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Wiener Morgenzeitung · 1926-12-08 · Heft 2795 (8.12.1926) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2795 (8.12.1926)
Date
1926-12-08
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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S'tfc s Wien, Mittwoch Wiener Morgenzeitukg 8. Dezember 1926 Nr. 37W Me Krise bei Makkabi in Lei Awiw. Aus Tel -Awiw wird uns berichtet: Auch Erez Israel hat bereits seine Fußballkrise. Besonders der Makkabi in Tel Awiw befindet sich seit kurzem in schwieriger Lage, die mit den wirtschaftlichen Verhältnissen vor allem in dieser Stadt zusammenhängt. Bisher gatt der Makkabi als eigentlicher Futzballreprasentant Erez Israels nach außen hin. Die Mannschaft, in der auch einige gute Spieler aus Wien tätig waren, hat gerade in diesem Jahre den Höhepunkt ihres Könnens erreicht. Es gelang ihr, starke Repräsentativmannschaften der englischen Armee und Flotte zu besiegen. Seitdem hat sich bei Makkabi vieles geändert, was darauf schließen läßt, daß dieser jüdische Verein feine führende Nolle in Erez Israel auf längere Zeit ausgespielt haben dürfte. Sieben von elf Spielern haben den Verein verlassen. Nicht die Lockung des Dollars oder andere glänzend* Angebote haben die Makkabi-Fußballer ihrem Verein entzogen. Die schwere Wirtschaftskrise hat die jungen Leute arbeitslos gemacht, denn sie lebten ja nur von dem Ertrag ihrer täglichen Arbeit und im Sporte betätigten sie sich als reine Amateure. Die zwei ausgezeichneten Flügelstürmer des Vereines sind nach Haifa gezogen, wo sie Beschäftigung bekamen. Fünf andere Mitglieder der ersten Mannschaft fanden in den Kolonien Unterkunft. Die Schwierigkeiten des Klubs hat auch der ständige Gegensatz zu dem Bruderverein Hagibor verursacht. In den letzten fünf Jahren hat Hagibor an der FußballbÄvegung nicht teilgerwmmen und sich ausschließlich auf Schwerathletik beschränkt. Nun wurde bei Hagibor auch eine Fnßballsektion ins Leben gerufen und die erste Tat der Leitung war, den bisherigen gut gelegenen Platz Makkabis auszumieten. Makkabi mußte sich nach einem neuen Spielfeld umsehen, das weit hinter der Stadt liegt, was eine Abnahme der Zuschauerzahl bei den Wettspielen mit sich bringt. Der Leiter Hagibors, Architekt Mores, vermochte auch die ganze zweite Mannschaft Makkabis zu überreden, dem Hagibor beizutretcn. Hagibor entwickelt sich überhaupt unter günstigen Auspizien. Der Verein macht alle Anstrengungen, um einen tüchtigen Trainer aus Wien oder Budapest für die junge Fußballsektion zu erwerben. Für die Boxer wurde Herr P r i v i l aus Paris gewonnen, für die Schwerathleten konnte in dem bekannten Meister Joe Blank ans Riga ein hervorragender Leh e ee'co neu werden. Unter solchen Uni ständen wird cs begreiflich sein, wenn Makkabi aus Test'Awiw die Hegemonie im palästinensischen Sport wird abgeben'müssen. Tie für heute angesetzten Wettspiele wurde:: wegen schlechter Bodenverhältnisse abgesagt. Die neuen Hühstgagen genehmigt. In der gestrigen Borstandssitzung des Fußballberbandes wurden die Borichläge auf Einführung der neuen H ö ch st g a g e n ab 1. Jänner 1927 angenommen. Wie schon berichtet, lauten die Bestimmungen: Maximalgage 300 Schilling» 10 Gilling Aktivitätszulage, 20 Schilling Siegesprämie, 10 Schilling der Unentschieden und bei Reisen mindestens 5 Schilling Diäten. Heute findet die Auslosung für den Winterpokal statt. Jüdischer Sportverband. Montag, den 13. d., um K8 Uhr. Leitungssitzung. Um ha>!!b 9 Uhr findet im Cafe Ha'bSburg eine wichtige Delegierters-a m in i u na statt. Der Jüdische Sportverband hat auf Ansuchen der Vereine Hagibor Mld Libanon beschlossen, zu ihren Veranstaltungen (Hagibor. 