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Berliner Vereinsbote · 1896-09-26 · Heft 39 (26.9.1896) · page 1

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 39 (26.9.1896)
Date
1896-09-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Garantierte Auflage 5000. Berljner feeingb6fe. A Postzeitungs-Llste 978. Cenlrc1I0־rqaq für die jüdischen Vereine Berlins. Erscheint jeden Freitag, wird allen Mitgliedern der Vereine gratis zugestelit, und liegt iבן allen jüdischen Hotels und Restaurants aus. Bezugspreis für Nichtmitglieder 1 k^erk vierteljährlich. — Insertionspreis für die viergespaltene Petitzeile 30 Pfg. Expedition und Annoncen-Annahme: Berlin NO., Kaiserstrasse 39/40. Nummer 39. Berlin, den 26. September 1896. II. Jahrgang. Wir bitten höfi. um geil. Angabe etwaiger Adressenveränderungen. Wegen Unpünktlichkeit oder Unregelmässigkeit in der Zusendung wolle man in unserem Bureau Kaiserstr. 39/40 reklamieren, Zur Geschichte des jüdischen Schulwesens in Berlin. Aus einem Vortrage von Prof. Dr. Ludwig Geiger, In der Geschichte der Juden in Berlin spielt naturgemäss die Geschichte der Schule eine hervorragende Bolle, wie ja überhaupt das Schulwesen der beste Masstab für die Beurteilung der Kulturstufe ist, auf der ■ein#Gemeinde, eine Stadt, ein Staat stellt. Was für ein hervorragender Faktor in der jüdischen Gemeinde Berlins die Schulen waren und noch heute sind, geht aus dem Buche des Herrn Prof. Dr. Geiger ,.Geschichte der Juden in Berlin“, wie aus der Frequenz der Unterrichtsanstalten hervor. Dem Vortrage lagen das bereits erwähnte Buch .,Geschichte der Juden in Berlin“, sowie die Berichte der Rektoren Dr. Holzmann und Dr. Adler zu Grunde. ,,Der Tag der Ausstellung des Ansiedelungs-Privilegiums für die aus Wien vertriebenen ■Österreichischen• Juden mit ihren Familien, der 10. September. 16.71, ist der Gründlingstag der Berliner Gemeinde.^ Eine ״ öffentliche- Synagoge .war: den Juden nicht gestattet, ebenso lag das jüdische Schulwesen im Argen. Die ersten Schulmeister stammten aus Polen. Dumpf lastete die Unwissenheit auf der •jüdischen Jugend. Erst Mendelssohns Hervortreteii. erst sein Beispiel brachte eine Besserung. 1761 würde der Plan einer jüdi sehen Armenschule ausgearbeitet, die Errichtung aber erst 1778 durch David /Friedländer mit Kraft und Einsicht zu Ende geführt. Der Hauptzweck der Schule war, die deutsche Sprache Und deutsche Bildung den Kindern zugänglieh zu machen. In den ersten 10 Jahren des Be- Stehens dieser Freischule sollen 5-600 Knaben, mit den nötigen Kenntnissen ausgerüstet, die Anstalt verlassen haben. Sie wurden Sendboten eines neuen Geistes für ganz Deutsch-!and. Allerdings dauerte diese erste auf David Friedländer zurückführende Blüte der Anstalt nicht lange. Das drückende politische Joch musste den geistigen Aufschwung lähmen. Dem Manne des praktischen Wissens, der seine Kenntnisse nur zum besten seiner Glaubensgenossen verwenden wollte, «tan6 ein Mann der philosophischen Erkenntnis, Lazarus Bendavid, zur Seite. Er war fast ein Menschen alter jünger als Mendelssohn: mit Friedländer vereint, hat er der zweiten Blütezeit des jüdischen Geistes in Berlin seine Teilnahme zugewandt.\ Zwanzig Jahre lang hat er der' jüdischen' Freischule ohne Entgelt und unter eigenen Opfern vorgestanden. Auch christliche Kinder hatten die Anstalt seit Bendavid־s Antritt besucht. Da griff ein Verbot der Regierung .hemmend ein (1819) und machte die Schule/immer mehr zur verachteten Winkelschule. Erst Leopold Zunz (1823) unternahm es, die Gemeinde \ durch eine Denkschrift für die Verbesserung des Schulwesens zu interessieren. Ihm, im Verein mit Moser und Bendavid als einer Kommission zur Organisation der Gemeindeschule, wurde die Rettung der Reste der Freischule und ihre TTeberleitung in die Gemeinde übertragen. 1826 wurde die Gemeindeschule eröffnet und die Leitung Leopold Zunz, die er aber nicht lange behielt, übertragen. Das Bedürfnis mach pädagogisch ausgebildeten Lehrern zeigte sich mächtig. Rabbiner Simon Weyl war der erste, der das Fehlende erkannte. Allein seine Anregung blieb ohne rechte Ausführung. Da entwarf Zunz, der in. Moritz Veit einen Förderer für die Sache fand, einen־ Lehrplan für ein Seminar, und schon 1839 wurde ein solches begründet und er als Direktor desselben . berufen. I)i<‘ Anstalt bestand zehn Jahre und wirkte segensreich. Aber sie war doch nicht recht lebensfähig, weil ihr keim* Uebungssohule für die reiferen Zöglinge zur Seite stand. Dieser Uebelstand wurde in der neuen Anstalt, die 1808 unter dem Rektorat von A. Hörwitz durch die Fonds von Talmud Thora errichtet würdd, beseitigt. Dr. ׳Geiger rühmte an Horwitz die Genialität, seiner Begeisterung, 6*Glauben und Bildung zu vereinen, ihn־ seit 1805 auch der Gemein de-K nabenschul 0 verstand, welche unter ihm eine grundlegende Vorbereitung für die Gymnasien und Realschulen durchführte. Seit 1809 ist das Seminar Gemeindein8titut geworden. 1884 wurde die Präparand'onschule begründet, die sich als ein segensreiches Institut erwies. Während so für die Knaben mach jeder Richtung gesorgt war, lag der Unterricht für die Mädchen lange im Argen. Im -Jahre 1835 war der Grund für die ' Mädchenschule gelegt worden, der eine lange Zeit Engelmann vorstand. Ihm folgte 1869 der als Gelehrter und Pädagog*,*

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