Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1927-03-13 · Heft 2888 (13.3.1927) · p. Seite 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2888 (13.3.1927)
Date
1927-03-13
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2979076-2981905-2981976--29384-3017507
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Stffe 18 Wien, Sonntag Wiener Morgenzeiiung 13. Marz 1927 Nr. 2888 VOLKSWIRTSCHAFT Nationalbank und Harriman über Kredit- Würdigkeit. Der für den 17. März einberusenen t)icx*tett ordent« fi^tt Generalversammlung der Ocsterrcichischcn Nation nLÄank liegt, wie bereits kurz berichtet wurde, ein Antrag auf Aettderung des Artikels 50 der Satzungen vor, die.den Reeskont oder Lombard von kurzfristigen, liöchstens sechs Monate laufenden Staatskassen-- s che i n e n ermöglichen soll. Zur Ausgabe solcher Kassenscheine bis zum Höchstbetrage von 75 Millionen Schilling, die zur Bedeckung regelmäßiger Kassenbedürfnisse des Staates dienen sollen, ist die Regierung im Vorjahre vom BÄkerbund ermächtigt worden, unter der Bedingung, daß sie. aus den Resten des Erlöses der Völkerbund anleih«: eine außerordentliche Teilrückzahlung auf die Tarlehensschuld des Bunde? ait die Bank im Betrage von 50 Millionen Schilling leiste. Diese Rückzahlung, die in Devisen erfolgen muß und den Zweck verfolgt, die Bestände der Bank an välutarischen Merten und dadurch die Schillingwährung zu stärken, schien jedoch dein Völkerbund kein genüge uder Preis für die Erleichterung der staatlichen Kassengebarung zu sein. Die Inanspruchnahme der Bank für einen kurzfristigen Kredit im Betrage von 75 Millionen Schilling, der durch die Rückzahlung von 50 Millionen Schilling überdies effektiv nur 25 Millionen ausmacht, glaubte er trotzdem nicht so ohne weiteres zulassen zu dürfen, sondern er, empfahl, die Nationalbank zum Reeskont oder Lombard der Schatzscheine nur insoferue zu ermächtigen,^als diese von einerzahlungsfähigen Privatperson eingereicht werden. Wenn der Völkerbund der Sanierungs-Regierung „emp-. stehlt", so ist das nur eine euphemistische Umschreibung dafür, daß er „befiehlt"! Die Kreditschalter der Bank möchte er wohl der Bundesregierung um einen kleinen Spalt offnen, aber auch hiefür will er vorerst wirksame Sicherungen getroffen wissen: eine zahlungsfähige Privatperson, die die Staats-Schatzscheine präsentiert ist ihm für die Bank lieber, als der Aussteller Staat, der der einreichenden Privatperson für den richtigen Eingang des Betrages zwar primär, der Bank gegenüber jedoch nur sekundär haftet. Mag sich der Einreicher mit der ihm gegenüber bestehenden primären Haftung des Staates auseinandersetzen, wie er kann, die Bank hält es lie ber mit der primären H aftung der Privatperson?.. . , . Die Kreditfähigkeit wird von der Nationalbank nicht in Zweifel gezogen, nur die Kreditwürdigkeit erscheint ihr nicht ohne Grund als sehr stark lädiert. Die tüchtigem Männer, die die Nationalbank leiten, sehen keine Veranlassung, die Augen vor offenkundigen Tatsachen zu verschießen, und wollen, so weit es in ihrer Macht steht, sich selbst und die Interessen der ihrer Obhut anvertrautett Währung für alle Zukunft schützen. Im.