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Wiener Morgenzeitung · 1926-10-24 · Heft 2752 (24.10.1926) · p. Seite 15

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2752 (24.10.1926)
Date
1926-10-24
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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tot. 2762 Men, GonntoK Wiener Wsrsenzeitmrs n: titiffUt 1986 (Seife IS An<nm«hiliimm Der 20. Pariser Salon. Preise, die man nicht begreift. — Per neue Sitroen mit Westinghonse-Bremse. - Renan« bringt einen Lurus-Sechrzylinder ftir Minderbemittelte. — Der Flinspserder Majola silr 2000 Schilling. — 2er Wage«, der nicht umschmelßt. Tcr Clou hieß: Billigkeit. Ob das nun eine der vielen Jnflationserscheinungen, ob das eine sympathische Folgewirkung des Francsturzes, ob das mit der Großerzeugung, der Fließarbeit, zusammenhängt oder, auch das wäre denkbar, mit der Generalofsensive durch das Triumvirat: Citroen, Peugeot, Renault — wer kann es wissen? Fest steht dieses: So billige Autos sah ich nie! Nicht im Pariser Salon, nicht in der Autoschau vom Kaisttdamm, nicht auf den Wiener Ausstellungen seligen Angedenkens. Selbst Amerika, das doch, wie bekannt, ein Patent darauf hat, die billigsten, Umsonstesten, geschenktesten Autos überhaupt zu fabrizieren, muß sich nolens volens geschlagen bekennen, insoferne nämlich, als die Ford-Fabrik in Paris, die an die 1200 Arbeiter beschäftigte, seit zirka zwei Monaten ihre Tore auf unbestimmte Zeit schließen mußte, so trostlos ging das Geschäft. Daß reichsdeutsche und ebenso österreichische Wagen unter den gegebenen Auspizien schlechterdings chancenlos sind, einfach nnanbringlich, und wohl am besten daran täten, den französischen Markt ebenso kampfals geräuschlos zu räumen, bedarf kaum der Betonung. Gegen Citroen, Renault, Peugeot und Konsorten kämpfen Autogötter vom Schlage eines Opel oder Steyr selbst vergebens. Ja, auch Italien, jenes Italien, das da guter Hoffnung auszog, mit seinen zu Hunderten täglich herausgepulverten 609ern, den Wagen des kleinen Mannes, die Automobilistenwelt ringsum zu erobern, dürfte, wie die Dinge dermale^, iu Frankreich liegen und die Kurse stehen, kaum etwelche Berkaufschaucen für seine relativ preiswerten Produkte haben. Zumindest fanden die Fiat- Wagen, also die für Paris noch ^möglichsten", im Grand Palais der Champs Elysees verflucht wenig Interesse, man ging und schaute an ihnen vorüber, als Handelte es . sich hier nrcht um 'einen — zumindest gewollten — Weltschlager, vielmehr um irgendein Freak.eines Borstadtmechanikers, eine deklarierte Einjahrsfliege, die nächsten Winter längst das Zeitliche gesegnet haben wird, gestorben und verdorben an der absoluten Uckerflüssigkeit ihres Aufderweltseins. „Frankreich den Franzosen!" lautet die autopatriotische Losung im „Salon" vor: Paris. Der Salon war diesmal international, keine Frage, so stand es ja deutlich in den Ankündigungen, in Wahrheit indes war er mehr „national-international". Frankreich, Frankreich und wiederum Frankreich, dann lange nichts, schließlich ein bisserl Amerika, Italien, Belgien, England und Oesterreich (vertreten durch seine Parademarke Steyr). - Um aber auf den Brennpunkt des öffentlichen Interesses, die Kurse im . Pariser Salon, zurückzukommen: Geradezu infam billig! Für 20.000 bis 25.000 französische Francs (42 bis 44 Millionen) erhielt man so ziemlich jeden wohlgesitteten, uptodaten 6-Steuer-PS. (in unserer Breitner-Währung), aufs ultramodernste equipiert, Ml.sagen, mit Bremse auf allen vier Rädern, womöglich