Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3040 (17.8.1927)
- Date
- 1927-08-17
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Wien, Mittwoch Wiener Msrgenzettnng c 17. August 1S27 " mti.Stm. ------..... ■■ - - . /ch-M'BLMs ämpstndek eS am besiru, daß, das Unreüst gegen «e,H»dul ein Werk antisemitischer Internationale ist, d?m chnr.chmnüttge ^ttUott bet Jivden aller "<mder und ein gottsttttsÄvrs M>rgeHm am erfolgreichsten entgegenwirken fc, .Immerhin ist zu wünschen, daß die Züricher KonftrWz etn geschloffenes Vorgchcn der jüd-ischen Delegation bei drr bevorfi^nden Mittdarheitsko-nsere,^ und ein praktischeSMdionLprogramm zeitige, dast.fi« fich nicht nur aus die Forderung »ach Einhaltung der Besittnnrungen der FriedruSverträge auch den Juden gegenüber, sondern auch auf He Schaffung eines einheitlichen jüdischen Willens z«m Schutzedetjüdischeu.Burger-- und BoWr^chte erstreckt. KW« eine ungarische FremdemWia. B-U'da'p e.st. 16. August. Wie die Blätter melden, wurde aus Anordnung des Ministers des Inner,i hauptsächlich in Len nordöstlichen Gegenden des Landes eine Razzia zum Zwecke der F r e m d c n k o u t r o H c vovgenommen. Es wurden zirka 30V Personen stelliggemacht, die angaben, ungarische Staatsbürger zu sein, ohne sich answeisen zu können. 23 Personen vermochten nicht einmal, einen Grund anzugeben, weshalb sic sich in Ungarn auf- Hälten. Unter -ihnen befinden sich mehr««« d«S Taschendistöstahls und deS Mädchc-^üdelS verdächtige Personen, die in das TchubhauS eingeliefert wurden. Der Leiter der Razzia, Oborpolizeirat Dr. W ö I f c X, dementiert auf daS Entschiedcste die Ansicht, als ob die Razzia, die nach ausländischem, hauptsächlich deutschem Muster vorgenommen wurde, eine judcnfei ndbi cheTendenz hätte. Das deutsche Eigentum i« Amerika. Sine eilglisch-amerikanische einigung, Washington, 16. Mgust. (Woldd.) DaS Staatsdepartement veröffentlicht den N o t e n w e ch s o l mit der britischen Regierulrg über eine ü r i t i s ch - am e rikarr-i s ch e Einigung betreffend das deutsche Eigentum, das in beiden Ländern auf Grund des Verbotes, mit dem Feinde Handel zu treiben, beschlagnahmt worben ist. Darnach erhalte,: amerikanische Frauen oder Fraireu in den «Worten Ländern» die vor dem 6. April 1917 mit Attgehörigyn der Zentralmiichte verheiratet waren, in Mwkffttt Fällen ihr Eigentum zurückerftattct. Ferner werden britischen und amerikanischen Gläubigern Zugriffe auf das beschlagnahmt^ Eigentum deutscher Schuldner unter gewissen Bedingungen gestattet. HakevUeuzkrawalle i« Bad Harzburg. Berlin, 16. August. (Wölfs.) Wie die „Vossische Zeitung" berichtet, haben gestern in Bad Harzburg 22 Mitglieder der d e u t s ch e n n a t i o n a l s o z i a l i st i s ch e n Arbeiterpartei Einwohner und Kurgäste bedroht, beschimpft und geschlagen. Eine große Anzahl von Personen erlitt bei den Zusammenstößen erhebliche Verletzungen. Polizeibehörden und Gendarmerieposten griffen ein und konnten fünf Personen, unter ihnen den G a u l e i t bichhor n, festnehmen. Seine Serhaftuug eine« Mörder» Kurt 6l»n«s. Paris, 16. August. Wie die Blätter aus Madrid melden, trstkrde vor einigen Tagen ein deutscher SLaatSangeWrigor wegvN verschiedener Betrügereien verhaftet, d-r sich Aires irarmtv und klärte, Kurt Eisler ermvrdet gu haben. Der Verlauf der Untersuchung habe jedoch