Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2784 (27.11.1926)
- Date
- 1926-11-27
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2794 Wiener Morgenzettnng 27. November W26 WW, Gmstag «Illt-rbeglon. Das Jahr 1926 Md in den Wetterchroniken aller Erdteile als besondrrs katastropüenretch und krisenhaft Verzeichnet stehen. .An solch« Hänflingen von wilden Welterereignissen, Anzeichen schwerster atmosphärischer Störungen, können weder die gebräuchlichen ältesten Leute noch dia viel älteren Auszaichnungen der Wetterarten sich und uns erinnern. Winv unnd Wetter, im MgMei;wn Gesprächsthemen für Heute, die nichts zu sagen tvisfen, haben in diesem Jahr« ihren wettgreisenden Einfluß auf unser tägliches Lehm sehr unangenehm manifestiert, Zwar, vor großen Katastrophen blieb Wim verschoßt, und die SchreckenSereignisse, von denen man gruselnd zum Frühstück liest, vergrößern Mist ihren Umfang proportional mit der Entfernung ihres Schauplatzes,' aber die Wiener Geschäftswelt ivM doch pin trauriges Liedchen zu singen von einem Frühling, dm die große Flut ver-!«MW'>WWW!!,MWM»»WWWWV 4$ V» schlang, vom Sommer, den sie gleich mit fraß, und vom Spätherbst, der dann gerade noch so viel Sonne mitbrachte, als der Frühling schuldig geblieben war. So daß, mit anderen Worten, die vorjährigen Sommerkleider, die man deir wenigen schönen Tagen zuliebe gar nicht durch neue ersetzte, auch noch, ganz gut den milden Herbst überdauerten. Aber schließlich, die Mode- Mnstler und das Heer fleißiger Arbeiter, das sie he- * fehligen, die haben mittlerlyeile doch die Hände nicht auf den Knien ruhen lassen. Dienstbar dem Aeußcrn der Frau, befttfftn, ihr ein Höchstmaß an Amnut zu perschiaffen, haben sie rastlos an der Schaffung einer neuen Linie, eines neuen Mydebtldss gearveitet. Nun, da der Winter ja ernstlich anzurückn scheint, wich wohl auch die svarsamste.Frau an Neuanschaffungen dmken müssen, uno wär's auch zunächst nur Neugierde, die sie die Modehäuser besuchen heißt, Da die Wintermode nun wohl endgültig „heraus" jst, kann gesagt werden^ daß im ganzen Großen die Silhouette .der Frau sich — glückllchierweise — nicht sehr verändert. Die Taillenlmft bleibt verlängert, die Kleider ' sind — dies häufig im Gegensatz zum Vorjahre 7^ rückwärts wieder sehr anliegend, vorne oder einseitig reich in Glocken- Das schlicht gehaltene „kleine Abendkleid" ist heuer unzertrennlich von seiner Umhülle, gleichviel ob diese durch einen Fransenschal oder einen gerafften Mantel gebildet wird, weich letzterer zugleich als Entree dient. Das .große Abendkleid ist eigentlich ausschließlich auf Leuchtesfttt gestellt. Ein erstes Wt-ner Modehaus bringt wundervolle PMettenklMr, von. unten herauf ambriert und mit puntm Blumen inkrustiert, Der vornehmste Effekt der großen Abendtoilette aber ist und bleibt die Straßstickerei, in deren Facetten das Licht tausendfach sich bücht. — Für das kleinere Wendttech sind Erepe-Satin und Belomchifson, auch Velour sacpnne, heuer mehr beliebt denn ' je. Diese Stoffe schmeicheln ungemein und sind diskretelegant. — Vergnügte Abende sind die Rosinen im Kuchen des Alltags, dieser selbst aber der Teig, in