Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1896)
- Date
- 1896-09-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3019627-3019682-3019717--273-3020710- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Garantierte Auflage 5000. l1!' '[1',' '!׳P Postzeftimgs-Uste 978. für die jüdischen Vereine Berlins Erscheint jeden Freitag, \vij־d allen ’Mitgliedern der Vereine gratis /a!gestellt. ׳ und liegt in allen jüdischen Hotels und Restaurants aas. Bezugspreis für Nichtmitglieder 1 Mark vierteljährlich. — Insertionspreis für die viergespaltene Pet.itzeile 30 Pfg. Expedition und Annoncen-Annahme: Berlin NO., Kaisefstrasae 39 40. Nummer 37. Berlin, den 11. September 1896. II. Jahrgang. Wir bitten höfl. um geil. Angabe etwaiger Adressenveränderungen. Wegen Unpünktlichkeit oder‘ Unregelmässigkeit in der Zusendung wolle man in unserem Bureau Kaiserstr. 39,40 reklamieren._; _ , \ Versöhnung. Wenn draussen im Getriebe der Welt der Kämpf um’s Dasein he iss tobt, wenn draussen im Ringen um die Existenz die Gegensätze sieh hart berühren, wenn draussen im Getöse und Lärmen des täglichen Lehens die Lebensfrage eine immer schwierigere wird — dann ladet uns das stille, ruhige Gotteshaus zur .Rast und Ruhe ein: dann tönt aus den friedlichen Räumen der Synagoge das göttliche .,Friede auf Erden. Friede den Menschen!*‘ uns entgegen: dann feiert die .Indenheit das grosse Fest der Versöhnung. Ahm־ nicht in Trinkgelagen, nicht in wüsten. Zechereien, nicht: mit heissen Köpfen und heissen Herzen wird dieses Friedens- und Versöhnungsfest gefeiert: —im Hinblicke und im Vei - trauen auf einen gerechten und barmherzigen llott wird dieser Tag in geräuschloser Stille, in friedlicher Ruhe und demütigen Herzens gefeiert. Ist es doch der Sahbath der Sabbat he”! Bringt doch dieser Tag eine heilige Botschaft! Erfüllt doch dieses Fest einen idealen Beruf! Ist es doch seine Aufgabe. Frieden' herzustellen■ zwischen Gott und Mensch. Mut und Vertrauen zu erwecken im Menschen selbst־ und Versöhnung zu stiften zwischen Mensch und Mensch. - Klassisch bemerken die Welsen: ״Sünden zwischen Gott und Menschen sühnt der Versöhnt! hgs tag: doch Sünden zwischen Mensch uni Mensch sühnt er nicht. Wie viele Verkennung und Entstellung hat gerade diese Anschauung oder besser diese für uns geheiligte Satzung erfahren! Wer denkt nicht hierbei zunächst an das Kol *nidre, das unsere Feinde zum Gegenstände dreistester •.Fälschungen, benutzen und das als Beweis für die nichts würdige^ Behauptung!verhalten sollte, dass die Sittenlehre der Juden den Meineid nicht vorabscheue, da sie ,,zur Entbindung von ihrem Eide und Schwure־ alljährlich am Versöhnungstage in der Synagoge das Kol nidre-Gebet sprechen;“ (In einigen Gotteshäusern freisinniger Richtung ist der hebräische Text dieses Gebetes durch einen deutschen ersetzt worden. Ob diese Einrichtung als zweckmässig zu bezeichnen ist oder nicht, lassen, wir imerörtert). - ־ Wie immer, haben unsere Feinde auch bei der. erwähnten Beschuldigung. sich des ■hei -ihnen so belichten Mittels der Lüge und . Fälschungbmiimit: Die Lüg»־ b, - stellt darin, .dass dm wesentlichen Wo 11e. auf di«־'es ■hiergerade an kommt, in der־ gefälschten I’ebersctzung■. der Antisemiten geflissentlich., forfge lassen sind; Der verstorbene '"'.Professur■ Dalitzseh, eine anerkannte Autorität in dm־. Wissenschaft des Judentums, . ein stetig kirchlich gesinnter, frommer, christlialmr The»«log«־, schreibt hierüber «in ״״Rohlings Talniüdjude“ - S. 02: .,Was aber das 10!geschahen 1mmheu geleisteter/ Eide betrifft״, welches der Jude in «Imn Ko! ׳nidre am Vofabmid des Yersöhnungfestes erfleht., so wird dws«־s L!>g«־s1־h«־umaeheu durch den Zusatz daasania al nafschateinn 1> ׳. h. durch welciie wir uns auf uns«־»־}־ »-!gen«־ R«-rson verschwo!־«׳n habenausdrücklich auf solche Eide' besehränkt. w«־lcim man aus freiem Willen vor siel! selbst abgelegt hat, also auf eidlich übernommene und hinterdrein aL sündlich oder unausführbar' anerkannt(־ Selbstverjdhclnmigen. mit Aus- Schluss gerichtlicher .Eid«.־ und mit Wissen «las ‘Nächsten eidlich, übernommener Verpflichtungen gegen■ diesen/‘ .Der beste Probierstein .für die Reinheit des ' manschliehen Herzens ist::?7 Voitze ihn 11 g dem Feinde״. Ein Ihrz, in welchem keine Falschheit wohnt, kann nicht hassen. Es kennt keinen Feind, denn es hat Je!! göttlich *1־n|>orgeschwungenüber die kleinliclmn Sei! wä «־?!!־! e־׳(׳!■ M־׳nse!!./!. *Neid, ■Eifersucht, Missgunst, Falschheit und Lüg»•■'sind ihm fremd. In ihm wohnt nur Liebe. Freundschaft- und Wahr«- heit für alle. Religionen keünt es nur da. wo ■ sie ■'binden, und nicht dort, wo sie-■. trennen; Rassen nur «!;mwo sm lieben, und nicht dort, wo sie hassen: Rangovdifungen nur da, wo sie zur Qu<dl«* des Wohles für ■die' pbuiscliheir -werden,' und nicht dort, wo sie Götter unter ,Manschen schaffen wollen. -- Von solchen Grundsätzen geleitet, lasst uns die g«»ngeweihte Stätte betreten und Vcrsöhnuktg für uns um! unsere״ Xebenmenscheu erbitten. Yiertäusorid Jahr«־ zählt. Israel, doch zu keiner Zeit schien es wie .'ein besonderes Glück, ein .'Sohn Israel s zu sein. \'on Rharäo's Sekiveiirute bis zur russischen Knute, der Jude hat all die Schlangenstiebe der Bosheit und Bedrückung zu durchkosten gehabt: auf allen Flächen der Erde. Stets hat das Schlangen*‘