Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1897)
- Date
- 1897-03-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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weinsböfe Berljner Postzeltungs- Liste 1012. jZenfraf01־^a1^ für die jüdischen Vereine ßerlins. Erscheint jeden Freitag. 8C* Bezugspreis Mk. 0,75 vierteljährlich, für auswärts 1,00 Mk. 'BB Insartionspreis rar Hie viergespaltene Patitzeüe SO Pfg. Redaktion, Expedition und Annoncen-Annahme: Berlin NO., Kaiserstrasse 39/4 Nummer 12. Berlin, den 19. März 1897 III. Jahrgang. Zum 22. Heute ist ein Jahrhundert verflossen seit dem Tage, da Wilhelm I. dem erhabenen Hohenzollernhause, dem preussischen, dem deutschen Vaterlande, ja der ganzen Welt geschenkt ward. Ein Jahrhundert — reich an Inhalt für die Entwickelung unseres preussischen und deutschen Vaterlandes, reich an Inhalt besonders für die Entwickelung der preussischen, der deutschen Judenheit. Am Beginn desselben war Deutschland in hundert Staaten zerrissen.be־ kämpften sich die Söhne desselben Vaterlandes auf zahllosen Schlachtfeldern. — Kaiser Wilhelm hat alle die deutschen Gaue durch unablässiges Streben und herrliche Siege zu einem mächtigen und glücklichen Reiche geeint. Bei seinem Eintritt in das Leben in der deutschen Heimat als Fremdlinge betrachtet, in manchen Ländern Deutschlands zwar geduldet, in anderen aber gänzlich des Daseinsrechtes entbehrend, sind jetzt überall in Deutschland die Juden nach Gesetz und Recht als vollständig gleichberechtigte Söhne des Vaterlandes anerkannt, es stehen ihnen die Thore aller Städte, die Wege zu allen Erwerbszweigen offen. Dieser herrliche Bau der Gleichberechtung für die Juden Preussens und des gesammten Deutschlands, der im Laufe dieses einen Jahrhunderts begonnen und vollendet wurde, steht fest und unerschütterlich da, dass nichts ihn ins Wanken bringen kann. Auch Wilhelm dem Ersten war es vergönnt, gar manchen Baustein zu diesem herrlichen Gebäude herbeizutragen und es endlich durch die nach seinem Willen geschaffenen, in seinem Namen veröffentlichten Gesetze zur Vollendung zu bringen. Unter der Regierung seines glorreichen Vaters wurden durch das Edikt von 1812 alle Juden Preussens zu preussischen Staatsbürgern erklärt. Die von seinem Bruder März 1897. weiland König Friedrich Wilhelm IV. verliehene Verfassung von 1850 enthält den Artikel 12, welcher lautet: ״Alle Preussen sind vor dem Gesetze gleich“. Aber erst nach Uebernahme der Regierung durch den späteren Heldenkönig und Heldenkaiser begann dieses Wort auch zur Wahrheit zu werden. Seinem schlichten graden Herzen, seiner einfachen Frömmigkeit widerstrebte es, seinen jüdischen Unterthanen die ihnen durch die Verfassung gewährleisteten Rechte vorzuenthalten, und unter den ersten Gesetzen des Norddeutschen Bundes, wie später des Deutschen Reiches, befanden sich diejenigen, welche den Juden die ihnen bisher noch innerhalb Deutschlands in einigen Staaten und Städten verschlossenen Thore öffneten. Durch diese Gesetze wurden die letzten Schranken, welche die Söhne ein und desselben Vaterlandes von einander trennten, niedergerissen. Diese Gesetze entsprachen seinem Willen, wie sie seinen Namen tragen. So ist er, der auf Grosses seinen Sinn gerichtet hatte, bestrebt gewesen, allen seinen Unterthanen bis ins kleinste gerecht zu werden, allen seinen Landeskindern ein liebevoller Vater zu sein. Wenn das unter ihm errungene Grosse ihm in den Herzen des deutschen Volkes ein dauerndes Andenken bewahrt, so ist es sein Gerechtigkeitssinn, welcher ihm in den Herzen unserer Glaubensbrüder ein Denkmal gesetzt hat, dauernder als aus Erz. Was er Grosses geleistet, es gehört der Geschichte an. Aber das Walten seines liebevollen Herzens, das Bestreben gerecht zu sein gegen alle seine Unterthanen, gleichviel welchen Glaubens sie seien, die unter ihm vollendete Krönung des Gebäudes der Judenemanizipation lässt uns beim Andenken an diesen Monarchen, dessen 100. Geburtstag wir heute feiern ansrufen: ״Das Andenken des Gerechten gereicht zum Segen.“ Jüdische Gemeinde. Gottesdienst. Fretters, der» IS. Mär? in allen Synagogen abds. 6l/2 fJhr. Konnadend, den 20. Mär? in der alten Synagoge morg. S1j2 ־ Uhr, in den übrigen Synagogen morgens 9 Uhr. ztd-nd-ottesdtenst 7 Uhr. Gottesdienst an den Wochentagen morgens in allen Synagogen 7 Uhr, abends in der - Alten u. Kaiserstr-Syn. 6,Uhr. Neue •u. Lindenstr.-Syn. 5 Uhr. Konntng, den 21. Mär? Vorm. 10 Uhr, in allen Synagogen Festgottesdionst aus Anlass der Jabr* hundertfeier des Geburtstages Sr. hochseeiigen Maj. Kaiser Wilhelm I. Festpredigt: Alte Synagoge, Herr Rabbiner Dr. Rosenwzeig. Neue Synagoge Herr Rabbiner Dr. MaybauiQ. KaiSerstr.-Synagoge Herr ßabb. Dr. Stier. Lindenstr.-SynagogeHerr Rabb. Dr. Weisse. Der Zutritt zu all. Syn. ist, so weit nicht f. Ehrengäste!Plätze reservirt sind, ohne Eintrittskarten gestattet. Die Jahres- und Eigentumskarten haben für diesen Tag keine CHUtlgksit._ Synagoge Nweh-scholaum Lothringerstr. 48. Sonnabend zur lOOjähr. Geburtsfeier Kaiser Wilhelms I. Festpredigt Herr Rabb. Dr. Grünfeld. Synagogen. V erein ״Ahawas scholaum“ Linienstr. 197. Zur Centenarfeier findet am Sonntag, d. 21.d. M. Nachm. 5 Uhr Gottesdienst und Predigt statt. Der Vorstand. Vereinigte Schoehare Hatob and B’ne-Brith Gemeinde. Synagoge Grüner Weg 19. Sonnabend Centenarfeier Festpredigt Herr Rabb. Dr. Baneth. Adass Jesehurun Alte Schönhauserstr. 42 Sonntag (21. d. M.) Vorm. 11 Uhr Centenarfeier. Festrede Herr Rabb. Ellenbogen. Synagoge ,,Beth Lien" Brunnenstrasse 10. Sonntag, den 21. März. j Festgottesdienst 31/, Uhr. predigt Herr Rabbiner Härter.