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Wiener Morgenzeitung · 1927-02-21 · Heft 2868 (21.2.1927) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2868 (21.2.1927)
Date
1927-02-21
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Men, Mont ig Wiener Mvrgen^ettnng 21. Februvr 1687 Nr. 2868 8udenstaat«nd|üd!fcheMajor!tStinPalWna. von Sr. Rohum Goldman« *) Jüdische Majorität in Palästina, sage ich> das ist na zentrale Inhalt unseres politischen Ziel«-. Er ist im gegenwärtigen Stadium der Bewegung der einzig konkrete, präzisierbare, sormulierbare Inhalt unseres politischen Willens. Mehr läßt sich gegenrvärtkg schlechterdings nicht über unser politisches Ziel sagen; nicht aus Gründen der Opportunität, die manchmal — auch Weltsch sollte es wissen — das Schweigen notioendig machen, wo das Herz Übervoll ist, sondern ans dem einfachen und banalen Grunde, weil sich im gegenwärtigen Stadium, in dem roir noch ziemlich »veit von diesem Endziel entfernt sind, nrchts Näheres und Konkretes über alle anderen Ziele, die mit ihm verknüpft sind und die zweifellos Anlaß zu Fragestellungen geben, sagen läßt. Ob es, um einige Eventualitäten nur zu nennen, eine jüdisch' Republik oder ein selbständiges jüdisch-arabisches Gemeinwesen in Palästina geben wird, oder ob ein Gemeinwesen innerhalb eines größeren Staatenverbandes des vorderen Orients; ob ein Gebilde unter der Aufsicht des Völkerbundes oder nicht; ob es in dieser oder jener Form mit irgendeiner europäischen Großmacht oder einem späterer, europäischen Staatenverband verknüpft sein, ob eS innerhalb des künftigen Palästina Personalautonomie für dje Minoritäten oder eine Art Delegationssystem für die beiden wichtigsten Nationalitäten, die jüdische und atabi sche, geben wird: über all diese zweifellos sehr interessanten Fragen, über die die „Jüdische Rundschau" noch jahrelang Diskussionen führen könnte, läßt sich für einen, der nicht in die Lust hinein spintisieren will, um lediglich die billige Genugtuung eines Bewußtseins moralischer Neberlegenheit zu haben, heute nichts sagen, schlechterdings nichts. Wie und wann alle diese Fragen zu lösen sei» werden, das hängt, um wiederum nur einiges ganz Wenige zu nennen, von der Zahl der Juden in Palästina ab und der Zahl der Araber, von dem Aussehen deS vorderen Orients, von der Gestaltung der politischen Verhältnisse in Europa, von der Form, die dann der Völkerbund haben wird, und von unzähligen anderen Komponenten sonst noch ab. Es ist einfach sinnlos, diese Probleme jetzt aufzuiversen. Nicht einmal eine Gesinnung dokumentiert sich .in der völlig willkürlichen Stellungnahme zu ihnen; denn Gesinnungen haben nur erneu Wert, wenn sie sich an einer Aufgabe von heute imb morgen bewähren können; die Proklamierung einer Utopie besagt noch nichts über die Art einer Gesinnung, es sei denn, daß man ein Prophet ist. Aber in diesem Falle würde gewiß von allen denjenigen, die ihre Gesinnung in der Beantwortung dieser Fragen dokumentieren wollten, das bitterbose Wort des Talmud von den Propheten nach der. Zerstörung Jerusalems in erhöhtem Maße gelten. Es läßt sich also über das politische Endziel der Bewegung heute nichts anderes sagen, als daß es die jüdische Majorität in Palästina betrifft. Aber es läßt sich mich nicht-ein Jota weniger darüber sagen. Mit diesem Inhalt unseres Zieles steht'und fällt der Zionismus, und alle billigen dialektischen Kunststücke, die mit der Frage operieren, ob bei 51- Prozent Juden in Palästina das Endziel realisiert, bei 49 Prozent Juden nicht realisiert sei, werden nicht über die Tragweite diesor Feststellung - hinwegtäuschen können. Wenn der Zionismus eine Lösung der Judenfrage in dem Sinne proklamiert, daß er dem heimatlosen Volke eine Heimat schufen tmll, so bedeutet diese Heimat Majorität