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Wiener Morgenzeitung · 1927-08-31 · Heft 3054 (31.8.1927) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3054 (31.8.1927)
Date
1927-08-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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« Polen: 25 groszy | Wien: Zorn Abholen in det Expedition, II.,Taborstr. 1-3 oder in einerVerschleißstelle (Trafik) monatl.5 Schilling Straßenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied. 1., Wollzeile 11 Mit Postversand ffir Wien Und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tscheche Slow akeü Mon.K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen :Mon. 6 Zloty Deutschland: Mon. Gm.4. Frankr eich, Belgien: Mon. Pres. 35 Nachtahlangen Del Prell* rliAhangsn rerbokalten. Nk. 30ä4 Kftmtreßnmiliibe, Wiener uaflKfwhUfltniWiTOBa Wien. Mittwoch. 31. August 1927 Preis gO g| Engl an d:Mon.4Schilling Italien: Monatl. 20 Lire Rumänien: Mon. 170Lei Bul gar ien:Mon.l00 Lewa. S c hw e i z und das übrige Ausland monatlich Pres. E Redaktion, Administration. Wien, II., Taborstr. 1 Telephon: 44-0-38, 43-3-19 Ab 6 ühr abends: Telephon Nr. 31-0-86 M., Lerchenfelderstraße 1 (Druckerei „Inva“) Oesterreichisches Postspar kassenkonto Nr. 150.693 . Zionistenkongreß 280 Jelegierte. Feierlicher Verlauf. — Pröfidenten des Kongresses. Basel, 30. August. In Anwesenheit von etwa 280 Delegierten, der gesamten Parteileitung und Exekutive wurde Heute abends im Messehaus der Stadt Basel vor einem dichtgedrängten Parterre von Zuhörern und Gästen aus der ganzen Welt der 15. Zionistenkongreß eröffnet. Fast sämtliche in der Schweiz akkreditierten Vertreter der fremden Mächte wohnten der Eröffnungssitzung bei. Stürmisch begrüßt, eröffnete der Präsident der Zionistischen Weltorganisation, Pros. D r. W e i z m a n n, den Kongreß mit einer Ansprache, in der er anläßlich des 30jährigen Jubiläums des von Theodor Herzl begründeten politischen Zionismus des ersten ebenfalls in Basel abgehaltenen Zionistenkongresses gedachte, der die politischen und organisatorischen Grundlagen der Bewegung geschaffen hat; sodann erörterte der Präsident die Aufgaben des gegenwärtigen Kongresses auf den Gebieten der politischen, organisatorischen und PalästinaarbM. Er besprach eingehend die politische Lage des Zionismus und hob insbesondere unter starkem Beifall dis rmverändert gutzsn Beziehungen zur englischen Regierung und zum Völkerbund hervor. Er sagte unter anderem: Dieser Kongreß tagt im Schatten des Genius Theodor Herzls, der hier den Baseler Kongreß und das Baseler Programm ins Leben gerufen hat. Unfeye Bvwsgung sucht die Elemiente des neuen jüdischen Gsm'sinwesens und eine mm Einstellung der Welt zur Judenfrago. Die Welt kann das JudenprMem nicht länger als feindliches Rätsel ohne Aussicht auf Lösung behandeln. Das Verhältnis zur Mandatavmacht wird immer enger und tiefer. (Stürmischer Beifall.) Das Mandat ist wohl nicht einmal seinem Inhalt nach erfüllt, aber es macht uns zu Herren unseres Geschickes. Es ist unklutz, die Krise zu unterschätzen, aber ebenso unrichtig wäre es, sie zu überschätzen. Das Erdbeben hat die beiden Volker im Lande einander nähergebvacyr. Unser ganzes Denken und Fuhlen gilt den arbeitslosen Pionieren. Dieser Kongreß darf nicht ausemandergchen, ohne daß er die geeigneten Mittel und Wege findet, die Arbeitslosigkeit zu beendigen und das Ausbauwerk zu vergrößern. Die Rede wurde mit st ü r m i f ch e n Ovationen für Weizmann ausgenommen. Sodann hielt Nahum Sololow eine sehr bedeutsaure Rede, in der er zunächst auf die Bedeutung des ersten Baseler Kongreffes hinwies. „Wir kommen nach Basel wie über die Schwelle unseres Mutterhauses." Der moderne Zionismus ist hier entstanden, hier hat Herzl den Schleier der kommenden Tage gelüftet. Der Zionismus hat Gewaltiges in unser Leben gebracht. Hier in Basel wurde der jetzt schon 30jährige Krieg gegen die Assimilation von Max Nordau eröffnet. Sökolow besprach dann die.drei Perioden des politischen Zionismus. In der dritten Periode, der der Anerkennung und Verwirklichung