dem' sie — mehr oder minder häufig — stecken. Daraus geht hervor, daß der Ailtagsbedars sin ganz gewaltiges Erfordernis ist und nicht übersehen werden darf. Die kultivierte Frau zeigt sich tagsüber in schlichter, doch gut sitzendere MODENPALAIS JULIUS KRUPMK VU.. Kaiseralraße 111, 113, 115 231 Größtes $pe*iaiha«s Oesterreichs Feine englische und französische Seihenu. Wollstoffe. normaler Preis S 30 bis 40, verkaufen wir zum sensationellen Preis von 8 8 bis 12. , SvMüttl, ©ien,i., Neuer Mllltt 16 SS (6. Fortsetzung.) Vefchnette Spinnweben. Am Ehegeschichte von Max Bxod. Dann wurde es weggetan. Und Mc.<hiMs Stimme bliob 'brüchig und langsam, sang nicht mehr, von Lachen gesättigt, duldete keine Nähe. ~ Etwa vierzehn Tage nach hem ersten Gespräch Wer Schauspielerei Mr unter der Geschäftspost, die Stephan öffnete, ein Brief, dessen Firma ihm schon im ersten Am schauen ungewöhnlich vorkam, den er aber trotzdem zu Wn begann, ohne dabei an etwas Besonderes zu denken. Dann erst hielt er ein. Es warein Brief an seine Frau. Von der Dirsktipn der Re'inhardOiihnsn. Das Engagement war perfekt. Kontrakt lag hei, Go weit also waren di« Ding« schon vorgeschritten) — Dis Frau hatte seine Wachsamkeit gMuscht, hatte ihn geradezu Merkiftet. Zwar hatte sie Mt gelogen. Ubrr geschwiegen Hatto sie. Was Mau öasfekbo war; zumal er doch nicht annchmm.kennte, daß sie in allem Erliste bereits Verhandlungen sülhrs... . tM nicht sin Brisf Mr mich gskommsn?" fragte sie mittags. - GS war mMwürdlg. Darauf war sr nicht gsfaßt, daß sie gerade an diesem Tag-s fragen würde. Sofort schoß ihm durch den Kopfr Ob ich eigentlich das Rocht habe, sie an der naE-rliDn Betätigung eines Talents su Hindern. Zugleich aber war ihm der am Nachmittag drohende neue Gläubigsransturnl gegemvärtig. Die Fabrik, mit so diel Hemmung geleitet (der alte Mann am Kuchenhobel hatte das miMerschulldet), die Fabrik ging immer schlechter. Eigentlich hätte es ihn ja nur freuen sollen, daß die AusbeutungSmaschine, die Ar- VeitShölle ins Stocken, kam. Aber so ist nun einmal die menschliche Natur nicht beschaffen. Stephan lvar kein Hsiligsr. Er fühlte es durchaus nicht als Erleichterung, daß ihm der Konkurs auf dem Nacken saß. Und die apfeiiweißen Arme der Frau, die sich fern hielt und die fort wollte --- die fühlt« er auch nicht «ls Erleichterung. Wir alle stehen im Krieg und üben Kriegsrecht aus, nach allen Seiten, in erster Linie sorgen wir jeder für uns selbst, leider muß das so sein. Das duMy Gesicht knitterte feine Falten noch . knittriger als sonst und sprach, wie geistesabwesend, ein verträumtes „Rein".. ,^Kein Brief für mich?" sagte dir schon; Mfl," Mer am Mend — im > Wohlgefühl einiger geschickter DerhandlungsLslige, die er g gen die Gläubiger geführt hatte — kam ihm der Einfall, auch gegen die Frau einen Gegenschlag zu versuchen. Auf die Dauer, das sah er, würde er sich ihren Plänen nicht wider setzen können. Der unterschlagene Brief brannte ihm ja schön in drr Tasche. — Wenn sie nun aber, che e«3 herauskam, che Reinhqvdt und Berlin und Starg-age und all das, was er so fürchtete, sie in die fremde Eisregion hinaus" trügen... wenn sie vorher