die Nichtigkeit dieser Angaben ergeben. Man vermutet, daß der Vochaftet«, dessen wahrer Name Waldm an n ist und der äst Deutschland Wegen eines gerneivüe&i Verb rechens verfolgt Wird, sich nur deshalb eines politischen Mordes bezichtigt habe, um einer eveiüuellen Ausläe<f-erung zu entgehen. (Kurt iEisner, der Präsident der bayrischen Kommune, ist,, wie noch erinnerlich Von rinrm Grafen A'rco ermordet worden, der -rach kurzer Hjaft ln Freiheit gesetzt iöurde.) , Pole« warnt die Smkgraute«. Warschau, 16. August. Der polnische Innenminister läßt den kürzlich erfolgten Maßnahmen gegen einzelne russische Emigranten und gegen eines ihrer Organe in Polen jetzt einen allgemeinen Aufruf folgen, der die sowjet- Mndlrchen russischen Emigranten'vvr jedem weiteren staats fein blichen Vorgehen Legten Rußland auf polnischem Boden warnt. Die Veröffentlichung ist zweifellos auf Grund der polnisch-russischen Verhandlungen erfolgt, die nach der ErmvrduNg deS Gesandten Wojkow geführt, wurden. Seurrul zagorlli eutsührt? Warschau, 16. August. In dev Angelegenheit des auf geheimnisvolle Weife verschwundenen Generals Z agtNt f l i taucht eine neue Version auf. Es heißt, daß nach Lev Ankunft des Generals in Warschau in Begleitung des ptmannes Minkowski sich zwei angebliche Offiziere bei ihm meldeten und sich als Eskorte des ÄeneralS bis zum Tage, wo er sich beim Rapport dem HeereSntinistev Ptlfudski vorstellen sollte, legitimierten. Sie HMegm mit Zagorftt ein Auto, das in der Richtung nach k Ferzabek warnt Le» Papst. Me kuzykttka über den Antisemitismus. Cs besteht anMllich evüe EnzyNikirbes Papsi-.'S gegei: den Antisemitismus bevor. Die Nachricht findet sich in einem ArMel des Münchener Kaplans Roesel (von uns vor einem Monat inrigeteilt), der jetzt durch die katholische Korrespondenz „Kipa" verbreitet loird und am DienSwg von dem „Wi-encr Neuigkeits-Meltblatt" abgodrnckt wurde. Herr Roesel erzählte, der Papst hal>c in einer Audienz der Gründer der italienisch-katholischen Gesellschaft „Amiei d'Jsracl" (Freunde Israels) auf die Verwerflichkeit des Antisemitismus und feine Unvereinbarkeit mit dem Christentum hingvwiefen und cs ,verde in absehbarer Zeit eine offizielle Kmvdgebmrg des Papstes über die Judenfrage erfolgen. Die Meldung ist anderlveitig noch nicht bestätigt worden. Cs wäre ja nicht so ausgeschlossen, daß man im Vatikan sich über die in Deutschland entstanden« arisch-völkische Bewegung Gedanken inacht. Sie zeigt ganz offenkundig antrkatholische Tendenzen und will den Stifter der christlichen Religionen wegen seiner unleugbar jüdischen Abkunft nicht gelten lasten. Zwar bestehen Forschungen, die ihn als blonden und blauäugigen Arier darstellcn. Eine Photographie ist aber nicht vorhanden und für alle Fälle ist es Tatsache, daß die ihm zugeschrlebeneni Taten im jüdischen Land geschehen sind und die überlieferten Reden in hebräischer Sprache niedergeschrieben wurden. Das ist für die arisch aufgefatzte Humanität maßgebend und das mußte auch in Rom bekannt werden, wo man übrigens auch über die p r otesta n t i s che n Hintergründe der Propaganda einiges wissen dürfte. Und so lväre es immerhin plausibel, daß der Vatikan durch die autoritativste Stelle erklär«: ließe, der Pogrom sei doch nicht recht vereinbar mit der Menschenliebe. Man kennt ja in Rom die Wirkungen von Genemlbejchuldigungen und die Geschichte.der Jesuiten enthält einige lehrreiche Beiträge zu diesem Kapitel. Man weiß auch in Rom, daß die r>örnisrh - katholischen Mission ä t e des KttldorrrrNbeS und. deS MtualMördeS angeklagt wurden. Die katholische Preffe hat fMötMMMß viel und sehr gerne mit den Protokollen der Weisen von Kon kökettiert, Er sie scheint einen Wink bekommen zn haben, daß eS doch unschicklich wäre, einer so. faustdicken Lüge aufzusitzen. Ein Rückfall ist möglich imd aus diesen.