Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2901 (26.3.1927)
- Date
- 1927-03-26
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/2979076-2981905-2981989--29518-3017654- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 2901 Wkn, Samstag WiMrr Morge«-Ott«ng 26. März 1927 Settel Serichtssaal. Se» «alte« durch Rattengift getötet. -eopolbine Lkchtrnstein wegen Totschlages zu 8 Jahren schweren Kerkers verurteilt. Zu Beginn der gestrigen Verhandlung gogen Leopoldine Lichtenstein, die ihren Gatten durch Rattengift getötet hatte, erstattete der Gerichtsarzt Hoftat Dr. Meixner sein Gutachten, in dem er aussührte, daß das verwendete Gift unbedingt geeignet war, den Tod auf qualvolle Weise herbeizuftthrcn. Ein besonderes Symptom für die Wirkung des Galliums sei der rapide Haarausfall, der auch bei Lichtenstein konstatiert wurde. Dieser Giftmord mit Thallium ist der erste, der in der Wiener Kriminalistik zu verzeichnen ist. Nach den Plaidoyers zogen sich die Geschworenen in den Mittagsstunden zu einer zweieinhalbstündigen Beratung zurück. Die Hauptfrage auf das Verbrechen des Meuchelmordes wurde mit neun Stimmen Nein gegen drei stimmen Ja beantwortet. Hingegen wurde die E v e n t n a l f r a g e auf Totschlag mit neun Stimmen Ja und drei Stimmen Nein beantwortet. Die Znsatzsrage, ob die Täterin zu dem Ermordeten in einem besonderen Verwandtschaftsverhältnis gestanden sei, wurde mit zehn Stimmen Ja beantwortet. Der Gerichtshof verurteilte hierauf Leopoldine Lichtenstein zu acht Jahren s ch we r e n Kerkers, verschärft durch Dunkelhaft an jedem Jahrestag des Todes Hermann Lichtonsteins. Bei Verkündigung des Urteils stieß die Lichtenstein einen gellenden Schrei aus und stürzte zusammen. Justizsoldatcn mußten sie aus dem Saale tragen. Auch die in: Zuschauerraum anwesende Mutter und Schwester der Verurteilten erlitten Weinkrämpfe. Die Mutter schrie unausgesetzt: „Ich bin schuldig, ich gehöre erngesperrt, nicht mein armes Kind!" Ungarische Iuftizkomöd!^ Mrs Budapest wird , uns berichtet: Bor zwei- Jahren wurde der Führer der Erwachenden Ungarn in Debbeezin, Elemer Buttykay, wegen Aufreizung gegen die jüdische Konfession, begangen durch ein Plakat, unter Anklage gestellt. In den erstarr zwei Instanzen wurde Bnltykay freigesprochen, weil , die Gerichte sich feine .Verteidigung zu eigen machten, daß der inkriminierte Text mit dem eines Plakates identisch ist, das zur selben Zeit in den Straßen Brrdapests affichiert wurde, ohne von der Staatsanwaltschaft beanständÄ worden zu sein. Auch die Miskolczer Staatspolizei, der der Text des Plakatejs vorher börgelegt worden sei, habe keinen Anstand erhoben. Infolge.Berufung der. Staatsanwaltschaft gelangte der Fall' vor einigen Tagen vor der Kurie ÄS' Oberstem Gerichtshof zur Verhandlung, und hier fand die Komödie ihren würdigen Abschluß.. Buttykay wurde p. einem, läge und schreibe, einem Dag Arrest verurteilt. In der Urteilsbegründung wird darauf hingewiesen, daß Buttykay, der ein höheres öffentliches Amt bekleidet, wissen mußte, daß der Inhalt des Plakates geeignet sei, Haß gegen die jüdische Konfession zu erwecken. Der Umstand, daß in Budopest gegen dasselbe - Plakat nicht gerichtlich vorgegangen wurde, sei eventuell einem Berschen zuzuschreiben, könne jedoch den Angeklagten nicht entschuldigen.. Die kleinste zulässige Strafe wurde deshalb bemessen, weil dem Angeklagten immerhin ddr gute .Glaube und das pat r i o ti s che MLoti-v der Taft als mildernde Umstände zugebilligt werden mußten. Vereine. BorttSge «nd Versammlungen. Moadon Mri. Infolge unvoaherM'ehLNer Schwve.riqke'iiteir entfällt heule der Vörtwy. Der nächste Vortray frnLvr Samswy, den 2. Apr'ch fbortit. — Bereinigung jüdischer Aerzte in W«en, 8. Bez., Bsmroplatz 1. Moniday, 8 Uhr» Vortrag des Hsvrm Univ.