Otiginal-Westinghouse (der sich nunmehr auch auf den schienenlosere Expreß geworfen hat), mit Ballonreifen, mit fünfplätziger Karosserie, reichlich assortiertem Armaturenbrett, Uhr, Benzinanzeiger, Tachometer, Mairomeier, zwei Windscheiben, eilte, für. den Fond, mit, mit, mit — alles, nur. keine goldene Uhr. Dabei, und das will besottders hecausgestrichen werden, handelt es sich hier um Martert von Rang und Klang, keine Auchfabrikate, sondern, um Autos, die allen Strapazen, verrnutlich auch denen in Oesterreich, das sich ja eines besonders originellen Straßenklimas' zu ,erfreuen hat, durchaus sich gewachsen zeigen und bei deren Erzeugung nur bestgeeignetes, hochqualifiziertes Rohmaterial zur Verarbeitung gelangt. Wie ist es möglich denn? fragt sich mit einigem Recht der bodenstäiwige Autointeresfent, seit jeher gewöhnt, das rund Dreifache für ein gleichwertiges Fahrzeug anzulegen. Nun denn, in Frankreich, das trotz der angeblichen und vicldiskutierten „vie chere" zu den billigsten Ländern Europas zählt, vollzieht sich allem Anschein nach inr Augenblicke ein wüster, erbarmungslos geführter Vernichtungskamps der Großen gegen die Kleinen, der Renault, Peugeot, Citroen und Konsorten gegen die Unmasse von wohlrenommierten, aber mit bescheidenen Mitteln arbeitenden Autoerzeugern, der Fabrikationsgreißlcrn gleichsam, mit Jahresproduktion von 1000 Exemplaren abwärts. Wer dabei den Kürzeren zieht, und zum Teil bereits gezogen hat, liegt aus der Hand. Man braucht ja nur einen flüchtigen Blick auf die offizielle Salon-Preisliste, die, selbst ein Symptom der vie chere, nur 60 Centimes oder 10 Groschen kostet, zu werfen, um zu konstatieren, paß die Volksausgaben der Weltmarken erheblich billiger, keinesfalls aber teurer sind, als die korrespondierenden Modelle der kleinen Erzeuger. Den Trumpf hat gegenwärtig wieder einmal Andre der Große, der Pariser Auto-König, in Händen, der. seine neue verstärkte Type (über 1.5 Liter Inhalt mit Westinghousc- Bremse, Halbelliptigstdern rückwärts, amerikanisiertem Armaturenbrett usw.) für 23,000 Francs offeriert. Weniger mau kann schon nicht! Zudem repräsentiert der neue Citroen, die Umversaltype des Hauses, ganz wunderbar und würde vorne nicht das charakteristische. Embleme' die niedrige Herkunft verraten, fürwahr, man könnte den Wagen beinahe auch Hochstaplern, denen das Auteln lediglich Mittel zum Zweck ist, neue Mittel gepumpt zu erhalten, Unräten. Jedenfalls:- Citroen, Muster 27, dürfte auch die bla-; sievteste Autobourgeoisie .von^PaxiK befriedigen und sie zu. einev gründlichen Revision ihres Vorurteils bezüglich allem, was auf Citroen lautet) bewegen. Wenn nicht, dann hat der Ehrgeizling Citroen Hopfen und Malz, will sagen Westinghouse und Doppelwindschütz an ihnen verloren und die bösen Pariser werden ihn'nie ftir voll nehmen; es sei denn, er verdoppelt seine Preise für 1928, dann, ja dann—. Schlager Nr. 2 ist bei Renault zuhause. Bei Luis Renault, der, tute Charles Faroux, Frankreichs berühmte- . ster Autojonrnalist, leitartikelnderweise konstaliert, in gewissen wichtigen Fabrikationsbelangen sogar U. S. A., das , angeblich Unlopierbare, zu übertrumpfen verstand. „Pro-- duire, produire de plus en plus" — so Renaults Wahlspruch Nur derart wird es nach seinem Dafürhalten möglich sein, den Autoexport bis ins Ungeahnte zu steigern und Frankreichs ehemaligen Reichtum wiederherzustellen. Hoffen wir, daß' er Recht behält. .' Renaults „Sensation der Sensationen" — in Billancouvt sind die Typen so zahlreich, daß es schwer fällt, eine ordentliche Volkszählung durchzuführen — heißt für die au rollende Fahrsaison: 15 Cheveaux, 6 cyl., der Clou deö Salons. 