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Wiener Morgenzeitung · 1927-08-16 · Heft 3039 (16.8.1927) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3039 (16.8.1927)
Date
1927-08-16
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Wien, Dienstag Wiener Morgenzeitung 1«. August 1927 Kr. SOSH RSISHUMMISMG IFRfl Für Me krdbebenopfer in Palästina- Aus Jerusalem meldet die I. T. A.: Auf Anregung Colonel S y m e s' hat der gegenwärtig in Jerusalem lveilerrde Sekretär des American Near East Relief Fund, Herr Wickrey, an das Hauptbureau dieser Gesellschaft ein Telegramm gerichtet, in welchem diese ersucht wird, gemeinsam mit dem American Joint Distribution Committee und der amerikanischen zionistischen Organisation eine Mindestsumme von 76.000 Dollar mr Unterstützung der» durch das Erdbeben Geschädigten ustande zu bringen. Kn Denkmal für Ben gehnda aas dem Selberg- Am 16. Dezember d. I. wird auf dem Oelberg zum Geoächims des berühmten hebräischen Lexikographen Etiefer Bcn I e h u - a, der im Dezenrber 1922 verstorben ist, ein Denkmal lrrichtet werden. Die Kosten für das Moimmen' wurden in Amerika aufgebracht. > Rozstka Schwimmer kann nicht amerikanische Bürgerin werde«. In der LebenSgeschichte Henry Fords spielt die ans Ungarn stammende jüdische Pazifistin Roszika Schwimmer mne bedeutende Rolle. Frau Schoimmer war, wie erinnerlich, diejenige,' die Henry Ford seinerzeit zu dem so kläglich mißlungenen Abenteuer mit dem Friedensschiff zu bewegen wußte. Ford, d»r dainals noch sehr völkerrersöhnend gestimmt twar, unternahm auf seiner eigenen Dacht eine Reise nach Europa, um die Mächte zum Abbruch des Krieges und zu einen: Friede,rsschlnß zu bewegen. Das Unternehmen schloß mit einem lächerlichen Fiasko. Ford ließ fein Schiff in Norwegen im Stich. Als er später aus bisher noch nicht ganz klargestellten Motivm sich zum obersten Protektor der antisemitischen Weltpvopaganda umwandelte, wurde vielfach behauptet, daß sein mißlungenes Abenteuer mit der Jüdin Schwimmer, das ihn dem Gelächter der ganzen Welt preicgab, mit ein Grund zu dieser Gesinnungswa'ndlung gewesen sei. In Wirklichkeit war Ford nach Amerika zurückgeeilt, wril er erfahren hatte, daß die Kriegspartei erstarke, und daß bereits 'große Aufträge für Munition und Material vergeben Werden. Roszika Schwimmer lebte dann in der Schweiz, wo sir für den Grafen Michael Karolyi tätig war, und später in Amerika. Wie uns aus Newyork geschrieben wird, wollte sie dieser Tage die ersten Bürgerpapierv erwerben, um daraufhin die amerikanische Staatsbürgerschaft Zn erlangen. Ihrem Ansuchen wurde jedoch nicht stattgegeben. Hingegen haben die Einwanderungsbehörden den Auftrag erhalten, nachzuforschen, ob Frau Schwimmer auf legale Weise nach Amerika gekommen sei und ob sie richt des Landes verwiesen werden solle. Ford verbietet das Aaonnement seines Schmutzblattes. Aus Newyork wird uns berichtet: Ueber Auftrag Henry Fords Versandte der Generaldirektor des Fordschen Zentralbmeäns in Detroit, Charles S. Luthers, an sämtliche Vertreter der Fordfabriken ein Rundschreiben, in welchem diese^aufgefordert werden, in Hinkunst kein Abonnement auf das antisemitisch: Blatt „Dearborn Jndepedent" mehr einzugehen und eventuell noch laufende Substriptionen sofort zu stornieren. Es wird den .Vertretern auch verboten, wie bisher für das genannte Matt zu agitieren, Abonnements oder Inserate aufzunehmen. Henry Ford hat sich zu dieser Maßnahme in seinem Uebereinkommen mit seinem Prozeßgegner Schapiro ausdrücklich verpflichtet. Er sah sich hiezu übrigensauch aus Geschäftsrücksichten veranlaßt. Die amerikanischen Matter machen