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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-31 · Heft 3024 (31.7.1927) · p. Seite 15

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3024 (31.7.1927)
Date
1927-07-31
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 3024 Dien, Sonntag Liener Morgenzeiturrg 31. Mi 1927 mmt To Sie Wafferballmeisterschaft. Hakoah schlägt den W. A. C. 8:3 (2 :0). Die jüdische Mannschaft konnte auch das fünfte Spiel der Sommermeistevschaft verdient gewinnen, und führt nun mit 10 Punkten bei einenr Torverhältnis von 31:6. Das Spiel gegen den W. A. C. war sehr scharf, wurde aber vom Schiedsrichter Winter gut geleitet. Nur ein Rohheitsakt des W. A. C.-Mannes Oberhuber, der Flesch grundlos insultierte, wurde übersehen. Die Treffer der Hakoah erzielten Reich (2), Reiser (2) und Flesch. Für den W. A. C. waren Grünfeld, Koll und Steinbach erfolgreich. In Hochform spielte der Hakoah-Tormann Klein. Außerdem zeichneten sich noch Reich und Reiser besonders aus. Das Spiel der Reserven endete 3:3 <0:1). Die Tore für die Blau- Weißen schossen Rubinstoin, Steinhardt und Grünberger. Der beste Mann der Reserve . war L i ch t e n st e i n. Austria schlug Donau 6:1 <1:1). Austria 2— Donau 2 endete 10 :2. Dar Budweiser internationale Schwimm- Meeting. Erfolge der Wiener. Beim Budweiser internationalen Schwimm- Meeting wurden folgende Resultate erzielt: 100-Meter-Damen-Brustschwimmen: 1. Haradetzky (Prag) 1.37.6, 2. Puchberger (Danubia, Wien) 1.37.7. 100-Meter-Freistil: 1. Frl. Buchbinder (Vienna) 1.28.8. Im Wasserball siegte Vienna über Sparta (Prag) 4:3. Ueber 330 Meldungen für Bologna. Das bisherige Nennungsergebnis für die Eurapa-Me'.fterschaften im Schwimmen vom 31. August bis 4. September 1027 in Bologna ist als ganz hervorragend zu bezechnen. Nicht weniger als 334 Meldungen biegen bisher vor, die sich auf 16 Nationen verteilen, während die Meldezifser des ital-enischen Verbandes selbst noch nicht feststeht. Die im europäischen Schwimmsport tonangebenden Natonen Deutschland, Schweden und Ungarn sind mit je 35 Meldungen zahlenmäßig am stärksten vertreten. Frankreich wird mit rund 30 Schwimmern und Schwimmerinnen auf dem Plan erscheinen. Belgien, d'e Tschechoslowakei und England gedenken mit je 25 Vertretern nach Bologna zu kommen. Die weiteren Meldezifsern sind: Oesterreich 20, Holland und Spanien je 16, Dänemark und Jugoslawien je 15, Polen 12, Griechenland und Finnland je 10 Nennungen. E ras neue Problem: Ein teures Telegramm oder ein billiger nnollibrlicher Lnstvoftbrlek? Ein Telegramm nach Polen kostet für zehn Worte 3.70 Schilling, ein Expreßbrief 1.10 Schilling; der Luftpostbrief, der in einigen Stunden nach Aufgabe in Wien dem polnischen Adressaten zugestellt wird,, nur —.60 Schilling. 'Aufgabe bei allen Postämtern; am Abflugstäge bis 7 Ahr 20 Min. morgens beim Hauptpostamt. Der Lekchtathletillöndertampf Sefterreich gegen Achechoslowakel. Heute um halb 4 Uhr auf dem W. A. C.>Platz Die österreichische Leichtathletik läßt heute ihre Vertreter mitten im Zustande der Krise des Verbandes gegen die Auslvahlkämpfer der Tschechoslowakei antrctem. Temwch muß man optimistischer sein als im vergangenen Jahre, wo die Tschechen in überlegener Manier mit der Punktanzahl von 661/2 gegen I8I/2 gewannen. Für jeden der dreizehn Bewürbe stellt jeder ,Verband zwei Athleten. In den zwei Staffelkämpfen tritt je eine Mannschaft an. Die Plätze werden mit drei, zwei und einem Punkt bewertet. Insgesamt sind 84 Punkte zu vergeben. Die