Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2806 (19.12.1926)
- Date
- 1926-12-19
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2808 Wien, Sonntag Wieirer Msrae»g«tttr«s dem Streik zu verdankenden Besserung in der Ruhrindustrie Störungen von seiten des deutschen Wettbewerbes nicht zu befürchten hat. Das Ruhrsyndilat ist auf mindestens vier Monate -ausverknuft, und cs ist sogar eine Sperre der Kohlönansfuhr durch den Reichskohlenkommissür vorgesehen. Deutschlands Inlandsbedarf an Eisen ist so groß, daß in vielen Fabriken der Inlandsabsatz den Export übersteigt Und von deutschen verarbeitenden Industrien vielfach schon auf österreichisches Eisen zurnckgegriffen werden mutz. Und es fügt sich für England gut, daß mit der Stabilisierung der Belga und der Steigerung des französischen Franc die belgisch-französische Dumpingprämie ausgehört hat und der Export Frankreichs ttrtb Belgiens allmählich ins Stocken gerät. England ist am stärksten an einer Stabilisterung, bezw. Festigung der französischen Valuta interessiert, denn die Steigerung des Franc schwächt die französische Konkurrenz in Eisenartikel.n gegenüber der englischen Eisen- und Stahlindustrie. Daraus erklärt es sich auch, das; die Baisse des Franc, die während des Streiks häufig durch englische Abgaben hervorgerufen wurde, in London keine Stütze mehr findet, ja, daß die letzte Phase der Franc-Steigerung geradezu in London einoelcitot wurde, das sich mit den Mitteln seiner meisterhaften Valutapolitik das Rüstzeug für seinen Wiederaufbau ergänzt und vervollständigt. Die These von den Stwikkosten — den Kosten eines verlorenen Krieges — wird vollends durch die Situation der Finanzmärkte während des Streiks und nach dessen Beendigung widerlegt. Alle in einen Krieg verwickelten Staaten könnten sich wohl wünschen ihre Valuta so zu behaupten, wie sich der Sterliugkurs während drs Bergarbeiierstreiks behauptet hat. Er ist jetzt ebenso fest wie vor Ausbruch des Streits. Es war dies gewiß dem Uebergang Englands zur Goldwährung zu verdanken; daß aber die Bank von England es keinen Augenblick nötig hatte, ihre Goldreserve in Bewegung zu setzen, um den Kurs der Pfundöevise zu verteidigen, das unterscheidet wohl zur Genüge diesen (nur symbolisch) verlorenen Krieg selbst von einem gewonnenen Krieg. Gewiß, die englische Handelsbilanz hat durch den Streik auf Las empfindlichste gelitten, aber diese pflegt gemeiniglich nicht nur durch einen verlorenen, sondern sogar durch einen siegreichen Krieg zu leiden, nur daß nach diesem die Wiederinstandsetzung der außer Rand und Band geratenen Kolonnen der Handelsbilanz sich bei weitem schwierigrr gestaltet als nach einem Stillstand, einer bloßen Atempause der Arbeitsenergien, wie sie England durch den Streik auferlegt worden war. Kein einziges Mal während der ganzen Dauer des Streiks bot die Londoner Börse ein Bild jenes hysterischen Schwankens zwischen „himmethochjauchgend" und ,^u Tode betÄ'bt", wie es von Börsen geboten wird, deren Länbew in einen auswärtigen Krieg verwickelt sind. Hopkins stellt fest, daß die äprozentige brit'sche Kriegsanleihe heute noch denselben Kurs hat wi-e End- April, daß Bankaktien stationär g blieben sind und daß es Eisenbahnaiktien gibt, die obwohl die Eisenbahnen die Hauptleidtragenden des Streiks sind, heute noch höher stehen als zu Beginn des Streiks und daß in der Streik- Periode die Indexziffer für Obligationen von 128.7 auf 134.4 gestiegen ist. . Es wäre billig, die These vom verlorenen Krieg dadurch zu stützen, daß nran den Streitausgang als einen verlorenen Krieg der Arbeiterklasse