im eigenen Lande. Das ist der Sinn des'Begriffes. Heimat, auf ein Volk angenxmdt und nicht auf das einzelne Individuum, das seine Heimat überall dort hat, wo eS geboren ist, und manchmal sogar diort, wo es nur erzogen worden ist In dem Sinne haben alle Jude» ihre Heimat, und das ganze Mißverständnis" in der Argumentation der Antizionisten liegt doch darin, daß sie die zionistische Konstatierung der jüdischen Heimatlosigkeit in einer Verkennung ihres Inhaltes nicht auf das ' Bott als Gesamtheit, sondern auf jeden einzelnen Juden subjektiv beziehen. Wenn wir sagen, daß das jüdisch« Volk in der Galut heimatlos sei, obwohl und trotzdem alle einzelnen Juden ihre subjektive Heimat besitzen, so besagt diese. Behauptung, daß wir nirgends auf der Welt ein Land besitzen, in dem wir die Majorität sind, von dem wir sagen können, das sei unser Land. Kann nämlich ein. Bott auch von einem Lande, in dem es die Minorität ist, als von stimm Lande sprechen, dann gibt eS, begrifflich genommen, keine Judenfrage, und gäbe es in dem Momente, in dem durch internationale Verträge, durch Bvtterbundkontrolle, durch eine fortgeschrittene Gestaltung der Welt die Rechte der jüdischen Minoritäten in den verschiedenen 'Ländern wirklich garantiert wären und diese Minoritäten bte Möglichkeit völliger Pflege ihrer Eigenart besäßen, auch praktisch keine Judenfrage mehr; dann wäre der jüdische GalntnationaliSmuS — der „Bund", die Autonomisten und so weiter -* gegenüber dem Zionismus Im Recht. Wir haben immer bestritten, daß eS begrifflich und praktisch eine volle Lösungsmöglichfeit der Judenfrage in der Galut geben könne. Warum eigentlich? Lediglich des hach, weil lvir sagten, daß kein Zustand denkbar ist, in dem irgendein Galutlaud die Heimat nicht der in ihm wohnenden einzelnen Juden, sondern des jüdischen *) Siehe .Diener MorgenMuns" vom 18. Februar. Volkes werden könne, weil eben in keinem Lande der Galut eine jüdische Majorität möglich sei. Dies und nichtanderes, die Majorität im Heimatlande, bildet den wesenhaften Begriff der Heimat. Und man soll nicht gegen diese Formulierung des zionistischen Endzieles mit dem Argumente kommen, daß Palästina nicht deshalb die Lösung der Judenfrage sei, weil wir dort die Möglichkeit einer Majoritätswerdung haben, sondern well es eben Palästina sei, das alte, heilige Zion unserer Geschichte. Ich würde verstehen, .wenn ein reln religiöser Jude, der Ernst machen würde mit dem Bollgehalt jüdischer Religion, einen solchen Standpunkt vertreten würde, für den Palästina das verheißene Land ist, dasjenige, in dem die Aufgabe, die Gott seinem Volke gestelk hat, allein wahrhaft erfüllt werden kann. Eine solche Konzeption wäre nicht die meine, aber sie wäre konsequent und haltbar. Aber sie ist doch nicht die Konzeption des Zionismus, für den, wir die schreckliche Formel lautet, Religion Privatsache ist, und der eine Emanzipation des Volkes doch auch in dem Sinne der Loslösung von den rein religiösen Kriterien herbeiführen will. Ein solcher Zionist kann nicht'den Charakter Palästinas als der einzige und allein möglichen Heimat des jüdischen Volkes ledig lich auf das Element der historischen Verbundenheit mi. diesem Lande gründen. Man kann als Zionist noch so starke, rational gar nicht begründbare, wenn man will : schon inS Mystische reichende Vorstellungen und Hoffnungen hinsichtlich der magischen Wirkung Palästinas als Boden, als Land, als Erde, als Atmosphäre auf ein künftiges jüdisches Volk im Lande hegen, und ich selbst hege sie wie nur irgend ein anderer. Abör man kann doch nicht dieses Element zum Inhalt per Begründung des zionistischen P rogramms machen; eS ist doch nichts, - was sich beweisen, kaum etwas, das sich formulieren läßt. Es ruht für einen Menschen, der national gesinnt ist und an daS nationale