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Berliner Vereinsbote · 1896-09-04 · Heft 36 (4.9.1896) · page 1

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 36 (4.9.1896)
Date
1896-09-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Garantierte Auflage 5000® Pcstzeitungs-Lfste 978. für die jüdischen Vereine ßerlins. Erscheint jeden Freitag, wird allen Mitgliedern der Vereine gratis •zugestellt, und liegt in allen jüdischen Motels und Restaurants aus. Bezugspreis für ^Uchtmitglieder 1 Mark vierteljährlich. Insertionspreis für die viergespaltene Petitzeile 30 Pfg. Expedition und Annoncen• Annahme: Berlin NO., Kaiserstrasse 39 40. Nummer 36. Berlin, den 4. September 1896. II. Jahrgang. WW- Wir bitten hell. um gefl. Angabe etwaiger Adressenveränderungen. Wegen Unpünktlichkeit oder Unregelmässigkeit in der Zusendung wolle man in unserem Bureau Kaiserstr. 39 40 reklamieren. Zur Jahreswende. Wer die Geschieht«- nicht als eine Summe von Zu- ] falligkeiten, als eine blinde Anhäufung von Thaisaelien ן!!sieht, sondern als ein Fortseh.reiten ’׳nach dem Ziels be-!raeiltet, das die allweise göttliche Leitung der Menschheit LU'ste'ckt •hat. der wird die Ereignisse während eine* bel in unten Zeitabs« hnittes am Abschluss desselben denkend überschauen und [)ritten, ob und inwieweit die Lösung der den Menschen von Gott zugeteilten Aufgabe sich vollzogen hat. Hierzu biete!• die »lahreswende besonder.׳ geeignete < Gelegenheit. Der Huf des -.'.Propheten : .,Also spricht der Ewige: Stellet Euch hin auf die Wege, betrachtet, die Pfade, auf denen sich das Alltagsleben bewegt, und forschet, welche die beste Balm ist, dass Ihr darauf wandelt•'; und Ruhe findet■ für -Eure Seelen. (Jerenna ö, 10 hat noch heute seine volle Berechtigung. Denn gar wichtig und schwierigsind die Probleme, welche die Menschheit■ jetzt zu lösen hat. Da heisst es für uns ganz besonders nicht gleichgültig, nicht gedankenlos in den Strudel der Zeit, in das Hullen der Begebenheiten sich stürzen, sondern das Leben stets als etwas Höheres betrachten und bestrebt sein, seine leitenden ־Gedanken zu erforschen und in die That umzusetzen. Das der Lösung harrende wichtigste . und schwierigste Problem ist die Frage der Ausgleichung jener gesell Schaftliehen Gegensätze, die häufig zu den erbittertsten Kämpfen geführt und die Gesetzgeber der Gegenwart unausgesetzt beschäftigen. Die grossen ■.■Prinzipien mosaischer־ Gesetzgeltung, weiche, verbieten, dem Schuldner die nötigsten .־Stücke, des Hausrates•'zu pfänden, dem Arbeiter seinen Lolin vorzuenthalten, Landgüter im Einzelbesitze anzr.häufen, sind eine Anerkennung jener Grundsätze, um deren •Ausführung gegenwärtig sich Berufene und Unberufene, die Köpfe zerfirechen und ein Kampf entbrannt ist, in dem alle Mittel, selbst ■die unlautersten, erlaubt zu sein seheinen. In der Zeit der Wirrnisse, der schroffen Gegensätze! und ■heftigen Parteikämpfe, in denen der Jude wiederum als Prügelknabe herhalten muss, da ist es unsere .unab- Weisliche Pflicht, — und das sei die Mahnung an uns zur Jahreswende um nicht zu dem Schaden .noch dm! Spott der Mitwelt ertragen zu müssen, dass wir uns .offen 'und' ohne. Scheu zu den! Glauben rmserm; Väter bekenn*•!! und durch eine ernste that kräftige Teilnahme an den! jüdischen G< sHiuUeben und Gemeinwesen unserer, Religion dienen. Es ist endlich an dm׳ Zeit, einzusehen.;dass, wer.nicht vom Werte seines eigenen Stammes durchdrungen ist und nicht mit Liebe daran hängt, von anderen selbst dann nicht geschätzt wird, wenn er noch so sehr von dem Geiste all seiner Mitbürger erfüllt ist und noch <o eifrig an dem Wohle iles gemeinsamen ■Vaterlandes mitarbeitet. So manehen von uns treffen zwar dieZnrücksetzungmi und Verunglimpfengenrecht ompfiudlich.trotzdem verschanzter sich hinteren rem Wall von Vorsicht und• ■ Rückshhten. Absichten und־ Ausflüchten, selbst wenn es gilt die uneriasdiehen Bedingungen׳■ für den Bestand und die Geltung ■unserer Religion und uns sc rer Gemeinschaft zu festigen. Die indifferente Zurückhaltung und Entfremdung vom »Indent!!me besonders bei denjenigen unserer Glaubensgenossen, die durch Bildung und vornehme gesellschaftliche Stellung■־ hervorragend führt, wenn auch; nur mittelbar, den Vorurteilen. Verdarbiigimgen, Angriffen und der Gehässigkeit gegen uns hum er neue Nahrung zu. Die gegenwärtige Zeit fördert in erste!- Reihe von ■ den Gebildeten unter uns mit gebieterischer Notwendigkeit, dass sie sich.aus"lebendigem. Ilcrzensdhulge und mit freudiger Hingebung dmn Dienste dm jüdischen Gemeinschaft zu wenden.' und beweisen sollen, dassi־e ihre Anhänglichkeit für ihren Stamm nicht infolge ־ äusseren. Zwangs unserer Zeit, sondern aus innerer Lust und Liebe, I aus unzerstörbarer Zusammonstimmung bewahren. 'Die freie, offene, warme Teilnahme aller gebildeten »luden für das Judentum, ihf Einstehen mit der Vollkraft ihre- Wissen- und Könnens wären der lebendigste, ent>ehieden־sve Protest gegen gehässige. Beschuldigungen . und Verdächtigungen. Damit, ist der Weg gegeben, auf den wir uns stellen. v die Bahn gezeichnet, die wir wandeln sollen, ״damit wir Ruhe finden für unsere Seelen.u Möge das neue Jahr den berechtigten Wünschen und Hbffmuigen in dieser Richtung die Erfüllung bringen und soinit Segen־ für tmsoro religiöse Gemeinschaft stiften.

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