Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2984 (19.6.1927)
- Date
- 1927-06-19
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite L Wimr, Domring ' ÄtVkAgüHE KiUt^ rs. Jmü 1827 Nr. 2W4 CaMa ln altersrtfBfer Auswahl MIU0 und basier Qualität Zer jüdische Flieger. —y, Wien, 19. Amt. Wir Haber, hier einmal von einem SEdiba^i»-- diurrristen berichtet, »der dem ehemaligen MyekanKer; Franck in einem Briefe mitteilte, er mache über die Rassenreinheit und die sonstigen Belange des deutschen Volltes. Der brave MteNschreEer war stvtz darauf, Äe »Mgliche Langeweile seines Dienstes durch den niWonqren Wächterspieß geadelt zu sehen. Er und viele andere mit ihm starren vierundgiwanzig Stunden täglich auf die jüdische Gefahr und ermahnen den deutschen Michel in Lied und Rein, und Zeitung, er solle nicht soviel schlafen. Me widmen sich mit Ausdauer ihrer Aufgabe, jüdische Uelmrgrifse mit aller Schneidigkeit zurückzuweisen. ES scheint, daß die Existenz solcher Menschen eine Notwendigkeit ist. Sie versöhnen mit den Bitterniffen und tragen einen farbigen Tropfen Humor in das sonst so graue Einerlei. Der Berliner Richter, der die ,Miß Columbia" pfänden will, ist aus demselben knorrigen Eichenholz geschnitzt wie der SüdbahnschreLber, und er nimmt es verflucht ernst mit feiner Ausgabe. So ernst wie der Hofrat Kupika — er heißt so —, dessen christlich-germanisches Schönheitsideal es nicht verträgt, daß der Jude Levine nach Wien kommt, als eingeladener Gast der Regierung nämlich, und daß er feierlich empfangen werden soll. .Also setzt sich der Hosrat als Leiter des Deutschen Turneckundes hinter den Schreibtisch und versaßt die folgende Kundmachung: An die Bundesangehörigen ergeht das Ersuchen, sich in keiner Weise an dem festlichen Empfang des amerikanischen Fliegers Wamberlin zu beteiligen. Abgesehen von der Haltung, die die Amerikaner im Weltskrieg eingenommen haben, kommt auch in Begleitung Ghanöberlrus ein Jude, so daß es wider unsere Grundsätze wäre, in den gemachten Freudentaumel miteinzustimMen. DieLeitnng des Deutschen Turnerbundes 1919. - jGn Jude hakte das m besserem Deutsch ausgedrückt und er hätte es vermieden, zu schreiben, datz Levine, ab- M^hen vom der .Haltung, Arkonrmt und daß man in lernen genünchten Freudentaumel mite'mstimmt. Die Äeutsche Sprache hat ihre Tucken, die zu erkennen eine gute SchulerMchnng gerade noch hinreicht. Mer es kommt Mer wQriger auf die sprachliche Richtigkeit als auf die Gestmsnrg au und die ist vorhanden. Sie prägt sich urwelthast ans. Der Kupka hat eine so «namenlose Wut, hoß. dieser JiAe etwas gewagt und glücklich vollbracht hat, teiög Walvater Wotan nur den Germanen Vorbehalten Kat. AEre .ist so frech gewesen, Wer den Ozean zu WetzsL. Mr echt Ddifcher Aufdringlichkeit hat er seinem WaMerÄden, den der Schlaf packte, das Steuer aus der Ä»id lgemmmleu, nnd 'jcht tragt er die Eigenschaften Maer Raste durch Mitteleuropa. Er kommt im Flugzeug iSpfc Berlin nach Stuttgart, Frankfurt, Bremen, und nun stÄl er sogar Men besuchen, wieder per Flugzeug, wo HW doch nach BartelZ und Fritsch seine Natur es verbieten sollte, die physische Gefahr aufzusuchen. EZ ist Aberhaupt sonderbar geworden auf dieser Welt., Es ist so, wie das die Edda sagt: „Hart ist die Welt, Sündhaftigkeit ist im Gange, Artzeit, Schwertzeit. Schilde bersten, Sturmzeit und Wolfszeit, bis daß die WÄt e-instürzt." Ein Jude hat die unsichtbaren elektrischen Wellen gemessen, ein Jude geht hin und schmeißt die Begriffe von Zeit und Raum als relativ Wer den Haufen. Ueberall find Juden, und zwar in solcher Position, daß die arische Wissenschaft Punkt für Punkt als Bierulk sich erweist. Juden holen sich Sportpreise, der Jude Trotzkh organisiert die russische Armee, der Jude Schwarz erfindet den Zeppelin und