übrigen richtet sich ihre schärfste Verurteilung der Jnflationspraktiken nicht bloß gegen den Bund, sondern gegen alle öffentlichen Zwangsverbände, Länder', und Gemeinden, die ihre Schuldverpflichtungen ebenso behandeln wie der Bund, ja ihre'Vorsicht' bei der Stili-' sierung des Zusatzes zum' Artikel 50 geht so weit, daß sie die Unternehmungen dieser öffentlichen Körperschaften — ob sie auch kommerzialisiert oder gar in Aktiengesellschaften umgewandelt sein mögen — vom Eskont oder Lombard ausschließt. Es soll eben verhindert werden, daß etwa Fonds oder Wasserkraftwerke als private Kreditwerber, die sie in Wirklichkeit nicht sind,, vorgeschoben werden. Wie es um den öffentlichen Kredit steht, lehrt aber nicht nur die Satzungsänderung, der Nationalbank, sondern die in dieser Woche mit Harriman abgeschlossenen Verhandlungen über die Bildung der Zentraleuropäischen Jnvesting Company. Wenn es wahr ist, daß die Gesellschaft sich nicht bloß mit dem Ankauf von Aktien und Obligati. :-?n befassen, sondern auch Obligationen für Rechnung privater und sogar öffentlicher Körperschaften ausgeben will, so bedeutet dies, daß die Kompagnie hicfür die Haftung übernimmt. Sie schiebt sich zwischon die öffentlichen Körperschaften, denen sie Krüüte gewährt, und die Obligationvnzeichn e r, denen gegenüber sie selbst - als Schuldnerin anftreten wird. Die Ansprüche der Obligationäre werden nur der Kompagnie gegenüber zu Recht bestehen; die Zeichner der Obligationen würde» damit jene Sicherheit gewinnen, die sie bei den öffentlichen Körperschaften bisher, vermißten. Da die Niederöfterreichische EsSomplegesellschaft für Oesterreich' die ^irvesting Company' vertritt, so ist es durchaus wahrscheinlich-, daß einer der ersten Obligationenkredite, die der Harriman-Trust Vermitteln wird, ein solcher an die Gemeinde Wien sein wird. Wie im Falle der Staatsschatzscheine die Na tionalbank in der primären Haftung der einreichenden Privatperson nichts Bedenkliches findet, sondern gerad. darin die erforderliche Sicherheit erblickt, so wird auch der Obligationär in der primären Haftung der Invest in g Company ausreichende Sicherheit finden. Die sekundäre Haftung der öffentlichen Körperschaft dürfte ihn wenig bekümmern; er weiß, daß Harriman und sein Konzern Macht genug besitzen, um, falls sie einer öffentlichen Körperschaft Kredite eingeräumt haben, keinen Scha- . den zu erleiden. - Der erste Satz des Art. 50 lautete bishw^ „Der Bu d, °' die Länder, die. Gemeinden dürfen die M'tVUder Bank in ' keiner Weise, also, weder mittelbar noch unmittelbar für ihre Zwecke iit Anspruch nehmen, ohne daß sie beit Ge- : genwert der bezogenen Banknoten in Gold oder De', reu leisten." An diesen Satz soll nun nach dem Antrag des Generalrates folgender ange'ch'ossen werden: „Die Bank kann jedoch bis zum-Betrag von 75 Milionen Schi ing Schatz-,? scheine des Bundes eskontiereu oder be'ehnen, wenn sie von einer als zahlungsfähig'bekannten Person mit Ausschluß, des B uwi>e s, d er Länder und Ge m ein de st so - wie der Unternehmungen dieser öffentlichen Körperschaften zum Eskont oder Lombard eingereicht werden." Bon größtem'Ingresse ist nun di: Begründung. mit der der Geuera"rat blc An 'ahm.' die'es Ant .a e) empfieh l: . . es müsse fest-gestellt werde.!, daß an ei re Hereinnahme ganzer Schatzsch in' akete unmntelbar aus der Hä'.