des nationalen Heinis, stehen wir aus diesem Kongreß. Unsere Botschaft an «das schwer lei- . dxrche KaWkhmmuh -kauten: Opfer, Ausdauer, Zuversicht. Sokolowwendet sich sodann an dieverschiedenenParteien des Zionismus. Wir müssen alle, ja darüber hinaus das ganze jüdische Volk zusammenfaffen in eine Macht, welche die temporäre Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse besiegt. (Minutenlanger, stürmischer Beifall.). Cs erfolgte sodann die Wahl des Präsidiums. Zum Präsidenten wurde Sololow, zum ersten Vizepräsidenten Leo M o tz k i n gewählt. Unter den Begrüßungsreden ist besonders hevvorzuheben die Ansprache des Kantonspräisidenten D r. W enk, der sagte: Der erste Zionistenkongreß hat den Ruf Basels als KongreWtadt in die ganze Welt getragen. Wenn man in den damaligen Akten liest, so findet man, daß man damals, als man den Kongreß einberufen hat, Schutz verlangte. Das ist nun anders geworden. Der Zionismus hat damals viele Gegner gehabt, aber er hat auch große Führer gehabt. Wir bewundern euch, daß ihr in so kurzer Zeit das Werk Herzls vollbraLt habt. (Beifall.) Den Begrüßungsreden folgte eine Gedenkfeier für den im Vorjahre verstorbenen Denker Ach ad H aam. Zuerst würdigte So ko low in hebräischer Sprache sein Wirken, worauf Martin Buber in deutscher Sprache die Bedeutung Achad Haams ffir das neue jüdische Geistesleben darstellte. In feierlicher'Stimmung schloß die erste Sitzung des Jubiläumslkongresses. Im redaktionellen Teil enthaltene unentgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Die NaatsrSso« in Palästina. —y, Wien, 31. August. Mit besonderem Nachdruck unterstreicht Präsident Weizmann in seiner Eröffnungsansprache an den fünfzehnten Zionistenkongreß die engen und tiefen Beziehungen der Organisation znr Mandatsregierung. Das ist der Angelpunkt der jüdischen Außenpolitik. Wenn nach dieser Seite hin kein Grund zur Besorgnis vorhanden ist, dann könnte das Werk des Palästina-Aufbaues in Ruhe fortschreiten. Das Verhältnis zur Mandatsmacht wirkt auf alle Einzelheiten der zionistischen Arbeit zurück, aber auch auf die innere Entwicklung der Organisation. Sie umfaßt den aktivsten Teil der jüdischen Gemeinschaft und er steht nach den Erfahrungen von dreißig Jahren durchaus im Banne des Axioms, daß zu allen Dinger.« ein Schutz gefunden Mißtrauens notwendig ist Das ist bisher noch immer bestätigt worden und auch, die letzten Jahre, da der große polittsche Erfolg des Mandates eine neue Aera im Zionismus einzuleiten schien, haben dies bekräftigt. Wir hatten allen Grund zur Annahme, daß die freundlichen Intentionen der Londoner Kabinette nicht immer ihrem ganzen Sinn nach von der Administration Palästinas gewürdigt werden. Die Feststellung des Präsidenten, so wertvoll und erfreulich sie ach sich ist, kanll aber die Annahme nur in sehr geringem Maße einschjränken: Denn in der Berichtszeit hat es nur zu oft geschienen, daß die Palästinabehörden ihre eigenen Wege gehen und daß sie die Aufgabe nicht erfassen, zu deren Erfüllung sie berufen sind. Sie haben gemäß dem Mandatsvertrag im Lande solche polittsche und ökonomische Bedingungen zu schaffen, die die Errichtung des nationalen jüdischen Heims fördern. Die Mandatsmacht hat dies auf sich genommen. Sie ist Partei und sie hat nur dieser Aufgabe entsprechend Vorzugehen. Sie darf aber niemals gegen den durch die Genfer Instruktion gesetzten Ziveck Partei ergreifen. Das ist aber in den letzten Jahren wiederholt der Fall gewesen. Ja es ist sogar zu offen anttjüdischen Akten, wie im Falle der Schutztruppe, gekommen und dem Uebergreisen europäischer antisemitischer Unsitten auf das jüdische Stammland ist in ärgerniserregender Weise Vorschub geleistet worden. Wir sind überzeugt, daß die Londoner Zentralregierung diese Sabotageversuche peinliche empfindet und daß sie sie abznstellen bereit ist Aber es gehört zu guten und freundlich,en Beziehungen, daß sie für die Praxis durch eine vorsichtige Auswahl der Personen und durch genaue und unmißverständliche Instruktionen ergänzt werden. Die Organe der britischen Verwaltung sind sicherlich in