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Wiener Morgenzeitung · 1926-10-10 · Heft 2738 (10.10.1926) · p. Seite 14

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2738 (10.10.1926)
Date
1926-10-10
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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Seite *4 Wien, Sonntag Wi««er Morgrrr-eltvn- K. LWvber 1906 Mt. 2738 Auiomobllismus «Hoffen. Jede- Los gewinnt. Sit wollen es uns hier versagen. die Zahl der durchgestandenen Automobilkonkurrenten vom Semmering durch die Ziffer der Kategorien zu dividieren. Obwohl das nicht uninteressant wäre. „Schwer zu sein, kein Sieger!" soll ein Vertrieben aufrichtiger Konkurrent ausgerufen haben, da er die Namen jener las, die für seine Kategorie nicht genannt hatten... Anderseits wird behauptet, eS gäbe ganz Durchtriebene, die es zum unverbrüchlichen Prinzip erhoben hatten, nur und zeit» fiegens im Alleingang zu starten. Konkurrenten sind wir uns selbst genug, so argumentieren sie, und JnsichtgeschSfre — das lehrt schon die Jnflationserfahrung — sind die übelsten nicht. Uebrigens bleibt auch dann das Rennrisiko noch ein bedeutendes, insoferne, als es ja noch immer vorlomnren kann, daß — so Gott will und.der Motor nicht will — der Wagen sich das Siegen mittewegS überlegt. Das große, in automobilisticis so ungebüldete Publikum freilich, ohne jede Routine in der Kunst der Lektüre von Renninseraten, schüttelt nur egal den Kopf — es sieht eben vor lauter Siegern die Besiegten rricht. Darum. lieber Oe. A. C., verzeih' uns die Sünd' des ungebetenen Ratschlagcs, mach' es uns nicht mehr gar so leicht bei deinen künftigen Seinmering-Rennen. Wo ein Erster ist, da sei auch ein Zweiter, mit der kontraktlichen Verpflichtung, noch langsamer zu fahren. Der Ringkampf mit sich selbst gehört rnS Tingeltangel, dorther stammt ja der ulkige Einfall, die Welt der Autointeressenten indes bringt verflucht wenig Interesse auf dafür, wer schneller ist, ob der Jean-Gras-Waqen des Herrn Gerin oder — Herr Gerin mit seinem Jean-Gras-Wagen. Dahingegen erblickt sie, die Welt der Autokäufer, und das mit einigem Recht, ein« bedeutende Augenauswijcherei darin, an sich gewiß harmlosen Zeitgenossen, die via Rennen zu einem Bitrinenschmuck kommen wollen, solchen gegen bloßen Erlag des Nennungsgeldes gratis und franko ins Haus zu stellen. Nebenbei bemerkt, heißt das auch höchst unökonomisch gehandelt, denn die Niederlage der Agentor-Werke in der Kärntnerstraße liefert den Pokal weitaus billiger, als der billigste Sieg über sich selbst. Darum: Schach den Alleingängern, wenn wir bitten dürfen, sie. interessieren das Publikum nicht — Markenmonologe kann siH jeder selbst halten,.in eigener Rennregie, und ohne Oe. A. C. Dre schlechtbeschickteste Kategorie im Semmering-Rennen beginne Mrderhrn mit dem Dialog, mit dem Zwiegespräch zwischen zwei Konkurrenten. (Daher ja der Name Konkurrenz.) Auch da noch handelt es sich um ein Rennen mit aewrssirmaßen garantierter Placierung, das nur wenig Anschluß gibt, aber dem Auditorium bleibt es ja unbenommen, wenn cs vor der Wahl steht, den T-Wagen (der Erster wurde) zu kaufen oder die Marke H (die den zweiten Platz besehen mußte), den -Z--Wagen zu wählen, der um keinen Preis siegen wollt". «mch nicht um einen garantierten. Und vielleicht wäre diese Wahl sogar die verrrünftigstc Klassisches Theater. Da laßt sich nix machen: Die