-d des Staates . nieman - denkt..„es si h edig i-h darum handelt, im Wege des Dskonts oder Bonrards an - rivale Einreicher Kredite zu geben..." Es wird fe uer daran' verwiesen, daß die Kasserschein: eine im Vergleich zur Bankrate niedrigere Verzinsung bieten, so daß schon tveger des Zinsenverlustes der Bank ki e allzu großen Pesten angeboren werden würden. . Di: Für erung des Völker!un es i ach Textcsänderung im Art. 50 sei „nichtganz unbestreitbar", da die Bankleitung, auch bisher kein Beden en get agen, staatlich: Papiere zum Lombard -zuzn'as'en." Zweie ha ter sei schon „die Sach: beim Eskont eines Schatzsche'.nes-" a'er wie dem auch sei, erscheine es unter allen Umstände n notwendig, das Verbot des Artikels 50 ,,'m Zweifel strikte zu interpretieren." n^sha'b cs sich ^rn-fehle, bc: Anregung des Völkerlu des au. Abän.er.ing der Sauug.n Rechnung zu tragen. . .l >s I m Z w e i f e l st r i.k t e z u i n t e r p r er ier e n! Man muß sich diese-Aeußerung der beru'.neu Schitzer. de: Wä> rung über die Kreditgewährung an Heu Staat und die öffentlichen Körperschaften Oesterreichs me. len. Sonst heißt es in d ubio pro reo,'im Zweiselssal c zugunsten des Beschuldigten! Wo es sich um den Staatslre.it hmrdelt. wird erklärt: in dubio contra re um. im Zrveife.ls alle geigen den Beschuldig'en! Die Nationalbank z egt nur die Fo'-" gerungen aüs den gegebenen Verhä tnisstn nid in ihrer Begründung der Statullnän erung brü.ft sich das schärf st: Mißtraue u gegen dirKreditwürdigkeit dcsStantcs aus. Ihr daraus einen Vortours zu machen, wäre jedoch inr höchsten -Gradeimgerecht, null man nicht leichtfertig di: Erinnxru-.g an die Jnflationspraktiken verdrängen, die auch nächster .Stabilisierung der Währung geübt wrrden, in enr der.'Swä sich gegenüber den eigenen S aatsbürgern seiner Schnöden- Verpflichtungen mit Hil,e der bequemen Forme. „Krön: if: Krone" entzieht und die Gläubiger, die Jnl-aber von Renten und Obligationen, um das dafür hingegebene Vermögen bis auf ein Bierzehn'misenovierhnndertstel des u> sprunglichen Wertes enteignet. 6te brMsch-franMch-deuWer Hansel,t«l8? Für Kali, Eisen, Stahl, Kohle und Bamnwolle. London, 12. März. Der deutsche Industrielle Rechberg, der soeben in London einge rossen ist, erklärte einem Vertreter der „Morninz Post", er trachte eineil britisch-französisch-dcutschen Handelstrust ftir Kali, Eisen, Kohle und Stahl in die Wege zu leiten. Da aber Eng'and Kali nicht erzeugt, regt er an, daß Großbritannien Baumwolle od:r irgendeinen anderen Artikel der Liste hi. zufügen solle. Di England höher: Arbe'.ts öhne bei der Ko 'e.lerz'Ugung zahle,' müsse es die Kohle zu einem höleren Preise verkaufen, als Frankreich und Den sch a d un - er re e des'alb eine Skala für die Expor preise au. Das Land ta> d'c höchsten Aus a":en hade. würd: di: Koh e billiger rerkau'en. als zu den G'stehun skosten und das Defizit loiirde durch den Ausgleichsfonds der Gewinne der and. rer Länder ivettgemacht werden. MInera>Sl<Wel!makktberich!. Amerika. Die schlechte