Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2784 (27.11.1926)
- Date
- 1926-11-27
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Rr. 278* Lükstt, Samstag hat mit ihm konferiert, und ist dann in den Setzersaal gegangen, wo er den Artikel über den Prozeßbericht aus dem fertigen Satz yerausnchmen ließ. Wegen des Prozesses Beck ist eine Polemik zwischen der „Arbeiter-Zeitung" und der „ReichSpost" entstanden. Der Richter stellte an den Angeklagten die Frage, wer die Mitteilung in der Affäre Beck gemacht habe. Angeklagter: Bier Redakteure in der „Reichspost", die Herren .Kruckeirhau.set, Otto Howorka, Johann Wisloucil und der Obmann des. Redaktionsausschusses. Klage- Vertreter (zum Beschuldigten): Behaupten Sie, daß Dr. Funder von Beck Geld genormnen hat? Angeklagter (dezidiert): Ja, 100.000 Friedenskronen, zu dem Zweck, daß der Bericht nicht erscheint. Der Angeklagte bemerkt, daß er noch einen weiteren Grund hatte, den inkriminierten Brief zu schreiben. Richter: Behaupten Sie noch weitere Bestechungen? Angeklagter: Rem. Es ist aber noch eine Berauickuit.g zwischen „Reichspost" und Basel. Ri'chter: Soll das eine Bestechung sein? Angeklagter: Nein. Richter: Dann gehbrt es uich. hieher. Als der Klagcbertreter das Ersuchen stellte, den Privatkläger Dr. Funder das Wort zu erteilen, um ihm Gelegenheit zu geben, sofort die gegen ihn erhobene Beschuldigung widerlegen zu können, bemerkte der Richter: Es ist jetzt gar kein Anlaß, dem Kläger das Wort zu erteilen, der Beschuldigte? hat ja zu beweisen. Dr. Funder nähert sich dem Gerichtstifch und bemerkt: Ich bitte vielmals um das Wort, in fün, Minuten kann ich die gegen mich erhobenen Beschuldigungen widerlegen. Richter: Es ist kein Anldß, wie erwähnt, U)nen jetzt das Wort zu erteilen. Dr. Funder: Es ist doch unmöglich und wäre schrecklich, jetzt nicht reden zu dürfen. Ich muß doch die Beschuldigung widerlegen. Richter: Die Verhandlung wird vertagt, zur Durchführung der Beweise, ^r. Funder bemerkte nun nach, geschlossener Verhandlung zu dem Richter: Die Sache ist doch entsetzlich. Mau mutz sich so was gefallen lassen und darf nicht reden! Richter: ES »Ützt auch nichts, wenn Sie jetzt reden. ES steht ja noch nicht einmal fest, ob ein Wahrheitsbeweis oder der Beweis deS guten Glaubens zu erbringen ist. Wenn nur der Beweis-des gmten Glaubens erforderlich ist, dann kann etwas zehnmal nicht wahr sein und der Angeklagte bann doch freigesprochien werden. Dr. Funder ersuchte de« Richter, die Verhandlung wenigstens in kürzester Zeit wieder arrzuSeraurrreu. . . . La« Urteil hn Nach zehntägiger Verhandlungsdauer hat gestern der Schöffensenat unter Vorsitz des Hofrates D r. Ka r n e r t das Urteil im Prozeß gegen die ehemaligen Funktionäre der „Winex"-A. G. verkündet. Der ehemalige Generaldirektor Oskar Leonhard Freund und der pensionierte Senatsrat Dr. Josef Gröl! wurden wegen Vergehens der fahrlässigen Krida zu je vier Monaten strengen Arrestes, jedoch bedingt mit zweiMriger Bewährungsfrist, verurteilt. Der angeklagte Sektionsrat a. D. Dr. Emannel K r a s n y wurde freigesprochen. Der Staatsantvalt berief wegen zu geringer Bestrafung der Angeklagten Freund und Dr. Gröll und brachte bezüglich des.Freispruches des Dr. Krasny die -Nicht i g k e i t sbesch wer de ein. Daraufhin beriefen Freund und Dk Groll ihrerseits gegen das Strafausmaß. Bestrafung von Prrgromanstiftern in Odessa. Bekanntlich versuchten im vergangenen Juli in Odessa Anhänger des verstorbenen Patriachen Tichon eine Judenhetze zu arrangieren. Tie Anstifter standen jetzt vor Gericht. Der Anführer wurde zu fünf Jahren schweren Kerkers, zwei Mitbeteiligte zu se vier Jahren Gefängnis, vier zu je. zwei Jahren und drei zu je einem Jahr Gefängnis derurteilt. (I. T.