-Gründen mag eine Enzyklika zugesagt lvorden sein. Es ist feeilitf) nicht sicher, ob sie auch hemuÄgegeb«. ,Mwd' und vielleicht haben die Gründer der Gesellschaft' der - Freunde ■ Israels, dir sich wohl auch mit MtffioMtmdense» tragen, irgendein freundlich anerkennendes Wort des Papstes als eine Zusage aufgefatzt. Immerhin, man kann nicht lörff« und so schaut der Antrsemitenbund nach dem Rechter!. Sein Obmann, der mit Recht so be» kannte Jerzähek, ein Ginheitslrftler, rückt zur Verteidigung des angestammten Rechtes auf den Pogrom aus. Er ist kein Diplomat und muß sich keiner höflichen Sprache befleißigen. Er kommt mit dem Knüppel und sagt dem apostolischen ■ er möge sich nicht in-den'Streit zwischen^ $’itbeitfrei. ft und Judengegnerschaft einmen« gen. .Ferzabek kann seine Sprüchlein belegen. Er sagt, die ganze Welt schmachtet «nter dem Druck des jüdischen Freünaurertmns. Die rauchgeschwärzten Ruinen des Austizpalastes ruft er an. Sie sind zwar nicht von Juden angezürrdet tvordan, aber das stört den Antisemitenbundhäuptling nicht weiter und deshalb erklärt er, „wir Katholiken müßten unS ganz energisch gegen alle Versuche zur Wehr setzen," die auf eine Lösung der - Judenftage durch etn päpstliches Rundschreiben hinarbeiten. Das ist deutlich. Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist und Jerzabek.sagt nach Rom, man solle sich ja nicht unterstehen, ein Wort der ihm unangenehmen Wahrheit zv sagen. Jerzabek warnt den Papst. .■BS&BaBBKMgSBBBBararaBHBBmNnHgaMmHBBBlMBMMMrenBBBfiBflBHanBmmBRan&BBHiaMMBBi Mokdtow dabonfuhr.' Hauptmann Miakowfti, der den General von Wilna nach Warschau begleitet hatte, nahm auf dem Bcchnhof ahnungslos Abschied. Da die Militärbehörde die Namen der zwei angeblichen . Offtzie« nicht kennt, ist der Verdacht aufgetancht, daß sie den Generäl zu unbekannten Zwecken entführten' nnd in einem Versteck gefangen hatten. Die allgemeine Nervosität, die im Zusammenhang mit dieser Angelegenheit herrscht, spiegelt sich' darin wider, daß den Militärbehörden zahlreiche Anzeigen über das Auftauchen des Generals Zagorski an diesem oder jenem Orte zukommen. Alle auf Grund der Anzeigen durchgeführten Erhebungen blieben aber ohne Ergebnis. Parade dar vajda. Ur ag, 16. Aijguft. (Tel.-Komp.) In FungAWau! fand ein« Parade der tschrchossvwakischen Aaseisten statt, ,än der Maj da und zwei tschechosiowakische Generäle Teilnahmen. Statt'der envarteten B0.600 fanden sich nur siiSM.Krseisten ein. lGcrjda erklärte, die faseistischen Organisationen würden an den bevorstehenden G«Mnv«vcchlen nicht selbständig teil nehmen, sondern gemeinsam mit den Übrigen nationalen Parteien. Die künftige Orgcmksativn der ^fersten werde ausschließlich militärischen Eharäkter tragen. Giajd« erhielt zum Schluß der Hmrdo ein Auto zum Geschenk. > . > »3P WH Samara verbau«!. Lissabon. 16. August. (Tel.