Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1896)
- Date
- 1896-01-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Dominique Cimarosa. Eine Hovello nach dem Englischen. Vön Bernhard Wolff. (Fortseta8\utig.) , , Da* Theater ist leer geworden, und $ 5er Komponist geht in (Jedanken versunken mit dem angenehmen Gefühle . einen sehlinen Triumph errungen zu haben, ' i>ls einer der Letzten über die Bühne. "Wie er jedoch über die Schwelle des Hauses will, findet er sich plötzlich in einer überschwenglichen Umarnmng. Es war der Mann in Grau, der ihm a^nf diese Weise seine enthusiastisehen Glück- .-wünsche darbrachte. „Ich konnte dem Wunsche, Sie zu umarmen nicht widerstehen", sagte er. nAuch ich bin ein wenig musikalisch, und die Musik, die ich soeben gehörthabe, scheint aus meinem eigenen Herzen zu kommen, mir ist, als ob ich sie selbst geschrieben hätte. Freund, was haben Sie mir gethan? Welche Umwandlung meiner Seele haben Sie bewirkt? Welchen Sturm von heiligen Oedanken haben Sie in mir heraufbeschworen?" „Für Ihren Glückwunsch meinen besten Dank", erwiderte Cimarosa, indem er seinen Bewunderer mit sich fortzog und neugierig das bleiche Gesicht, aus dem zwei wundervolle, Augen leuchteten, - betrachtete.; „Doch wer sind Sie-?" fragte Ciiharo <a plötzlich stehen bleibend. „Später, später" erwiderte der Enthusiast, „Sie sollen schon noch erfahren wer ich bin. Aber jetzt haben Sie die Güte, mir Wenige Augenblicke ihre Gesellschaft in einem der nahegelegenen Kaffeehäuser zu spenden. Ich möchte doch so sehr, sehr gern Ihre Geschichte und die der „MatrimonioSegreto" kennen lernen. Sie können mir diese Bitte nicht abschlagen, Sie machen mich glücklich, ewig glücklich." Cimarosa, wie von einer unsichtbaren . Macht gefesselt, folgt dem Unbekannten willenlos, und bald finden wir beide in einem Wirtshaus vor einer schäumenden Bowle, in ein vertrauliches Gespräch versunken sitzen! Bückhaltlos tauschten sie ihre Meinungen aus, und wer sie so nah, war leicht geneigt, — da sich ja grosse Geister so oft ähneln sie für , Brüder zu halten. Der Italiener hatte, gleich seinem lueugefundenen deutschen Freunde, ein oflenes ehrliches Antlitz, fein ge- "'tüimtfcne Züge, iand dieselbe Lebhaftigkeit in den Bewegungen und" im Ausdruck. Nur ihre Augen waren verschieden. Aus dem dunklen leidenschaftllcjhen Auge des Italieners sprühte lieferndes Feuer, während die des .Deutschen ernst, .durchdringend und |feel%Kipft in di^ Welt schauten. " 1 giebfc Augeii? die jn uns dieselbe j fm^^fmm^n^^^^m^^^^ ^|p^^^ Durch Ifcre ^a^isene Klarheit. dringen sie iii das Herz und berühren die .zartesten.. Saiten. . Ö wie glücklich der, dem solche Atigen gegeben, o wie glücklich dejr, der mit solchen Augen schauen darf. Das war es, womit der kleine fraue M&sc Cimarosa derart fesselte, erart bezauberte und gefangen hielt, dass er ihm unbefangen seine Lebensgeschichte erzählte. Und es war doch eine gar - so seltsame, traurige Geschichte. In seiner entzückenden Oper „II Matrimonio Segretö" erzählt Cimarosa selbst einiges der trüben Erinnerungen seiner Jugend. Die Heldin seines Werkes ist für ihn das auf ewig verlorene Weib, das er liebt, fiir das er Alles, selbst sein Leben lassen wollte. Und nach den glückseligen Anfängen seiner so hehren Liebe, die schreckliche Schicksalstücke als Schluss. Welch eine Fülle von Leid und Weh, von Schmerz und Qual, auf ein einziges armes Menschenherz ausgeschüttet, offenbaret sich uns hier. Und über dieses Grab seiner reinen Liebe streute Cimarosa die unsterblichen Blüten seiner Musik, einer Musik, die die Welt noch nie hatte klingen hören. Cimarosa beginnt seine Erzählung. Er spricht von sich nur in der dritten Person, gleichsam wie von einem Fremden, Folgendes: Dominique Cimarosa, Sohn eines armen Schuhmachers, wurde in Neapel im Jahre 1753 geboren. Schon frühzeitig seiner Mutter beraubt, war er gezwungen das Handwerk seines Vaters zu erlernen. Da er jedoch hierbei wenig Fleiss und Geschicklichkeitzeigte, so