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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-26 · Heft 3019 (26.7.1927) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3019 (26.7.1927)
Date
1927-07-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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| Prclt 20g j Redaktion, Adrainlstratk»: Wi«a, N., Tabofstr. I Telephon 44-0-38, 48-8-1* Tölephon ab 6 Übt abends 31-0-86 Serie, ab VsO Dhr abends Z8-S-S3. Druckerei: VH., Lerchenfelderstraße 1 („ln-ra"') Preise’. Wien and Oesterreich durch Post öder Verschleißstellen inonafL 6 Schilling. Betngsbedingnnflen kür das Auslandlm Innern des Blattes. BESUCHET den Wiener MIM Aifenthaltsort. Die Gemütlichkeit der guten alten Zeit. Wer kommt, wird wieder Stammgast( WUW.-NM.LISS. Volkstümliche Preise I Mittags -Menüs ä S 1*50 Direktion: OTTO KASERER Nr. 3019 »tat, Ilenrtag, 20. Salt 1937 ,9. Jahrgang Marx aus dem ..Reichsbanner" Ae Folge« der Kmdsebvvg aa de« Wiener Schutzbund. §8 et Hit, 25. Jvli. Wie die „Germania* meldet, hat Reichskanzler Dr. Marx in folgendem Schreiben an den . Bundesvorstand des Reichsbanners seinen Austritt aus dem Reichsbanner mitgeteitt: „Mft Rücksicht auf die verschiedenen Borkomm, niffe der letzte» Zeit, rnSbefondevc ans die Kundgebung des Vorstandes des Reichsbanners an den Republikanischen Schutzbund in Wien, die eine unberechtigte Einmischung in die Politischen Verhältnisse des befreundeten Oesterreich «nd eine schwere Herabsetzung und Beleidigung der Bundesregierung enthalt, erkläre ich. meinen Austritt aus dem Reichsbanner." ' Wie berichtet, hatte der Reichsbannerführer H^ö r-' sing einen Aufruf herausgegeben, in welchem 'er das Urteil im Schattendorfer Prozeß als die F r e i - sprechung fas cisti sch e r M ö r d e r bezeichnete. Hör sing hat sein Amt als Oberpräsident derpreußi- ''chen Provinz Sachsen niedergelegt. An seine'Stelle sollte der gewesene Innenminister S e v e'r i n g treten, der jedoch krank ist. Die dem Zentrum angehörigen Mitglieder des Reichsbannervorstandes sind zu einer Besprechung nach Berlin berufen worden. 40 amerikanische Zomnalisten komme« nach Wie«. In Plymouth sind gestern mit dem Dcknchfer „MinnetonLa" vrerzrg Ehefredakieure großer amerikanischer Bkätttr etngetroffen, die nach Europa Lekonrmen Ind, .um .hier eingehende politische Kenntnisse zu sammeln. Der Führer der TelcMtion erkistrie, es fei di« Absicht der Publizisten,: nach Wien-zu kommen, penn die bin» titze» Geschehnisse seien natürlich, ein Grund, möglichst rüsch. nach Oesterreichs zu fahren, um sich ein Bild von der wirklichen Situation mache» zu können.;; -Auch eine größere Anzahl von Professoren und Stu- denken der Journalistik der Staatsuniversität von Minnesota werden in der nächsten Zeit in Wien eintrkeffe». mmmmmrnmmimte'vm Starkes Wacheaufgebot. — Die Galerien fast leer. — Ae Rebe de« PrSsidente« Mlklas Im Parlament und seiner Umgebung waren gestern von Mittag ab umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden. Auf dem Schmerlingplatz und im Rathaüspark stand . . ein großes Aufgebot der Polizei. > 'i Viele: Wachleute waren mit d e m M a n n l i ch e r G el wehre ausgestattet.. ] Bei den Eingängen am Ring übten Polizeibeamte in j Zivil die Kontrolle und ließen nur Personen, die Eintrittskarten hatten oder die sich ausreichend legitimierten, in das Parlamentsgebäude eintreten. Die Galerien waren sehr schwach besucht. Kurz nach drei Uhr wurde das Läutewerk eingeschaltet, die Reihen der Abgeordnetenbänke füllten sich. Zuerst kamen Sozialdemokraten, fast durchwegs 'in - schivarzer oder dunkler Kleidung. Kurz nach viertel- 4 Uhr erschien. Prästdent Miklas im Saal und hielt die Trauerrede, die von den Abgeordneten stehend angehort wurde. Der Präsident gedachte zuerst der Toten und Verwundeten und dankte dann den Organen d erst a a t l i ch e n O r d n u n g s g e w a l t, die das schwerbedrohte Parlament stützten und ihre Pflichttreue zum. Teil, mit schweren Blutopfern bezahlten. Er -sp'xäch iveiter allen' öffentlichen und privaten Wohlfahrtsörganisationen sowie den Aerzten und Sanitätspersonen den Dank ans und fuhr sodann fort: „Trauer um die Opfer und Dankbarkeit für die Helfer kann unsere Pflicht nicht erschöpfen. Das Gefühlder g r o ß e n B e r a n t w o r t u n g, die uns obliegt — allen Parteien und jedem Abgeordnete» — muh uns doppelt beseelen in Zeiten, in denen Leidenschaften zu solcher Hitze sich steigern können, wie wir es schreckensvoll am 16. Juli gewahrten. Lassen Sie mich in dieser ernsten Stunde meinen Appell wiederhol^, herzlich und eindringlich, und lassen Sie mich an Sie die Bitte richten. nicht nur hier, auf der parlamentarischen Tribüne, sondern auch draußen a l s Führe r u n d B e r a t e r des B o l k c § stets meiner Mahnung eingedenk zu sein. Sie werden damit am besten dem ganzen Volk