Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1927-03-18 · Heft 2893 (18.3.1927) · p. Seite 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2893 (18.3.1927)
Date
1927-03-18
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2979076-2981905-2981981--29433-3017561
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Zelle 8 Men, Freitag Wiener Morgerrzeitung 18. März 1627 Nr. FILM UND KINO •"** .tot zweite Lebe».' Jin PiranbeSo-Film. i'ie Pan-Fklm-A.-G. will bcnt üblichen üblen Filmschlager u.o Filmreißer entgogemvirken. Ein löblicher, jeder Förderung ivürdiger Kamps, fo wichtig, wie etwa alle ernsten künstlerischen Bestrebungen, di« sich gegen die Kommerz-Erzeugnisse des Wiener Operettentrusts wenden. Im Probejaal dieses Film- Unternehmens wurde den Vertretern der Presse das französische Filmwerk »Das zweite Leben" vorgeführt, dem ein Opus von Pivandello unterlegt ist. Der Geist Pirandellos kommt zwar, wie uns scheint, in diesem Film zu kurz. Aber ausgezeichnete schauspielerische Leistungen, herrliche, künstlerisch hochstehende Bilder und erfreulicher Mangel an jener schmierigen, billigen Sentimentalität und jener perfiden Mischung von Ruditaten lmd Heiligenschein, mit denen rnan die Gimpel ins Kino lockt. Dar Totstorsche Thema vom »Lobenden Leichnam" ist hier humorvoll abgewandett. Die Rolle des Mannes, der gezwungen wird, ein zweites Leben zu beginnen und »nach seinem Tode" glücklich wird, spielt Jxm Mosj online ganz außerordentlich. Sein Matthias Pascal ist ein naiver, genialischer Phantast von Peer Gyntschem Format. Unter den übrigen Darstellern, die durchaus Gestalter sind (keine Filmpagoden), fallen die fchbne, feine Marcelle Pradot und der junge, hochbegabt« Charakterdarsteller M. Simon auf, den man in Men auch auf der Bühne (anläßlich eines französischen Gastspiels in den Kcumnerspiebrn) kennen und schätzen lernte. Ganz wundervoll die Ausnahme des wechselnden Ortes der Handlung. Man sieht ein uraltes französisches Städtchen mit Jahrmarkttreiben und echten alten Stuben. Man sieht — tatsächlich — Monte Carlo und man sieht vor allem Rom. Ei» künstlerisch hochstehender, wertvoller Film. A. »Sw Flug zm» Mars.' Aelita. Em phantastischer Film russischer Herkunft, der ab SS März in Wien erscheint — das erweckte allerhand kühne Erwartungen, die jedoch nicht alle erfüllt wurden. Es scheint doch, daß die DetaMunst der russischen Filme, die so starke Wirkungen SSt, sich nur in irdisch Gegenständlichem entfalten fam». Mag auch sein, daß der Roman „Aelita" von A. N. Tolstoi, der wenig von Tolstoischer Konzeptionskraft in sich hat, nicht den ergiebigen Stoff für die Filmsabel bietet, zu der er verwendet wurde. So entstand eine recht internationale, nur ei» wenig neuruffisch milieuhast gefärbte Kolportagegeschichte, verbrämt mit etwas exotischem Ballett (Genre Bakst oder Posthidcchew). Di« Regie von Pr o t osan v ff, den die Moskauer FÄmfabrLk Meschrapom-Ruß für den künstlerischen Auffait des Films herangezogen hat, arbeitet auf Erden mit Jnterieurbi'Idern (nur eine eindrucksvoll« Szene, das Werden einer neuen Stadt in Sibirien, blieb rm Gedächtnis), auf dem Mars mit vielen Treppen, reichlich geometrischem Ornament und geometrisch abgezirkelter Bewegung. Eine Revolution auf dem Mars huscht zu rasch vorüber, um wirksam zu sein, und