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Wiener Morgenzeitung · 1927-03-24 · Heft 2899 (24.3.1927) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2899 (24.3.1927)
Date
1927-03-24
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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# Nr. 28üu <oien, DonssrStag Wt««r M«kM»zrtt»»s 24. MSrz 1087 Seite " Serichtssaal. U-SewII« »W.IS & t&, l., KSmtntrslraBe 9 Telephon 78-1.86 Abonnemenl-Prospehie MANATUcri S SO*- MONATLkÄ S 00 - HONMlSi S SO - 1 Frühjahrsanzug 1 Modehose 1 Frühjahrsanzug 1 Frühjahrsrock 1 Sommeranzug 1 Frühjahrsrock 1 Sommeranzug 1 Winterpaletot 1 Herbstrock 1 Herbstanzug 1 Modehose ABONNEMENT-DAUER ZWEI JAHRE Telephon 78-1-86 1 Frühjahrsanzug 2 Hosen 1 Sommeranzug 1 Winterpaletot 1 Smokinganzug 1 Modehose 1 Sportanzug 1 Ueberrock Kleider bleiben Eigentum des Abonnenten. — Bügeln, Reparaturen kostenlos inklusive Abholung und Zustellung. — Garantiert beste englische Steffe und erstklassige Maßarbeit. I« »Reffe der Königs iura England". Ende November vorigen Jahres erschien in reichsdsu-tschen ZeLtmrgvtt eine Anzeige: „Count.R. C>h. Peters, derzeit Hotel Metropol in Wien, benötigt ein Darlehen von 30.000 Mark, wolfür nach drei Monaten öOjOOO Mark Mückgezahlt werden." Einem Münchner Kmchnann, der sich für das Geschäft interosiievte, teils' her Inserent mit, er habe demnächst eine' Erbschaft von 300.000 Pfund zu erhallten, As dahin brauche er daS Darlehen. Der Münchner Kaufmann, dem die Sache bedeMich vorkam, erstattete-die Anzeige bei der Wiener Polizei. Peters gestand, daß die Gelschichte von dem Ade>l und der RiesenerÄschaft erisiunden seium die Betrügereien, von denen er seit Jahren leibe, leichter cmsiführen zu körmen. Peters hat auch in Oesterreich einer Reihe von Leuten zwei- bis achttausend Schilling herausgelockt. Am ärgsten wurde einem armen Badner Kapellmeister mitgespiolt, der seine Wirtschaft in Baden verkaufte, um mit dem Erlös von 4000 Schilling dem „Neffen des Königs Georg V." aushelifen zu dürfen. Die Betrügereien verübte Peters gomeinsam mit seiner Lelbensgefähvtin Manie Friedrich, die sich mit chm gestern vor einem SchHsifeusena.t unter Vorsitz des Hosrates Gold st ein wegen Betruges zu verantworten hatte. Nach durchgoführtem Bewersverstchren wurde Karl Peters zu 3Z^ Jahren schweren Kerkers und Marie Friedrich zu 2 Jahren schweren KerkerS verurteilt. PstsrS wurde überdies landeSverwiesen. Beide Verurteilte meldeten die Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an. D»e allen Begriffe von MSdcheneHre nM immer sin Geltung. Rudolf A. hatte seiner Untermieterin, Fräulein Selma T., das von ihr bewohnte Kabinett gekündigt, weil er wegen feiner Verheiratung eine größere Wohnung brauchte -- und die Untermieterin mit der Bezahlung des Mietzinses im Rückstand gewesen war. In oem KündigungSprozeß vor dem Bezirksgericht hatte A. seine Berechtigung zur Kündigung noch damit naschzuweiseir versucht, daß er behauptet, er yahe mit seiner UntermLeterin mehrere Jahre eln Verhältnis gehabt und man könne Aus Prag kommt die Meldung, daß das Kreisgericht in L e i t m e r i tz dem Kurator der Markprioritäten der Auffig-Teplitzer Eisenbahngesellschaft die Ermächtigung zur Klage gegen den tschechoslowakischen Fiskus behufs Geltendmachung der Ansprüche auf Goldrückzahlung der'Markprioritäten der Bahn aus der Emission vom Jahre 1896 und 1909 erteilt hat. Ein analoger Prozeß schwebt, wie bekannt, seit bald einem Jahre wegen der 4prozentigen