-A.) aoeoofltoooQoooeeeeoQeaeoeqeeooqeeoeaeooooQOtteoeea Volkswirtschaft. .....!!!■ ■' wmLmmmmmmm ■■ ... i 11 ■ ———— Sie StaatsglSubiger rühren sich. Sine Feftftellungsklage ver österreichische« Soldrentner. Nach dem, Friedensvertrage von St. Germ-am haben btc Inhaber von StaatsschuNverschrerbungen, die auf Gold lauten, das Recht auf die AusfolHUNg eines neuen, gleichwertigen Titves seitens der Nachfolgestaaten Oesterreichs. In Würdigung der geschwächten Finanzikrafk der Nationalstaaten haben sich die alt-auslänidi scheu Inhaber . der österreichischen Goldrente zu einem 'Zahlungsnachlaß bis auf 32 Prozent verstanden, und gemäß den Bestimmungen des Innsbrucker Protvkolles und des Prager Mkords wurde die- Caisse Commune in Paris mit der allmählichen Liquidierung der rückständigen Coupons, bzw. dem regelmäßigen Zinsendienste für die österreichische Goldrente und einer Reihe anderer VorkriegsschMen der ohemaligen- Monarchie betraut? ' Die Nationalstaaten ständen dabei unter dem Drucke des westlichen Kapitals und der westlichen Regierungen, die sich ihrer Staatsbürger, soferne diese Gläubiger der ehemaligen Monarchie sind, angenommenhaben. Der Friedensvertrag hatte zwar die Rechte auch der inländischen Gläubiger gogenüiber ihren ^Regierungen znerkannt, er unterließ es aber, Schutzbestimmungen für die inländische n^ Gläubiger zu treffen, da die Schöpfer des Friedensvertrages offenbar sich nicht haben einfallen lassen können, daß eine Regierung jemals den ausländischen Gläubiger gegenüber dem eigenen Bürger bevorzugen würde. Die Zcchlungsfitten der Nachkriegszeit haben jedoch diesen Optimismus bezüglich der Schonung von Gläuüigerrechteir in empfindlichster Weise Lügen gestraft. Besonders kraß kommt dies in der Republik Oesterreich zum Ausdruck, wo die Finanzvevwaltung gerade zu einer Zeit, in der die Wiederaufnahme des - Zinsendienstes der österreichischen Goldrente zugunsten' der alt-ausländischen Gläubiger bevorsteht, die Ablieferung dieser Titres an die Staatszentralikassa den inländischen Ditres-Besitzern auferlegte. Die Frist zur Ablieferung der Titres der österreichischen Goldrente und der 4^prozentigen Staatsschatz, anwvisungen ist am 13. d. M. abgelanfen. Nähere Erklärungen der Finanzvevwaltung darüber, was sie mit diesem Depotzwange beabsichtigt, sind bis auf den heutigen Tag nicht erfolgt. Es ist eine unerhörte Sache, daß ein Schuldner dem Gläubiger vorschreiben kau», was dieser mit der Schuldurkunde zu tun hat. Die ausländischen Besitzer altösterreichischer Titres find längst in verschiedenen Schutzverbänden orgamsiert, die die Rechte ihrer Mitglieder wahvzunehmen bestrebt sind und die schon im Jahre 192b eine solche Macht repräsen- Werten, daß sie zu den Verhandlungen der Prager Konferens, aus der der Prager Akkord als zwischenstaatliches Vertragsinftrument hervörging, beigezogen lvaren. Die österreichischen Titres-Besitzer waren nicht .organisiert und daher auch nicht bei der Pragex Konferenz vertreten. Nunmehr hat die Einberufung der Goldrente das Matz der Geduld des österreichischen Gläubigers erschöpft. Wie wir erfahren, wird nun eine Gruppe des Aktionär- Vereines eine FeWellungsklage anstrengen, daß die Rechte der Goldrentenbesitzer nach dem Vertrage' von St. s Germain - durch die Ablieferungsoerordnung wicht tangiert werden. Jntereffenten werden eingeladen, raschest Name- Adresse und Stückzahl beim Aktionärverein (Rechtsanwalts Dr. Emil Hofmannsthal), Wien 4. Bez., Schwarzenbergplatz Nr. 13, zwecks Anschluß an diese Aktion bekannt zu geben. .