aber darauf aufmerksam, daß Ford angeblich den „Deaborn Jndepedent" zu einem reinen Geschäftsblatt umwandeln will, und daß es anlezeigt sein wird, erst abzuwqrten, ob und wie lange er in Versprechen halten werde. Die Roheit der Setnfeftie. Das offizielle Organ der Jewsekzie, „Emes", in Moskau leistet sich anläßlich der Erdbebenkatastrophe in Palästina wahre Orgien an Gemütsroheit. Das Blatt widmet dieser Naturkatastrophe, der so viele Menschen und Werte zum Opfer gefallen sind, an leitender Stelle einen Triumphartikel, in welchem es mit Schadenfreude behauptet, daß das Erdbeben unter den jüdischen Kolonisten in Palästina eine Panik hervorgerufen habe, und freut sich mit der Lüge, daß die Kolonisten infolge des Erdbebens das Land in Massen verlassen. Dasselbe Blatt meldet auch, daß das Z e n t r a ltomitee der zionistischen Partei den Beschluß gefaßt habe, in der Ukraine wohl die jüdische Kolonisation zu fördern und auch'die Entwicklung der jiddischen Sprache zu unterstützen, jedoch dabei bedacht zu sein, daß dies nicht zu chauvinistisch-jüdischen Tend e n z e n führe. Es sei deshalb das wichtigste, die „letzten Reste des Zionismus in Rußland" mit allen Mitteln zu bekämpfen, bis er völlig ausgerottet ist. vimeiseerleichterungen in Palöftina für rnjsische Faden. Die Zionistische Exekutive Hit mit der Regieruilg Palästinas ein Abkommen getroffen, d-mzufolge russische I u- I den, die bereits im Besitze von Palästinavisen sind, nach lä stina komMN, dürfen, ungeachtet dessen, daß die Bez'ehu. i I -zwischen Großbritannien und SowjettUßland abgebrochen sind. Die russischen Inhaber der Palästinavisen werden zunächst nach Korlstantinopel oder nach einen: anderen Orte außerhalb Rußlands reisen und dort die Bestätigung ihrer Biseir abwarten, tvo dann ihrer Einreise 'Ln Palästina kein Hindernis im Meze stchen wird. ' Kvei Mörder Mischer Frauen hiiyerichket. Das Gericht von Marion: pol verurteilte die Brüder Jasas und und Antanas GelbudaS, die in der Nacht vom 23. Mm 24. März d. I. in denr Städtchen Ludwinowe dre jüdische Frau Schapiro und ihre Tochter W i esenverg erwürgt und ihren Laden samt Wohnung ausgeraubt haben, »um Tode. Das Todesurteil wurde am Sonntag, den 7. August, morgens vollzogen. Bühne und Kunst. Sine Srklürnng Prof. Snldo Adlers. Jüngst ging auch durch die europäische Presse die Sensationsmeldung, daß amerikanische Kunstbegeisterung einen Preis für die Ergänzung von Schilberts H-Moll-Symphonie gestiftet habe. Zu den Preisrichtern, welche entscheiden werden, wer Schubert am besten zu Ende komponiert hat, gehör auch Professor Guido Adler. Der brühmte Musikforscher nimmt nun in einem erquickend eindeutigen Schreiben zu dieser Nachricht Stellung und ersucht um deren Veröffentlichung. Hier ihr Wortlaut: „Es ivird mir gemeldet, daß in einigen Zeitungen: die Nachricht verbreitet wird, ich wäre der Preisjury beigetreten, die von einer amerikanischen Unternehmung behufs -Ergänzung von Schuberts H-Moll-Symphonie' (!) einberufen wurde. Ich habe dem Gerenten des amerikanischen Schubert-Festkomitees Sand mündlich bei seinem Besuch und sodann zweimal schriftlich erklärt, daß ich mit dieser Sache nichts zu tun haben will. Dagegen war ich bereit, dem ' Ehrenkomitee der Feier, die sich über ganz Amerika erstrecken soll, 'beizutreten, nur aus dem Grunde, um die . künstlerischen Beziehungen weiter zu pflegen, die zwischen unserer Tonkunst und dem amerikanischen Musikbetrieb so verheißungsvoll angeknüpft wurden, besonders auch durch die Wiener Beethoven-Zentenarfeier. Ich bin ein begeisterter Förderer der internationalen Kulturralliierung, gerade auf künstlerischem