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Berliner Vereinsbote · 1896-05-15 · Heft 20 (15.5.1896) · page 5

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 20 (15.5.1896)
Date
1896-05-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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5ימ׳חחו1 fF A. Breslauer 7*i Wurst־ und Fleischwaaren-Fabrik 1W12 mit Dampfbetrieb *“iWi) BERLIN W. 30. Potsdamer Strasse 30. ( Unter Anfstcht des Berliner Uakkinats. I Filiale: Markgrafen-Strasse 34, Ecke Leipzigerstrasse. Gegründet 1866. Telephon-Anschluss Amt VI, No. 786. j In der Berliner Gewerbe Austeilung 1896 wird dein pp. Publikum in meinem Pavillon (vis a vis dem Alpen-Panorama, in der Nahe der Fisclierei- Ausstellung)einemit allen Maschinen der Neuzeit ausgestattete Wurstfabrik in vollem Betriebe gezeigt: sämmtliche ausgestellten und zum Verkauf gelangenden Waaren sind in derselben fabricirt. Zweiter Verkaufs-Pavillon an der Ostseite des Neuen ' Sees, an der II auptpfernenade. ln der 8j)ecia 1 -Ausstelhing Calro befindet sieb auch ein Verkauf meiner Wurst waaren. / Chemische Waschanstalt, Färberei Garderoben-Reinigung. Wasch-Anstalt für Gardinen, Stores, Decken. Teppich-Ueinignngs- «nd Klapf-Anstait. fabrlk: BERLIN N., ßrunnenstrasse 73. 15 eigene Annahme-Lokale in Berlin. 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Sie setzte sich wieder in den Lehnstuhl, drückte mich auf die Fassbank nieder und sagte sanfter: ,,Du bist ein Kind und deshalb ist Dir nichts übel zu nehmen! Wenn Du vornünftig bist und zu schluchzen aufhörst, will ich Dir auch eine Geschichte erzählen, die Du ja so gern hörst.t: Freudig blickte ich empor: ״Eine wahre Geschichte oder ein Märchen G , ׳ ״Eine wahre Geschichte, die Du vielleicht noch nicht ganz verstellen wirst, aber Deinem Gedächt-niss 1 ׳*inprägen sollst als eine Mahnung fürs׳ ganze Leben zu dankbarer Treue gegen König und. Vaterland. Also höre: II, Kapitel. D e r H e i m a 110 s e. ״ln dem kleinen böhmischen Städtchen T. . . lebte im vorigen .Iahrhundert ein jüdisches Zwillingspaar, das sieh zum Verwechseln äimllcii sali, trotzdem der Oharakter der .beiden Brüder sieh durch aus nicht glich. Saume], der unverheiratet war, und als Pächter eines Branntweingeschäfts sich ein hübsches Vermögen erworben hatte, galt als hin roher und unverträglicher• Mensch, während Simon sich stets sanft und schüchtern benahm, nur für Frau und Kind lebte, seinen Bruder aber■ mied, der bei jedem Zusammentreffen über Simons־ Handel mit Gänsen und Gänsefedern spöttelte.־ Was die Brüder schliesslich vollständig entzweite, war ein unpassender Seherz Samuels über die dem Federhändler zugewendete Gunst des überaus mildgesinnt« n katholischen Pfarrhemt Pater Gabriel, von dessen Hühnerhof Simon oft׳• Geflügel erhandelte, Während der Bräuntweinseliätikerdu .der Hauptstrasse des StadteheUs in einem stattlichen Hans׳׳ wohnte, lebte Simon in dem von den Eltern ererbten klein« n Häuschen, das versteckt .in■ einem Nehengässchen lug und dessen Gärt eben an den grossen Pfarrgarten anstiess. Infolge