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Berliner Vereinsbote · 1896-01-24 · Heft 4 (24.1.1896) · page 5

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 4 (24.1.1896)
Date
1896-01-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Feuilleton. Dominique Cimarosa. Kiii»' N«»v»'ll«\ Marli «lein Häi^Iisrlirii. Von Hrfiiliiud \V«»lff.* Srhluss. Drei Tage-sind verflossen.. Dominique macht sich mit den absonderlichsten v Gedanken, mit dem ar^st#»n Misstrauen auf den Weg zur \'illa. ImCarten ist es aussergewöhnlich still, bunte Laternen beleuchten «Ii«* Gänge, er hört von fern «las Rausehen der Musik,das ausgelassene Lachen von fremden Stimmen. «Ist hier ein Gastmahl? Was bedeutet das?" fragt er sieh. TJel)erraseltt durch das Fremdartig*1 und durch das ungewohnte Geräusch, nähert er sieh, an allen Gliedern zitternd, von schrecklicher Angst, getrieben, dem Gitter der Laube, die allein nicht erh-nehtrt war. Da legen sieh plötzlieh in der Dunkelheit zwei Arme um seineu Hals und eine Stimme spricht zu ihm: ..Glück in der Liebe untergräbt die Fälligkeiten eines 'Mannes, und I> darfst nicht untergehen. Du musst st} _\ sein: und damit Du berühmt wirst, musst Du grosses Leid erfahren und tiefes, tiefes Weh erleiden und ertrügen. End ich, ich," seufzte sie tief, „mnss Dir solches zufügen.- Cnd sie rang mit sieh, gleichsam als ob es ihr Lehen koste, dann brachte sie es mühsam hervor: „Eine .Stunde vorher, und ieh wurde verehelicht.~ Er fühlte nur noch einen brennenden Kuss auf seinen Augen und zwei hei>se Thränen auf seinen Wangen, dann war er allein. Angethan mit dem bra ut liehen Schmuck der < h äuge - Blüten, kehrte Caroline in den Saal zurück, wo sie sehon der stolze und anmassende Graf erwartete, der sie jetzt, nach den» er dir Gernahl war. verachtete, weil er ihr >o lange hatte den Hof machen-müssen. Am folgenden Tag»* verlie» Cimarosa Neapel. Fr folgte dem Hate seines Lehrers Sacehini. dem einzigen, dein er «ein Geheimnis offenbart hatte und be gab sich in das Conservatoriurn de Loreto. fn der Hoffnung Trost zu finden für sein geheimes Weh, und in der Erinnerung an die letzten Worte seiner einzig geliebten Caroline: „Du musst schweres Leid ertragen um berühmt zu werden.** feuert« er : eh selbst zu Eifer und Fleiss an, und dureh die - (\m>etpiMjz seines Willens, und die nie aufhörenden Qualen seiner Seele, ging das in Erfüllung, was Aprile voraus gesagt hatte. Nicht lange nachher, so wurde auch schon die Aufmerksamkeit seiner beiden Xehrer und Meister auf seine erste ()pcr fli Sacrificio di Abramo" hingelenkt. 'Nach kurzer Zeit folgte jenen mit gleichem Erfolge „Olympia." «,11 Pitture di Parigrino6* und rL' halmna in Londra." Mit rauschendem Enthusiasmus nahmen i die Italiener die herrlichen Kompositionen auf} und nicht nur liier, .sondern auch in Deutschland bewarben sich die ersten; Buhnen um seine Werke. j\ "Nun wurde er auf einen ehrenvollen (Posten nach Florenz berufen. Nach j und nach fand er in seinen wunderbaren ^Vlelodien Balsam und Heilung für seine (tiefe Wunde. Auch St. Petersburg berief ihn an die kaiserliche Bühne, jedoch konnte er dort'nicht, lange weilen,; da ihm das Klima schädlich wurde. Er; kehrte nach Florenz zurück wo er den / Tod seiner so teuren Caroline erfuhr. f Sie war gleich, nachdem ..sie von dein Erfolge der ersten Gper ihres doch nur; einzig geliebten Dominique gehört hatte. | der<Gpec ..L'anvor constante.u gestor-! ben. Sie war mit dem Bewusstsein j geschieden; alles, selbst ihre Liebe für i seine Herühmtheit geopfert zu haben, und war gestorben in derselben Laube, in der sie mit ihm so viele glückliche i Stunden verlebt hatte. In Gedanken versunken steht Cimai rosa vor jenem -Gitter, das .ihm so oft Einlass gewährt . Wie irn um verloren 1 starrt er auf jene Bank hin. die so oft Zeuge seiner Seeligkeit, seines nnerlnesslichen Glückes gewesen. Doch es ist zu viel für ein menschliches Herz. Feberwälrigt von Erinnerungen, wieder aufgerissen tlie so' schwer verheilt«* Wunde, bricht er kraftlos zusammen. Zu seinergriffen von dem schrecklichen Ereignis, veriässt Gimarosa wiederum Italien, und wendet -sieh, dein Rufe Kaiser Leopold's folgend, nach Wien. Nach dieser Epoche genoss er mit den geachtetesten Ruf auch unter den deutschen Komponisten. Seine Werke wurden gleich denen Mozarts beurteilt. Man sagte, sein < reist wäre so produetiv, da>s in einem einzigen Finale von ihm so viel Motive enthalten seien, dass man eine ganze < »per daraus schreiben könne Er selbst komponierte,,.