Element als eine der großen schöpferischen Kräfte der Menschheitsgeschichte glaubt, ein tiefer Sinn uudZusammenba^dmin^das^^a>^ KUPON ZV DEM KREUZWORTRAETSEL Mr. 9 DIR „ WIENS» MORGKNZElTtWO" wir entsprungen sind und dem wir durch zweitausend .ihre des Exils innerlich verbunden blieben, -- cch das einzige ist, das uns die Möglichkeit der Majorltätsbil* cn',1 gibt. Man kann noch weiter gehen und durchaus davon überzeugt sein, daß zwischen beiden auch ein praktischer, ganz rationaler Zusammenhang besteht, well eben nur das Land, das die Seele des Volkes seit Jahrtausenden mit solcher Gewalt erfüllt hat, imstande ist, in den Massen des Volkes diejenigen Kräfte wachzurufen, die erforderlich sind, um den revolutionären Prozeß der Loslösung vom Galut und der Neugestaltung eigenen Lebens ln diesem Lande zu ermöglichen. Deswegen erscheint uns jeder a; üln* stinensische Territorialismus als utopisch; nicht nur als eine Verletzung heiliger historischer Tradition, sondern auch als praktisch undurchführbar, weil Argentinien, Mexiko, Uganda niemals diese Zauberkraft auf die jüdische Seele ausübcn werden, um es zu diesem unendlich schwierigen Werk des Aufbaues eines jüdischen Gemeinwss.nS zu befähigen. All dies zugegeben, beden'et aber nicht, daß man den historischen Charakter und die Würde Palästinas in seiner exzeptionellen Stellung in unserer Geschichte als ausreichend fiir die politische Begründung des Zionismus betrachten könnte. Was dem politischen Programm der Bewegung seinen entscheidenden, beweisbaren, jedem einleuchtenden Charakter gibt, daS ist eben der Umstand, daß Palästina dasjenige Land in der Welt ist, das Raum bietet für die Bildung einer jüdischen Majorität, und daS die Kräfte im Volke wachrufen kann, die nötig sind, um bieci Majorität bilden nt können. I. Preis: Eine Bibliothek n» 300 Bändra II. Preis; Eine firatierelse nach Palietina III. Preis: FQnl Dunam Land In Palästina and weitere 47 Preis« .———•Ausschneiden SV/-. 9 Name: Adresse: Bezeichnung der Wertes W a g r e c h t: 1 Bibi. Priester, 5 Bibi. König. 8 SHefech weste r Pa vids, 12 Deutscher Dichter, 13 Lat, Ftirwt., 14 Bindewort, 16 Gewicht, 17 Griechischer Buchstabe, 18 yreibl. Vorname, 20 Verrück'er, 21 Acker, 22 Ehern, deutsche Kolonie In Afrika, 23 Guts« bezeichnur g in Ame>ika, 25 Bezeichnung für B rg, In der Schweiz gebräuchlich. 27 Fluß In Oesterreich, 28 Kino, 30 Zustand des Wassers, 31 Wohnort des deutschen Exkaisers, 33 Chem. Formel f. Natrium. 34 Halb* edelstem. 35 Frauenname, 36 Synon. Ittr Schlauheit Senkrecht: 2 Aegyptischer Gott, 3 Abkürzung für obligat, 4 Fra-zös. Marschall, 5 Ausstreuen der Samen, 6 Gasse (slaw. Abkürzung), 7 Fuß' ballmannsch.. 9 Zwerg, 10 JDd. Monat 11 Tier, 13 Gift, 15 HlmmelskOiper, 17 Adler (engl ), 19 Bergwirtschaft, 23 Kinobildstrelfen, 24 Berg bei Jeru^ salem, 26 Sohn Jakobs, 28 Wind, 29 Stadt in Rußland. 31 Aitikel, 32 Itaf. Fürwort, 34 Spörtf. Abkürzung. ptimmwmHMiMSMwfsnwwfwimwfnynwisw» Ausschneiden Erklär unff 2 Ab 13. Februar erscheint täglich in der „Wiener Morgenzeitung“ ein Kreuzworträtsel. wr,f»*||,..,~ai Ole Diagramme sind auszuschneiden und mit Tinte oder Tintenblei auszufallen und gu sammeln. Am Schlüsse unserer Serie sind dann die gesammelten Lösungen samt den ln jeder Nummer befindlichen RÄtsclkupons an die „Rfttselrednktion der Wiener Morgenzeitung* einzusenden. Jeder Einsender kann an der Öffentlich stattfindenden Verlosung, deren genauer Zeitpunkt noch bekanntgegeben wird, teilnehmen. Blatter, ln welchen unsere Ratsei erschienen sind, können jeder* zeit ge*,''i Einsendung des Betruges in Briefmarken von unserer Administration sachbezogen werden NB. Der Beiachluß des «ul Seite 2 befindlichen Kupons ist unbedingt erforderlich«

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