11. d.. Rosensäle, Libanon, 12. Cafe Siller) offizielle Vertreter zu entsenden. Haar kehrt aas Amerika zurück. Wie verlautet, wird der ehemalige Spieler des Budapefter Vivo, Moritz Haar, der dann beim Turnverein des dritten Bezirkes tätig war und auch in einer ungarischen Auswahlmannschaft mit Erfolg spielte, wahrscheinlich bald wieder Amerika verlassen. Schon bei oer Landung gefiel der kleine schmächtige Jüngling dem Brooklyn-Eigentümer Herrn Agar nicht. Belm Probespiel gegen Boston — es war dies einer der rohesten Kämpfe überhaupt — konnte sich Haar begreiflicherweise nicht durchsetzen, weshalb er von Agar nicht engagiert wurde. In New Kork wurde Samstag das angefagte Wohltätig-- keitS-Wettspiel zwischen den Brooklyn Wanderers und einem Team ausgetragen, das die Wanderers mit 3:1 als sichere Sieger sah. Touristik- und Wiutersportsektio« des S. C. Wkoah. Jeden Mittwoch und Freitag. Anmeldungen zu den Mariazell-rskikursen. BücherauSgabe usw. ab 9 Uhr im Klulcheim, 1 Bez., Mivplinqe'rstmße 24 (Cafe Altes Rathaus), Telephon Nr. 08*109. —- Mittwoch, den >5. Dez. im Turnsaale, 15. Bez., Herklohgasse 21, Trockenskikurs. SU, Schuhe uno Stöcke mi* nehmen. Aus den Berrknen- Hechawer. Heute um halb 9 Uhr äußerst wichtige AuS» schutzslhurvg, zu der folgende Herren bestimmt zu erscheinen haben: Teichthal, Ing. Rhoic-eh. Sipira. Schreier/ Knoll und Adler l, Mejisite. — Sonntag Meisterschaft gegen Dar Kochba mit zwei Mannschaften, Samstag Cipielerversammlung. I. A. C., Schwimmfcktion. Morgen erstes Schwinnn- und Wasserb-alltraining im Brünnlbad, 8. Dez., Borschikegasse 4. Alle Mdistieder und Freunde des I. A. C. sind eingeladen. Beginn 7 Ubr Ec»,*« Schlanaen- und Ecla*« Krokotlil-Scbuhe in feinster Ausführung S 45-49ÜÖ Schuh DORM 2. Bez., Taborstraße 8a 4t Fointt Handrahm. genaht* Hcrrennnd Damenschnhe falty-ttUi! Abend-Schabe Brocat. Lack. Atlas SW'ül-li'M $ 2Z-Z750 Kachdnrck verboten. . 3. Fortsetzung. Sitte Rahe! von heut'. Novelle von Kurt Müuzer. ' Aber sie verschwieg ihr Geheimnis. Sie dachte nicht daran,, die Geburt zu verhindern. Vielemale hatte sie erlebt, wie Studentinnen die Mutterschaft verhütet und Unvollendetes ausgestotzen hM'en. Das hatte sie immer tief bewegt. Sie meinte, man dürfe nichts aus sich nehmen, dessen Folgen man nicht tragen wolle. Sie fand es feige und unsittlict., sich den Pflichten eines Vorganges zu entziehen, dessen Rechte man ausgenutzt. D'.e sozialen Einrichtungen waren schon derart, daß vaterlose Kinder Lebensmöglichkeit hatten. „Schafft nur neue Bedingungen, die Gesetze werden schon kommen. Wenn die unverheiratete Frau sich als Mutter durchsetzt, wird schließlich der Staat ihr die Mittel zur Mutterschaft geben." Und nun trug sie selbst, und ihr einziger Kummer war, daß sie den Eltern ihr Glück verschweigen mußte. Aber in diesen ersten Wochen ihres Geheimnisses empfing sie den Schlag: Rudolf Althaus liebte sie nicht mehr. Eine Kollegin trug es ihr zu, und gefragt, gestand er es: er liebte eine kleine blonde Schwedin. Ehe Rahel noch klagen, anklagen konnte, entschuldigte er sich. Er habe sich — nach Rahsls Schwerblütigkeit und Rafsenmelancholie — nach Heiterkeit, nach lichtem blond, nach blauen Augen gesehnt. Er habe... Rahel unterbrach ihn. Sie verstand. „Ja, ich bin Jüdin", sagte