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Berliner Vereinsbote · 1896-04-24 · Heft 17 (24.4.1896) · page 5

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 17 (24.4.1896)
Date
1896-04-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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(Fortsetzung.) ״Sein Haus,4 erklären unsere Weisen, ״das ist seine Frau4 und das Weib des! «׳<!!tsc! 1 affen«*n Mannes wir«! in Psalmen und von dom Prediger Salamonis so vielfach als höchster Segen gepriesen und verherrlicht, dass es keines (jitats bedarf, um diese ewige Wahrheit zu bekräftigen, von der jede biedere Mamiesbrust tief durchdrungen ist, dass nämlich des treuen Weibes Liebe die Krone des Hauses, dass das Familienglück der Lohn der echten und rechten Arbeit ist. Ja, so wird der Mann gesegnet, der gottesfürchtig ist: sein Weib ist wieder reifende Weinstock; seine um den Tisch gepflanzten Kinder gleichen jungen ()livenbäumtäten: er sieht ,fröhlichen Heizens einst Kindoskinder; - denn nicht stolzer Glanz, nicht Reichtum und äussere Ehre, die nur den Neid und Hass der Minderbegliiokten wecken, sondern des Hauses stille, reine Freuden bringen Dir Segen und Frieden, Israel!4 Es ist still im Zimmer: die wo bl tönende Stimme des jungen Predigers ist schon chm Weile verklungen, als die alte Frau De Costa die weihevolle Stimmung mit den ärgerliehen Worten unterbricht: מ Was thust Du. Esther? Erst biete dem Tater, dem Hausherrn, die Schüssel und dann erst Deinem Vetter; so gebietet es die Sitte!4 ״Lasssie. Frau4, beruhigt der Tater, ״sie timt recht. Der ist der Erste im Hause, der das Brot des Geistes schafft und den die Krone des Wissens schmückt, Teil danke Dir. Joseph! Und wenn unser einfaches Mahl beendet ist, sprich Du den Segen, da Du viel besser als ich verstehst, dem Worte zu leihen, was tief im Herzen schlummert4. Der junge Mann errötet vor Freude und vor Stolz, aber noch purpurner färben sich Esthers Wangen und als das Tischgebet gesprochen ist, ist das Mädchen plötzlich verschwunden. Während Aron De Costa sielt gemütlich mit seiner Frau unterhält und mit seinen jüngsten Söhnen tändelt, sucht der junge Prediger seine Cousine auf, der sein volles Herz entgegenschlägt. Die Beiden wechseln nur wenige Worte; sie haben sich gefunden und verstanden und kehren als Verlobte zum Sabbattische zurück. Wie nun Esther weinend ihrer Mutter und ihr Verlobter seinem alten Oheim jauchzend um den Hals fällt und der kleine Knabe vor Freude im Zimmer herumtanzt; das lässt sich nicht beschreiben: so etwas muss mit erlebt werden, um sich davon eine rechte Vorstellung machen zu können. Erst als der Jubel seinen höchsten Punkt überschritten hat, bemerkten die Glücklichen den• stillen, bleichen Zuschauer, der in das Zimmer getreten und stummen Zeuge der lauten Lust gewesen ist. Es ist Paul De Costa, der in das Vaterhaus zurückkehrt mit halbgebrochenein Herzen, gekränkt in seinen heiligsten Gefühlen, voll Unwillens und voll Reue., Niömafcd' befragt, ihn; die ganze Familie ahnt, dass ihm in der Villa Colm Ernstes begegnet ist. Nachdem sich alle Andern zur Ruhe begeben haben, beichtet Paul seinem alten Vater, was sein Herz bedrückt. Er erzählt, dass der stolz«׳ Millionär ihm die Hand seiner Tochter unter der Bedingung zugesagt habe, dass er sich verpflichte, mit seiner ganzen Familie joden Vorkehr abzubrechen, «lass Anna Cohn ihn erst zärtlich, dann drohend und schliesslich mit verächtlichen Worten veranlassen wollte, ihrem Vater den Willen zu thun uml «las Dokument,zu unterschreib«'!! von dem* jede Zeile entwürdigend gewesen.. Da habe er sich zuletzt ermannt, das abscheuliche Schriftstück^ zerrissen, die Fetzen dem vorher so heiss geliebten Mädchen vor die Füsse geworfen