Welt ist llajükermüde geworden. Entschieden. Der gute alte Hamlet muß sich erst einen zeit-' gemäßen Frack bei Ebenstein oder Humhal bauen lassen, damit' er zieht, auch der Faust braucht dringend ein neues Einheitsgewand, einen Overall (den Herr Dr. Paul Moderow ihm zu- . rechtschneiderte) und was die Maria Stuart anbetrifft, so wrrd auch sie in Bälde nicht umhin können, ihren Konservatismus ab- und einen Bubikopf anzulegen, sonst ist es um ihre Popularität geschehen. So auch das bestbekannte Kärrrtrrerringtheater-Repertoirestück: das klassische Semmering-Meeting. Ohne Bubikopf, will sagen ohne neue, originelle Frisur, geht's nicht mehr länger. Diesmal «hals man sich noch auf andere, bequemere Manier, engagierte man einen Star mit weithin leuchtendem Namen: Rudolf Caracciola, den Italiener aus Deutschland (also eine Art Moissi, ins Automobilistische transportiert). Caracciola, bis vor kurzem in autorennsportlichen Belangen restlos unbescholten, ist, wie man hört, ein „Herrenfahrer von Berus", der lediglich zum Vergnügen siegt. (Zu seinem, zu unserem oder zu dem von Mercedes-Benz?) Uebrigens, Herr Caracciola macht nicht viel Aufhebens davon, er siegt gewissermaßen aus dem Handgelenk, nichts kann ihn überraschen, und am allerwenigsten ein in der Semmeringer Höhenluft zerrissener Streckenrekord. Aber nicht non Caracciola und dem Unfug des Siegens (eS ist ein Unfug, wenn man es Mr nicht nötig hat, dieweil man sich seine Eltern zweimal ansah, bevor man sich endgültig für sie entschied) sei hier die Rede, sondern von der durch das Semmering-Meeting 192t', so sonnenklar bewiesenen Unerläßlichkeit, das Semmering-Rennen unter Mitwirkung allererster Kräfte und Pferdekräfte (von Starlenkern ebenso wie von Starwagen) an- und. aufregender zu gestalten. Leider, es stimmt: Der Theaterdirektor hat es diesbezüglich erheblich leichter, er engagiert sich einfach den Pallenberg, den König, den Moser oder sonst einen gagengesegneteu Zwerchfellerschütterer für seine Nobelschmiere, und wenn es sich dann trotz allem begibt, daß nur 500 Besucher in fein Theater hineingehen (obwohl laut behördlicher Verfügung 1400 hineingingen), geht er eben in Ausgleich (üprozentige Üuote, zahlbar in 37 Jahren), oder er läßt ans Teilung spielen. . Der Oesterreichische Automobilklub kann für seine Semmer»ng--Veranstaltung niemand verpflichten,' nicht den Gour, nicht den Divo, nicht den Constantini, die internationalen Volantgrößen siegen nicht auf Teilung, au contraire, am liebsten und beinahe öftesten jeder für sich allein, und wenn selbst der eine Star auf den Semmering käme, der zweite wäre dann erst recht für keine Gage der Welt zu bewegen, sich zu bewegen. Reben Rudolf Caracciola, hem Sieger auf der Avus und Beinahe-Sieger des Klausen, kam, ans Purer Sympathie für Oesterreich, versteht sich, Herr Frvnconi, der auch nur so heißt (lndem er nicht aus dem Zitronen-, vielmehr aus dem Nhrenlande stammt). Franconi, der Klausenheros, hatte, so ovakelten die Neun- Mstüveifett, auch bei uns am Semmering den haushohen Sieg (inklusive bester Zeit des Tages als Gratisdraufgabe) bereits in der Sacoche, die die in Genf geborene, dort, erzogene uni» großgewordene Motosacoche war. Und in der Tat: Franconi fuhr wie ein Schwyzer — anders wäre eS auch kaum vorstellbar —, siegte, wie er wollte, mit Talk, also und mit Galanterie, als zweiter Motorradler überhaupt, als Erster seiner