Markprioritäten der Steg vom Jahre 1883, der vor den deutschen Gerichten gegen die Staatseisenbahngesellschaft angestrengt worden ist, da die Gesellschaft,, hezw. Oesterreich und die Tschechoslowakei, die die Prioritäten auf Grund des Friedensvertrages zur Selbstzahlung übernommen haben, als Papiermarkschuld behandelt wissen wollen und aus diesem Grunde sich weigern, die erforderlichen Beitrüge für die Wiederaufnahme des Zillsendienstes zu leisten. Es wirkte im vorigen Jstrhve sensationell, als das Berliner Gericht zweiter Instanz die 4prozentigen Markprioritäten der Steg als Goldschuld. anerkannte. Ganz Mitteleuropa, insbesondere aber die interessierten' Staaten, Deutschland, Oesterreich und die Tschechoslowakei, warten nun gespannt' auf1 die Entscheidung der obersten deutschen Gerichtsinstanz, des Reichsgerichtes in Leipzig, an das die Staatscisenbahngesellschast rekurriert hat, 'Bon dieser Entscheidung, selbst wenn sie in Oesterreich .und Deutschland nicht vollstreckbar wäre, hängt für die künftige Gestaltung des Problems der hypothezierten Schulden'sehr viel ab, da sich die deutschen Gläubiger dadurch ermuntert sehen würden, in ihrem Kampfe um eine angemessene Ausivertung der in ihrem Besitz befindlichen Bovkriegstitres der alten Monarchie einen verstärkten Druck auf ihre eigene Regierung auszuüben, damit sie durch zwischenstaatliche Vereinbarungen eine Regelung sowohl der Markschulden wie der Silberschulden zu erreichen trachten. Die deutschen Gläubiger sind auch an der Aufwertung der aus Silbergulden lautenden Eisenbahnprioritäten sehr stark interessiert, und es ist bezeichnend, daß es ihnen, die sich in einer „Ständigen Kommission zur Wahrung der Rechte deutscher Inhaber ausländischer Vorkriegstitres" zusammengeschloffen, gelungen ist, das Reichswirtschaftsministerium für auswärtige Angelegenheiten, Abteilung Oesterreich und Ungarn, für diese Angelegenheit zu gewinnen. Ueber die Frage des Silberguldens besteht beinahe schon eine ganze Literatur, die die Ansprüche der Prioritäre zu begründen sucht, und es zeigt sich immer mehr, daß das Silberguldonproblem, das ursprünglich lediglich eine spezifisch österreichische An« chm nickt zumuten, wenn er dann verheiratet sei, anck noch weiter mit ihr in einer Wohnung zu leben. Wegen dieser Behauptung brachte Fräulein T. die EhrenveleidigungskIaae ein. Der Richter OLGR. Doktor Sieber sprach den Beschuldigten mit der Bearüindnng frei, „es könne die Angabe, ein lediges Mädchen habe mit einem ledigen Mann eine Liebschaft gehabt, heutzutage kaum als entehrend bezeichnet werden". Fräulein T. brachte gegen dieses Urteil me Berufung an das Landesgericht ein. Dieser Senat hob das Urteil auf und verurteilte A. wegen E/Hrenbeleidigung zu fünf.Tagen A r r e ft. In dem öffentlich verrünoeten Urteil sagte der Vorsitzende Hofrat Dr. Godfried zur Begründung: „In der Aeußerung ist jedenfalls eine sehr empfindliche Ehrenkränkung zu erblicken, denn nach Ansicht des Berufungsgerichtes herrschen noch ickmer die alten Ehrbegriffe." De« Gatte« durch Rattengift getötet. Bor dem Schwurgericht beginnt heute der für zwei Time anberaumte Prozeß wegen Meuchelmordes gegen Leopoldine Lichtenst e r n, dre ihren Gatten, den Metalldruckergehilfen Hermann Lichtenstein, durch Rattengift, dasie in die Speisen mischte, getötet hat. Jns jüdische Maus das jüdische (Blatt gelegenheit zu sein schien, immer weiter auf alle National- .staatcn hinübergvoift. . Anläßlich 'der für den 22. Februar d. I: nach