darstellte, um daraus die Haltung Ifer englischen Finanzmärkte zu erklären. Aber diese modifizierte These ist eben nicht mehr dieselbe wie jene, die die Streikkosten denen eines verlorenen Krieges gleichstM. Es hat während des Streikes Phasen gegeben, in denen der Sieg des Kapitals über die Arbeit keineswegs so gewiß war, wie am Ende, und doch blieben die Finanzmärkte ruhig, was bet drohender Niederlage nicht der Fall zu sein pflegt; so prophetischen Geistes voll sind aber die nur zu häufig zwischen Furcht und Hoffnung hin und her geworfenen Börsen nicht, als daß man behaupten dürfte, daß sie diesmal den tatsächlichen Ausgang zugunsten des Kapitals vorausgewußt hätten. Nun ist es ja an und für sich nicht zu leugnen, daß die Arbeiter in diesem heroisch geführten Kampfe unterlegen sind; folgt aber daraus, daß sie allein die 300 Millionen Pfund Streikkosten zu bezahlen haben? Ihr verlorener Kampf hätte ja ihren Gegnern den größten Teil dieser Kontribution auferlegt, denn gemeiniglich fällt ja den Arbeitern der volle Arbeitsertrag ganz gewiß nicht zu. Wenn aber dieser soziale Krieg in Wirklichkeit nichts anderes bedeutete, als ein Ruhen der im Arbeitsprozesse sonst vereinigten Energien von Kapital, wenn Zerstörungen von Kapital, wie sie bei auswärtigen Kriegen Notwendigkeit sind, nicht vorgekommen sind, so begreift es sich leicht, daß England jene scheinbare Blutabzapfung loscht überwinden konnte. Es tritt mit neuem Mute in den Arbeitsprozeß, es geht einer neuen Konjunktur entgegen. es geht ihm in seiner Gesamtheit — Arbeitern und Kapitalisten — wie dem Einzelnen, der, von einer Krankheit ergriffen, doch von ihr nicht zu Tode erschöpft wurde. Dieser glückliche Ausgang des Streiks macht freilich die Frage nach dem Warum und Wozu der großen sozialen Krise nicht überflüssig, ja verleiht ihr erst recht brennende Aktualität. Warum mußten die Arbeiter den Kampf verlieren? Waren die Kosten von 300 Millionen Pfund notwendig, uw' Englands Energissn eine Atempause zu gewähren? Wozu der Umweg über den grandiosen Kampf, der zeitweilig auf Tod und Leben zu gehen schien? Warum? Wozu? Wir können nur konstatieren: So wie den einzelnen, so schüttelt ein sieberischer Schauer bisweilen gaMe Generationen des Menschengeschlechtes, ganze Völker. Ein Glück, wenn sie, nicht erschöpft, dem Baume gleichen, der im Herbst seine Blätter fallen läßt und im Frühjahr wieder in neuer Blüte prangt. Hausse an der New Dotter Börse. Aus New t)or k, 17. Dezember, wird telegraphiert: Die Wallstreet hatte heute wieder einen großen Tag. Anstoß zur Haussebewcgung gab die gestrige unerwartet erfolgte Dividendenerklär u n g d e s S t a h l t r u st s, dessen Aktien im Mittelpunkt des Interesses standen, da auf der ganzen Welt große Kaufauifträge Vorlagen. Im Verlaufe der Börse wurden insgesamt 2,640.000 Aktien umgesetzt, wovon auf Stahltrtt'staktien allein 633.000 entfielen. Stahltrustaktien wiesen einen Kursgewinn von etwa fünf Dollar auf. Währung der gutereffen der Alpine durch da Men- und Schlenen-Kattell. In den nächsten Tagen werden, wie die ,Miener Bank- und Dörfenzeilung" meldet, die Vertreter der mitteleuropäischen Eisenwerke eine Konferenz, wahrscheinlich in Wien, abhalten, zur genauen Feststellung der Einzelheiten der in Paris getroffenen Vereinbarungen i in dieser Konferenz werden sie die ihnen zugewü'sene Gesamtquote von 12, Prozent unter* e i n ander a u ft g Me n. Anfangs Jänner wird dann wieder eine Konferenz in Paris stattfinden, wo die Vertreter der neuen Gruppe ihre Vereinbarungen der Kartelleitung vorlegen und mit ihrer Unterschrift versehen