dieser Nachbarschaft hatte man im Städtchen schon die .Eltern des Zwillingspaares als ,,IMarrjmhnr* verhöhnt und die Glaubensgenossen hatten sie, wenn sie selbst es nicht hörten, als die ״Galloehinr' scherzend bezeichnet. Die kleine jüdische Gemeinde stand minder christlichen Bevölkerung» von T . .. auf keinem gutem^Fnss, weil die Erwerhsverhä Baisse sich nach dem siebenjährigen Krieg noch nicht gebessert hatten und viele Einwohner teils dadurch, teils auch durch den übermässigen Brarmtweingeimss herabgekommen und tief verschuldet waren, ln der Schankwirt- Schaft Samuels, bei dem viele Bewohner hoch angekreidet standen, kam es häufig zu Schimpfreden gegen die Juden und zu Schlägereien, wobei Samuels Körperkraft oft. den Unruhestiftern recht empfindlich wurde. Gegen derartige Vorkommnisse, blieben alle Ermahnungen des frommen Pater Gabriel erfolglos. Am Oh ar frei tag des Jahres 178*2 kam der 'Bischof der Diözese, zu der T...׳ gehört, na eh dem Städtchen׳ und hielt in der.' dortigen Kirche eine Passionspredigt, die ganz anders klang, als die ׳milden ־Roden Gabriels und die ohnehin leicht erregbareim Gemüter der Bewohn*•!־ von T . , . gegen die Juden noch heftiger entHammt־׳. Am Sonnabend kam es bereits in der Haupfstrasse des Städtchens zu blutigenMisshandlungeu •einzelner Juden, um deren Schutz nicht nur der Ortsgeistliehe, sondern auch der über die Wirkung seiner ■Predigt sieht lieh erschreckt«׳ hoch‘würdigste׳ Bischof sieh vergeblich bemühten. ■Die dureh übermässigen Branntweingenuss noch mein־ erhitzten Leute härten auf keine Abmahnung m« hr. Am ärgsten wütete der Tumult• in der Schänke Samuels, *lern die Gäste das Bier und den Branntwein ohne Bezahlung wegtranken, die Spiritusfässer zerschlugen und uuslaufeu ־Hessen und die gefährliche Flüssigkeit dann auch noch anzündeten. Von den entsetz-׳ liehen Szenen, die sich im Haus♦׳ seines Bruders und in der Nähe ׳ desselben abspieltcn, merkt«* Simon fast gar nichts. Ihmwar am ('ha!freitag die von jhm heis'sgehVbte Frau gestorben und nach der damalig*!! Sin׳* hatte man dieselbe noch vor Anbruch des .Sabbats zur 'letzten Pu!!»׳ gebracht. Nun sass d׳-r vr«*!n>u1ut«׳ Mann in dem nach den! t י arten zu 'gelegenen Zimmer, seines Häuseheu. mit■ seinem dreijährigen einzigen.Sohne■■ Wolf und brütete ־über ־seinen tiolsoümepzliehen Verlust. Von dmüssen klang wohl «las Braunen dumpfer Stimmen in ♦las Zimmer, aber der־ tiefgebeugte Mann hörte «•s kaum, wie er denn auch den roten F^mmenseheh! nicht merkte, der von den brennend«־!! •ludeuhüusern ,um Himmel zu ■sehen• war. Er hat!*' nur einen < Jedn.ukeir, de׳u•SchinVrz um den Verlust, seiner Gattin L« a. der Jiebevolle.!! Mutter seines .Söl'mehens W«»lf, Frplötzlich sch!׳־*« kte er empor, denn unerwartet war *hu ■Katholische Priester (labriel in's Zimmer g׳t r׳׳t«u! it-ud <t;md Vor ihm mite einem lödtenblch neu Gesicht, tieft!־am dg .de» jüdische» ■-Nachbar. Mud sein Kind ,betrachtend, ׳ ,,Um Gott! Herr Pater, was wölbt! Si«׳ hier?״; a FoiImw/uui׳ f‘**hr!.v,.

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