der «Jude Arnstein baut den großen amerikanischen Luftkreuzer. Man wird nicht fertig mit der ^Auszahlung und das Unglück krächzt an allen Ecken. Nun kommt noch der Jude, der Ostjude, aus Wilna, über das Weltmeer, Hindenburg eMpfÄrgt ihn, Seipel und Schürft laden ihn nach Wien, Beichten nach Budapest, Benesch nach Prag. Levine wird dann nach Paris und London kommen und wieder werden Hunderttausend in den Straßen stehen und mit Tüchern und Hüten winken. Der Jude wird sich .freuen, denn er trägt doch au ch ein Stück jüdischer Mre mit sich. Wenn er's nicht wüUe, so wurden ihn die darüber belehren, die ihren elenden, dürftigen vkeid nicht verbergen können und gegen das Flugzeug mit der Faust dachen: Elender Jud! Wir haben gesagt, daß du feig bist, daßkbn am Geld hängst-, baß dn nichts Höherwertiges kennst, und da wagst es, uns bis Lügner zu erweisen! Und nicht «nr das, du wagst «es, sogar Erfolg zu haben! Für unS, die wir wissen, welch tüchtiger Kern in unserem Volk steckt, ist nichts eine Überraschung., Nicht der Sieg über das Meer, nicht der zischende Haß. Es wäre uns aber kaum zum Bewußtsein gekommen, wie sehr sich in Levrne das jüdische Schicksal verkörpert. Wir hatten doch alle den Flug und die Feiern als Ausdruck des Menschlichen Sregerwillens und der menschlichen Freude hingenommen. Aber wir werden belehrt, daß — Herr Levine ein Jude «st. Und es war nicht etwa die in jedem Handbuch der deutschen Rassenkunde beschriebene jüdische Reklame, die uns die Kenntnis brachte, sondern die rniselsüchtigen Kommentare der Berliner Rechtspresse, die da plötzlich betonten, dich Chamberlin und Levine keine Helden im deutschen Edelsinn wären. Wenn man sich erinnert, welche Töne diese Presse für die 'Eckener-Fahrt fand, wie Italien den HarchtMann Nobile ehrte mrd jetzt den Leut- 2£Föf MONGOL MAROKA»H <zm23n Seidenlmus (Uillheim i.BwernnHßht2ii U. l.TutlilanljenIlr.8 Wir bieten. jeder Konkurrenz die Spitzet KJelder*»oulard, practoroHo Dessins. ... . . »-9.—, ßlEO i de Chine imprime . ...... . . . . . . 8 18.—. 12.—, B.8C -£* ....... •••■ 07Ä), 480, S.00 __ . - rite Modetoben ........ .... . SIC—, 12.—. &90 Crepe de Chine, aDe Modetoben. ............. S1L80 981L 5M OriginriHtman-ßhantnnff, 90 cm breit. . ... .S 4.9t Japan Pongte, weiß und farbig .................. 8 L9t »-Waseh-Marokains, glatt nnd gemustert, 90 cm breit . » . 8 4.80, 8.90 -Voll-Marquisettc, 115 cm breit S 2.50, 1.90 [Ansnahmsangebot! — 180 Stück originalorientalische, Prima handgeknüpfte Tischdeeken per Stück 8 120.—. Diese Tiachdooken werden nur L Bauernmarkt Ln verkauft. (Beachten Sie unser Prinzip: naut Pinedo feiert, rvelchen triumphalen Empfang Amerika dem Oberst LindberM beertet, dann würde man nichts daran finden dürfen, wenn wirklich jüdische Reklame für Levrne arbeiten würde. Sie tut es nicht. Das besorgt das Hakenkreuz und Hosrat Kupka. .Aber wiiv sehtzn deutlich das Bild von der Stellung des Juden in der Welt. Er mag wirken und schaffen und sein Bestes geben, hinten stehen doch die Todfeinde und werfen Steine. Wir kümmern uns nicht mn diese Feindschaft, weil nnr wissen, daß nur der Tüchtige gchaßt wird. Die Menschen, die guter! Willens sind, freuen sich an Letünes Tat; die anderen bleiben fern und ärgern sich. * Ser XV. Zionisten! ongreß KkSffmwg Des SonpcBBurcous in Basel nm 20. gnal Die Exekutive der Zionistischen Organisation teilt folgendes mit: Auf Grund eines Beschlusses des Mtionskomitees wird der 15, Ziorrvstenkongveß für den 30. August nach Basel einbernfen. Das mit den Borbereitungsarbeiten betraute Bureau des 16. ZionistenkomgreffeD wird seine Tätigkeit am 20. Juni aufnehmen. Zum Leiter des Kongveßbureaus ist Herr Dr. Franz Kahn, zu seinen Stellvertretem sind die Herren Dr. Ernst M e chn e r und Dr»-Aritz Ullmann