-Prof. Dr. Mcrx Neuburger: ^Jvfephus Fl-avrus Äs Quelle für die Geschichte der jüdiischLn Medizin im Alkeotum. — Lese- und Redehalle jüdischer Hlochschüler in Wien, 9. Dez., Tür-e-nistraße 9. Hechts. SamAdag. 8 Uhr, Konvent mit Bovivag tos Herrn Dr. Leo Gold Ham m er: Die Notwentdligkeiiij der zioliviistiischen LandespMIbik. — Zionistische Jngendgruppe Leopoldstadt, 2. Bez, Mrtkusgaffe 38. Heute, 3 Uhr nachm., SichaH, halb 6 Uhr ÄuSschußsitzunH, halb 7 Uhr Hebräisch für Ainfänyeir, 8 Uhr Hebräisch für iFo-rtgeschribtenc. Morgen iwu 9 Uhr früh Büchsenleerung, 8 Uhr abends tfrictic Zusamm>eniku.nft. — Zionistische Jugendorganisation Prater. Sonntag idm Saale 2. Beiz., Juingstvaße 8, große Purlimia-ademie. Es wirken mA: Michael Preis, Oskar Toller, Gärntner, Schwaiger,' Hoiff, LichtenfoD, Wemitvaub. Beginn haUb 8 Uhr. — Zionistische Kulturgruppe, 20. Bez^ Karl Meiißl-Straße 6. Heute, halb 8 Uhr abemidS, Vorltrag Samuel Sieg: „Briese ans Palästimn*; Sonntag, haW 2 Uhr nach« mNvags, A'Nsfl'ug nach HiMvldovf. Führer SUberbstsch. — Zionistische Bezirkssektion Wieden-Margareten. Montag um I 8 Uhr albon-ds Tvvraßsnoafe, 6. Dez^ Ma-rgametbeinplaitz, Vortrag , Dr. Leo Goldhammer: ,,Ju!d Suff-Oppemheimar". Gäste | QQCX>OQQOOOOOOOQQOOOOOOOOOOOOOOQOOOQOOOOOOOOOOOOCXXXX30COOOQOQOOOOOOOaCXXXXXX?000 mMkommen! — Zionistische Frauengruppe Landstraße. Morgen öm Maxim, 1. Bez., Räuhensteittpgasse 6, Fünff-Uhr-Dee. — Hitachdukh-Jugend, 2. Bez., Glockongasse 30. Heufle, halb^b Uhr nachm., Vortrag Schaprr« über das «rrbedtende PÄäsWva; 6 Uhr Go.rdonsemir.nan geleilte'd von Dr? Tartal owe.r; Montag, halb 7 Uhr abends, Beginn des .ManÜMironkurfts.; 8 Uhr Dr. Z. F. Ftnkelste4n: ,-Seminars für Wdnsche'Wterabuir." — Verein „Erez Israel", 2. .Bez., Zürlnsgasse 33. Morgen, 10 Uhr vvvm>, Ausflug (S.adkba^hnhaltestelle Schwedenpliah). — Maimonides-Jnstitut, 3. Hetzgaffe 40. Heute, 3—4 Uhr, Dr. >A. Kaminka-: „Geschichtliches und Symbolisches vom M>tna-l der Rdken Kuh." — ToyNbedhalle, 20. Bezv Den.isga.ffe 33. .Heübc, 7 Uhr abends, Beeihoven- Feier. — Wiener Beth-Hnmidrasch, 2. Dez., TeiWelgasfe 3. .Heute, 3 Uhr, L-eli-'or Dr. S. Nu bin: ^Henidentum und Judentum." Jüdisches Zentrum der Sozialen Hilfsgrmemschaft Anitta Müller, 2. Bez., Untere Augartenstraße 35. Der neue Kurs für Hebräisch-Anfänger hat bereits begonnen. Weitere Anmeldungen werden täglich im Sekretariate von 6 bis 8 Uhr entgegengonommen. — Der englische Kurs für Anfänger hat Donnerstag, den 26. d. M., begonnen und findet jeden Donnerstag von halb 7 bis halb 9 Uhr abends statt. Auch für diesen Kurs werden noch, weitere Anmeldungen entgegengenonmnen. — Sonntag, den 27. d. M., 7 Uhr c^iends, feierlicher Abschluß des ZlMus Wischer Dichter: „Theodor He rzl als Schriftsteller". VOIKSWlRTSCHAf Darf cm Arft Kokain verschreiben? Bor Lmtzc^ni haben wir über