und wirtschaftlichem Gebiete. Von einigen Persönlichkeiten, die in den Notizen über diesonderbareH-Moll-Afsäre genannt wurden, weiß ich bestimmt, daß sie sich ebenso ablehnend verhalten haben wie ich, so besonders von Franz Schalk, Hausegger, Max Friedländer, da diese so wie der -Allgemeine deutsche Musikverein' sich mit mir ins Einvernehmen gesetzt hatten. , Sie österreichische Fnveftttionsanleihe. Ein Eommunique der« österreichischen Negierung hat kürzlich alle Mitteilungen über eine Ausländsanleihe als nicht spruchreif erklärt. Es lvurde mitgeteilt, daß das Kontrollßomitee, die entscheidende Stelle für diese Fragen,'erst im Oktober zusammentreten werde. In dieser Tagung wird die österreichische Regierung, wie wir erfahren,' eine Nx.ne große Jnvestitronsanleihe für Oesterreich verlangen, da die Völker bnndkredite fast ganz anfgebrcmcht snid. Man wird dem Kontvollkomitee drei Projekte vorlegen, die die Deckung des Jnvestitionsbedarfes für zwei, drei unb fünf Jahre vorsehen. Höchstwahrscheinlich dürste der iveitestgehnrde Plan, der einen Betrag von 400 Millionen Schilling unrfaßt, genehmigt werden. Davon sollen 170 Millionen für die Elektrifizierung der Streck« Wien—Salzburg, allenfalls Wien—Graz, 150 Millionen für den Ausbau und die vollständige.Modernisierung des Straßennetzes und 80 Millionen Schilling für die Vervollkommnung des Fernkabelnptzes verwendet werden. ' Die polnisch-rnfsischen Handelsbeziehungen. Aus Warschau wird uns geschrieben: Da die polnisch-russischen Handelsvertragsverhandlungen diesmal Aussicht aus Erfolg zu haben scheineu, rechnet »um in den führenden Kreisei: der polnischen Textilindustrie mit der baldigen Wiederaufnahme der seit mehreren Monaten unterbrochenen Handelsbeziehungen mit Sowjetrußland. Falls die Verhandlungen einen weiteren günstigcn Verlauf nehnr-n, könnten die ersten größeren Transaktione:: in Mannfaktnrwaren und Garnen bereits im Her"'"!V?v in dm Wi>!termonaten abgeschlossen werden. Ich zweifle nicht, daß von diesen und anderen widerrechtlich Genannten eine gemeiusarne öffentliche Erklärung abgegeben werden wird, wie ich dies schon jetzt tue, um so rasch als möglich der Hydra der: Kopf (d' Kopfe) abzuschlageu. Guido Adle" ' Sin Bnch Herriots über Beethoven. Berlin, 1b. August. Wie das -Berliner Tageblatt* erfährt, steht Herriot im Begriff, ein Buch über Beethoven zu schreiben, das den Titel „Nach Beethoven" tragen soll. Der Gedanke, das Leben Beethovens zu schildern, sagte Herriol zu einem Mitarbeiter des „Ouotidien", fei ihm in Wien anläßlich der Jahrhundertfeier gekommen. Er habe aber einige Tage der Ruhe abwartcn müssen, um den Plan verwirklichen zu können. Aus den Theatern. Theater in der Josef st ad t. Morgen Mittu.-ch 6 Uhr, „Die Kameliendame" mit Elena Polemitzkaja in der Titelrolle. Stadttheater. Karl Farkas tritt ab San:stag den 20. d. M., in der von ihn: kreierten Rolle in der Revue „W:en lacht wieder" allabendlich wieder aus. Theater an der Wien. Ab heute Dienstag bemnnen die Abendvorstellungen wieder um halb 8 Uhr. Bis aus weiteres allabendlich „Die Zirkuspriuzessin". Deutsches Volkstheater. Freitag, den 19. d. M. »zum erstenmal „Klubleute" mit Max Adalbert. B:S dahin allabendlich mit Max Adalbert „Müllers". W r e n e r K a m nr e r s p i e l e. Heute halb 9 Uhr Uraufführung von „Mein Sohn ist mein Vater" (Mademoiselle Flute) von Louis V e r n e u i l. Theater an der Wien. Am Samstag wurde die ,.Z irkusprinaessin" in neuer Inszenierung aufgeführt. D'.e Kalman« (che Operette sagt dem Publikum noch immer sehr zu. Die Damen Anny C o t h und Lizzi H o l z s ch u h und die Herren Harry Payer, Richard