eMannt Warden. Die Adresse des Kontzreßbureaus wird in den nächsten Tagen bekarmtgegeben werden. Di-e Exekutibe hatden Endtermin zur ADITefe-rung ben Sch ekelgelde rn bis zum 26. In n i b-e r L ang e r t. Auf Grund der Schekalim, die bis zu diesem Datum bei der Exekutive eingezahlt sein werden, wird die Zahl der Delegiertenwandate für jedes Land festgesetzt werdexr. Sein VorsMs zur Ueberwindmig der Krise inPlüSftina. Ern Systemder Selbsthilfe. — Produktive Arbeitslosensürsorgc. — Selbstkolonifierung. Im Klulb der radikalen Zionisten hielt am Mittwoch Herr MM G-oldschwidt aus Haifa einen interessanten Vortrog, in welchem er bemerkenswerte Anregungen zur Ueberwmdung der ArbeASlosenkri-se in Palästina galb. Um z» emM Lösung der Arbettslofenifrage zu geilangen, müßten vor allem, wie >der Bordvagende aussiührte, die n-ngelernten AiLeiter in Arbe 1 tstkvmp ag n i e n zusammengofaßt und zu den bestehenden ArbeitsmöglichLeiten. gebracht werden. Notst^rn-dsarbetteln seien zwecklos, weil durch sie Kapital unpvodrMv festgelegt, die Zahl der Arbeitsloise-n durchaus nicht vermindert, in manchen Fällen durch Landflucht der kmLwwtfchaf.t6chen Arbeiter sogar vergrößert werde; jedenfalls aber bedeute die schlecht bezahlte NvLstandscrrbeit eine Ausbeutung der Notlage der Arbeiter. Redner wünscht, unter Ausrechterhaltung aller von der Arbeiterschaft geschaffenen Institutionen die Organe des AchbaueS in eine richtige Relation zue-inander zu bringen, und zeigt, wie durch ein einfaches System die Geldmittel zur Kokonisierung 'des einzelnen Jndiviiduums von diesem selbst während seiner zeitweiligen Arbeit evspart werden könnten. Ganz automatisth wird die Hebung des Arbeitsniveaus und die Aenderung der Arbeiter» Mentalität erreicht, die nicht auf Forderungen an den Keren Hajeflod in Form von Anleihen und Arbeitslosenunterstützung, sondern auf L e i st u n g u m d intens i v e Arbeit nmgestellt wird, wobei der ganze Nutzen aus der Arbeit dem Arbeiter zufällt. Durch SMstkolonisieruug aus Ersparnissen wäre die Gefahr einer Proletariatsbildung in Palästina beseitigt und die Möglichkeit weiterer Immigration gegeben. Nicht das Einfliehen von GBd sei wesentlich für die Ueber» Windung der Krise, sondern das Erwerben des Vertrauens des anlagesuchenden Privatkapitals in die Arbeits- Willigkeit und Arbeitsfähigikeit des Jeschmvs. Dieses Bsvtwuen könne nur durch systematische Arbest m PMstiua, nicht durch Propaganda in der Galuth, erreicht werden. M« wirtschaftliche Krise in allen GakutMndern verlange, daß allen weiteren Fächerungen an die Fonds chn energisches Halt e-nt» gegengesetzt werde; bk eingehenden Mittel mögen zur Konsolidierung der bestehenden Positionen benützt werden; neue Sfefifo» wen «Wen aus EMrvnGm im Laude entstehen mtb diese zu wirklich bllllsen En aroS'Prelsen Seide Erspamnsse wieder durch Hebung -des ArbeitsNkveous, Schonung des Materials und 'der Produktionsmi'tttl, systematische ZeitausMtzunA Schonung der Nerven des schnsfeudeu Individuums und AuSnÜtzung der bestehenden Avbcitsmöglichkeiten erzielt werben. Stakt KlafleMrmpf chue Ende müsse ein Ende des Klassenkämpfes erstrebt und das Privalkapital zur Betätigung frei zugxklassen werden. Mt llnrecht ha'bc man die vierte Alijakh von allen Seiten mit Schmutz beworfen. Abgesehen von einzelnen Auswüchicn, habe die Einwanderung des Mittevstandes dem Lande Nutzen gebracht und für Millionen Pfunde Arbeitsgelegenheit geschaffen, doch müsse auch diese Einwanderung reguliert werden. Rebner wünscht, daß die DetaApläue des Selbsthilfesystems von einer Fachkommission überprüft werden, und glaubt, daß die Amiahme und Durchführung dieses Arbeitsplanes eine Renaissance des Ghabuziuth-Gedanlkervs nnd der zionistischra Arbeit im Lande bringen und den Idealismus in der Gallas