einen Kofainistenprozeß berichtet, in dem mehrere als Kokainisten bekannte Personen, die sich auch als Schleichhändler mit Kokain betätigten, zu Arreststraftn verurteilt wurden. Einer von ihnen, der unter den Ko'kaintsten mit dem Spitznamen „Der Virginia-Karl" bekannte Kart Emil Indra, wurde zu einenl Monat Arrest verurteilt. Er gab während der Verhandlung an, daß er das Kokain auf Rezepte des Arztes Dr. Oskar B.. bezogen habe, die dieser ihm bereitwilligst ohne weiterte' Untersuchung ausgestellt habe, weil er, Indra, dem Arzt als Kokainist bekannt war. Der wegen Vorschubleistung zum unbefugten Handel mit Kokain und wegen liebertretung gegen die körperliche Sicherheit Mitangeklagte Arzt Arzt Dr. B. gab dies ohne weiters zu und erMrte, daß er an Kokaiuisten, die er beim ersten Anblick als solche sofort etkerme, tatsächlich in ktenreren Mengen Kokain verschreibe, weit er der Ansicht sei, baß eine Entwöhuungs- Alr nur allmählich durchgeführt werden Ikönne, und nicht, wie dies in den Entwöhnungsanstalten meist ohne Erfolg geschibyt, durch plötzlichen "Entzug 'des Nervengiftes. Fstr eine 'derartige Ordinntkvn habe er sich geioöhnlich öl) bis 60 Groschen vozahten 'lassen. 'Daß Indra mit dem Kokain Schleichhandel betreiben werde, habe er nicht ahnen können. Die Verhandlung wurde seinerzeit zur Vorladung der Sachverständigen Unwersitätsprvfeffor Hofrat Höwel und Hosrat M e i x n e r vertagt. In feinem Gutachten erklärte gestern Professor ^»öioel, daß die Mechode des Beschuldigten zu Entivöhnung von Kvkäiu, wenn auch in kleinen Mengen Kokain zu verschreiben, durchaus irrig und aesmrdheitsgeführlich sei. Von der Wissenschaft werde eine rapide, plötzlich einsetzelldc Entwöhnungskur als richtige Methode anerkannt. Wenn die in geschlossenen Anstalten durchgesührteu ElltlMnurrgskuren nicht imnrer zunr Ziele führen, so ser das nur darauf zuriickzuführen, daß der Aufenthalt der Patienten in den Eutivöhnrlngsnrrstalten nur von. whr kurzer Dauer sein kann.', Das Verschreiben von' Kokain in fester Form sei als Kullstsehler eines' Arztes zu qualifizieren. Der zweite Sachverständige Professor Meixner schloß' sich dieseia Gutachten vollinhaltlich au, iveshalib der Richter LGR. Dr. A u e r ö a ch den beschuldigten Arzt, der bereits l>8 ^lahre zählt, bedingt z ir e < t e r Woche r r e st verurle"^. Dar Sude der Uulonbaak «ad der verkehrrbank. Gestern vormittags hielten die Umonbaiik und die Allgemeine Berkchrsbank ihre ordentlichen Generalversammlungen ab, in denen das Ende der Selbständigkeit dieser Institute uÄ> ihr Aufgchen in der Allgemeinerr österreichischen Bvdenkreditanstalt auch formell besiegelt wurde. Den Vorsitz in der 57. und letzten Generalversammlung der Uuionbauk führte Bizepräsident Hoftat Frankfurter. Direktor Lüdwig Weiner verlas den Geschäftsbericht pro 1926, in dem!u. a. auch die Gründe zur Fusionierung mit der Bodenkreditanstalt, die in der ümlichsten Bereinigung gleicharttger verwandter Betriebe unter dem Gesichtspunkte der Oekonomisierung bestünden, auseinandergesetzt und der Hoffnung Ausdruck gegeben wurde, daß die Bereinigung mit der Bodenkrä)itanstalt eine Berbesserung'des Reinerträgn iss e s der von der Unioubank an die Bodenkreditanstalt zu übertragercken Vermögenswerte und Geschäfte und dadurch auch für die Aktionäre die Erzielung einer