sie. „Du hast recht, du bist ein Blonder. Du konntest Leidenschaft, nicht Liebe für mich empfinden. Deine Sinne sprachen, nicht deine Seele. Auch du, Rudolf. Ich dachte, Rasse sei das Vorrecht der Ungebildeten, die Bildung sei dem Vorurteil entwachsen. Aber es ist Wohl mehr als Vorurteil. Ich, ich habe Wohl nie empfunden, daß du blond bist. Sollte mein Rwsseinstinkt so verdorben sein? Oder ist es die höhere Kultur, die über Haar- und Hautfarbe hinwegsieht?" Sic war ganz ruhig. Sie wäre sinniger gelassen, sie wäre unglücklich über den Liebesverrat, verzweifelt über den Treubruch gewesen, hätte sie nicht das Kind in ihrem Schoß gefühlt. So konnte sie gleichmütig fast mit Rudolf sprechen. Als sie ging, sagte sie mit zärtlichem Lächeln: „Du bist nur ein Mann ..." - Sie sahen sich in der Folge wenig, Rahel traf ihn mit der Schwedin einmal am See, später mit einer anderen Frau, schließlich mit einer Jüdin. Eine Freundin sagte zu Rahel: „Er ist ruhelos, feit er von dir fort ist. Nun hat er die fünfte. Ich glaube bestimmt, er ist ein Judenhasser, er hat zuviel Gutes von den Juden erfahren. Weil er sie haßt, kommt er von ihnen nicht los." Rahels Tag war erfüllt von Arbeit, Gespräch, Landschaft. Sie schonte und pfles>! sich, sie lebte in süßer Erwartung. Im sechsten Monat begann ihre Figur sich zu verändern, sichtbar hob sich ihr Leib. Da traf sie oben am Waldrand, über der Stadt, in der Septemberdämmerung, Rudolf Althaus. Er erkannte ihren Zustand, er stürzte auf sie zu. Er riß ihre Hand, an sich. Er stammelte: „Ein Kind! Rahel, geliebte, Ivir dürfen nicht auscinander bleiben. Ich liebe ja nur dich, allein dich. Du trägst mein Kind." Rahel sprach die erste Lüge ihres Lebens. Plötzlich, loas sie bisher nur dunkel bedacht, wurde bewußter Gedanke. Sie sagte: „Nein, Rudolf, nicht dein Kind. Auch ich war dir nicht treu. Verzeih mir, ich kann nicht lügen." „Der Vater!" rief er, jetzt von Eifersucht geschüttelt. Er hob die Hand. Sie sah ihn an, er ließ sie sinken. Sie schüttelte den Kopf. „Das ist mein Schicksal, niemand hat etwas damit zu tun." „Der Vater deines Kindes!" schrie er. „Ein Kind hat nur eine Mutter nötig. Der Mantt ist eine rein physiologische Vorbedingung für das Kind. Ist sie erfüllt, spielt sie keine Rolle mehr. Der Mann — sieh mal, Rudolf, ihr seid doch im Untergang, und die Frau kormnt herauf. Wie hat der Mann in diesen Jahren Bankrott gemacht! Er kann nicht einmal mehr Schlachten schlagen. Weittragende Kanonen, Giftgase, Bomben aus der Luft. Und nach dem Kriege? Ihr laßt die Welt verfallen, ihr laßt das Leben verkommen, ihr habt Kraft und Geist verloren. Jetzt sind wir Frauen da, wir tragen das neue Geschlecht. Es ist alles Unsinn: Jugend von heut sei die neue Generation. Nein, erst die heutige Jugend wird die neue gebären. Ich soll einem Mann mein Kind äusliesern? Was könnte ihm der Vater geben außer vielleicht seinem Geschlecht? Unbeständigkeit, Gedankenschwäche, Trägheit des Herzens und des Geistes. Wir nähren unser Kind mit unserem Blut. Euer Anteil? Ein Augenblick Lust. — Leb wohl, Rudolf." Er verließ die Stadt. Sie hatte sich ihr Kitck gerettet. Lüge kann geheiligt sein. In der Weihnachtsnacht kam wieder eine Jüdin nieder, wieder war es ein Knabe, und die Mutter nannte' ihn David. Sie war sich bewußt, Teil einer neuen Generation zu; 'sinn, ihr Anteil war, daß sie sie in die Welt zu setzen half. Sie ersehnte den Tag, Ivo sie, selbständig, unabhängig, Berufsmensch und soziales Mitglied, offen Mutter sich