47.000 Fr., heutige Francs bitte, kostet das Modell, das entspricht so ungefähr 7000 Goldfrancs vor dem Kriege. Ziehen wir von diesen 7000 Francs den damaligen Preis einer Karosserie, conduite interieure (ohne Weymann, denn das gab es damals noch nicht) ab, subtrahieren wir ferner die zahlreichen Nebenapparate an der Bordwand, das fünfte Rad, das gratis mitgeliefert wird, die Vorderradbremsen, die Scheinwerfer, die Dynamo, den Anlaßmotor, die Akkumulatorenbatterie und wir kommen zu dem überraschenden Schluß, daß das komplette Chassis samt Nädern, Motor, Transmission usw. haargenau 0.0 Fr. kostet, In dieser einzigen Ziffer schon drückt' sich der imense Fortschritt der Automobiltechnik innerhalb der letzten Jahre aus. Und dieser Fünsz'ehnpsorder, dieser Sechszylinder, was'!vas 'leistet er'? J'5 w'rde es Euch sagen: Mit spießerischer Leichtigkeit 160 Kilometer in der Ebene, alle normalen Steigungen mit direktem Eingriff, eine Durchschnittsgeschwindigkeit bis zu 72 Kilometer, lote er sie unlängst! zwischen Paris und Grenelle realisiert hat. Die Aufhängung, die Steuerung ist bewundcrnsivürdig. Und als Herr Louis Renault, der geniale Jndustricchampion, mich nach der ersten, in seiner Gesellschaft unternommenen Probefahrt, interpellierte, wie ich über den Fünfzchnpferder dächte, aittwovtete ich ihm kurz und bündig: Für meinen Teil, ich glaube... ich frage mich: Wozu braucht man überhaupt noch einen stärkeren Wagen? In der Tat: Dieser Vier^igpferder gewährt alle „Satisfaktionen", alle Freuden eines ganz großen Luxusautos. Auch ein stärkerer, ein schwererer Wagen wird kaum einen höheren Durchschnitt vollbringen, in der Hand eines vorsichtigen Lenkers zumindest. Indes, auch jener hat seine Lebciisberechtignng. Ist der Fünfzehnpferder die „erste Klasse, so der Bierzigpserder die „Puttmann". Etwas für Billigdenkende: Der Fünfpferder Majola. Ihn muß inan gesehen haben, noch besser: Gefahren. Ein Wagen! ohne Furcht Und Tadel, mit allem technischen Komfort, Vierzylindermotor, allerdings luftNmspült, Getriebe mit drei Gängen, und allen ordentlichen Karossierungsmöglichkeiten. Leicht möglich: Ein wenig zu schwach auf der Motorbrust,' zu grazil im Knochengerüst, zu unstabil. für die Straßen Oesterreichs. Mer: Ist denn Oesterreich alles? Sind unsere Wege richtunggebend? Dürfen wir den Konstrukteureir Vorschriften machen? Wer des Vorrnittags rund um Oesterreich autelt, meint eine altbewährte Spruchweisheit, der weih am Nachmittag nicht, wohiir auteln. Sv geräumig nänilich ist unser Land geworden, seitdemdie Monarchie Republik heißt. Man darf es also den Herren dom Konstmktionstisch, zumal den französischen, kaum verübeln, 'wenn »sie an den Bedürfnissen und Erfordernissen Anstrias, ob mm $mt oder ohne Bedacht, vorbeikonstruieren, weil sie kein Absatzgebiet in Oesterreich sehen. Dep 5-PS „Majola", mich wenn wir noch so über ihn spotten, wird ijetnen Weg machen, freilich einen besser gepolsterten, besser geplättefen, besser gewalzten Weg, als es der nnsrige zu sein, pflegt... Technisch wäre zur Majalo-Vuiturette, die marschbereit mit alleni Zubehör 9000 Francs kostet, tzu;$e>= merken: Der Vierzylindermotor ist horizontal angeordnet,. er hat Luftkühlung, vbergesteuerte Ventile und seine Maße betragen 66:80. Ingenieur Vaslin hat den Majola-Mötor ent'tvvrfeu, per .bei .aller Primitivität in sder Altsführung Hervorragendes leisten soll. Die Zündung ist Delco, der Vergaser funktioniert