Wakdemar, Karl Götter wurden 'besonders gefeiert. Eine gemalte Chronik des Napoleonischen Rnssenseldzuges. Die Münchener Museumsbestände sind um eine einzigartige Sammlung bereichert worden. Das dortige Heeresmuseum hat die Aquarelle Wilhelm Fabers du Faurs erworben. Faber,. der diesen Feldzug als Artillerie-Hauptmam: mitgemacht hat, war das größte Ma'lertalent unter den älteren deutschen Schlachtenmalern. Diese gemal.» Schilderung der Er« eigmsse des Abenteurerfeldzuges von Moskau bis zur Berosina ist in ihrer Gesamtheit ein hervorragendes Kunstwerk. Di: chronologische Treue und unerbittliche Wahrhaftigkeit dieser Aquarellserie ist bewundernswert. Ein historisches Dokument von großer Bedeutung ist durch diese Erwerbung aus Privat' besitz "der Allgemeinheit zugänglich geworden. „Ich werde sreigesprochen wie die Srosaverrn/ Di« 29jährige Hilfsarbeiterin Rosa S. in Wels traf' ihren ehemaligen Geliebten in weiblicher Gesellschaft. Si-. regte sich darüber sehr auf, drohte ihm mit dem Umbringen und versetzte ihm mehrere heftige Ohrfeigen. <Sl2 luurbe wegen gefährlicher Drohung angeklagt. Der gewesene 'G,eliebte erklärte, die S. habe ihm das Umbringen sehr ttadj? idrücklich in Aussicht gestellt und hiuzugefügt, sie werde gewiß freigesprochen, werden, denn bei'der G-,ro saves cu war es au ch der Fall. Unter Berücksichtigung ihrer hysterischen Veranlagung wurde die Vorbestrafte zü zwei Monaten Kerker verurteilt. Vorher sviirden Konferenzen der Vertreter der Textilindustrie mit der russischen Handelsvertretung und den: Wnieschtorg stattfittden, welcher, die günstige G elegenheit, daß die polnischen Banken Wechsel der russischen Handelsvertretung diskontieren, für sich ausnützen möchte. Der polnischen Textilindustrie käme dieser Umstand ebenfalls zugute, denn selbst die größte:: europäische:: Banken lehnen die Diskontierung sowjetrnssischicr Wechsel ab. Im Zusammenhang damit werden die Arbeiten einer Sonderkommission wieder aktuell, die sich mit der Frage der staatlichen Garantie der Transaktionen mit Sowjetrußland befaßt. Die Kommission ivird schon in nächster Zeit den maßgebende» Stellen einige fuufr S Vorschläge in dieser Frage mllerbreiten. Verhandlungen der österreichischen und der tschechoslowakischen Papierindustrie. Zwischen der österreichischen und der tschechoslowakischen Papierindustrie schweben Verhandlungen über eine Absatzvereinbarung. Die Möglichkeit, die Tschechoslowakei zu diesen Verhandlungen zu öeftim'nten, bot der ungarische Markt. Die tschechoslowakische Papierindustrie ist an der Erzeugung in Ungarn nicht unerheblich beteiligt. Eine ihrer Kartell-Vereinbarungen ist, daß von der Tschechosloivakei kein Packpapier nach Ungarn gellefert werden darf. Die österreichischen Papierindustrien drohen nun, nach Ungar:: vorzudringen — zum Teil haben sie es beveits getan — wenn die Tschechoslowakei nicht die Einfuhr nach Oesterreich einstellt. Darüber sind nun Verhandlullgen in: Gange, die auch zu einen: Abkommen in diesem Sinne führen dürsten. Umwandlung der Tellerschen ZUrkerfabrit :n eine Aktrengesellfchast. Aus Prag wird berichtet: Die der Firina M. B. Teller in Prag gehörige Rttvenzuckerfavrik und -rafflnerie in Sedleh bei Kuttzsnberg wird unter Mistwivkung der B ö h in i s ch e n E s k o nr p t e b a n k und Kreditanstalt in eine Akliengesellschaft urngowandelt. — DK F:rnra M. B. Teller besteht seit 1849. Inhaber derselben sind Dr. Max Lasch, Tr. Rudolf, Dr, Alfred, Ing. HanG 96(KMW90800(WO(W<H^9flflfl60000(WOOö606fl000060060flW800080()8()fl(l)00098600flOWQ06()06 | VOLKSWIRTSCHAFT |

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