* 6in Avion gegendie Gemeinde Budapest. Auch der ungarische Staat hat bisher die Rechte der inländischen Borkriegsschuldner noch nicht anerkannt, obwohl dort immerhin die Vorbereitungen zur Lösung der Aufwertungsfrage schon weiter gediahen sind, als in Oesterreich. Auch die Gemeinde Budapest suchte sich in ähnlicher Weise wie dle?Gemeinde Wien durch vorzeitige Kündigung der Vorkriegsemissionen - ihrer Schuldenverpflichtungen zu entledigen. In der letzten Zeit erfolgte-die ^Kündigung der 4prozentigen 1896er Budapester Stadtänleihen zum Nennwert. - Der deutsche Schützverband der Obligationäre ^dieser Anleihe hat'nun an das Fi»auzamt der Stadt Budapest folgendes Schreiben gerichtet: - - Hierdurch ersuche ich Sie, die unrechtmäßige Kündigung der Iprozentigen 96er Budapester Stadtanleihe zurückzunehmen, so daß'dieser wieder ans Ihren Antrag hin an der Berliner Börse amtlich notiert, werden kann. ' In Anbetracht der. Aufwertungsbehändlung Ihrer 1914er Anleihe bemerke ich noch einmal ausdrücklich: 1. Sie haben 1896 ebenso wertvolles Geld wie 1914 erhalten; -- ' 2, die deutschen Stücke sind am deutschen Stempel als Ausländsanleihen kenntlich; ■.?. 3. laut Än leihetext der 96er Stücke hastet die Stadt mit ihrem gesamten Vermögen für Zinsendienst und Tilgung; 4. die Gläubiger einer Maffe find in aller Welt' gleichmäßig zu befriedigen. - Maßgebende ausländische Kreise haben mir ihr Einverständnis mit meinem Darlegungen erklärt, und ich beabsichtige, in einem sehr heftigen fremdsprachlichen Aufruf solche Einverständnisse von sämtlichen holländischen,, schweizer, englischen, amerikanischen usw. Börsen und Banken eknzüfördern, um gegen Sie gerichtlich gut Vorgehen zu können, f nl l s Sie m e i n e r A u f s o r d e r u n g z ur ' e n dlichen Regelung dieser Angelegenheit befremdenderweise nicht Nachkommen sollten. Unterschrieben: Schutzverband 6er Obligationäre der 96er Budapester Stadtanleihe. 27. Rvpember 1926 Seite 7 sie Liquidation der zentrüidank- Protest »er AngesteMe». Die Zeutralbankvorlage hat in den Kreisen der Bank- ««gestellten begreiflicheriveift lebhafte Erregung hervorgerufen, da darin eine Kürzung d«r kollekttvvertragttchen Rechte der Angestellten der Zentralbank auf 6V Prozent vorgesehen ist. Es widerspricht dem natürlichen Rechtsempfinden, daß die Einleger und die KontokorrentglSubiger mit 100 Prozent ihrer Ansprüche zusriedengesteltt werden, während die Angestellten verkürzt werden sollen, wvbei nicht einmal Garantien dafür vorhanden such, daß. die Bestimmungen ttb-r eine Mprozenlige Befriedigung -erngehalten werden. Eine solche Verkürzung ist um so peinlicher, als auf Grund der seinerzeittgen Haftungserklärung der Regierung angenommen werden durste, daß die Rechte keiner einzigen Kategorie verkürzt metbett würden. Der Reichsverband der Bank- und Sparkassenbeamten Oesterreichs und der Bund der Bankuttb Sparkassengehilfen der Republik Oesterreich sind denn auch sofort nach Bekanntgabe der Regierungsvorlage, mtt der Personalvertretung der ZeMralbank zu einer Konferenz zusammengetreten, um gegen die Angestelltenbestimmungen der Regierungsvorlage zu protestieren. Eine Abordnung, bestehend aus dem Präsidium des Reichsvercines der Bank- und Sparkassenangestellten und den Obmännern des Betriebsrates der Zentralbankangestellten, sprach gestern, in dieser Angelegenheit bei sämtlichen Parteien im Parlament vor, die der Abordnung beftiÄngende Zusicherungen gaben. Der Referent über das Zeytralbankgeseß Abg. Heinl führte die Abordnung mit dem Finanzminister Dr. Kienböck zusammen, der gleichfalls versicherte, daß er die