-Kiomp.) iDer <ckS Haupt-' anstifter des Aufstandes in Portugal betrachtete Koutmandänt Gamara wurde unter Drkev Bedeckung an Bord eines Dampfers gebracht, der ihn Nach der Insel ,St. ThoMaL' deponieren soll.! Die von der Regicnmg in Wn^ 'd! zustnmnengeKogenen Truppen find in ihre Kasern, i- ^.ückgekehrt. Re stzamsche Natlonolversammlmg. Paris, 16. August. (Del.-Komp.) Nach einer Meldung, aus Aendah« fand «in Gantarcher unter dem Vorsitz des Königs Alfons ein, Miinlsterrat statt. In dem darüber ausgegebenrn Communtque Wird die Embemfung der Nattonalversaimnlung mit kein«m Myrte ettoähnt. Män rechnet damit, daß der König das NnbevufuwgSdekret n-icht vor September unterzeichnen lvlrd, so daß die Einberufung erst im November erfolgen dürste. Nach Blättermeldungen aus Saragossa erklärte der Rektor der dortigen Universität, Primv de RitKm, den er auf seiner letzte» Reift begleitet Mttz, hab^ gesagt die Natlonaivsksammlung werde insgesamt vierhundert Mtgtieder zählen. 49 Sitze sollen den Führern her Unione Patriot ica sowie Vertretern, der Provinzkörperschaften voirbHAen werden. ,, t '! Ier jMufNge Letter des amerttanikcheu Stahltrusts. N Lwyor k,. 16. August. (Del.-Komp.) In Kreisen der Wall Street «ergeht man sich darüber in Vermutungen, wer. . der Nachfolger des verstorbenen Richters Gary als Präsident der United Steel CotpÄration werden wird. Genannt werden PierpontMorgan, Senator Reed und Piere D u p-o n t, der GemraldirÄtion der Generäl >Motor Companie. Die „New Avrk Times" schreiben, fall- Pr äsident Cov lid g e sich für die nächstjährige PräsidenteMvahl nicht aufitelllen lassen wolle, bestehe die Möglichkeit, daß ihm die Nachfolgeschaft Garys angeboten werde. Nachrichten auZ Rapäd City wollen jedoch wissen, daß Cvolidgo dieses Angebot ableh-wvn werde, da er bereits.ältere ZukunstA , pkäne Hab-?. Sur Ltzuche«. Ein Straßenkampf in Panama. P a n a m a, 16, August. (Wolff.) Eine groß e M-enschenMenge versuchte heute, den Eingang dek Gefängniffes zu stürmen, in das sich ein Mann geflüchtet hatte, den sie lynchen wollte.. Boi dem sich hiebei.cchspielenben Kampfe mit der Polizei gab es acht Tote und eine Anzahl Vorletzte. Ev sind auSwärtig e Poliz eiv erstär ku n g om hier eingetroffen. . ßememmi in Peling. L o nd on, 16. August. (Wvlff.) Wie.„Daily Telegraph auS Pettttg. meldet, sei der frHere KofakenfÜhrer, General Semenow, kürzlich in Begleitung japanischer Freunde in Peking gesehen ivovdeu. Man vermutet, daß er entweder eine weMussischs Streitmacht fammM und besehttgen lverde, um gegen die Südtruppen zu Felde zu ziehen, oder dätzer als Stabschef dsr Nordtruppen wie General Galen für die Südtruppen fungieren werde. (Semerww ist sin herüchttgter .i-t, auch etmgv Pogrome auf dem Gewissen ha:. Aittiottl Saribalvi muSuglaud arr-griokim. London, 16. August. (Tel.-Komp.) Das Jnmnmini-- steriwn hat heute angoordnet, daß Oberst Rieciolti Gauibalbt nW Mehr länger in England bleiben dürfe und am Freitag abroisen müsst.. Es verlautet, daß Garibaldi die Absicht habe, nach jjurildl&u* k eh r eu. (Rieeiotti Garibaldi war im Vorjahr in Frankreich al- Spitzel der Fastisten erwischt worden.) M Motorlchiff «utergegauge«. AuS M a t l a n d wird geme'det: Das MvtorWst „Mramar^ aus Savona ist mit zehlt Mciilir Besätzuttg und drei KrssagierenÄNf der Höhe der Anftl Wglia unter«