hat überdies zu viel vom übrigen Mars-Ballett an' sich. Die Darstellung bringt, wie gewöhnlich bei den russischen Filmen, charakteristische Typen. —tz. Las Geheimnis der Doppelrolle. Diel Kopfzerbrechen macht es dem Zuschauer, wenn er einen Darsteller so in einer Doppelrolle sieht, daß beide Figuren gleichzeitig auf der Szene erscheinen. Zu diesem Zweck wird die Szene in zwei Teile geteilt, während gleichzeitig die eine Hälfte des Objektivs verdeckt wird. Der Darsteller spielt nun auf der einen Hälfte der Szene, während der Operateur dieses Spiels auf das halbverdeckte Zelluloidband bringt. Er zählt dabei genau die Zahl der Kurbeldrehungen. Ist diese Ausnahme beendet, dann läßt er den Darsteller aus dem anderen Teil der Szene spielen, dreht erst die Kurbel bei vollständig verdecktem Objektiv mit der gleichen Tourenzahl zuvück und beginnt dann mit einer neuen Aufnahme, indem er die zuerst belichtete Hälfte des Bildstreifens verdeckt und die verdeckt gewesene öffnet. Auf diese Art bekommt er auf ein und demselben Filmstreifen die von ihm gewünschten SzenenbÄder. Das erste Kinder-Kino. In Leningrad ist dieser Tage das erste Kinder-Kino eröffnet worden. Das Theater weist eine PlatzKhl von 700 «ruf. CS will auch den Kindern der ärmeren Bevölkerung den Besuch eines KinotheaterS ermöglichen. Fatty filmt wieder. Der unter dem Namen Fatty bekannte Filmschauspieler A r b u ckke hat, New Yorker Blättermelvungen zufolge, mit einer Berliner Filmgesellschaft einen Vertrag geschloffen, durch den er sich zur Uebernahme der Hauptrolle in mehreren komischen Filmen, die in Deutschland gedreht werden sollen, verpflichtet. Fatty hat in Amerika seit dem Jahre 1921 II.» Tabor Straße 8 Telephon 42-3-41 Vm Mutt Ms 21- Miras Der Kreuzzug des Weibes mit Harry Liedtke, Conrad Veith, Werner Kraus Musikalische Begleitung: Das neue Ufa-Konzertorchester mit Jazzband (Dirigent; Kaoellmelster Karl Krall) Beginn um 6, V,8 und 9 Uhr nicht mehr gefilmt. (Der Schauspieler hatte damals in Hollywood mit den Gerichten zu tun, weil sich eine Täterin in der Wohnung Arbuckles nach einem Ehampagnergelage mit Morphium vergiftete und Fatty in Untersuchung kam, weil der Verdacht bestand, daß er die Tänzerin getötet haben könnte. Obwohl die Unschuld Fattys sich herausstellte, war er durch diese Affäre für das moralis«he Amerika unmöglich geworden. Die Red.) Das Herz der Salome. Vikror Schertzinger inszeniert einen neuen Foxfilm: „Das Herz der Salome". Alma Rüben S, aus dem Foxfilm «Sibirien" bekannt, spielt die Hauptrolle, neben ihr siiw noch Holmes Herbert und Robert 'Aanew beschäftigt. r-SCHOTTENRING-KINO Schottenring 5 Telephon 17-4-25 Von (teufe bis 21. Miras Der Kreuzzug des Weibes mit Conrad Veidt, Harry Liedtke, Werner Kraus Beginn: Wochentags */«5, */,6, V48 und */*9 Uhr Sonn- und Feiertage */*4, V46, V,7, */«8 und 9 Uhr —Rotenturm-Kino— I., Fleischmarkt t Von heute bis 21. HCärz: Der Kreuzzug des Weibes mit Harry Liedtke, Konrad Veidt, Werner Kraus Beginn d. Vorstellungen an Wochentagen: 4,6, */,8 u. 9 Ubr Sonn- und Feiertage: V*4, */A lI*7, */,8 und 9 Uhr Vereine. Vorträge «ad Bersammlmigen. Zionistische Bezirkssektion Brigittenau. SamStag, den 19. d. M., J48 Uhr abends vm SeMonsheim, 20. Bez., Jägers straße 80, „P u r i m * S c u d a h". — MalmvnideS-Jnstitut, H. Bez., Hetzgasse '10. Samstag, 0—4 Uhr, Dr. K a in inka: „Ererbte Privilegien und persönliche Arbeitsleistung". — Montag, den 21. >d. M., 6—7 Uhr, Dr. A. Kamin-ka: „Die Reden des Propheten Micha". — Volkshochschule Leopoldstadt (Volksheim), 2. Bez., Zirkusgcrsse 48. 