Wetterlage im Februar ha! den Benzin- Konsum ungünstig beeinflußt. daher neigten die Benzinpreije zur Schwäche. Dazu kommt eine .in den letzten Wochen immer stärker werdende Prodilllion an Rohöl, die -den Roholmarlr in Amerika schon -so berührt, -dag der Preis für pennsylvanisches Rohöl z. B. von 3,10 auf 8,20 Dollar gefallen ist. Wenn damit gerechnet, wird, daß das Frühjahhr den Benzinbedarf steigern und dadurch eine allgemeine Preissenkung au-fgch.:-lten werden könnte, so ist im-m-erhin die Tatsache der Rrchölpreisseuk-ung als ein beunru-hlgen'des Moment zu betr-achlen, und dementsprechend sind auch, in den. letzten Wochen -die Preise für Benz-insertigprodnkte schwankend und na-chgisbig gewesen: . Leicktbenzi-n 61/66 Be. (spe,;. Gew. 0,715/28) ca. am. cts 61/63 „ ( „ W'ß2 „ { „ Navy-BenKin Petroleum water whi-te Petroleum pri-me -white Gasö' per amerikanische V,723/33) 0,730/83) G-all:.ne fob Golf. 11,5 10,75 10,85 0,75 9,— 7,85 5,15 Rumänien. Hier haben in «den letzten Wochen die Bcnzinpreise einen Rülkschlag erfahren.. Berücksichtigt man die große Steiger-iing der Preise für vu-niaui-sche Benzinprodulte, so müßte danrit gerechnet werden, daß eine Schwäche des Weltrnacktes, wie sie sich jetzt in Amwrika ausge-wirkt hat, gerade das hohe ruulüuische Preisniveau ompsindlicher treffen muß. Immerhin stehen die rumänischen Preise noch weit über der anteriknnischen Parität, und es dürfte auch Laum mit besonderen weiteren Preisabschlägen zu rechnen siiii, da die rumänslsche Produktion in Benzin, Petroleum und Gasöl bisher g-kat-'n Absatz gofunden hat. Pok'n. Der Februar hat für die polnischen Erdslprcdutte auch schwächere Preise gebracht, ein« Erscheinung, -die übrigens für diesen Monat in Polen nichts Ungewöhnliches bedeutet. Besonders war die -Preisermäßigung für Benzin auffallend. ün fymbot der WollfeommemSkeit FLORIS S« Die moderne Dreiradtjrpe für Personenn. Lasteniransporte Mit erstklassigen englischen Motoren. Type vA“ für 300 kg Mufziasf «• 400 i* »» Die „Florls“ Wagen sind solid gebaut und stark din ensionlert. MielwMaft Lauf & Orefilsr Wien, IX., TflrksnsfraBo U. lemsestand: Rotunde, Gelände Abt. „N*, N^. 9102. Devisen- und Valutenkurfe vom 12. März 1927 Devisen 'Amsterdam Belgrad Berlin Brüssel. . . Budapest Geld 28395 12-4675 168 27 98 58 123-85 Ware 284'95 Sofia Geld 51047 12-4975 Stockholm . . .. 189 60 168 77 Warschau... 79 02 98*98 Zürich ...... 186-40 .Hukarest - ........ .42825 4'3025 WlltU ' London .. 34 43 4 63 Amerikanische Roten Mailand.- 31-6150 317150 Belgische Noten ----- Rem York*». 70925 m-75 Bulgarische Noten- Part». 27 76 27-86 Deutsche No.en . 16805 Prag. 21— 2108 Englische Noten. 8440 Ware 5-1487 19020 7952 186*90 700 60 710 60 16*85 3456 Französische Noten - - - volländi-che Noten - - - Ztalreniiche Noten - - - Fugoflawtsche Noten - - Polni che Noten. Rumänische Noten Ruistsche Noten (Roman > Scyw izer Noten Tichvcho»'low. Noten > . Türkrsche P'und-Noten. Ungarische Noten .... Geld 27 86 3182 12*48 136-48 20-9775 Mare 2802 31-98 12-49 186-98 21-0975 12386 13425 *) Briefliche Zahlung oder Scheck New Äork. Geld 706-85, Ware 711*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.