Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1896)
- Date
- 1896-03-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1 ersuche und seltsamer Einfälle keimen, ihrer freilieh oft beabsichtigten Einfalt komisch wirken,׳ teilweise aber Staunen erregen und höchst beachtenswert sind. Aus dem reichen Schatze dieser interessanten Ideen seien hier nur die verschiedenen die Luftschifffahrt; hetreffenden Experimente und die Anwendung der Phonographie als Ersatz für Bücher erwähnt. In drastischer, oft ׳überraschender Weise stellt der Vortragende Versuche an zwischen den Phantasiegebilden des Dichters und den Ergebnissen der exacten Forschung der Neuzeit und weist nach, dass manches, was in der Gegenwart auf rein wissenschaftli ehern Wege geschaffen worden ist, vor vielen Jahrhunderten in der Idee, zum teil sogar in praktischer, wenn auch minder vollkommener Ausführung vorhanden war. Der übrige Teil des Abends war der Geselligkeit bestimmt. Die zahlreichen Teilnehmer vergnügten sich bei Tanz und deklamatorischen Vorträgen.' Am 21. ds. Mts. feiert die Vereinigung in den ״Vier Jahreszeiten“ ihr zweites Stiftungsfest, zu dem die Vorbereitungen bereits in vollem Gange sind. Wie sehr die Röntgen'sehen X-Strahlen ihre geheimnisvolle Anziehungskraft auf das Publikum ausüben, das konnte man so recht am Sonnabend beobachten, wo auf.־Voran-■ staltung des Vorstandes des ״Vereins zur Unterstützung jüd. Gelehrter“ Herr Professor Dr. E. Gold stein von der Kgl. Sternwarte in der Aula des Friede. Word. Gymnasiums einen überaus fesselnden Vortrag mit Demonstrationen hielt. Man sah Leute, die nie in ihrem Leben sich um physikalische Erscheinungen gekümmert hatten, mit atemloser Spannung an den Lippen des Redners hängen und seinen Demonstrationen mit hohem Interesse folgen. Prof. Goldstein verstand es aber auch, ein immerhin für den unerfahrenen Laien schwieriges Thema in so klarer Weise zu behandeln, dass in den Hauptzügen doch jeder der Anwesenden ein deutliches Bild der Eigenschaften und Wirkungen sowie der Unterschiede zwischen den gewöhnlichen ultravioletten, den Königen ,sehen und den Kathodenstrahlen erhielt. JRedner wies darauf hin, dass sich dem menschlistiheia Auge von jeher scheinbar unüberwindliche Schranken entgegengestellt hatten, welche die Wissenschaft glänzend beseitigte. So war es mit den Sternen: Es schien unmöglieh, zu diesen zu gelangen, doch die Erfindung des Fernroh res schaffte Kat, die Sterne kamen zu uns. Eine andere Schranke bildete dem Auge die Undurchdringbarkeit der Körper. Nur die Phantasie des Märchens konnte sich durch Aladins Wunderlampe über diese Schranken hinwegsetzen. Königen haf die Wuhderlampe, das Märchen zum 'UW Der Vortragende zeigte nun an Experimenten, die Eigenschaften der Geisslerischen Böhren,1 die8 Wirkungen der Anoden und Kathoden. Speciell die Kathodenstrahleu als Ausgangsmedium der Königen'sehen X-Strahlen bildeten den Gegenstand der Vorführung und ausführlichen Explicationen des Vort ragepden. Wunderschön zeigten sich die Fluorescenz des Glases, des Kochsalzes und der verschiedensten anderen Substanzen, die Graälinigkeit der Strahlen, die Ablenkbarkeit und die Unablenkbarkeit durch den Magneten u. s. w. Zum Schlüsse wurden auf einem grossen Schirme vermi ttels eines ,Zirkonlicht-Apparates Photographieen nach Röntgen projiciert, die zum Teil die Röntgen'sehen, zum Teil Aufnahmen des Herrn Director Schulz-Henke darstellten. Lauter Beifall lohnte den Vortragenden. Herr L. Stein dankte darauf in herzlichen Worten, indem er erwähnte, dass nicht nur die Macht der Elektricitat, sondern auch die Kraft des Vortrages alle Herzen electrisierte; ׳Redner hatte so eindringlich und verständlich demonstriert, dass er, (der Vorsitzende) selbst in der Lage sei, schon heute ein Experiment zu machen und Unsichtbares zu sehen. Denn er müsse erklären, dass er klar und deutlich erschaut, trotzdem er den verehrten Vortragenden erst heute kennen gelernt, welch gutes Herz derselbe besitze, da er sich mit seinem Geiste und seiner Zeit so bereitwillig in den Dienst der Menschheit gestellt. Dafür danke er ihm 1m Namen des Vereins, der durch׳ diesen Vortrag in die Lage versetzt worden, Unterstützung zuיgewähren. Es ist in letzter Zeit üblich geworden, bei Vergnügung«- Veranstaltungen verschiedene Ueberraschiingen besonders für Damen zu bringen. Dass diese geschmackvoll ausgewählt sein müssen, versteht sich von selbst. 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