7 Uhr: D r. Bock sch: Erkemunistheovic; Dr. Rosen thal: Geschichte der Oper; Reg.-Rat Wehr: Vorschule der Mathematik. 8 Uhr: Dr. Bock sch: Experimentelle Psychologie. — Volkshochschule Brigittenau (Volksheim), 20. Bez., Stronrstraße 78. 7 Uhr: Univ.-Prof. D r. Braßloff: Bertragsverhältmsse des österreichischen Privatrechres; Reg.-Rat Singer: Staatsurnwä^ züNgen deS 16. Jahrhunderts. Moadon iwri. Samstag, 8 Uhr, gemütliche Purim» zusammenkunft der Hebräischsprechenden im Saal des Jüdischen Zeii'trums, 2. Bez., Untere Airgartcnstrasic 56. 'Mitwirkend die Herren Prof. M. Elpirtiner, Sch. Auerbach, M. Uugerfeld u. a. m. aus Palästina, von der Firma Friedmann, Haifa, und alle anderen ausländischen Spezial-Weine zu mäßigen Preisen, liefert Simon Dratler, Wien II. Tandelmarktgasse 8 TEL. 47-4-57 □ TOIKSIIIRTSCHAFT Sie Generalversammlung der SesterreWschen Rationalbank. Sine Debatte öder Mieterschutz und Steuerpolitik. In der gestern abgehaltenen vierten ordentlichen. Generalversammlung der Oesterreichlischm Nationalbank, der der Geschäftsbericht pro 1926 vorlag, kam es zu eitler interessanten Debatte über den Mieterschutz sowie über die Investitionstätigkeit der 'Gemeinde Wien. D«r Vertreter der Arbeiterkammer Hvfrat Palla bemängelte den Passus des Berichtes, in dem es heißt, daß sich! im Jnlande die Kapitalsarmut und die Lahmlegung der privaten Bautätigkeit durch den Mieterschutz.nach wie vor empfindlich fühlbar mache. Gr verwies darauf, daß, wem: man einmal die Auswirkungen der Valorisierung der Mietzinse für die Privatwirtschaft genau berechnete, man sicherlich zu Ergebniffen kommen würde, die gegen das Fallenlassen des Mieterschutzes sprechen würden. Ihm erwiderte der Vertreter der JnduMe Nationalrat Weid»enhof-> f e r, der die Nullifizierung des Häuserbcsitzes, der eine wichtige Grundlage für den Kredit darstelle, für die Einschmälerung der Kreditbasis für die Privatwirtschaft verantwortlich machte. Es wurde auch viel über die Investitionstätigkeit der Gemeinde Wien gesprochen, im Anschluß an eine weitere Bemerkung des Geschäftsberichtes, worin die Nationalbank im Hinblick auf die große Veranlagung kurzfristiger Auslandskredite in Oesterreich, die unter Umständen eine Gefahr bedeuten könne, den öffentlichen Körperschaften zu verstehen gab, daß sie selbst Jnvestitionskredite aufnchmen müßten, um die Investitionen nicht lediglich durch Steuern zu bestreiten. Darin erblickte der Vertreter der Arbeiterkammer eine Spitze gegen die Gemeinde Wien. In seiner Erwiderung erklärte der Präsident der Nationalban! Dr. Reisch, daß der Nationallmick eine Einmengung in den politischen Kampf der Parteien ferngelegen sei, daß sie cS aber für notwendig erachtet habe, auf jene Störungen in der wirtschaftlichen Organisation hinzuweisen, die, sobald sie beseitigt wären, eindurchgreifende Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse herbciführen könnten. 