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Berliner Vereinsbote · 1897-04-02 · Heft 14 (2.4.1897) · page 1

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 14 (2.4.1897)
Date
1897-04-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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3?ercinsbofc Berliner Postzeitungs-Uste 1012. jZenfraf0־nja1p für die jüdischen Vereine ßerlins. Erscheint jeden Freitag. Bezugspreis Hk. 0,75 vierteljährlich, für auswärts 1,00 Mk. -MG Insertienspreie fOr di« Viergespanne Petitzeile 90 Pig. Redaktion, Expedition und Annoncen-Annahme: Berlin NO., EUsabethstr&sse 59 1 Nummer 14. Berlin, den 2. April 1897 III. Jahrgang. Unsere Redaction, Expedition u. Annoncen-Annahme befindet sich jetzt Elisabethstrasse 59 a. Unseren werten Lesern — soweit sie den Abonnementsbetrag pro II. Quartal noch nicht entrichtet haben — werden wir in den nächsten Tagen eine Quittung über 75 Pfg. zu präsenteiren uns erlauben. Wir bitten höfl., die Quittung zu benerieren um sich so die prompte Zustellung des ״Berliner Vereinsbote“ zu sichern. ״Berliner Vereinsbote“, Elisabethstrasse 59 a. Aprilgedanken. Der 22. März ist vorüber, verhallt sind die Festklänge, die Wogen nationaler Begeisterung haben sich beruhigt, der brausende Jubel der Menge ist verstummt; wie ein wonniger Traum zog es vorüber, das schöne dreitägige Fest, aber die Erinnerungen, die sich daran knüpfen, werden kaum dem Gedächtnis so schnell entschwinden, die vielfachen, beziehungsreichen Vorgänge und festlichen Voranstaltungen nicht so leicht erblassen und die Erregung von den mächtigen Eindrücken einer froh durchlebten grossen Zeit noch lange nachzittern, ja vielleicht sich gar übertragen auf einen zweiten, für die Entwickelung und politische Machtgestaltung Deutschlands nicht minder wichtigen Tag, auf den 1. April, der der glanzvollen Centenarfeier fast unmittelbar sich anschliesst und in den Lichtreflexen derselben erstrahlen wird. Da wären wir nun einmal wieder angelangt an diesem ersten Tage desjenigen Monats, der den Wetterprognostikern von jeher ein Dorn im Auge war, weil er, ganz wie sein Geburtstagskind, sich nicht in die Karten sehen lässt und wie ein echter und rechter Diplomat grundsätzlich keine Grundsätze hat. Von der Bedeutung dieses Tages als Gedenktag in der Geschichte des Deutschen Reiches zu sprechen, fühle ich mich nicht berufen, überlasse dies vielmehr demjenigen Teil der Presse, die trotz Geffken und dem von ihm veröffentlichten Tagebuche Kaiser Friedrichs mit dem ungeschwächten Paroxismus derExtase ins Horn stossen, um alles das, was der Inhalt jener grossen Tage war, in seiner Person zu zentralisieren und über alles Mass hinaus zu verherrlichen. Ich kann mich nun einmal zu dieser Höhe der Begeisterung nicht emporarbeiten und bin nicht Patriot im Sinne jener Sozialpolitiker, die die Rassenhetze, das Erbe aus der Aera Bismarck, mit unverdrossener Kraft weiter kultivieren und nicht selten in der Heberschwenglichkeit der Vergötterung und Beweihräucherung dieses Mannes rückhaltlos erkennen lassen, dass sie am liebsten dem 1. April die Bedeutung des 27. Januar gegeben hätten. Die Spalten jener Blätter werden wieder voll sein von den Ruhmesthaten des Altkanzlers in der Rekapitulation alles dessen, was er vollbracht hat, und auch ich besitze Objektivität genug, dankbaren Herzens anzuerkennen, was er für das Vaterland Grosses gethan hat; ich weiss aber auch, dass die Weltgeschichte der neuesten Zeit von einem Helden und Patrioten namens Garibaldi zu erzählen weiss, der ohne Armeen und Moltkes sein zerrissenes Vaterland zu einem staatlichen Ganzen gefügt hat, ich weiss ferner, dass dieser wahrhaft grosse Mann in dem Bewusstsein seine höchste Befriedigung fand und diesen Idealismus der Auifesur't durch F; und Geldes wert nicht wollte profaniere: 1assen. Aber das sind Ausnahmen, seltene rühmliche Ausnahmen, welche bekanntlich die Regel bestätigen, dass es der menschlichen Schwäche schwer fällt, im Sinne des Sprüchwortes zu handeln : Geben ist seliger, denn nehmen. Aber es ist Frühling geworden, Frühling in Thal und auf Höhen! Die Sonne leuchtet so mild und hell, so lieb und warm ins Herz hinein, dass es voll Hoffnung sich regt und im ahnungsvollen Drange sich freut und meint, den bösen Winter endlich überstanden zu haben, den jahrelangen, bösen Winter sittlicher Verrohung, systematischer Verhetzung und gemeiner Verdächtigung. Vergebens fragen wir, wie nach jener glorreichen Zeit nationaler Begeisterung, reich an beispiellosen Erfolgen und unsterblichen Thaten, einer Zeit, wo jeder ohne Unterschied des Glaubens sein Leben freudig einsetzte für Kaiser und Reich, wo Vaterlandsliebe und Treue sich so herrlich bewährten, eine Periode hat eintreten können, in welcher religiöser Hass, fanatische Verhetzung und blinde Verfolgung die edelsten Gefühle der Menschheit auf ein Minimum reduzierten, und wie es möglich war, dass eine Epoche der traurigsten Reaktion mit ihren charakteristischen Merkmalen des Kulturkampfes, der antisemitischen Rassentheorie, des Barbarismus der Ausweisungen und anderer ergötzlichen Dinge sich hat breit machen können, so intensiv, so ausdauernd und 80 nachhaltig. 'Nur nach und nach fanden wir die Antwort

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