und die Villa Cohn für immer verlassen. Hell beleuchtet der Mondschein die enge Kammer, in welcher Paul De Costa, vor seinem Vater, dem alten Schuhmache! knieend, den Zrrsaimnenbrueli s«*ines Liobosglückos schildert und schliesslich in dies«u׳ Stellung vor Erschöpfung auf «lern Schosse des Greises cinschbrmmert. Der;aber faltet die Hände, beugt sich traurig ׳über sein gramerfülltes Kind und flüstert : ,,Si«׳h , es schlu mmert and schläft niemals der fl üte! IsraelsU Seit; jener Nacht sind, zwei Jahre verflossen. Auf dem Balmhofe in Amsterdam, aus dem in wenigen Minuten der Zug nach )Arnheim abdampfeii soll, steht Moritz Colm und verabschiedet sieh von seinem ersten Prokuristen. Er ist sehr verändert, hat «־ine gehengte Haltung und scheint leidend.;;Sehr gern liesse ich Sic, van Reuseeier, fürmich nach Arnj־ heim fahren.■denn. die Gicht: ׳macht sich schon wieder bei mir fühlbar. Ich bin aber im Voraus überzeugt, dass au«!1 bei dieser Generalversammlung Paul J)e Costa die Vorschlägeunseres Konsortiums mjl der ihm eigenen feurigen Beredsainkeif bekämpfen und unser«‘ Absi« ht.-n zu durchkreuz«*!! suchen wird. t Da muss ich schon, so schwer es mir wird, unsere Interessen selbst wal1rn«*11m«*n. Der Teufel hol«־ Smitt, Alinsou und .Compagnie, dass sie diesen portugiesi- ■schell Schusterjungen zum Socius gemacht haben! Fr hat etwas bei mir gelernt, das ist wahr! Wollt«4 Gott, mein Julius wäre wie er. statt sich in Paris geistig und körperlieh zu mini reu. Auch daran ist die verwünschte Schusterfamilie schuld, deren Hochmut dem Jungen das ׳ Lehen in Amsterdam verleidete4. Kopfschüttelnd.steigt Moritz Cohn in den-Wagen erst«׳!־ Klasse und «lei־ Zug fährt ab. ln Arnheim hilft'sein Diener ihm..beim .Austeigen,'als Paul De Costa bleich ■und finster vorübergeht, aber seinen ehemaligen Prinzipal erkennend, artig griissend. den Hut lüftet.. Wie Moritz Cohn den Verhassten sieht, taumoh <u־ plötzlich mul stürzt, ohne dass es der Diener verhindern kann, auf die granitenen Platten des Perrons. Wenige Minuten später wird «*r blutend und bewusstlos in ein ■ Gastzimmer des ■Bahnhofes getragen, wo Paul De Costa und sein Schwagor, d׳.״ Prediger- Meyers di«׳ ersten sind, die sieh mit dem Verunglückten beschäftigen. Der rasch 11 e 1־b 0 i ge brüte Arzt findet den ZusUmd desselben s«-hr-b«.d «׳ n k 1 i e 11 und erklärt den weite reu T.ra.11s.j >< >rt als 1« 1׳ >en sgefäh rli c h: «I« - sl 1 a 1 b heisst er den Vorschlag des Predigers willkommen, den׳ Patienten in seine, nahe Wohnung schaffen und. ihn 'dort verpflegen zu lassen. Bald darauf ruht• Moritz Colm im Hause Meyers, wo ihm Esthers sorgsame Hand alle mögliche Pflege angedeihen lässt. Paul De ■Costa tolegraphirt den Vorfall nach Paris an Julius Cohn und an Fernando Men«h׳z, der inzwischen Anna Cohn .geheiratet hat und ängstlich erwartet man nun in Arnheim «las/Eintreffen eines Familiengliedes,um der schwersten Vorauf worin ngüborhobeti zu werden. Von Zeit zu Zeit kehrt das Bewusstsein des Patienten, zurück; dann fragt er ängstlich, ob nicht sein Sohn und seine- Tochter.bald kommen würden. Endlich langt Antwort aus Paris an, doch lautet sie so, dass mau sie dem Leidem!«׳!! kaum mitteilen kann. Der Sohn ist durch eine Einladung zur Fuchsjagd verhindert, nach Holland zu reisen: ׳׳'!!׳ Tochter mag der zärtlich besorgte Gatte nicht einer ihren Nerven schädlichen Aufregung aussetzen: der Schwiegersohn kann wegen der Idtimo-Regulirung Paris nicht׳ verlassen. Mendez■ telegraphirt, er wisse ■seinen Schwiege!- Vater in den besten Händen: er werde jede Ausgabe vergüten und, wenn er erfahre.dass der Zustand wirklich׳ besorgniserregend sei, selbst nach Amheim kommen. —-- (Schluss f«lg!'־.

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