gab man ihn-, in der Hoffnung, dass er in einem anderen Fach mehr leisten werde, zu einem reichen Bäcker,Namen sGeromio, in die Lehre. Er hatte nunmehr sein 14. Lebensjahr erreicht und man konnte ihn mit Recht einen schönen K*mben nennen. Als jeuoeh der listig H:"'\L diesen Burschen so fm.h, so rr-'% sah, sandte er ihn in 4iV "Strusen zmn Wrkmif seiner Kuchen, und meint «\ u, 'huvtt diesen Knaben a ngezogoi.. sich eine grosse Menge Kaurer für seine Waare finden würde. Dieser Gedanke det scldauen Bäckers erwies sich als voll-, ständig zutreffend. *" In der ersten Zeit ging alles ganz gut. Jedoch hatte diese liebliche Hülfskraft, sein Cherub^ wie er ihn nannte, so einnehmend uiiu schön er auch in seiner Art und in seinem Wesen war, ebensö wenig Sinn für einen Bäcker, wie für einen Schuhmacher. Anstatt die Zeit für den Verkauf seiner Waaren zu benutzen, wanderte er, je nach seiner Laune, durch die Strassen, vor jedem Guitarren-, jedem Orgelspieler sich hinstellend, und jeder Musikbanjle nach- » laufend. ' \) ' \ Geromio hatte sich also gj täuscht, |. und musste ihmeine andere Besch ii«igu og -! '^fi^joi'; _Jeden Margen schickte er ihn \ hohen* 'Herrschaften [ seines Viertels, um die Backwaareri abzuliefern. Diese seine neue Pflicht schien Cimarosa pünktlich aufzuführen und der habsüchtige Bäcker erhielt täglich den1 vollen Betrag für die' Waare. Nichtsdestoweniger konnte Gerömio nicht h&* i greifen, weshalb sein /Lehrbnbe für diese leichte Beschäftigung den grössten Teil desVonnitta^bhinb*^''hte. und beschloss den Grund luerfür kennen zu leinen. — Eines Morgens, nachdem der Bäcker wie* gewöhnlich seine Waareh in Dominique'» Schultersack gelegt, und ihu auf den Weg geschickt hatte, folgte er ihm schnell. Da sah er denn, wie Dominique in eine \ der Nebenstrasseji einbog, und mit einem1 zerlumpten Knaben, der offenbar auf ihu gewartet hatte, sprach. Unbemerkt trat *er näher hinzu und hörte Folgendes: '„Hier ist Dein Frühstück und hier das Gebäck, das Du -in den Häusern abliefern musst,\lie ich Dir aufgeschrieben habe, Geh' nun und bringe mir so bald Du kannst das Geld für jede Lieferung zurück.a Der Knabe rannte, so schnell ihn seine Füsse tragen konnten, fort, und Dominique verschwand unter dem Thorweg eines grossen Hauses. Geromio folgte ihm schnell und fragte einen Bettler, der sich gerade in der Strasse» herumtrieb: „Wer wohnt hier?44—„Der grosse Sänger Sgr. Aprile," lautet die Antwort des Bettlers, und in demselben Moment 'hört auch schon Geromio den Gesang einer zarten Frauenstimme. Ein junges Mädchen von hoher Abkunft, verliess täglich in Begleitung ihrer Tante in. früher Stunde ihre vornehme Villa, um hier bei dein gefeierten Aprile Unterricht zu nehmen. Die junge Gräfin Caroline, so war der Name der Schülerin, war eine Waise von ausserordentlicher Schönheit, Anmuth und Grazie. Sie war erst 15 Jahre alt und schon von einer sf -♦♦■liehen Zahl von Freiem unigeben, die ^Q^-^och alle lächelnd ausschlug Nu* ^mer ihm*, entfernten Ye? v\ iuid^ wurde t:\glirh. <mh nmtr An.«** .^Mn-ke vorgeia^-u-rn Kt\ welM.* 'tu cm«_*)i ^itr.u^ :;nbn*renr wollt* cht"rbietig ihre. Hj;u i küss -n. «loch nl^ er., dnmi ihre f.:iig*-«i»i!d iAt-rkte. zog er «ich wiedei erschreckt zurück, Sie vera bscheutenämlich jede Zurüekllaitung und liess jeder fröhlichen Laune #eri; Tie Zügel schiessen. In ihrem uns* 1 *: Benehmen lustig und fröhlich, lieh^h wie ein Schmetterling - war ems ih grössten Vergnügen, sich mit ihrer niedlichen Zofe, Elisetta herumzuzanken. Die Tante, Oomtesse Fidalma, wünschte ernstlich, ihr der Zahl der vielen Anbeter einen^ ahl zu wählen,. Jedoch erreichte sie nichts, da sie in demselben Augenblicke, in dem sie ihren EurHuss geltend zu m achen suchte, über < He Launen ihrer Nichte lachte; und Caroline liebte sie nicht mehr, als alle diejenigen, die ihr aus ihrer Freiheit keinen Vorwurf machten. Nur ihr Gesangslehrer, der grosse Aprile. konnte auf sie entscheidend einwirken. \, r\\; (Fortsetzung folgt,)