Extraklasse, als Rekordvcredler um etliche. Stündchen — und ihm genügte das reichlich. Nicht so seinem Anhang seiner Llaque. Die inszenierte einen waren Jeritza-Rummel, gefiel sich in Bravos und Bravisfimos und zeigte sich sichtlich enttäuschter und desillusioniorter als Franconi selbst, da Gott strafe die englische Motorradindustvie i« allgemeinen, die New Jmverml-Erzeuger im be- Was bringt der Pariser Salon? Ter Pariser Autosalon im Grand Palais der Champs Elysies — er tviirbi» am 7. d. M. eröffnet und dauert bis inklusive 17. — ist die Automobilausstellung Europas. Vielleicht sogar der Welt. Denn auch die gigantische Netvyorkcr Auwmobilschau zeigt bei weitem kein so betont internationales Gepräge, kein solch berauschendes Länder-, Marken-, Modellö-Btelerlei, wies in Paris seit Jahrzehnten der gute Brauch, wo marr die Market» suchen muß — die man nicht findet, wo für jeden etwas und für die meisten vieles vorhanden ist, wo auch die magerste Brieftasche, das bescheidenste Einkommen, der nationalst orientierte Geschmack konstruktiv-fabrikatorische Berücksichtigung findet. Freilich, wer nach Paris fährt, dort Wunder zu sehen, tvird mit enttäuschter Miene heimkehren. Zaubern können auch die französischen Auioerzeuger nicht, ebensowenig wie ihre Kollegen in U. S. A., Rohmaterial, weiße und andere Kohle, Arbeitskraft des Menschen, sie ivollen überall bezahlt sein, und darum auch die Autos. Also bitte, keine Überspitzten Hoffnungen ans den Jedermannswagen, das Arme-Leut-Auw, das Fahrzeug für Schnorrer. Tiefes bleibt auch der diesjährige Pariser Salon, wiewohl er in der zweijährigen Pause reichlich Zeit gefunden haben könnte, die ersehnte Fahrzenggattung wahr werden zu lassen, prompt schuldig. Gewiß, man kriegt manchen billigen Wagen unter der gläsernen. Kuppel des Grand Palais serviert, mitunter auch einen sehr billigen, einen unwahrscheinlich billigen (besonders toenn man. sich nicht gerade auf eine „Marke von Welt" kapriziert), aber der Verkaufspreis des wahren „Bolksautos", wie ihn uns kühne Wunschträume vorgegaukelt haben, erscheint nirgerrdswo auf. Ja nicht einmal in den redseligen Katalogen und Preisblättern jener weithin unbekannten Firmen, die das vieldiskutierte Problem des sogenannten E i n h e i t s w a g e n s auf besonders originelle Weise lösen, indem sie nur ein einziges Fahrzeug (in serienmäßiger Fleißarbeit) Hersteller» und diesen ersten, nicht eben selten gleichzeitig letzten Mohikaner auf den Salon bringen — zum internationalen Köpfeschütteln. Die bedeutsame Frage, ob der Pariser Salon, Modell 1926, Sensationen bringt oder ob er sich, konstruktivdekorativ genommen, an den seligen Ben Akiba hält, läßt sich nicht ganz leicht beantworten. Was dem einen sensationell dünkt, das findet der andere banal, ja kaum deS Hinsehens wert. Tie Geschmäcker finb eben verschieden und auch die Grade der Blasiertheit bei denSalon- HabitueS. Wenn zum Beispiel die Finna Renault sich überraschenderweise entschließt, über sehr geehrtes Verlangen eines raseerpichten Kilometerfressers selbst ihrem kleinsten, ihrem schwächsten, ihrem volkstümlichsten Typ, hierzulande mit 4 Steuer-P.