1 In der Generalversammlung der Nationalbank wurde also eine Debatte Über Mieterschutz urrd Steuerpolitik abgeführt. Es wurde bedauert, andererseits aber auch begrüßt, daß es einen Mieterschutz gebe, niemand gedachte aber jener möglichen Erweiterung der Kreditbasis, die im Falle einer Wiederherstellung des Wertes der öffentlichen Anleihen des Bundes, der Länder und Gemeinden eintreten würde. Wollte man jede Bemerkung deS Geschäftsberichtes zum Gegenstands einer Kritik machen, fo müßte man auch darauf verweisen, daß die Leitung der Notenbank in jenem Teile, der sich auf die Einberufung der Goldrente und der s^prozentiM Staatsschatzanwvisungen bezieht, lediglich konstatiert, daß der Spekulation ivenigsterrs in diesen beiden Werten em Ende gemacht worden ist. Das besagt "wirklich blutwenig, wenn nämlich außer acht gelassen wird, daß die Sperre der Renten up^ Staatsschatzanweisungen nicht bloß als Störrmg der wirtschaftlichen Organisation zu betrachten ist, sondern in Wirklichkeit einen ganz unerhörten und durch nichts zu rechtfertigenden Eingriff in das Privateigentum darstellt. Bei der Abstimmung wurde der Antrag auf Genehmigung des Rechnungsabschlusses für das Jahr 1926 und auf Erteilung der Entlastung au den Generalrat angenornmen, desgleichen die Anträge über die Verwendung des Reingewinnes und auf Erteilung einer 10.5prozentigen Dividende forme auf Aenderung der Satzungen, die die Eskomptierung von Staatsschatzscheinen, foferne fie von einer zahlungsfähigen Privatperson eingereicht werden, angenommen. * Für das Geschäftsjahr 1926 wurde der Gelvimranteil der Aktionäre der Oosterreichischen Nationalbank mit 10.5 Prozent 'für jede ganze Aktie festgesetzt. Dieser Gelvinnanteil wird vom 18. Marz l. I. angefangen bei den Kassen der Hauptanstalt Wien und der Zweiganstalten der Oestrrreichischen Nationalbank gegen Einlieferung! deS GewummüeUscheines Nr. 4 für jede ganze Aktie mit 16.12 Schilling ausbezahlt, wobei die Zahlung (soweit der Einlösungsbetrag der von einer Partei gleichzeitig eingereichten Coupons durch 25 Schilling teilbar ist) auf Verlangen effektiv in Bundesgoldmünzeu geleistet wird. Ueber Wunsch der Parteien kaum die Auszahlung der Dividende auch mit dem der Münzrelation entsprecherrden Betrage von 2.12,75 Dollar für jede ganze Aktie effektiv in Dollarnoten oder in Schecks auf Newyork ev^ folgen. ■ ' - ' Allgemeine Bettehrrbavk. Die Allgemeine Verkehrsbank versendet die Rechnungsabschlüsse für das Jahr 1926, das zweiundsechzigste und letzte Jahr ihres Bestandes. Bekanntlich soll die Fusion mit der Allgemeinen österreichischen Boden-Credit-Anstalt in der Generalvenfammlung beschlossen iverden, womit eine um so bedeutungsvollere Konzentration im Bankgewerbe Oesterreichs erfüllt sein wird, als gleichzeitig auch die Union-Bank in die Boden-Crodlt-Anstalt aufgeht. Der in Aussicht genommene Umtauschschlüssel von 51/2 Verkehrsbankaktien gegen eine Aktie der Allgemeinen österreichischen Boden» Credit-Anstalt wird allgemein als günstig bezeichnet. Der für den 25. d. M. einberufenen Generalversammlung wird ferner vorgeschlageir, den R e i n g e w i n ll für das Geschäftsjahr 1926, der mit Einschluß des Gewinnvortrages aus dem Jahre 1925 S. 243.083.37 beträgt, dem Jubiläumsfonds der Angestellten der Allgemeinen Berkehrsbank zuzuweisen. Die Bilanz der BerkchrSbank weist in einzelnen Posten eirre eWMche Besserung gegenüber dem Vorjahre

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.