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Berliner Vereinsbote · 1897-03-12 · Heft 11 (12.3.1897) · page 1

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 11 (12.3.1897)
Date
1897-03-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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¥ereinsb6fe Berliner Postzeitungsliste 1012. jZenlraf-Ön^arL für die jüdischen Vereine Berlins. Erscheint jeden Freitag. AM- Bezugspreis Mk. 0,75 vlsrtsUäkrUvk, für auswärts 1,00 Mk. "WO Insertionsprais für di« viergaspaltene Petitzaile 30 Pfg. Redaktion, Expedition and Annoncen-Annahme: Berlin BO., Kaiserstrasse 39/40. Nummer 11. Berlin, den 12. März 1897 III. Jahrgang. Prolog zum III. Stiftungsfest der ״Vereinigung Monbijou“, verfasst von Bernhard Wolff. Gesprochen von Hugo Lewin, Mitglied des ״Berliner Theaters“. Gehetzt, gejagt, dem Wilde gleich, Das totgetrieben von den gier’gen Jägern Sein letztes Heil im Strom des wilden Wassers sacht, Wenngleich auch sterbend, nur den Jägern nicht zur Beute [werdend, — Jagt atemlos ein Jüngling hin die staub’ge Strasse. Dort steht ein Banm. —- ״In seinem Schatten wohl Ich Ruhe finden werde",, seufzt er auf. Kein Mensch ringsum. Ermattet setzet er sich auf den harten Boden, Dieweil die Sonne glüht am mittäglichen Himmel. Doch kaum dass er die müden Glieder hin zur Ruhe strecket. Da saust, dem Blitze gleich, mit scharfem Pfiff die Luft durch- Ein spitzer Kiesel an des Jünglings Kopf, [schneidend, Der weiss woher er kommt. ״Allvater, warum duldest Du, dass Deinen Sohn, Der Glaubenstreusten einen, das Volk verfolgt, Dass es ihn steinigt, ihn vertreibt vom Boden, Der doch seine Heimat! Hier soll ich glauben noch an Dich, Noch zu Dir beten, da Unglück Du auf Unglück häufest [auf mein Haupt! Nein, nimmermehr, ich glaub’ an nichts, ich.“ ״Halt! halte ein,“ So redet eine Stimme jetzt ihn an. Ein Seraph war’s. Vom Himmel wohl gesandt: ״Ist das Dein Opfermut, Den Du geschworen zu betätigen, ist das die Kraft, Mit der Du schirmst das Erbe Deiner Väter? Schau hin auf Deine Ahnen, jene Dulder, Die hingegeben Blut und Leben für den Glauben, Die Qualen einst gelitten für ihr Judentum! Und dann, dann schau um Dich, ja preise glücklich Dich, Ob solches kleinen Häufleins gleissnerischer Lügner, Ohnmächtiglich verfolgend Dich und Dein Geschlecht. Auf, nicht verzag’, noch giebt es Rettung Deinem Glauben, Noch Hilfe den Verfolgten, so Ihr nur helfen wollt. Erst schafft ein einig Judentum, solange ihr befehdet selber So lang gespalten Ihr noch unter Euch, [Euch, So lang zersplittert Ihr, Ihr Beute seit den Feinden. Erst dann, wenn einig Ihr, dann kämpfet!“ -7- Und sanft geleitet ansern Jüngling fori Dör Seraph hin zum. dunklenHain *ünd-äprfelit: / ״Hör’ auf das Rauschen dieser Cedern, die Zeiten überdauert, Völker haben fallen sehn. Sieh diese Stämme Sind das Judentum, Dein Glaube! So hehr und lauter, so wahrhaftiglich und rein, Jahrhunderte er überdauert, Götzen er hat sinken sehn, So rein ist er geblieben! Die Ceder rauscht. Dein Glaube [aber spricht: ״Hine lau jonum welau jischon schaumer jisroel!“ Denn also ist’s verheissen: ״Es schläft und schlummert nicht der Hüter Israels“! Der Seraph schweigt, dem Jüngling aber weitet feich die Brust, Und machtvoll gürtet er die Lenden Das Hifthorn an den Mund gesetzt, zum Schlachtenruf geblasen, Urid also braust es durch die deutschen Gaue: ״Ihr Juden, nun ist’s Zeit, auf scharet Euch zu Häuf, Ein heilig Feuer steig zum Himmel auf, Es lodre der Begeist’rüng Flamme, durch eine jede Brust. Zum Kampf um unser Heiligtum, Zum Geisteskampf für unsern Glauben. Auf Jüngling, hoch' das Schwert, das Deine Ahnen Einst geführt in deutschen Landen für ihr Vaterland, Dasselbe Schwert führ’ Du es jetzt Um Deine Rechte Dir zu wahren, Deinen Glauben zu beschützen vor Schmach und Schande — Der Ruf ist nun verklungen. [allezeit“. Die Cedern rauschen immerfort geheimnisvoll; Doch ferne steigt das Früh rot auf und goldig wird die Welt. Da regt es sieh an allen Enden. Die Jugend Judas zieht heran, den Ruf hat sie gehört. Und ohne Säumen ist sie ihm gefolgt. Die Sonne aber steigt empor wie ein Symbol ״Die Zukunft“ Beleuchtet sie die kampfesmut’ge Schar, Die stetig wächst und unaufhörlich! — — Zerronnen ist das Bild — — ״Ihr Hörer hier im Kreis, die ihr gelauscht den Worten, Berichten lasst es mich, es war ein Traumbild, War die Zukunft ״Monbijous“. Denn Monbijou es rief zum Streit Und alle, die nach ihm zusammen sich geschart, Sie folgten nach dem Beispiel Monbijous. Habt Dank, ihr wack’ren Streiter, Auf, kämpfet weiter uns zur Seite Und führen wird Euch Monbijou. Voran, dem Feind entgegen stets Zur Ehre Israels, zur Ehre Gottes In dem neuen Jahr!“

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