumenthal, Dr. Jastrowitz, Simon, Louis Sachs. Bekanntlich scheiden aus dem Vorstände: Direktor Hermann, Jaeoby und Dr. ■Wiesenthal. Die Erneuerung des Grabsteins für den Gelehrten M e y e r H i r s c h erfordert ein 011־ Kosten au f w an d v 011 Mk. 230, welcher Betrag auch bewilligt wird. Dem Rechnungsabschluss des ״Talmud-Torah- und Schulvorstands״ (Simon) ist zu entnehmen, dass die I. u. II. Religionsschule an Schülerzahl etwas abgenommen. die III. u. IV. zugenommen haben. In letzteren ist die Schülerzahl auf 45 gestiegen. Herr Leichtentritt referiert sodann über den Rechntingsabschluss der Friedhofs-Commission. Es ist eine'Ersparnis von Mk. 53,000 zu verzeichnen, darunter ein Ueberschuss von 48,000 Mk. bei der Gärtnerei-Verwaltung, die jetzt in eigener Regie sich befindet. Mk. 27,000, d. i. י/;{ sämmtlieher Beerdigungskosten werden niedergeschlagen. Bei diesem Punkte regt Stadtrat Dr. Weigert an, die Beerdigungskosten niedriger zu fixieren, damit nicht so viele Niederschlagungen nötig;seien. Dagegen wird geltend gemacht, dass die er- Jüd. Lesehalle und Volksbibliothek. Münchener Hof Spandauerstr. 11-13 für jedermann geöffnet: \ Wochentags 14, Sonnabend 2—5. Sonntag 10—2. Das Musik-Lehr lnstitut von Max Sch nie rl, Fehrbeilinerstr. .18, beginnt den Winter-Cursus am 1. Oetober. Tüchtige Lehrkräfte unterrichten in diesem Institut nach bewährter Methode. Die bisherigen Erfolge sichern, dem Institut auch in dem neuen Heim guten Zuspruch. Grösste und billigste Bezugsquelle für yA frische Blumen, J* W BERLIN W. Charlottenstr. 48. Telephon Amt I, 984. ,,Israelitischer Jugendfreund" )llMrierte Zeitschrift zur Belehrung und Unterhaltung, herausgcgeben von . ' G. Flanier. vierteljährlich 1 Mark. Zu beziehen durch dje Post, durch jede Buchhandlung oder direkt von der '׳ Expedition, EhriDnenssr. 36. Pv-brtz-ftk » ft t »Im. 1 .. hobenen Beerdigungskosten von Mk. 110 kauin die Selbstkosten decken. Ein niedrigerer Satz würde zur Folge haben, dass die zahlungsfähigen Mitglieder weniger zahlen, die Niederschlagungen jedoch nicht aufhören würden. Rechts-Anwalt Tiktin interpelliert, weshalb der Jugendgottesdienst an .den hohen Festtagen nicht abgehalten wurde. Vom Vorstande wird erwidert, die Zeit sei zu kurz für die Beschaffung geeigneter Lokalitäten und Funktionäre gewesen, um den Jugeiidgottosdienst möglichst würdig zu gestalten. Vereins-Schau. Die ״Vereinigung Monbijou" veranstaltete Sonnabend, den 10. ds. in den Räumen des Vereinshauses Wilhelmstr. 118 ihren ersten diesjährigen Gesellschaftsabend. ./Herr Dr. H. Loewe, der imsern Lesern durch seine Thätigkeit für die Alliance-Lsraelite. sowie durch die Palästina-Abteilung ,in der Ausstellung ״Kairo" wohl bekannt sein dürfte, hatte in liebenswürdigster Weise einen Vortrag. ..Der ewige Jude in Sage und Geschieht»•“, übernommen. Ahasver ist unbedingt der populärste Mann seines Stammes. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts tritt an verschiedenen Stollen zugleich die Erzählung von dem Juden auf. der den Heiland verhöhnt und von diesem verflucht wird zu wandern, bis er zu rück kehrt, um auch ihn zu erlösen. Er׳ freut sich anfangs über die angenehme Strafe, als jedoch die Generation,, die mit ihm gelebt, ausgestorben, erfüllt auch ihn der Wunsch, seine irdische Mission zu beendigen und er macht Selbstmordversuche, vergebens, seine zähe Natur siegt. Ruhelos irrt er in den verschiedenen Ländern Westeuropas umher, ein alter ergrauter Mann, seine Schuhe haben die Kraft ihn nie rasten zu lassen und sein .Groschen in der Tasche hat die schätzenswerte Eigenschaft, ihm nie auszugelien. So die Erzählungen, wie sie uns bereits Math. Paris ins in! Jahre 1228 wiede'rgiebt■ und wie sie auch, allerdings neben anderen Versionen, in »len Mund des Volkes־ übergegangen sind. Der Hang -zum Mystifizisnras. <jer für ־das ganze Mittelalter charakteristisch, fördert natürlich das Interesse an dem Manne; der dem Heiland Aug in Aug *gegenübergestanden und der am unwid<1rl<*g]iohsten die Echtheit all der Reliquien, Christusbildor etc.^doenmentiren könnte. Ah verschiedenen Stellen: zu Madrid, Danzig, im W ürt e n her gischen, tritt er auf, bald hat er ־die Welt. 7, bald 77 mal ־ durchquert, er scheint ab und zu aussergewöhnliche Ausgaben zu haben, denn er bemüht sich, durch Verkauf von . . seine Einnahmen •zu vergröss ern: in Helmstedt wird über ihn Uissertirt: er soll, natürlich wieder gegen Bezahlung, erzählen, was er weiss, begeht jedoch die Vorsichtigkeit, am Vorabend־ ׳seiner Vernehmung zu verschwinden. Herrn Ahasver scheint es in Europa nicht mehr zu behagen, er geht nach Amerika, besucht dort einen mormonisehen Priester und gieht durch »׳ine amerikanische Zeitung, von seinem Dasein Nachricht. Das. war sein letztes Lebenszeichen.-. Ahasver, der alte Jude, er wird heute wohl nicht mehr kommen, um an die Stallthüre eines Bauern zu schreiben: ,,Ich, der ewige Jude, habe bei dir gewohnt und danke dir;" er wird sich begnügen müssen, die symbolische Bedeutung weiter zu spielen, der er seinen ־'Ursprung überhaupt, vordankt. Ahasverus ist das jüdische Volk, das in der Fremde irrt, das durch Jahrtausende ein ruheloses Wandelleben führt. Nirgends kann cs festen Fass fassen. Gehetzt wie ein Tier, flieht es 'von ■Ort zu Ort, von ■Land zu Land, bis über das Weltmeer und auch ׳dort soll es nicht Ruh noch Rast finden. Doch ein Land noch giobt es, ' wo das verfolgte und geächtete Israel ein Asyl finden wird. . Glück-■ verheissend scheint '׳es uns zu winken, und wahrlich, genug der Beweise sind in den letzten Jahren erbracht, dass der einst so fruchtbare Boden Palästinas noch nichts an Ergiebigkeit eingebüsst hat. Blühende Dörfer sind unter den Händen jüdischer Bauern entstanden und überall regt sich neues Leben. Schauen wir vertrauensvoll in die Zukunft, die Sonne des Glücks wird auch Israel wieder aufgehen. A11 den Vortrag, der, wie nicht anders zu erwarten, mit/ stürmischem Beifall aufgenommen wurde, reihte sich der gesellige Teil an, der die Mitglieder bis in den Morgen hinein beisammen hielt.

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