werden. Mas den Export der österreichischen Eisenindustrie betrifft, so haben bezüglich Italiens die westlichen Länder die Exportinteressen der Alpine in vollem Grade anerkannt. Sie werden nunmehr der öfterreichi-smen Eisenindustrie bei der Belieferung der großen italienischen Schiffswerften keine Konkurrenz machen. Ein weiteres B.'tät'gungsfeld öffnet sich für die österreichischie Eisenindustrie durch die erfolgte Aufnahme der Alpine in das internationale Schienenkartell, das auch England zu seinen Mitgliedern zählt. Jedes Unternehmen wird genau nach seiner Quote an Staatsausträgen partizipieren und es wird sich in Zukunft nicht mehr der Fall wiederholen, daß die Alpine trotz niedriger Preise; stellung von der Schienenlioferung an ägyptische Bahnen ausgeschaltet werde. Es bleibt außerdem auch weiterhin, die Bestimmung des tschechisch österreichischen Kartcllvertrag's, wonach dar Sch i e ne n b e da r f der österreichischen Bundesbahnen ausschließlich von der Alpin« M o n ta ng es e ll s chaft gedeckt wird Ocstiorge'chische Naiionalbank. Freitag, den 24. Dezember l. Weiten sämtliche Mteilungen und Kassen der Bank geschlossen Bloß für Wechselzahlungen wird die Hauptanstalt Wien an dem genannten Tag einen Schotter von 9—18 Ilhr offen hatten. Zusammenschluß der „rtionalftwattichen Wawrnbörsen. Aus Budapest wird gemeldet: In der am 16. Dezember abgchaltenen Sitzung des Börsenrates wurde mitgetei'lt, daß *ie Wiener Börse mit der Budapester wie mit den Börsen der Nachfolgestaaten überhaupt, ein einheitlichesVerfahren hinsichtlich der OieschäftLabschlüsie an der Warenbörse herbei führen will. Das Formular des zu schassenden einheitlichen Schlußbrie-feS wird der Usancekommission zur Begutachtung vorgekegt werden. ES wirb auch die Bildung einer ständigen Kommission geplant, in der jede der Börsen der Nachfolgestaaten durch ein Mitglied vertreten sein soll. Der Borsenrat nahm diese Mitwilungen mit Befriedigung zur Kenntnis. Ruhtge Devisenmärkte. Wie gewöhnlich am SamStag. hielt sich der Dovisenverkehr auch gestern in engen Grenzen. Par.s 20.48% bis 20.75, Mailand 28.05 bis 28.10 bei fester Grundtendenz. Der Leu hat nach anfänglicher Befestigung auf 2.70 zum Schluß auf 2.66)4 nachgegeben. Das Schilli-ugLursblatt der Wiener Börse. Vom 27. Dezember angefangen wird das amtliche Kursblatt der Wiener Böüse. welches bisher noch auf Kronen lautete, auf Schilling' umgestellt. Anläßlich dieser Aenderung wurde das Kursblatt einer eingehenden Revision unterzogen und wird nunmehr in wesentlich iPevsichdlichever und aufschlußreicherer Form erscheinen. In grundsätzlicher Hinsicht ist vor allem diu Einsührung der Prozentnotierung bei den Staatsschuld-Obligationen der Ncprchlik Oesterreich ariguführen, welche Notiermigsart den Bedürfnissen der Praxis auch im Ausland bestens entspricht, Für alle anderen Anlagewerte wurde die bisherige Notierungsweise beibehalten. ES wird ferner die Aufnahme von Kursnotierungen im Kasfaverkehr durchgeführt werden, das heißt, der Handel in einzelnen Stücken und ohne Schlüßeucheit. Mit dieser Neuerung wird eme Belebung des Geschäftes und eine wesentliche Erleichterung für das Publikum erhofft. Kärntnerbank. Die Kärmtnerbank, deren hiesige Filiale nunmehr aufgelöst wird, hat ihren Austritt aus dem Börsenarrangement angemeldet. Bank von Fvankreich. Der Ausweis der Bank von Frankreich vom 16. T-ezembsr verzeichnet eine Abnahme der Vorschüsse an den Staat um 260 Millionen auf 36.46 ft). Dezember IE M Milliarden, ferner eine Abnahme des Wechseleskomples um zirka 2B8H Millionen aus 3.56 Milliarden Francs. Der N oten umlauf