einer sehr heiklen Gegend exponiert. Sie sind Engländer und es ist begreiflich, daß, ihnen die strategischen Interessen ihres Vaterlandes am Herzen liegen. Es ist auch unter Umständen zu verstehen, wenn sie mitten im Drang ihres Amtes in der Sorge vor der arabischen Psyche einen Mißgriff begehen. Beides reicht aber nicht aus, um die Zurücksetzung der jüdischen Ansprüche auf gleiche Geltung, gleiches Recht und gleiche Behandlung zu rechtfertigen. Wobei noch zu betonen wäre, daß es Pflicht dieser Verwaltung wäre, die Stärkung und Vermehrung des jüdischen Einflusses und Besitzes zu sichern, so tvie dies das Maridat will. Die britische Verwaltung sieht aber ihre Pflicht sehr kühl an und es war wohl nur selbstverständlich, ivenn das Mißftrauen zioischen dieser Haltung und den Londoner Zentralstellen einen ursächlichen Konnex bemerken wollte. Wir entnehmen Weihmanns Rede und dem politischen Bericht der Exekutive, daß dies ein Fehlschluß tväre und die jüdische Oeffentlichkeit hört dies gerne. Mer sie kann zur gleichen Zeit konstatteren, daß nicht nur die Zionisten auf solche unrichtige Gedanken kommen. . Die Diskussion des Rotherniereschjen Projektes, die sich erhält, zeigt, daß doch über das Palästinamandat gesprochen wird und daß die internationale Diplomatie die Aegelegenheit nicht als eine res judicata ansehen will. Es ist sicher, daß von einer Abtretung des Mandates keine Rede sein ■ftitn, daß England keine Unterschrift verleugnen kann, die von Konservativen, Liberalen und Sozialisten bestättgt worden ist Es ist weiter sicher, daß der Bölk.r'nmd den Beschluß, das Mandat im Friedensvertrag zu inkorporieren, uicht mehr zurückziehen kann, ohne eine gefährliche' Debatte über das gesanrte Friedenswerk zu riskicren. Es ist auch sicher, daß die jüdische Oeffentlichkeit jeden Versuch einer einseittgen Aufhebung eines Vertrages schroff zurückweisen würde. Aber es tvird gesprochen; es wird Stimmung gemacht und das ist doch nur möglich, ivenn man eine geivisse Geneigtheit vermutet, die jüdische Sache unter Umständen als ein Kompensationsobjekt gelten zu lassen. Weizmanns Erklärung zeigt, daß für , solche Kombinationen kein Anlaß besteht. Aber sie ivüre noch weitaus wirkungsvoller (vielleicht auch unuöttg), wenn die jüdische Position in Palästina stärker tväre und wenn innerhalb des Zionismus der felsenharte Witte bestünde, die jüdische Mehrheit .im Lande in der möglichst kurzen Frist zu erreichen. Dieses Ziel ist wieder in die Ferne gerückt. Statt einer starken Eimranderung haben wir heute sogar eine Rücktvanderung. Sie tväre weniger bedenklich, wenn die im Lande Verbleibenden in ihrer wirtschaftlichen Existenz gefestigt tvären. Dio europäische Krise ist nach Palästina vorgeschritten und sie inuß naturgemäß den erst im Entstehen begriffenen .ökonomischen und sozialen Bau viel schärfer an- 'fassen. Mer sie würda sich in geringerem Ausmaß geltend inachen, wenn der Bodenbesitz des jüdischen Bolksteiles größer wäre, das heißt, wenn das verfügbare und imbestrittene Territorium in der Hand jüdischer Siedler wäre. Die Staatsräson der britischen Verwaltung hat dies bisher .nicht einsehen wollen. Sie kann den Wert der jüdischen .Arbeit nicht verkennen. Aus jüdischen Geldern lebt das «Land und nicht nur Palästina. Die Steuergelder, die doch /in der Hauptsache von Juderr kommen, fließen nach Köndon M den Kwnsagenten zurück, sichern den Zinseudirensi der kommenden Anleche und werden sogar zur Erhaltung den Grenztruppe in Transjordanien verwendet, die durch dm - Arierparagraphen vor jüdischer Mannschaft gesichert .ist. Eine Stärkung der jüdischen Arbeit liegt demnach sin Interesse aller Bewohner Palästinas, und es sind doch Symptome dafür Vorhaben, daß auch die arabische Bevölkerung dies einsieht. Wir glauben, daß die Londoner Regierung.gut daran täte, ihre palästinensischen Vertreter über den Inhalt ihrer Aufgabe so zu 'instruieren, daß eine Betonung der unveränderten Syinpathie nicht mehr notwendig jst, und wir glauben, daß dies der Kongreß Aaraus sprechen muß.

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