entsprechenden Dividende ermöglichen werde. Me Bilanz pro 1926. wurde mit Stimmeneinhelligkeit genehmigt, ebenso wurde der Antrag der Verwaltung, die Filsron der Bank mit der Allgemeinen^ österreichische Bodenkreditanstalt auf Basis der bekannten Bedingungen — Umtausch der Aktten im Verhältnis von 3.6 Unionbankaktien zu einer Bodenkreditaktte mit Mvidendenberechssigung ab 1. Jänner 1927 — durchzuführen, zum Beschlüsse erhoben. In der 62. und letzten Generaürersammlung der Allgemeinen Berkehrsbank führte den Vorsitz Präsch^nt Doktor Richard Skene. Der Geschäftsbericht pro 1926wurde vom Mrektor Dp. Adolf Pvpper-Artberg verlesen. Der Antrag auf Fusion mit der BodenkreditanMt wird hier mit der Verkleinerung des Wirtschaftsgebietes von Oesterreich, der starken Konkurrenz, der übermäßigen Belastung an Steuern und sozialen Mgaben sowie der ans der Inflationszeit übernommenen Ueberdoti-nmg 8er Betriebe mit Personal begründet. Der Fusion durfte sich die lBank um so weniger entziehen, ßfö sie bereits im vorigen Jahre den Anschluß an die Bodenkvchitanstalt gesunden habe. Die Verwaltung glaube den Aktionären die Fusion auch darum empfehlen zu können, weit der in Aussicht genommene Umtauschschlüssel von je 5.5 'Verkehrsbankaktien gegen' eine Wie der Bodenkreditanstalt mit Coupon 1927 für die Aktionäre der Berkehrsbank Äs günstig bezeichnet werden könne. Die Generalversammlung genehmigtet sodann einstimmig den Geschäftsbericht pro 1927 sowie den Antrqg ' der Verwaltung, den msgewiesenen ReingeivLnn von 243,083.037 Schilling dem Jubitäumsfonds her Allgemeinen Berkehrsbank für die . Alters- und JnvaMtätsversorgung ihrer Angestellten zuzuweisen, ebenso den Antrag, di- Fusion ', des > Instituts mit der BodenkreditanstaA zu den erwähnten Bedingrmgen vorzunehmerr. In denr Berichte nder Berkehvsbawk ist auch jener Passus bemerkenswert, in dem die BerwÄtung erklärt, daß sie bestrebt war, durch Erhöhung 8er Abfertignngsbeträge. soziale Härten, die c dieser Abbau mit sich brachte, möglichst zu linderru Der analoge Passus in dem Berichte der Unionbank verweist darauf, daß, die Bestrebungen der Verwaltung, den Abbau innerhalb der iwttvendigen Grenzen vorzunehu^n und hiebei die Interessen der AngesteMen tunlichst, zu VerücksichttgeN, ihren Ausdruck finden in der den Angestellten bereits bekanntgegebenen BereitwMigkeit, die Mfertigungerr Ln einem die gesetzlichen kollekttvvsrttaglichen Verpflichtungen weit übersteigenden Ausmaße festznsetzen. Ane 8»vestltton»anleihe der vemettlde Wien. Dem, Wiener Landtag wird in seiner nächsten Sitzmjg.. eiu Gesetzentwurf vorgelegt werden, womit sich die Stadt-. Verwaltung die Ermächtigung einholt, für Jnvestitionszwecke ihrer Unternehmimgeu eine Anleihe bis zum No- \ minÄbetrag von LT M illi o neu Dollar odtzr deren & Gegewwort in einer anderen Währung in Deilschnldverschreibungen aufzunehmen. Die Aufnahme dieser Anleihe wird mit der Notwendigkeit der Ausgestaltung der städtischen Unternehmungen begründet. Die Straßenbahn soll neue Linien erhalten und der Fahrparkt bedeutend ausgestaltet werden. Auch für das Elektrizitätswerk sind Investitionen dringend notwendig, da seit Kriegsausbruch die Zahl der Stromabnehmer von 92.000 auf 510.000 gestiegen ist. Auch die Gaswerke haben infolge des vermehrten Absatzes Investitionen dringend