Konkurrenzen lauten: Laufen über 800 Meter, Kugelstoßen, Laufen über 6000 Meter, Laufen über 100 Meter, Diskuswerfen, Laufen über 1500 Meter, Hochsprung, Laufen über 100 Meter, Hürdenlausen über 110 Meter, Speerwerfen, Gehen über 5000 Meter, Weitsprung, Stabhochsprung. Die zwei Staffeln über viermal 100 Meter und über dreimal 1000 Meter, in welcher auch der Hakoahner Blödy mitwirkt, bilden das Ende des Kampfes. In beiden Mannschaften find einige Verändern« gen zu erwarten, besonders einige hervorragende Vertreter der Tschechen können, wie berichtet, nicht antvetan, so daß diesmal ein sehr knappes Ergebnis, wahrscheinlich zugunsten der Tschechen, zu erwarten ist. BoMnderkampf Sefterreich gegen Ungarn. Heute in Budapest. Heute findet in Budapest das Zusammentreffen der österreichischen Boxer gegen die Elite der Ungarn statt. Folgende Vertreter bestreiten die Kämpfe: Oesterreich: Erben, Spuner, Pospischill, Gutfreund, Zeheimaier, Rauter, Anderfchitz, Worm. Ungarn stellt die Boxer: KocsiS, SzeleS, Gelb, Schmidt, Baiaß, Mitzitzek, Bokody und Franke. Der letzte Kampf endete mit dem 8r6-Siege der Ungarn. Die Situation ist «auch heute für unsere Nachbarn günstiger, da sie weit mehr erstklassige Boxer zur Verfügung haben. Für die Fusto« Mischer Amatemvereine. Das Beispiel Hagibor—I. A. C. Wie beachtet, steht die Fusion der zstiS jüdischen Amateurvereine Hagibor und I. Ab C . Vor der Verwirklichung. Mit diesem Schritt haben „sich die Initiatoren der Vereinigung ein großes Verdienst um die Sanierung des jüdischen Amateursportes in Wien erwarben. Es ist eure Tatsache, daß die Meisten der hier vorhandenen kleinen jüdischen Amateurvereine nicht.lebensfähig genug sind. Auf dem Wege des Zusammenschlusses liegt die Möglichkeit einer Gesundung des jüdischen Amateursportes in Wien. Wir begegnen der Erscheinung der Zersplitterung der jüdischen Kräfte im Sport sehr häufig auch außerhalb Wiens. Jni Riga, in Warschau, in Czernowitz sehen wir Wische Sportklubs einander schwächen, statt geeinigt den lAusgaben besser entsprechen zu können. Erfreulicherweise mrHven sich auch im Ausland die Zeichen der Einkehr und der Gedanke der Konzrntraticu beginnt sich allmählich durchzusetzen. Durch die Fusion Hagibor—I.A. C. wird in der, westlichen Bezirken Wiens sicherlich ein bedeutend gestärkter Sammelpunkt für die jüdische Sportjugend erwachsen. Ebenso wichtig wäre beispielsweise eine Bereinigung K a d i m a h — Mokka b i, die noch einige kleine Vereine in sich aufnehmen sollte. Außerdiesen Gruppen käme dann noch höchstens Hasmonea als selbständiger Verein in Betracht. Die so notwendigen Fragen der Beistellung von entsprechenden leitenden Personen sowie die Sicherung eines Sportplatzes mit den übrigen materiellen Voraussetzungen wäre viel leichter möglich. Nur im Zeichen der Fusion der fräste könnte der jüdische Amateursport gesunden. Wiener Vereine im Ausland. Die A u st r i a ist auf der Reise 'n die nordischen Länder begriffen. Sie wird sechs Stiele in Norwegen, zwei in Dänemark austragen. Die wiederum erstklassige Hertha fährt nach Bulgarien. Sie wird in Rustisch.uk, Varna, Sofa, Phrlippopel, Burgas antreten. Wacker spielt heute in Steinamanger gegen Sabaria. Der B. A. E. tr'tt in Saloniki an. Slovan, verstärkt durch einige F. A. E.