zu intensivster Aktivität beleben werde. Ae Zewlsh'Agenkv-KommWon. Jerusalem, 15. Juni. (I. T. iA.) Der «ntt viergäwgeneir Freitag in Gesellschaft mehrerer fachmännischer Sachverständiger in Palästina eingetroffene Vizepräsident der Metropolitan Life Insurance Company in Newyork, Dr. Lee K. Frankel, eines der Mitglieder 'der Jennsh-iAgency- Kormnission, veröffentlicht heute in der palästinensischen Presst eim Erklärung über die Ziele der Kommission. ,Dr. Frankel führte aus, er sei nach- Palästia! gekommen, um die Verhältnisse des Landes nach jeder Richtung hin gründlich zu studieren, um dann später in der Lage M sein, die Berichte der Sachverständigen erschöpfend bewerten zu können. Mus diese Weise werde es ihm möglich sein, aus Griund der Sachverständigenberichte gutbegründete Vorschläge zu machen. Die Jewish Mgency-Kommission, schließt Doktor Frankel, werde die Berichte der einzelnen Experten prüfen und einen G^e ner>albericht samt Vorschlägen 'abfaffen. Keine RegiemngsuntersMtznng fSr Tel Awiw. Jerusalem, 15. Juni. (I. D.!Ä.) Der Chefsekretar vm'o stellvertretende Oberkolmnissär der Palästma-^Regrerung, Colvnel Sy mes, besuchte Del Wwiw und weilte auch 'mt Arbeiterheim. In einer Ansprache an die Vertreter der ^Arbeiterschaft gab Colonel Synves dem Bedauern Ausdruck, daß die Palästina-Regierung mit den Mitteln für konstruLive Reformen sparsam umgehen Muß und auch nicht in'der Lage ist, irgendwelche Darlehen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit Kr bewilligen. . Ae rmnSuffchen Fuden gegen den Mt mit den Liberalen. Bukarest, 18. Juni. Die hiesige gutinsdrmieirte „Lupta" bringt die auffchenerregende Meümng, daß der Präsident deS Verbandes der eingeborenen rumänischen Juden, Dr. W. Fildermann, von dieser Stelle zurückg-etreten sei. Eine Begründung der plötzlichen Demission ivird wohl nicht angegeben, doch gilt cs als unzweifelhaft, daß Dr.,Dildermann für seinen^ bereits gemÄdtten Wahlpakt mit den Liberalen in den Maßgebenden Kreisen der Judenschaft keine Zustimmung erlangen konnte, woraus er die Konsequenzen ziehen mußte. Die politische Stellungnahme der Juden im Regat jund in den neuen Provinzen zu den bevorstehenden Wahlen Äst demnach ungeklärter denn je. Sine Siseabahn durch die Sahara. .. Der sranzösWe Mgeorduete de Warren hat im Parlament ein großartiges technisches Unternehmen angeregt. Er Null die franKösischen Kolonien Algerien, Marokko und Tunis durch Eisenbahnen mit dem französischen Sudan, dem Senegal, Nigers und dem Kongogegbiet verbinden. Eisenbahningenieuce haben die Pläne geprüft und behauptet, datz drei Viertel der Strecke keine großen technischen Schlvrerigkeiten bieten; die Sahara sei leichter, mit der Eisenbahn zu durchqueren als das Masgebirge, für dessen Durchtunnelung große GeVnnittel erforderlich seien. Rach Vollendung der Eisenbahn konnte man in fünf Tagen mit der Eisenbahn von Paris bis in den mnersien Teil des Sudans gelangen. 6itt neuer Steckbrief gegen SetCfft. Wie wir erfahre«, hat die Staat Sa n w at tsch a f t Wien I gegen Emmerich B e k e s s y, der sich zurzeit in Budapest au'fWt, einen neuenSteckbrief erlasse«.. Vor kurzem haben die u n g a r i s ch e n Gerichts- «bchörden an das Wiener Gericht das Ersuchen gestellt, Men die Untersuchungsakten in der Angelegenheit der Verfolgung Bokefsys wegen Verdachtes der Erpressung zu übersenden. Das Wiener Gericht hat dieses Ansuchen a bschlckgig Le schieden, weil es auf dem Standpunkt sheht, daß Pekessy österreichischer Staatsbürger ist und im Verdacht steht, im Inlands sin Berbvechen begangen zu haben. Es könne daher im Sinne des bestehenden Gesetzes nur ein österreichisches Gericht zur Durchführung des Strafverfahrens .uchärrdig sein. Gleich- Seiti« wurde die BerBgäng wegen des Steckbriefes erlaffcn