Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1897)
- Date
- 1897-04-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Berliner Vereinsbefe ״״cP ^enlrar0־rga1^ für die jüdischen Vereine Berlins. Erscheint jeden Freitag. DM" Bezugspreis Mk. 0,75 viertel]ährlieh, ftir auswärts 1,00 Mk. ^WW Insertionspreis fOr die viergespaltene Petitzeile 30 Pfg. Redaktion, Expedition und Annoncen-Annahme; Berlin BO., Elisabethstrasse SS a Nummer J6. Berlin, den 16. April 1897 Nt. Jahrgang. Mp Fernsprech-Anschluss Amt VII, No. <4662. *WM Unseren werten Lesern — soweit sie den Abonnementsbetrag pro II. Quartal noch nicht entrichtet haben — werden wir in den nächsten Tagen eine Quittung über 75 Pfg. zu präsentieren uns ertauben. Wir bitten höfl., die Quittung zu honorieren um sich so die prompte Zustellung des ״Berliner Vereinsbote“ zu sichern. ״Berliner Vereinsbete“, Elisabethstrasse 59a. Pessach. ״Die Vergangenheit ist die Mutter der Gegenwart.“ Wem von uns geht nicht das Herz auf beim Nahen des ״Festes der Erinnerung“? Zwar giebt es nicht Wenige unter uns, die sich durch einen Rückblick in die Vergangenheit die Tage der Gegenwart und dem Ausblick in die Zukunft nicht wollen trüben lassen; aber wie reich ist die Tafel der Erinnerung in Israels vom Auszug aus Egypten an nun drei und einhalbes Jahrtausend zählende Leidens- und Erlösungsgeschichte! Welch ein grossartiges schicksalvolles Weltdrama rollt sich vor unsern Augen auf, voll schmerzlieber, blutiger Scenen, aber voll erhebender Beweise des Kampfes für den Geist und des Sieges durch den Geist. ״Dieser Neumond sei euch der erste der Neumonde“ — der Neumond ist zunächst ein Bild des verhüllten Lichtes — und, ach, wie oft hat sich für Israel verhüllt das Licht der Freude und des heitern Lebensgenusses! Jahrhunderte waren sie geknechtet in Egypten, vierzig Jahre erlitten sie Ungemach in der Wüste; ein Jahrtausend erlitten sie, mit wenig Unterbrechung, Anfechtung von den Völkern, die sie umgaben, und drittehalbtausend Jahre erduldeten sie, mit wenig Ruhepunkten, Verfolgung, Hohn und Spott, Verkennung und Verachtung unter den Völkern, in deren Mitte sie lebten! Doch heute, an dem Feste der Befreiung, rufen wir nicht: ״Erde, bedecke nicht ihr Blut!“ Nein! die Liebe und Treue unserer nichtisraelitischen Brüder hat gesühnt und wird sühnen immer mehr und mehr, was ihre Väter an uns verbrochen; wir aber dürfen nun um der Befestigung in der Religion willen nicht vergessen, was unsere Väter gelitten für ihren Glauben, der doch der unsere! Wir wollen heute eingedenk sei», wie ״Her Heilige, gelobt sei er, uns herausgeführt hat mltsiarker Hand und mit ausgestrecktem Arm." Und wie Gott unsere Vorfahren von den Sklavenketten der egyptischen Unterjocher befreit, so hat er sich uns auf unserm langen Schicksals vollen Wege bis auf den heutigen Tag als der liebende Vater gezeigt, der stets unser Leid in Freude, die Finsternis in hellstrahlendes Licht, die Knechtschaft in Freiheit verwandelte. Zur Vergangenheit rückwärts und in die Zukunft vorwärts richtet sich von selbst der Blick an diesem Feste; aber ״meine Zunge klebe am Gaumen, wenn ich der Leiden meiner Väter nicht mehr erwähnen“ (Psalm 137, 6), wenn ich nicht stets in den Kelch meiner Freude einen Tropfen Wemut mischen sollte aus dem Wermutsbecher Israels! — Und Männer aus Israel, die lediglich dem Mammonsdienste nachgehen und des grossen und heiligen Schatzes vergessen, den ihre Vorfahren unter solchen Leiden gehütet; und Jünglinge in Israel, die nur dem Vergnügen und der Sinnenlust fröhnen und des unveräusserlichen Berufes vergessen, welcher sich forterbt vom Vater auf den Sohn, Genossen eines Reiches von Priestern des einzigen Gottes zu sein; und Frauen und Jungfrauen in Israel, die nur den Eitelkeiten der Welt huldigen und der heiligen Aufgabe des jüdischen Weibes vergessen, ein ״Escheth chajil“ zu sein, ein Heldenweib in Wahrung und Verteidigung des religiösen Lebens, wenn auch die Männer wanken und schwanken: o einen Verrat begehen sie alle, wie die Weltgeschichte keinen zweiten aufzuweisen, einen Verrat, der 80 gross ist in seiner Verwerflichkeit, wie die Leidensgeschichte Israels gross ist in ihrer Herrlichkeit! Nicht soll uns der Rückblick in die Vergangenheit unsere Gegenwart trüben und uns nicht verbittern, aufrichten soll er uns und mit der freudigen Hoffnung erfüllen, dass, wie jetzt das Licht und die Wärme zunehmen, so auch die Siege des Lichtes der geläuterten Wahrheit und der klaren Gotteserkenntnis und die Wärme der reinen Menschenliebe sich vermehren werden. Je gründlicher wir unsere Religionslehre zu erforschen uns bemühen, je genauer wir unsere glorreiche Geschichte und unsere unvergleichliche Litteratur kennen zu lernen wir uns bemühen, mit desto grösserem Stolze wird uns das Bewusstsein erfüllen, zuerst das Licht der Sinaitischen Offenbarung empfangen und unter die Völker getragen zu haben. Und diese» gerechten Stolz sollen wir uns nicht verkümmern lassen durch die zahlreichen Anfeindungen and Zurücksetzungen, denen wir trotz der Fortschritte in der JEultur auageset$t «ud, auch nicht durch die Feinde