einen andern harmlosen Vertrag schlösse! Was Hann? Mit Mem der kleinen- StadtHsater im Men Mring-n... im Auto binnen drei Stunden erreichibar, also doch noch in seinem Bereich, in feiner Macht... nicht bloß geographisch »«- auch weil diese Theater naiGlich nur schlecht zahlten. Seine Msrsucht war in bissen Bogen der Entfremdung aufs höchste gereizt. Die Fxau sollte und durfte seiner Macht nicht e-ntzogen lvepden. Oh er die. Stargage bloß unter dem GchchtsWiE dieser Gefahr oder als gesteigert ausgeprägten. Makel der „Gsld-Mhrung" verabscheute — dies klarzustellen hatte er wchtzr Zeit noch N lgung. Seine Gedanken liefen einen andern Wog: einen dieser Madttheattrintendantön kannte er fahr gut. Herrn von Unstrut. Krieg war er demselben Dw'isionSswb zu» geteilt gewesen. Nun schrich er an tHn — seine Fra» wqfie ihm gern vorsprechsn... Wonysie DalM hat, wird sie auch dort gefallen — boru'higts n sein Gewissen — und Berlin ist vermieden. Die Andwovt kam batt». WiWshl in ihr hon „Vakans" und einer „ovsten AiMaberin", ,/Sentimental- Naiven" nchst ähnlichen widerlichen KlassifiLatwnen die Rede war (Fabriksmarken hätte er sie in seinem BetrieV gmannt und die g-eschästsmäßige AuSdruckSweis« kam ihm in Hinblick auf dqs sinzigarttgs W.sen, das er in Mathilde sah. vMtändig unsvwartst), obwohl 'ihn also die Form abstieß, brachw er dsn Brief doch zu Mathildes Kenntnis und setzte ihr sogar sehr zu, die Sache zu proHieren. Nimmt sie nicht an dachte er dabei —, so kommt mm doch bald alles heraus und es wird 'diesmal mit der Scheidung Ernst. Züte 9 Wollkleidung. Sie wählt für das einfack^ftsche Lauskleid lveiche- Kaschagcwebe in verschiedenen Bindungen, für dm pelzverbrämten Mantel dazu starkfähige, englische Stosf«, die leicht und zugleich besonders warm sind. Es ist in Wien heute nicht mehr nöttg, für solche Dinge ein kleiiws Vermögen anzulegen. Dem Zuge der Zeit entsprechend, haben auch die gutejr Stadtgeschäfte ihre War-n zu oft geradezu konkurrenzlosere Preism angeschki-ben. -- Neben der gewebten Wollkleidung erfreut sich die gestrickte jetzt in der kalten Jahreszeit natürlich allergrößter Verbreitung. Man tragt zum Kascharock ganz gleichfärbigc, aus Wolle mit Seide gestrickte Trikotblusen, die genäht sind wie ein richtiges, englisches Sporthemd. Man trägt — allen Voraussagen zum Trotz mehr denn je das ganze gestrichve Gestrickte Kleider ist die Mode Rctchha'tlne Auewahl au» c,st«n Sülm; Werkst»«»» Albert Mahner 1. Kohlmeflergaff« Nr. 8 Neuer Markt » IV., WIedn. Laupti!»., Landstr. Lauplstr. 3 XVI,, ThaNaj Ir. 8 Kleid mit verschieden fassoniertem Oberteil. Der geschoppte Lumberjack, dis gemustorte, hochgeschlossene Weste, die Mich gezogene Lumber-!bluse mit Hüftpasfe sind egal b-ellebt uird gangbar. In Farben sind die ruhigen Töne des schottischen HonwspunS und das schwedische Blau-weiß-rot-gelb vorherrschend. Die Kleidung des Tages wie des Wends wäre unvollkommen, fände sie nicht irgendlme in einer Verbindung mit Pelz ihren Abschluß. Selbst der hochsommerliche Abendmautel ist seit einigen Jahren ohne Pelzkragen undenkbar; mit dem Winterinantel ist er natürlich schon längst organisch verwachsen. Das