nötig, wofür die in Aussicht genommene Anleihe verwendet werden wird. Bis zum 30. Juni v. I. war die Aufnahme von Anleihen unmöglich, weil die in Betracht kommenden Geldgeber immer wieder verlangten, die Gemeinde solle die' Zustimmung des Generalkommissärs Dr. Z i rat« rm a n beibringen. Die unmittelbar an die Abreise >des Generalkommifsärs sich anschließenden Skandale der Zentralbank und Postsparkasse ließen es wünschenswert erscheinen, nicht in diesem 'Zeitpunkt Anleiheverhandlungen zu führen. Zudem ergab auch die Beobachtung des. Geldmarktes, daß mit fortschreitender P e rb ill.i g u ng de.r.Ziussätze zu rechnen sei. ... Me Aufnahme einer Jnvestitionsanleihe'ist'seil jeher eine dringende Forderung der Wiener.Bevölkerung, die' seit Jahren die Wttkungen einer Finanzpolitik zu spüren bekommt, die Wertvermehrungen lediglichmit Hilfe von Steuern schafft. Es ist namentlich Gemeindcrat Doktor Plaschkes gewesen, der auf das Unökonömische einer Finanzpolitik hinwies, die für Investitionen, die auch den -künftigen Generationen zustatten kommen werden, ausschließlich-die gegenwärtige Generation belastet. Der ofsi-- zielle Motiven'bericht zum Gesetzentwurf über die neue Jnvestitionsanlekhe spart nicht mit Selbstlob für die bisher bewiesene zurückhaltende Anleihepolitik der Gemeinde Wien, und erklärt, daß gerade diese Zurückhaltung, die strenge Vermeidung des Schuldenmachens - und -die seit: dem 30. Juni 1920 stets ohne Abgang abschließenden Gebarungen der Gemeinde die.beste Beurteilung bei den bereits eingeleiteten ernsten Verhandlüngen finden - und die' E rz i/e llun g. g ünst i g e r B-e di n g u-n.gem erwarten lassen. Wir wollen gerne diesen Optimismus teilen; wenn er durch die Tatsachen gerechtfertigt wird, kann davon nur die gesamte Bevölkerung profitieren. Sehr ausfallend allerdings ist es, daß knapp vor Torschluß,, oder, besser, erst im Zuge des Wahlkampfes, die. Aufnahme einer solchen Anleihe beschlossen wird. Das-Ganze liegt auf derselben Linie wie die Ermäßigung des Verzögerungszuschlages von 25 auf 10. Prozent, die Ermäßigung der Genußmittelabgabe für eine Gruppe von Gastwirtschaften, Verlängerung der Wohnbausteuerbefreiung. von Auf-, Zu- und Umbauten für weitere 30 Jahre, die-Ermäßigung der Lustbar-keitsabgabe für kleine Kinos, Ermäßigung der. Fremdenzimmevabgabe unter der . Bedingung, daß die Hotelbesitzer den 2^fachen Betrag der im Jahre 1926 be-' zahlten Fremdenzimmevabgaben zur Durchführung neuer Investitionen innerhalb eines dreijährigen Zeitraumes vevivenden. Auf den Wiener strömt schon seit kurzem der W a'h'lfegen herab, nun kommt auch noch der Airleihesegen hinzu. Es bleibt nur zu wünschen, daß sich auch die Anleihegeber finden mögen. . Sie neue Hausse des Le«. Kmnpf zwifchru' Deflation und Inflation in Rumänien. Das Ereignis des gestrigen Tages bildete auf den Devisenmärkten die Hausse der Devise Bukarest, die - von 3.20 auf 3.35 gestiegen ist. Die Steigerung ging von Paris aus, wo sich infolge der eiigen loirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen Frankreich und Rllmänien seit jeher der für die Betvertung des Leu maßgebende MaM befindet. In Wien wrrrde für Bukarest ein Mirchschnittskurs von 1.74,5 festgesetzt. Schjwä- . cher lagen gestern sowohl die Lira wie'die Peseta. ' Bon den drei fett Momten in Mtmönien um -M-