völlig automatisch, das dem. Motor angeflanschte Getriebe enthält drei Geschwindigkeitenauch die Aufhängung des Wagens, ist gut studiert. .; Laut Angaben der Fabrik verbindet der Majola alle Tugenden, die ein rechtschaffenes Volksauto braucht: Weichheit im Gang, Komfort auf der Reise, (gute Durchschmttsgeschwindigkeit, elegantes Aeußere und nicht zuletzt Oekonomie des Betriebes. Sein Verbrauch ist/nicht her Rede wert, ergo muß um» davon reden:/ '6 Liter /für 100 -Kilometer. Das . Gewicht des Wagens beträgt 350 Kilogramm, seine Ballonreifen zeigen die .Dimension .715 r 115. .Noch ein Wort über einen ganz "originellen Kauz, den „Stabilio", euren Wagen, der nie umschmeißt. Die Fabrik gewährt zwar diesbezüglich bedauerlicheriveise keine Garantie, aber toer das Fahrzeug sieht, 'glaubt ihr Mss Wort. Der Witz des Wagens, d. ,h. seine./konstruktiv«. Eigenart, liegt einfach, darin, daß der Schwerpunkt.'möglichst nahe an dem Erdmittelpunkt verlegt wurde, indem die überaus lang geratenen. Plattfehern ganz bedeuteich Mer denr Chassis liegen, welch letzteres trotz der.Versicherung des Erzeugers, der tiefste Punkt halte 'immer /noch tzehn Zentimeter Distanz, gleichsam den Boden zu'streifen Weint. Die Straße mag wie immer sein, soliest, «man im Prospekt der „Stabilia", das Pflaster noch so. furchtbar;, ein Umwerfen ist schlechterdings ausgeschlossen. Bleibt nur zu hoffen, daß auch! wir in Oesterreich bas Vergnügen haben werden, persönliche Bekanntschaft mit diesem Wunder an Stabilität zu schließen, in welchem Falle wir ^uDer - Lage wären, der geehrten Stabilia-Repräsentanz eine Liste hochernster Reflektanten vorzulegen —. von Spezialisten des Umschmeißens. Wiener Auto-Kursblatt. (Schilling-Währung) Adler, Modelle 1926: 8/L5. Fahrgestell, Vierzylinder, Vierradbremse . ..14.700 6/25, Zweisitzer, Vierzylinder,. Vierradbremse ..18.500 6/25, Viersitzer, Vierzylinder, Vierradbremse ......... 19.600 10/50, Sechssitzer, Sechszylinder, Vierradbremse , ..31,000 10/50, Limousine, Sechszylinder, . Vierradbremse.. . 35.000 18/80, Sechssitzer, Sechszylinder, Vierradbremse . , . . . . 48.000 18/80, Limousine, Sechszylinder, Vierradbremse . . . . . . . 52.000 Franko Men. verzollt. Ansaldo; Chassis . . ..12.000 Torpedo 15.500 Luxus-Torpedo ........ 18,000 Coup6 ........... 19,000 Franko verzollt ab Wien inkl. Bereifung, Austin; 3/10 PS, Dreisitzer.7.200 Franko verzollt ab Wien inkl. Bereifung. Austro-Daimler: 17/60 PS, Chassis, Sechszylinder, Personenwagen, A. D. V. , . . 17.000 17/60 PS, Double-Phaeton, Sechszylinder, Personenwagen, A. D, V. 22.000! 7/60 PS, Innenlenker Limousine, Sechszylinder, Personenwagen, A. D. V. . . . . 25.000 10/45 PS, Chassis, Sechszylinder, Personenwagen, Type A. D. M. . 15.000 10/45 PS, Double-Phaeton, Sechszylinder, Personenwagen, Type A. D. M.. 19.500 10/45 PS, Coupe, Sechszylinder, Personenwagen, Type A. D. M. . . 21.500 10/45 PS, Innenlenker Limousine, •vlersitzig ......... 22.500 10/45 PS, Innenlenker Limousine, sechssitzig . , . . . . 23.000 Unbereift inkl. Waremimsatzsteuer. Aubum: Sechszylinder; 13/66 PS, Touring, fünfsitzig, Allwetterdach , . . 18-.950 13/66 PS, Sportroadster, zweisitzig, zwei Hilfssitze . . . . . . . 19.500 13/66 PS, Coupö ....... 21.000 13/66 PS, Brougham mit Koffer . . 22.500 13/66 PS, Sedan, fünfsitzig . , . . 23,950 13/66 PS, Sedan-Wanderer (Schlafwagen) ......... 2&580 Preise über,Vier- und Achtzylindermodelle auf Anfrage. Alle Modelle mit fünf Ballonreib»«, franko Wien verzollt.

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