bekennen würde. Ihr Zukunftsgefühl hob sie wie auf Wolken. Sonne lag auf dem Kind, und Glanz war Wer ihm. „Du", dachte die Mutter, „du wirst noch einmal deinen Vater rechtfertigen. Diese ganze Zeit wird nachträglich ihren Sinn bekommen. Schon trägt sie Früchte. Schmeckt man Pfirsich und TraWe den Dung nach?" Ein reiner Himmel blaute, und aus dem Schatten der Erde stieg die Zeit, Sonne auf den Flügeln. (Ende.) . . Theater von heute Bnrgtheater. Vaiantasena Anfang '/,8, Ende vor »/«IO Uhr Staatsoper r Die Macht des Schicksals Anfang '/,9. Ende nach 10 Uhr Akademietheater Das Prinzip Anfang V28, Ende vor 10 Uhr Deutsches Bottstheater: Das vierte Gebot Anfang '/,8 Ende vor 10 Uhr V,4 nachm.: Der G'wissenswurm Bottsoper: Der Rtng des Nibelungen Anfang 6. Ende gegen V,ll Uhr Kammerfpiele: Marlborough zieht in den Krieg Anfang l,,8. Ende 3/ilO Uhr 1010 Nachtvorstellung. Die A-B-C-Nevue Theater a. d. Wien: Die Zirkusprtnzessin Anfang '/,8 Ende vor 11 Uhr Joyanw-Straust-Theaterr Alexandra AnfangEnde */,U Uhr Raiumud-Theater: Das Schwalbennest Anfang ' a8. Ende */,ll Uhr 3 Uhr nachm : Schneewittchen Renaiffanee-Bühne: Die Pfarrbauskomödie Anfang 8. Ende 10 Uhr Theater in der Josefstadt r Dorothea Angermanr Anfang %S, Ende »/»ll Uhr 7a4 Uhr nachm. : Der Igel Stadttheater: Wien lach: wieder'. Anfang >/,8. Ende nach 10 Uhr 3 Uhr nachm.: Das tanzende Märchen Modernes Theater: Alles für die Mama Anfang 8. Ende 10 Uhr Wiener Bürgertheater r Der Mitternachtswalzer Anfang >/,8, Ende nach 10 Uhr Lustspiel-Theater: Valencia Anfang 8. Ende nach 10 Uhr Jüdisches Künstlerrabarett (Cafe Astorta), 2. Bez.. Praterftt. 60. 8 Jüdische Bühne, 2. Bez., Taborstraße 12 Hie Zigeunerho^zeit 8 ZirknS Ad ölst. Renzaebäude. RADIO-PROGRAMM Heute Mittwoch 11 Uhr: Konzert des Frauen-Symphonieorchefters. Wolf-Ferran: Serenade: Schrecterr Intermezzo Dvorak. Notturno; TschaikowSky: Serenade für Streichorchester. » 16 Uhr NachmittagSkon.iert (Stlving-Geißler). Fucik: E'nzug der Gladiatoren, Marsch; Jo>. Strauß: „Mein Lebenlauf ist Lieb und Lust", Watzer: Komzak: „Edelweiß". Ouvertüie; Wagner: Preislted aus der Oper „Die Meistersinger von Nürnberg"; Schubert-Bertä: Mädel* die Stunde der Liebe ist da; ' uccini - „ToSca", große Phantasie: Strauß' Mädchen aus dem Ort nt; Lehar- „Wo die Lerche fingt"; Granichstaedten r Immer nur langsam; Silving: Lied und Tanz-Serie aus Neu-Wiener Operette und Revue. 20 Uhr: Konzert des Wiener Symphonieorchesters. Strick.stoff.ttei.der Al-bert Matz-ner l; Kohlmeflergafle Nr. 8 I., Neuer Markt 9 IV.. Wledn. Lauvtstr. 8 IN.. Landslr. Lauplstr. 3 XVI.. Thattastr. \7 Ins Jüdische Haus 1 das jüdische Blatt l . Leichte Abendmusik (Kapelle Silving) Morgen Donnerstag. 11 Uhr: Bormittagsmufik. 16-15 Uhr r Nachmtltagskonzert. Mitwlrkend Ella Firbas (Gesang). .17-45 Uhr: Mitteilungen aus den BundeStheatern. 18 Uhr: „Quer durch Oesterreich." Steyt. Prof. Rudolf Sterltke. 18-80 Uhrr Radfahren als Saal- und Nennwort. Josef Zitker. 19 Uhrr Uebertragung ans der Staatsoper. „Die Fledermaus" von Zoh. Strauß, Schweizer Unterwäsche auch für Kinder Jakob Gelles. L Rvtgasfe 1 (Ankerhof), m Alleinige An-etzeu-Annahme Annoncenexpedito» Heinrich Schale!, Mett. 1. Bezirk. Wollzeile 11. Hercmsgeper uno Eigentümer: Jüdrschei Zeitungsu. Berlagsges. m. b. H., Wien, 2. Bez.. Taborstraße 1—3. — Verantwort!. Redakteur: Jakob Krausz. Wien, 19. Bez.. " lasse 9. — Druck: „Jnva". Wien, l. Bez., Lerchenfelderstraße 1.

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