und unserem Staate, dienenindem Sie dazu beitragen, daß in unseoer Bevölkerung die klare Erkenntnis immer mehr Fuß fasse, daß in einer demokratischen Republik o h n e gegenseitiges D e r st e h e» «nd ohne eine feste staatliche Ordnung das Gedeihen eines.Volkes unmöglich ist nnd daß dort, wo kein Friede herrscht, auch keine Wohlfahrt erblühen kann. , Wenn nach den traurigen Erfahrungen, der letzten \ Tage diese Erkenntnis , jn weitesten Kreisen Platz greift,! dann sind und bleiben die schrecklichen Juli-Ereignis s e zwar eine traurige Erinnerung, aber wir wollen hoffen, auch eine, wenngleich teuer bezahlte und bittere, so doch heilsame Lehre für unser Volk, aus der der Friede M Staat und .Gesellschaft ersprießen möge!" Die Sitzung dauerte kaum eine Viertelstunde. Die allgemeine Debatte beginnt erst in der heutigen Sitzung, die von. 11 Uhr vormittags bis in die Abendstunden dauern soll. Am Mittwoch hofft man die Aussprache beenden ' zu tonnen. Größere Politische.AufgabeN -werden kaum mehr ge»' löst werden, und es herrscht das Bestreben-, so rasch als möglich zu den Sommerferien zu gelangen. Nach der Haussitzung hielt der Borstand der sozialdemokratischen'Partei eine Sitzung ab. Auch die Mehrheitsparteien traten zu einer Konferenz-zusammen, der fast alle Mitglieder der Regierung beiwohnten. Im wesentlichen wurde die heute zu beobachtende Taktik besprochen. Minister Dr. D i n g h o f e r wird das judizielle Ermächtigungsgesetz vorlegen, durch Elches der infolge der Zerstörung so vieler Men im Justizpalast entstandene Notstand in der Zivil gerichtsb arkeit behoben werden soll. Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vornngesetzteS E gekennzeichnet. Das Wichtigste. Gestern nach halb 10 Uhr abends wurde in Wien und Niederösterreich ein Erdbeben verspürt. Schäden sind nicht angerichtet worden. » Der Mörder von Raabs wurde von tschechischen Genbarmen verhaftet. » Durch ein Unwetter wurden in Venedig sieben Personen getötet. Aus ganz Norditalicn kommen Berichte von katastrophalen Wolkenbrüchen. # Ein gerichtliches Urteil hat entschieden, daß die Abschaffung anS Wien kein Kl'mdigungsgritnd ist. Nach diesem Gesetz soll die Regierung ermächtigt werden, die Wiederherstellung der Grundbücher der verlorengegangenen Prozeß- «nd Personalakten in die Wege zu leiten und Bestimmungen hinsichtlich der Acndernng der Fristen im zivilgerichtlichen Verfahren zu treffen. Die weitere Entwicklung der Dinge im Nationalrat hängt von dem Verlaufe der Sitzung ab. Zunächst wird Bundeskanzler Dr. Seipel sehr ausführlich über die blutigen . Geschehnisse in Wien sprechen. Sodann wird Vizekanzler Hartleb den Bericht der Wiener Polizei Wer die blutigen Vorfälle der breiten Oefsentlichkeit bekanntgchett. Als Redner der Sozialdemokraten ist Abgeordneter Dr. Otto B a u e r vorgesehen. ° ' Die christlich soziale Parteileitung hat am Samstag eine Resolution beschlossen, in der Maßnahmen gegen eine Wiederholung der blutigen Ereignisse gefordert werden. Als solche Maßnahmen werden bezeichnet: die Reform des Preßgesetzes, die Bekämpfung desTerrors und die Auflösung der Gemeiudeschutzwache. Steirischer Landtag. Graz, 25. Juli. Der Landtag trat heute in die Behandlung der Anträge über die letzten Ereignisse ein. Landeshauptmann Paul erklärte, er werde trachten, die Gendarmerie auf den mit 1151 Marin festgesetzten Stand zu bringen. ES dürfe nicht mehr Vorkommen, daß die Landesregierung von der Verbindung mit Wien abgeschnitten werde. Der sozialdemokratische Abgeordnete Wallifch, der in Bruck a. d. Mur die Räteregierung ausgerufer hatte, war der Sitzung ferngeblieben. Ne Iam-Dnm-Seschoffe. Von zuständiger Stelle wurde ein amtliches Commumque im Anschluß an das am Samstag von »der Polizeidirektion veröffentlichte Communrque über die angebliche Verwendung von Munition mit der Wirkung van Dum-Dum-Geschossen veröffentlicht. Darin werden die Gutachten der amtlichen Sachverständigen für Waffen- und Munitionswesen mitgereM, Die jte über jene Munition und Waffen abgegeben haben, die während der Plünderungen in Waffenhandlungen-geraubt wurden. Ueberdies wird irritgeteitt, daß an die Direktion des Allgemeinen Kra n ke n h a uses eine Anfrage - gerichtet wurde, ob in den drei chirurgischen Krankenstationen bet den Verwundeten Wahrnehmungen - gemacht wurden, die auf die Verwundung a bnoruraler Geschosse schließen lassen. Alle drei chirurgischen Mteilungen haben diese Anfrage dezidiert verneint. Handelt verhaftete. Jur Laufe des gestrigen Tages wurden von der Polizei? drrektion neuerdings über 50 Demonstranten, die ivührend und nach den Unruhen verhaftet wurden, unter dem Verdacht der Brandlegung, der öffentlichen Gewalt» tättgkeit usw. dem Landesgericht eingeliefert. Die Zahl der bisher eingelieferten Dw» monstranien beträgt über 100. 8063^5

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