-Leuw, lp'elt heute in Sofia gegen eine Städteteam. Freitag schlugen die Wiener Tschechen das Team K0nstan tinopel8 2:0 (1:0). Spiele in der Provinz. Wegen des Spielverbotes in Wen benützen einige Vereine -den Tag, um in -der Provinz Train'ngsmätches auszutragen. A d m i r a tritt in Langenzersdorf an, R u d 0 l s sH ü g e i sp'elt in Baden gegen den oort'.gen Ä. C. und Nicholson in Deutsch-Wagram. Der W. A. C. tritt heute in Klagenfurt an. Hakoah-Sektion Landstraße. Morgen Montag um 6 Ulsi Wettspiel auf dem Cricketer« Platz gegen den Sportklub Stella. Sämtliche Spieler haben sich um J46 Uhr auf dem Hakoah-Platz umzukle'.-den. Dienstag <m Ease Lido, DampfschMraße 20, dringende erweiterte Ausschußsitzung. Die Pretzburger Makkabea wird mit folgenden Sp-eler», deu Kampf in der Meisterschaft aufnehmen: Weiß, Löwinaer 3, Nagl, Berger, Koscharek, Berger, Groß, Mayer, Weiß, Bornstein, Jellinek. Wettgehe« Paris—Stratzburg in 72 Stunden. Straßburg, 30. IM. (Tel.-Komp.) Der Schweizer L'.Nder ist heute gegen 1 Uhr -mittags in Straßburg eingetroffen und dam't Sieg'er im Wettgehen Paris—StraWurg geblieben.. Er hat die Strecke '.n 78 Stunden und 1 Minute zuvückgelegt, was einer mittleren Stundenleistung von 72 Kilometern entspricht. Damit hat Linder seinen eigenen vorjährigen Rekord geschlagen, -der 78 Stunden 47 WKnu-ten 42 Sekunden betragen hatte. WIR bitten unsere Leser und Freunde, in Kurorten u. Sommerfrischen in allen Restaurants und Kaffeehäusemsowie in Lesehallen stets unser Blatt zu verlangen! (12. Fortsetzung) Copyright by Dr. Mfcx Pr&ger, B. Löwlt Verlag, Wien. AMERIKA. Ein Roman von Sdialom Asdi. ,^JHr fahrt auch nach Amerika?" Man halte Hanncch Lea vor der Abfahrt geraten, sie itfdge niemand anvertrauen, daß sie nach Amerika fahre. Sie solle sagen, sie reise nach Breslau — mit einem! kranken Kinde. So antwortete sie denn der Frau: „Nein, ich fahre mit 'einem Kinde zum Doktor.ins Ausland." Die Frau kniff die Lippen zusammen, dann rief sie lachend in eine (Säe: „Na, Joel, die fahren auch zum Doktor nach Breslau." I Mus der Ecke hörte man eine lachende Antwort: „Mr fahren doch alle nach Breslau, gewiß, nur noch Breslau!" Die Frau fing wieder an zu fragen: „Habt Ihr den Mann dort?" Hannah Lea verstand jetzt, daß sie hier nichts zu der-' heimlichen habe, und so sagte sie: „'Habt Ihr Euern Mann auch drüben?" „Ach wollt', ich hätt' ihn so nicht drüben, wie ich ihn leider drüben Hab'!" antwortete die Frau und seufzte. Hannah Lea lvurde durch die Antwort verwirrt und hatte Wagst, mit der Frau weiter zu sprechen. Sie wollte sich! zu den Ihren Umwenden — denn wirklich fiel eben Josseles >Kvpf in ihren Schoß: Miü dem Stückchen Brot in der Hand Und mit dem Segensspvuch aus den Lippen war das Kind .eingeschlafen.!Aber die Frau rückte noch näher an Hauwah ^Lea heran und begann von selbst zu erzählen: „Vor acht Jahren ist er Hinübergefahren. Im nächsten .Jahre nehm' ich dich^n mir, hat er gesagt, und so kann ich '-roch warten, so laug' ich inag. Mit einem Kind an der Hand Ultd einem an der Brust hat er mich znriickgelassen. Ich Hab' schon gemeint, er ist gestorben, da schreibt man mir — >KeUte aus rnrserem Städtchen — hatzi er dort mit einer anderen lebt und von der anderen Kinder hat. Da fahr' ich jetzt hinüber mit meinen armen Täubchen (sie deutete auf ihre schlafenden Kinder)'. Freilich, man sagt mir, man wird mich in IMmerika gar nicht einlassen, wenn er mich nicht vom Schliff abholen kommt., 'Da habt Mr nun das freie Land!" Hannah Lea schlug! das (Her-. Mr ging durch den Kopf, waS Muhme Scheindel ihr von Amerika erzählt hatte. Ihre Lippen begannen zu zittern) (und mit bebenden Händen tastete sie über Joffeles Köpfchen. Vielleicht ihr Meir auh . *. 