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Berliner Vereinsbote · 1897-02-12 · Heft 7 (12.2.1897) · page 1

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 7 (12.2.1897)
Date
1897-02-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Bcrljner ^erein$b6te. Pcgtzeitungs-Llste 1012. jZenlraf־©r^ar^ für die jüdischen Vereine Berlins. Erscheint jeden Freitag. ZM- Bezugspreis BKk. 0,75 vierteljährlich, für auswärts 1,00 Mk. Insertionspreis für die viergespaltene Petitzeile 30 Pfg. Redaktion, Expedition und AnBenem-Annahme: Berlin BO, Kaiserstrasse 39/40. Nummer 7. Berlin, den 12. Februar 1897 III. Jahrgang. Bestellungen auf den ״Berliner Vereinsbote“ nebst ״Israel. Familienblatt“ pro I. Quartal er. (75 Pfg.) werden noch jetzt angenommen. Neu hinzutretenden Abonnenten werden die in diesem Quartal erschienenen Nummern kostenlos nachgeliefert. Forderungen der Gegenwart. V. Fortbildung (Fortsetz.). Wie wir im vorigen Artikel gezeigt und weiter unten nachweisen werden, fehlt es nicht an ׳geeigneten Mitteln und Gelegenheiten zur Aneignung religiösen Wissens nach der Schulzeit. Es wäre aber ein verhängnisvoller Fehler der Erziehung, wenn sie die religiöse Ausbildung der Jugend dieserhalb einer späteren Zeit überlassen wollte, wozu kurzsichtige Eltern nicht selten neigen, und was sie mit der Inanspruchnahme der Kinder seitens der Schule und mit dem ungenügend entwickelten Begriffsvermögen der Schulkinder begründen möchten. Sie vergessen aber, dass die religiöse Ausbildung nicht in der Mitteilung des religiösen Wissenstoffes besteht, sondern in erster Reihe in der Befruchtung des Gemütes. Keine Altersstufe ist für religiöse Anregungen empfänglicher als die Kindheit. ״Was hier versäumt wird, das kann nie mehr eingeholt werden, weil die Empfänglichkeit der Kindheit nie mehr wiederkehrt. Im späteren Alter finden die religiösen Lehren nicht mehr die Ruhe und die Unbefangenheit des Herzens vor, um darin Wurzel zu fassen; es sind da hereits andere Wünsche und Strebungen erwacht, und widrige Stürme zerstören alsbald die keimende Heilssaat. Wie nur im Frühjahr ausgesäet werden kann, nicht aber im Sommer^ wo der sprossende Halm von der Hitze versengt wird, bevor er sich durch Einwurzelung im fruchtbaren Erdreich dagegen geschützt hat, so kann auch das Fundament der Lehre nur in der Kindheit gelegt werden . . .“*) Wie aber die Pflanze, die dem im Frühjahr in die Erde gelegten Samen entsprossen ist, nur dann eine volle, gesunde Frucht erwarten lässt, wenn sie auch während des Sommers der Pflege und Wartung nicht entbehrt, so kann auch der in der Jugend in das Kindesgemüt gepflanzte Keim der Religiosität nur durch Gewöhnung und Hebung im Jünglings- bzw. Jungfrauenalter zur vollen Entfaltung gelangen. Es bedarf kaum einer weiteren Beweisführung dafür, *) 8. Maybaum ״Methodik des jüd. Religionsunterrichts“ 8. 13. dass geeignete Lektüre eines der schätzenswertesten Mittel zur Fortbildung ist, weil Bücher und Zeitschriften zu jeder Zeit benutzt werden können und keine grossen Opfer an Barmitteln erfordern, ausserdem den Vorteil wiederholter Benutzung gewähren. Nur muss die Neigung für diese Art Lektüre frühzeitig geweckt und durch eine rechte Auswahl wach erhalten werden. In keinem jüdischen Hause sollten jüdische Zeitschriften und Bücher fehlen. Die jüdischen Litteraturerzeugnisse sollten wenigstens neben den deutschen und fremdländischen Klassikern die wohlverdiente Beachtung erfahren. Vor allem aber ist der Bibel der Ehrenplatz unter den Büchern in jeder jüdischen Familie einzuräumen. Dieses ״Buch der Bücher“, das Jahrtausende hindurch Millionen Menschen Trost und Hoffnung gespendet hat, das mit Recht als ״die heilige Schrift“ zu allen Zeiten von Juden und Nichtjuden verehrt wurde, sollte oft und mit Verständnis gelesen werden. Gerade der Mangel an Bibelkenntnis hat das Heer der Indifferenten geschaffen; denn wer die Bibel mit dem Herzen und dem Geiste liest, gewinnt an Kraft in der religiösen Ueber- Zeugung und an Urteilsfähigkeit in religiösen Dingen. Obgleich es für jeden Juden eine unerlässliche Pflicht ist, hebräisch zu lernen, um in der heiligen Sprache unserer Religion beten und die Bibel im Urtext lesen zu können, so darf doch das Studium der Bibel nicht von der Erlernung des Hebräischen allein abhängen, und besser ist es, die Bibel in guter deutscher Uebersetzung zu lesen, als dieser Lektüre ganz zu entsagen. Jedermann weiss, dass wir jetzt treffliche deutsche Bibelübersetzungen haben, z. B. von Mendelssohn. Salomon, Zunz, Herxheimer, Philippson, Hirsch u. a. Nicht nur die Kinder sollen zum wiederholten Lesen der Bibel angehalten werden, die Bibel sei das Buch des ganzen Lebens, und je reifer der Mensch wird, je mehr Prüfung er leidet, je mehr Erfahrung er sammelt, desto teurer wird ihm das Wort Gottes, und desto heller geht ihm das Lieht in den grossen hellen Schachten der heiligen Schriften auf. Ausser den biblischen Büchern sollen aber auch die nachbiblischen Literaturerzeugnisse eine beliebte Lektüre der Heranwachsenden Jugend sein. Zum mindesten sollten diese aus den bekannten Anthologien von Sachs, Frankl, Karpeles u. a. unseren Jünglingen und Jungfrauen bekannt sein. Die Bibliothek der jüdischen Lesehalle enthält neben allen jüdischen Zeitungen so viele jüdische Werke auf allen Gebieten jüdischen Wissens, dass jeder seinem Bedürfhis und seiner Neigung entsprechende Lektüre finden

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