*;.' Opern unlei denen ..II Matrimouio Segret o" die hervorragendste war. Hierin erzählte er der Welt von seiner Jugendliebe und von seinem Schicksal, von dem ganzen Glüek. das er empfunden, und von dem, Schmerz der darauf, gefolgt war. hierin offenbarte er der Welt die tiefsten Geheimnisse seines Lebens. Als nun Cimarosa dem kleinen grauen Männchen, das keinen Blick von dem Erzähler gelassen, so seine Geschichte zum besten gegeben hatte, sagte er: ^So habe, ich Ihnen denn die hauptsächlichsten Ereignisse erzählt. Weshalb ich es gethan. ieh weiss es nicht Irgend eine übernatürliche Kraft scheint mich zu Ihnen zu ziehen, denn ich habe Ihnen mein* anvertraut, als irgend jemandem zuvor. Denn' seitdem ich in Wien bin. habe ich nur einen Wunsch, ohne dass ich ihn erfüllen kann. Ich möchte nur einmal Mozart -eben. Ich 'habe schon oft an seiner Tfft gepocht, aber vergebens. Es wunieN mir erzählt, er sei krank. Ich habe und werde keinen Frieden finden, bis ich ihn nicht gesehen. Es besteht ohne Zweifel zwischen ihm und mir eine S Geistesverwandtschaft, auf die ich stolz j bin. Wenn auch er mit den Flügeln eines Engels, und ich nur mit denen eines Vogels in die Lüfte steige, so bewegen sich «loch beide in demselben hohen Geiste dem hehren Himmel zu, Ohne ein Wort zu sagen ergreift Cimarosa's unbekannter Freund seine Rechte und -mit einem warmen Händedruck spricht der graue Mann: ..Ich; komponierte den «Don Juan". Acht Tage .mich dieser Cuterredung d.«r beiden geistvollen Männer, es war am f>. December 17!U, trugen Himmels* boten auf ihren Schwingen die Seele Mozart s gen Himmel, in eine andere, in eine besser»» Web, , Cimarosa war tief ergriffen von dem plötzlichen Verlust seines neuen Freundes, der ihm auf so uneigennützige Art und Weis«« seine- Bewunderung ausgedrückt hatte. Lud ab auch dann nach wenigen Jahren Kaiser Leopold «las Zeitliche segnete, da hielt ihn nichts mehr. Er kehrte/nach Italiei, zurück, um wieder und immer wieder am Grabe seiner (invergesslicheti Caroline zu weinen uinl zu beten. 'Hei seiner Rückkehr braej» gerade die neapolitanische Revolution aus. Durch eine Verkettung der Einstände, nicht zum wenigsten aber aus Verzweiflung üln-r das unendliche Weh. das ihn immer von neuem beschlich. warf <ich Cimarosa in den dichtesten Kampf. Er wurde, gefangen genommen, des Hochverrat hs angeklagt und nur sein ausgezeichneter Ruf schützte ihn vor-dem Tode. Ei' wurde zu lebenslänglicher Cr«'* .nge'.^chufr ^ermfeih;nid trotz TtneM FbJieLc. . U- *e|e< . V Mi-' sofort in.- ^. ' _ führ» et-* . t : ';d ^it«h>m vertio^s, Es ist der 1. Janna» 1H*H. Eine neue < >per ist für 'diesen Abend im Grossen Theater angekündigt. ..Seminoms", so heilst sie. ..Wer ist der Autor?" s«» fragt man. Niemand weiss e<. nur unbestimmte («erüehte zirkulireh liberal!. Alle Strassen sind gesperrt, eine solche Menge strömt den» Theater zu: Polizisten und Soldaten haben alle Punkte besetzt. Im Theater -eil»? herr-chl lauih»-e Stille, gerade aK ob ein aiissergewöhn ■ liebes Ereignis eintreten soll. Da wird plötzlich « ine »Seitenthür zum nn-he-ster geöffnet, und herein tritt Cimarosa. Wie die Menge den gefeierten, so lange gefangeneu geliebten Komponisten sieht, bricht ein unbeschreiblicher Jubel ]o». Alles jauchzt ihm zu. Das Auditorium erhebt sich und stürmt enthusiasmirt ZU ihm. Die Näcllststeheudell Micheh ihn zu umarmen und seine Hände zu küssen. Er i<» bleich, kraftlos und ab gemagert und antwortet nur mit einen» reilndlicheii Lächeln und einer bescheidenen Verbeugung auf die^e tau- "sehenden Heifallsbezeuguugeu. Am Arm eines Freundes nimmt er

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