ist um rund 758 Millionen auf 52)4 Milliarden Francs zurückgegangen. Eine stantlichr TvansEkon mit den Elbe- und Do »rau- DEpfschrffuhrtsz:sellschwften in der Tschechoslowakei. Ans Prag. 18. d., wird telegraphiert: Die zuständigen staatlichen Aemtcr haken mit >den beteiligten Banken Verhandlungen über eine geeignete Aenderung der finanziellen Struktur der Elbe« und Do na ud a m p fsch iffah rtsg esc lisch oft en ausgenommen, die über ein Kapital van 70 Millionen tsch. K. verfügen. ES handelt sich darum, diese Unternehmungen, an denen der Staat beteiligt ist, konkurrenzfähig zu gestalten. Das Aktienkapital soll nach .der ,Tribuna" herabgesetzt und der Schiffspavk, der Apport des Staates vergrößert werben. Bei der DonaUdanrpfschisfahrtÄgesellschaft wurden der Reiparationsmasie für die Uebcrnähme der Schiffe 84 Millionen tsch. K. zur Zeit der niedrigen Valuten gezahlt. 14 Millionen tsch. K. wurden von der Staatsverwaltung bereits abgeschrieben. Nichtsdestoweniger wird das Aktienkapital unter Berücksichtigung aller Umstände bei beiden Gesellschaften um einige 10 Millionen reduziert werden müssen, damit es dem gegenwärtigen Wert des Schiffspar'kes und der Einrichtung der Gesellschaften entspricht. Sobald mit den Banken ein Abkommen getroffen sein wird, soll der Gesetzentwurf ausgearbeitet werden, der zur Durchführung dieser Transaktion notwendig ist. A. E. G. in Prag. In den Räumen der A. E. G.-Uuiou Prag fand am 17 d. M. die konstiturerende Generalvevsaminlung der A. C. G.-E lettrizitätS-AktiengLselil-- s ch a f t statt. Die neue Mtiengesellschaft besitzt ein Mtienkaprtal von fünf Millionen Kronen und Hai die bisherigen Berrlebsstätten der A. E. G.-Union ElÄtrizitäts A. G. m. b. H. übernommen. Kaufmünnischr GesellschaiftSveisen — ein modrlsnes ExporlförderungSmittel. lieber dieses Thema hält Dienstag, den 21. Dezember l. I. um halb 7 Uhr im Großen Saale des österreichischen Handelsmuseums, Wien, 9. Bez., Berggasse 16, Sekretär C. A. Bobies einen Vortrag -mit Lichtbildern von der Orientreise. Wien-or Börse für landwirtschaMche Produkte. Die Tendenz gostaltete sich sehr ruhig, zumal auch von den amerikanischen Börsen unveränderte Preise vovliegen. In Gerste, kam es zu lebhaften Umlsätzen, wobei die Primasorten sehr feist lagen. Das Mehlgeschäft bleibt andauernd lustlos. ES notierten für IW Kilogramm in Schilling: Weizen. Wiener Boden, 40.60 bis 41.26, ung. Theiß 45.76 bis 46.76. Roggen, Marchfelder. 3LL6 bis 33.26. sonstiger 31 bis 31.60. Mars 23.26 bis 24.25, Hafer, inl., 24.60 bis 26.80, Gerste, inl.. 33 bis 40.' Es notierten für 100 Kilogramm in Schilling: Weizenmehl, inl., 74 bis 77, ung. 70 bis 75. Kochmehl 69 bis 71, Brotmehl 53 bis 50, Roggen mehl 49 bis 66, Futtermehl 30 bis 62, WeizenÄeie 17.76 bis 1«.-. Wiener Börse. Freuichlich. Die Meldung über ben Verkauf der Unimibankattiru an die Postsparkassa wurde von der Börse günstig außgeitontmeu; da ferner bei der Versorgung sich Bedarf nach Leihstücken zeigte und das Interesse für Rima sich weirer - hin in Arbitragekäufen des Budapester und Prager Platzen auswirkte, gewann die Börse ein freundliches Gepräge. S t aa t s b a h n -> A k t i e n konntell im Verlaufe ihre an - fängliche Kurseinbuße wieder hereinbringen und auch S a! g o, die tags vorher schwach/gelegen waren, haben sich nm» ahst echolt. Die Börse schloß in fester Stinrmung,. lvovo» Bankwerte, mit Ausnahme von Anglobcmkakiien, profitier ten. . Im Schranken kam nach anfänglicher ^Schwäche eine 'este Tendenz in Ungar. Zucker $um Vorschein, tvelche den Kurs von 2,365.000 Kr. erreichten. Transportw ' ^.nvie