driickt sich schon in der Wahl der Stoffe aus, bei der man stets auf die Farbe des Pelzbesatzes Rücksicht nehmer; muß. Genau harmonierender Pelz und Stofs sind eine Modenuance von besonderem Raffinement. Sy lassere sich z. B. Nutria, Feh, grauer Persianer zu besonders schönen Kombinationen verwenden. Andere wi^er, jbe? Not- und Kreuzfuchs, wirken durch den pikanten Gegensatz, in dem ihre warme Sommerfarbe zu schwarzern oder nrchmrgrauem Zibelm stcht. Der ganze Pelzmantel Wichlich, dieser treue Begleiter durch mindestens sechs katte Monate, ist Heuer reichhaltiger denn je vertreten. Man fs'f der si raßo Bfir? 29 Pilllgste Preise — Solide Bedienung Lequtzms Tejl?a»lungen - Eigene Repdraturwerhstgtte •mpmmml"i I Ufi» ,' «wwwt ü wundert sich sönnlich, wie viele Tiere eigentlich die güttge Natur erschuf, scheinbar hauptsächlich, damit me Mzkünstler immer neue, erschwingliche Fellmöntel Mts den Modemarkt bringen können. Grete Oberländer. „Warum bflW du denn dm Faulst?" fragte sie Itfld sah zur Seite auf feine Hand, die auf dem Büchechypd Hin und her rutschbe. ,ß% H meine Gewohnheit." „Habe ich noch nie bemerkt." „Nun — und mtzin Vorschlag?" Mit LWrm Erstaumn blickte, sta auf und 1'Wttz ,Ba"..Am ondern Morgen ließ sie sich von ihm im Auto m hyn kilemen Kurort über die Gr-enHe -bringen. ,Mfe ein Lamm zur Schlachtbank", spotteto er, aber es war ihm nicht wohl zumut daböi. Ein kalter Wind blieS, und auch im Auto wurde es, trotz der vielen Decken, nicht warm, da man so weit voneinander saß. ProbMHne. Wer hisse Stätte mittelalterlicher Folterungen erfunden Hat, mag sich was darauis einhil-den. Stephan erschauerte, als er mit seiner Frau den leeren, zu stark geheizten, übergrell erileuchtettn Raum betrat, in deni rechts und links durch ein paar bis an die Dechen reichende Stangen, Turngeräten ähnlich, die erste, Mette »Nh dritte Kulisse angedeuttt war., Auf der einen Setto wie in einer RunrpEammer aufgeschlchtsii ein Tisch, einige Sessel, eine rohgezimm«rts Gartenbank mit geschiweiftey Mne. Alles abgewetzt wie alte SchuMnke, ahne erikennbaro Farbe, die Kanten abgeschlagen. Wie vielen Lichessßenen mochte diese Gartenhank g-edient haben, wie vielen Lustspislm das' Stehpult! Es waren Mchsam die Mtrakten Grundformen aller nur ivgendmöglichen Requisiten. Und diese paar Sllick Holz reichten also für alle Situationen des Mens aus, so einfach ist es und stets dasMe... Bon neuem packtie es chn: tasdium Vitae. , An schlechten Eindrücken war schon vorhin kein Mangel gewesen. Das Soldatentzenikmal vor dem Theater; Mann mit.Handgranate. Gewiß sind viele junge Menschen aus dem Hrt hier gefallen, und mau kann es be-greiissn, haß MN durch eine gewisse heroische Stimmung (die es überdies bei einzelnen wirklich gibt, nicht bloß als Lüge) ihren Tod weihevoll veMärerr möchte. Aber wie dem auch sein mochte, es tat seiner «weichen Seele weh ... Und außerdem las er gleich nachher, als er mit Mathilde durch den Bühneneingang in8 Theater eingetreten war, eine AMmdigung, in der offenbar die diensthabenden Organe angeführt waren. 4 534823482302235353234848235348235323482348480002004853485323534800004853485348484853