Buda- 'pest 'einberusenen Generalversammlung der Aktionäre ° der FÜnskircheh-Barcser Eisenbahn chatten die Inhaber der 5prozentigen,..auf Silber lautenden Prioritäten dieser Bahn umfassende Vorbereitungen ge- . troffen, um einem allfälligen ungünstigen Beschluß der Generalversammlung über die Tilgung der Prioritätenschuld begegnen zu können. Zu einem offenen Kampfe der Generalversammlung ist es jedoch nicht gekommen, da der Präsident der Eisenbahn Erklärungen des Inhaltes abgab, daß auch die Verwaltung den Silberanspruch der Prioritäre vollauf anerkenne. Das Silbevgnldenproblem strahlt aber' auch selbst in die Tschechoslofvakci hinüber, wie die Klage der Inhaber der 4prozentigen Prioritäten der Dux- Bodenbacher Eisenbahn, die' im vorigen Jahre beim ^Prager Gericht eingebracht wurde,'beweist. Es erregte im August v. I. das allergrößte Aussehen, daß das Prager Gericht erster Instanz sich auf den Standpunkt stellte, daß lediglich der Prioritätentert — uni» dieser lautet auf Silber in klingender Münze — relevant sei, woraus zu schließen ist, daß' die Dux-Bodenbacher Eisenbahn zwar von der Goldrückzahlungspflicht befreit sei, dafür aber die Silberprioritäten in effektivem Silber einzulösen hätte. Dem weiteren Verlauf des Prozesses vor den höheren Instanzen in der Tschechoslowakei muß aber mit um so größerem Jntereffe entgegengeseh'en werden, als nunmehr sich auch Prioritäre der verstaatlichten tschechoslowakischen Eisenbahnen, soserne diese durch Titres, die auf Silbergulden lauten, belastet sind, eine Aktion eingeleitet haben, um eine Honorierung ihrer Titres in effektivem Silber, bezw. nach dem Marktwerte des Silbers durchzus-chen. Es betrifft dies die Prioritäten der böhmischen Westbahn, der Pilsen-Priesen, Südnorddeutschen Verbindungsbahn, Nordwestbahn und Franz-Josephs-Bahn, die die tschechoslowakische Regierung zu Beginn des vorigen Jahres, anläßlich der Auslegung der tschechoslowaki-' schen Konsolidierungsanlei'he, in eine einheitliche Schuld zusammenzufassen versuchte. Eine Anzahl Prioritäre, die damals ihre Titres gegen tschechoslowakische Konsolidierungsanleihe nicht getauscht haben, hat, wie wir hören, den Wiener Rechtsanwalt Dr. Richard Berger mit der Vertretung ihrer Ansprüche betraut, damit er entweder im Wege von Verhandlungen mit der tschechoslowakischen Frnanzverwaltung oder eines. Prozesses gegen den tschechoslowakischen Fiskus die Angelegenheit zu bereinigen suche. , Das Markschulden- und Silberschuldenproblem verschlingt sich immer mehr zu einem schier unlösbaren Knoten. Gerade darum verdient der in Wiener finanziellen Kreisen aufgetauchte Vorschlag auf Einberufung einer neuen Fmanzkonferenz der Nationalstaaten, die die auf der Innsbrucker und Prager Konferenz offengelaffenen Fragen der hypothezierten Schulden regeln soll, ganz besondere Beachtung. In diesen Kreisen ist man überzeugt, daß die Nationalstaaten auf diesen Vorschlag früher oder später zurückgrcifen werden, da es in ihrem eigenen Jntereffe gelegen sei, die durch die fortgesetzten Prozesse der Prioritäre in die finanziellen Verhältniffe der Staaten getragene Unsicherheit zu beseitigen. Sie PrSmieabüchel der PoftssrarWe. Ernennung des Gouverneurs. Der Bundespräsident hat den Vizepräsidenten des Rechnungshofes, Dr. Artur Stöger, zum Gouverneur und den Ministerialrat Ludwig Z a r u b a des Posffparkaffenamtes zum Vizegouverneur dieses Amtes ernannt. Der neue Vorstand des Postsparkaffenamtes wird somit aus Gouverneur Dr. Stöger und den