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Berliner Vereinsbote · 1897-02-05 · Heft 6 (5.2.1897) · page 1

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 6 (5.2.1897)
Date
1897-02-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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weinsb6te Berljner Poatzeitungs-Liste 1012■ jZenfraf-0n^ar[ für die jüdischen Vereine Berlins. Erscheint jeaen Freitag. iHF־~ Bezugspreis Stk. 0,76 vierteljährlich, für auswärts 1,00 Mk. Insertionsprais für die viergespaltene Petitzeile 30 Pfg. Redaktion, Expedition und Annoncen-Annahme: Berlin NO., Kaiserstrasse 39/40. Nummer 6. Berlin, den S. Februar 1897 III. Jahrgang. Zur Beachtung! Für Februar — März bestellt man den ״Berliner Vereinsbote“ nebst ״Israel. Familienblatt“ für HE" 50 Pfennig "Wß bei der Expedition Kaiserstrasse 39/40, wozu beigefügte Karte zu verwenden ist. Der Verlag des ״Berliner Vereinsdote" Kaiserstr. 39/40. Forderungen der Gegenwart. IV. Fortbildung. ״Non scholae, sed vitae.“ Jeder Unterricht hat die Aufgabe, das praktische Leben zu berücksichtigen und für dieses vorzubereiten. Die sogenannte Schulweisheit reicht bei weitem nicht aus, sie ist nur die Vorbereitung, sie bietet die Grundlage, auf der sich die für das praktische Leben erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten aufbauen sollen. Doch nicht in der Mitteilung genügenden Wissens- Stoffes allein besteht die Aufgabe des Unterrichtes, seine ־י erziehliche Wirksamkeit soll die Ausbildung eines gefestigten Charakters, ״die Ausprägung der Persönlichkeit1‘ erstreben. Nach dem Ausspruch eines bekannten Pädagogen ist der heutigen Erziehung die Aufgabe zugewiesen: ״Die körperlichen und geistigen Fähigkeiten der Jugend allseitig so in ihrer Entwickelung zu fördern, dass jene künftig selbständig in Beruf und Leben mit Unterordnung ihres Sonderinteresses an der Lösung der Civilisations- und Kulturaufgaben unserer Zeit und der Gesamtaufgabe der Menschheit, sittlich zu sein nach den Anforderungen der sittlichen Einsicht mit Erfolg sich beteiligen kann.“ Zwar soll aller Unterricht zur Entfaltung der sittlichen Einsicht und Kraft beitragen, der Religionsunterricht wird diesem Zwecke aber am meisten dienen, ״weil hier unausgesetzt auf die Gottesebenbildlichkeit als auf das Ideal des Menschentums hingewiesen wird, und weil hier in der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit ein göttlicher Heilsplan aufgezeichnet wird, der die steigende Vervollkommnung der Menschheit zur Folge hat.“ (Maybaum.) In einem früheren Artikel haben wir nachgewiesen, dass das Judentum die höchste Sittlichkeit ist. Wer daher sein Kind zum begeisterten Juden erzieht, erzieht es auch zu einem wahrhaft sittlichen Menschen. In unseren Kindern wollen wir das heilige ״Erbe Jakobs“ erhalten, fortgepflanzt■, erneut und verjüngt wissen. Dazu genügt aber der Religionsunterricht, und sei er noch so vollkommen, nicht; die Wertschätzung unseres Bekenntnisses und die Liebe zu ihm, kann nur auf dem Wege der Fortbildung und in der Uebung der unserem Glauben eigentümlichen Einrichtungen und Gebräuche in Synagoge und Haus geweckt werden. Was der Religionsunterricht an grundlegender und aufbauender Arbeit geleistet hat, muss nach Austritt des Kindes aus der Schule, also im Leben draussen, durch Fortbildung befestigt und zum unverlierbaren Eigentum gemacht werden. Der in der Schule erlangten Erkenntnis muss die Uebung folgen. Nur so kann das religiöse Wissen zur religiösen Gesinnung werden, nur so können wir unsere Kinder zu treuen lind zuverlässigen Glaubensgenossen erziehen, die feststehen in den Fährnissen des Lebens und allen Versuchungen und Verlockungen erfolgreichen Widerstand leisten. Wie diese Fortbildung zu erreichen ist? An Gelegenheit zur Fortbildung fehlt es wahrlich nicht. Wie wenig aber wird davon Gebrauch gemacht! Man wird mir entgegenhalten, das Berufsleben nimmt unsere Jünglinge und Jungfrauen derartig in Anspruch, dass ihnen zur religiösen Fortbildung keine Zeit bleibt. Dieser Einwand ist ja nur in den seltensten Fällen stichhaltig, das beweisen die aus jungen Leuten gebildeten Vereine, die in ihrem Streben nach Fortbildung recht erfreuliche Resultate erzielen; wir nennen z. B. ״Vereinigung Monbijou“, ״Verein Montefiore“, ״Verein für Bibelstudium“, ״Verein Juda’s Töchter“ u. a.m. Ferner sei an dieser Stelle ganz besonders hingewiesen auf die vom ״Verein' für jüdische Geschichte und Litteratur“ eingerichteten Fortbildungskurse, in denen an drei Abenden in der Woche von hervorragenden Lehrkräften in der Religionswissenschaft, in Bibellesen und jüdischer Geschichte unentgeltlich unterrichtet wird. Auf die geeignete Lektüre als Fortbildungsmittel kommen wir später einmal zurück. Auch die Frage, in weleher Weise die Fortbildung durch Uebung in Synagoge und Haus gepflegt werden kann, soll an dieser Stelle ihre Beantwortung finden.

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