4? Wer kann bei Amerika etwas sagen — Hin so weites Land . . . .! Dann aber trat irhr ULeirs Bild vor!AUgen tati>' sie sagte sich: Nein, Meir nicht, nein! — Und obwohl eins litt* rtche int Herzen zurückblieb, antwortet sie doch, als die Frau sve nach ihrem ,Manne 'fragte, nicht ohne Stolz: „Mein Mchin (sie unterstrich das Wort mein) erwartet mich in «Amerika. Ein Jahr ist er erst fort, und schon hat er uns hmübergerusen." „Ein glückliches Weib!" sagte die Frau und nickte mit dem Kopfe. „Es gibt doch noch Männer in der Welt. Und ich," seufzte sie, „was Hab' ich nicht alles getan! Ich Hab' mich im neuen Hut photographieren lassen und meine Bilder hrnübergeschickt. Mm hat zu mir gesagt: Laß dich im Hut photographieren, schick' ihm dein Bild, leg' dir etwas Rvt auf die Wangen, zeig' ihm, daß du auch eine schöne Frau bist! Ich Hab' mir die Wangen geschminkt, Hab' mir einen Hut bei der reichstert Frau im Städtchen geliehen, ich Hab' ihm . die Bilder geschickt.... ach!" und die Frau stöhnte wieder: „Es gibt doch noch Männer in der Welt — erst ein Jahr drüben und nimmt schon Weib' und Picker zu sich," und sie wiegt langsam den Kopf, indem sie Hannah Lea dabei aufmerksam ansieht. Hannah Lea spuckte rasch aus, damit die Frau, Gott behüte, nichts berufe. Sie zog die Kinder näher <m sich heran und rief nach Chaim, der in allen Ecken herumwirbelte, sich schon mit anderen Kindern angefvenndet hatte und eben durch die Tür ins zweite Zimmer hineinguckte. Sie setzte auch ihn dicht uebm sich, wie in iAjngst, die Frau könnte auch ihn „berufen."- .Dann fragte sie mit einem gewissen Ton der Zufriedenheit in der Stimme, indem sie nach deM Maß deutete, von dem aus die Frau zu ihr gekommen war: „Und wer sind die dort, gehören sie zU Euch?" ' „Ein Mautpaar aus unserem Städtchen — fahren beide nach '.Amerika." „So," sagte Hannah Lea in mütterlichem Tone. Bald darauf hörte man Kmdergewem. . > „!Alha, mein Kind ist schon aufgewacht," sagte die Mau. „Na, na, wir werden alsi» Schiffs schtvestern fein" — und damit ging sie auf ihren Matz zurück. „Was ist das, SchisMchwestern?", fragte noch Hannah Lea. , „Wir werden zusammen auf demselben Schiff fahren," Mwortete die FraU schon v!on ihrem Matz her. Die ganze iGefellschast war indessen erngeschlasen; da und dort hörte man ein Schnarchen. Die Kinder lagen auf Ms den Bündeln ihrer Mütter, die Väter schliefen angelehnt an Koffer und Kisten. Beim Schenr der Nachtlampe sahen all« wie Schatten aus, wie ewige Wanderer, die aus einer fremden Welt kommen Und irgendwohin ziehen durch Tage, durch Nächte in eine fremde Welt hinein. lAuf ihren 'Gesichtern lag die geheimnisvolle Trauer der ewigen Verbannung. Hier saß' eine Mutter und hielt ein Kiick auf den Wrmen, dort schlief ein Vater mit seinem Am gen auf dem Schoße. Ihre Schatten Und dazu die Schatten von Bündeln und Decken streckten sich unförinlich über die Wände. Man Hätte nreinen können, es seien Flüchtlinge aus einer eroberten Stadt, als wäre gestern erst der Heilige Ternpel verbrannt, und sie kämen die Straße daher von Jerusalem, und die römischen Soldaten seien hinter ihneit her. Bor ihnen aber lüg« der Weg in die lange endlose Bevbannmtg, ins enüge Exil.... «Aus enter Ecke hörte man' die Stimme eines Alten. Er hielt ein Gebetbuch in der Hcnck, urck beim spärlichen Lichtschein las er und rezitierte mit seiner alten, wie tauserckjährigen jüdischen Stimme den ftirchtbaren Gesang: „Warum haben die Völker sich aufgehoben sgegen mrs und die Natiousn Ränke geschmiedet gegen uns?" .... (Forisedang im Montagvlatt:^

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