überreMen. Anträge von seinen Referenten überprüfen lassen und sie nach MöalichSott berücksichtigen werde. Sie krkomptepolitik der tschechoslowakischen Rationatbank. »Prag, 26. November. Der Bankrat der tschüchoslo»! wakischen Nationalbünk hielt unter dein Vorsitze des Goui verneurs der Bank, D r. P o s p i s i l, seine offizielle - Sitzung ab. Hiebei wurde ausgeführt, daß die Auswirkungen des .englischen K o h l e n st r e i k s, insbesondere : auf die heimische Kohlenindustrie durch den nicht nur-in! der Tschechoslowakei, sondern, auch in anderen mitteleuropäischen. Staaten fühlbaren Waggonmangel bedeutend abgeschwächt worden seien. Der Geldmarkt bleibe un- 1 gewöhnlich f l ü s sä g. Der Bankrat gab neuerlich seiner i Ueberzeugung Ausdruck, es sei mit allen Mitteln dahin zu ) wirken, um den Kreis der Benützung des Geschaftswechfels ' zu erweitern. Der bisherige .Mangel an guten Geschäfts-! wechseln habe in der Tschechoslowakei . die' ungünstige \ Folge, daß sich auf den' Geldmärkten kein' Privateskonttü I von Wechseln entwickeln -konnte.; I Der Notenumlauf in der Tsch^chosldioakü^ Der Bankrat der tschechöslowakischen Nationalbant! veröffentlicht seinen Ausweis, wonach der .N o te.n u.M'-! l a u f unter 7 Milliarden, der D e v i se n z utoa#! 50 Millionen beträgt. ... I; ' - •’ * i ... —TT"—“ Keine Auswertung der PapiermnU Eine neue Entscheidung des Reichsgerichtes. Aus Berlin wird berichtet: NachdeELüs^Reichs- Gericht bereits im Mai eine gegen die ReichshaÄ gerichtete Klage auf Auswertung der alten Täüf^ndWrHeine abgöwiesen hatte, ist jetzt von ihm in einWMeHsstveit gegen die bah r i s ch e N o't e nb-a n k en gegen die Aufwertung der alten Hnndertmarknoteü. entschieden worden. . Franc und Lira. Die Dovilstn-mäM-e l-ageri ^gestern'eiwaö , ruhiger, da es infolge des N-ervyarEer Börsenlfeiertages an . Anregungen -fehlte. Die Devise Paris fstztd'--D)och ihre Aufwärtslbewegung'.fort und stieg vorübergehend bis-auf'49.29 gegen Zürich. Dieser Kurs konnte allerdings nicht heihcmptet wevven, die Schlußnotiz fand auf Basis von 18.96 statt.. Mailand behauptete. - sich bei einem Kurse von 21-.86 nach 21.90. Eine Abschlwächung hatte der Leu zu verzeichnen».Bukarsst'2.87ZL (gegen 2.98)4 tagsvorher). Die Deckung der Zloty-Noton. Aus Warschau, 36. d., wird gemeldet: Die Metall- und Dovifendeckung des Notenumlaufes der Bank von Polen beträgt nach den. letzten Angaben 47,57 Prozent. Ein derart günstiger Stand ist seit ein» einhalb Jahren nicht verzeichnet worden. ' Verminderung des Banknotenumlaufes in Frankreich. Die Bank von Frankreich hat den Banknotenmnlauf - inder ver- »enen 'Woche um rund 108 Millionen Francs, und' die Bore an den Staat um IW Millionen Francs vermirwert. Berlänge-rung des polnische» PetvoleumkartellS. Borgeftern begannen in Krakau neuerlich Konferenzen zwischen den Vertretern der führenden polnischen Petroleunrgssellschaften wegen Verlängerung des polnischen Petroleumkartells. Nach vorliegenden Privatdepeschen ist es kern Zweifel, daß nach dem bisherigen Ergebnis der Verhandlungen das Petroleumkartell abermals verlängert wird. Auf aste Fälle soll zunächst ein Provisorium bis zmn Ablauf dieses , Jahres geschaffen werden, um die Zwischenzeit' für hie Fertigstellung' eines definitiven Vertrages und zur Vevbesterung gewisser Kartellbeistimmungen zu -benützen. IkMe Bchlutzeinhetten. Ab Samstag, 37. Ö, betragt h« Schlußeinheit in Aktien der Handels-i?l.-G. 100 Stück z» 1000 Kronen oder 16 S.; bei „Estn" A. G. 60 Stück zu WS. oder 500 Stück zü 1000 K. Gegen die großen Schlußeinheitrn in Bbrsenryekte». I« BörfMkreisen .findet die mene .FMePlyL h«