Vizegonverneuren Baernklau und Zaru.v.a. bestehen; er wird wegen der im Zusammenhänge mit den gesetzlichen Zcichnungsbeftimmungen erforderlichen Vorbereitungen die Führung der Geschäfte e r st m i t 1. A p r i l übernehmen. Die Bestellung des Kuratoriums der Postspartaffe ist ebenfalls bereits nach den kürzlich von uns veröffentlichten Vorschlägen erfolgt. - ■ Das Postsparkassengesetz gestattet dem Postsparkaffenamte die Ausgabe von Einlagebüchern mit Prämienberechtigung und überläßt die näheren Vorschriften darüber - einer vom Finanzminister zu erlassenden Verordnung. Diese Verordnung ist soeben- .erschienen^ Danach werden die Prämieneinlagebücher mit besonderer Ausstattung und in Serien zu voraussichtlich je 10.000 Buchnummern ausgegeben werden. Jedes Prämieneinlagebuch, das die jeweils festgesetzte Mindesteinlage (Prämieneinlage) durch ein volles Jahr (das Prämienjahr) ununterbrochen aufweist, nimmt an der V e r l o s u n g einer Anzahl von Prämien teil. Zahl und Höhe der Prämien werden ebenso wie die Höhe der Mindesteinlage, der Beginn des Prämienjahres und der Zinsfuß jeweils vor Beginn der Ausgabe einer Büchelserie kundgemacht. Die Mittel zur Gewährung der Prämien soll die Postsparkassedadurch gewinnen, daß die Prämieneinlagen etwas niedriger als die gewöhnlichen Spareinlagen bei der Postsparkasse verzinst werden. Den Zinsfuß bestimmt das Kuratorium. Ae BerbiMichieite« der Graz-Köflacher Eisenbahn- «ad Bergbaugesellschast. Der- Zentralbauiskausal ha: seinerzeit in 'Dem hiefür eigens eingesetzten parlamentarischen Untersuchungsausschuß die mißbräuchliche Geschäftsführung des VevwaltungSvaies un-d arischen Großspekulanten Wutt.e aufge-dieckr, so daß alle Aussicht dafür vorhanden war, daß die Geschäftsleitun-g zur. .Verantwortung gezogen werden würde. Inzwischen ist, der Zentralbankskandal eingeschlafen,! ja' der Regierung wurde sogar -die Refundierungsanleihe bewilligt' — sie hat sie sich im Wege einer.Zwangsanleihe selbst geholt — aber um. die Gulmachung des Schadens bei der in-den Zusammenbruch der Zentralbank in verantwortungslosester Weise einbezogenen Graz-Köflacher Eisenbahn ist cs. ganz stille geworden. In den Kreisen der Aktionäre macht sich nun eine Bewegung auf Einberufung einer außerordentlichen Generalversammlung gellend, in der die Vorgänge bei der Graz-Köflacher erörtert werden sollen. Es handelt sich vornehmlich darum, daß die Vcrivaltungsräic W u t t e und Cerw enh, obwohl sie keineswegs der Direktion, angehören oder etwa mit der Geschäftsführung betraut waren, sich solche Verträge halben geben lassen können, die ihnenermöglichten, 14 Monatsgehalte zu je 100 Millionen Kronen zu beziehen. Dies geschieht noch immer, obwohl die beiden Großaktionäre und Verwaltungsräte für die Gesellschaft nichts leisten oder vielmehr soviel geleistet haben, daß sie für -mancherlei Geschäfte, die kaum die Geschäfte der Gesellschaft gewesen sein können, der Graz-Köflacher Eisenbahn eine Haftung taufet» legten, die geeignet ist, bei dem Unternehmen ernste Schwierigkeiten hervorzurufen. Dieser Situation des Unternehmens trug auch die Börse Rechnung, da in den letzten Tagen der KurL der Eraz-Köflacher-Mtien. tonst an t gefallen ist — er beträgt gegenwärtig bloß 11 Schilling — und gegenüber dem Nominale bereits eine Einbuße von ungefähr 80 Prozent hat. TOIKSWlRTfCHAFT Sine neue mitteleuropäische Finanzlonferenz. z«r Regelung der Markschulden- und Sllberguldeufrag«.

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