-S. bewertet, einen leibhaftigen Kompressor einzubauen, der die Leistung des Wagens um weitere 30 Prozent hinaufnumeriert, so ist das, der bescheidenen Meinung von uns Bescheidenen nach, ettoas reichlich Sensationelles. Dem» bisher verhielten sich die großen Marken im allgemeinen und in» besonderen ziemlich kompressorfei»»dlich, keinesfalls verrieten sie Geneigtheit, das geheimnisvolle Geblüse in die Normal- und Äandardausrüstung ihrer Serienwagen einzubeziehen, was dermalen wohl auch noch nicht" der Fall ist, aber in Bälde der Fall sei " könnte. Schon aus dieser bescheidenen Kostprobe der Salo»»- sensationen von 1926 ersieht man, daß auch das diesjährige Paris etwas zu geben hat ur»d daß sich ein Salonbesuch unbedingt rentiert. Für jene, die die Reise dennoch scheuen, bieten wir am nächsten Sonntag einen ausführlich gehaltenen Pariser Originalbericht. sonderen — Großbrrtanmen den Sieg davontrug über den Kanal La Manche, jenen Aevmel, aus dem Herr Galt seine Semmering-Triumphe zu schütteln beliebt... Wie dem immer: Der Massenbesuch, der eigentlich ein Unmassenbosuch war, die 60.000 Personen, auch wenn eS nur deren 40.000 gewesen sein sollten, dre 2000 Äutos, die leicht hätten gegenwärtig kein können—^ alles, alles ist Ca.racciolas und Franconis Verdienst. Sie waren die großen Publikumsmagnete des Semmering-Rennens von 1926 und wenn es überhaupt etwas gibt, wie eine irdische Oe. A. C.-Gerechtigkeit. dann' müßte man sie beide, Caracciola und Franconi, zu Ehrenmitspielern des Oesterreichischen Automobilklubs ernennen. Aber sofort' .cd heute puders gesahrea? Fährt mau heute/anders, fährt man besser, durchgeistigter als zu jenen Zelten, da Großvater die Großmutter mitnahm zum Semmering-Rennen des Oe. A. C.? Das ist eine Frage, sicherlich des Anschneidens wert. Wer, gleich uns, das Semmering-Rennen in seiner historischen Entwicklung, seinem Auf- und Abstieg Schritt für Schritt begleitet hat, ist nicht gerade überzeugt von der krassen Ueberlegcnheit, von dem „Anders" dex Fahrer von heute,. Geschwindigkeit ist keine Hexerei, war es nie, und wenn auch die heutigen Wagen und Motorräder ihren Borfahren' vis-a-vis an Lebenstempo ganz erheblich gewonnen haben, so kommt dieses Uebergewicht doch vorwiegend sii den LincMtrecken-zum Aufdruck, nicht in den Haarnadelkurven, wo Tempo und Technik vorwiegend vom Temperament des Lenkers «»»schieden werden. Womit beileibe nicht gesagt sein soll, daß die Zuschauerimpression bei Salzer ante bellum und bei Caracciola heute die gleiche wäre. Wagen mit Borderradbremse sind professionelle Straßenkleber, /ihr angeborenes Talent zum Schleudern laßt, St. Christoph sei Dank, so ziemlich alles zu wünschen übrig, tnan kann sich mit und auf ihnen schon sehr viel erlauben, bevor sic sich etwas erlauben. Hieraus folgt eine, man möchte sagen, „Verkürzung" der Rennkurve> das heißt jenes kritischen Stvaßenstückes, die das „Rennen auf sanfte Art" obligatorisch macht für milde und ebenso für wilde Fahrer. . Auch das Losstürmen der Fahrzeuge nach Verlassen der Biegung, das phantastisch anmutende Wegziehen, zumal der Kompressorbegabten, kannten die Annodäzumalrennen noch nicht. Betrachtet man indes das Ding an sich, die 'Kurve, die teils genommen wird, teils die Fahrer selbst nimmt, so kann man nur staunen, wie wenig hier dazugelernt wurde. Innen- und Außenseiter, oje gab es ja zu jeder Zeit, Gemäßigte und Temperamentvolle/ Tramnichnichtnaturen und Allesaufeinokurvesetzer. Das Semmering-Rennen, so lehrten uns die höheren Renpwissenschaftler, wird in den Kurven gewonnen. Das war einmal, Berehrteste! Jetzt wird das Semmering-Rennen wohl hie und da in den Kurven verloren, gewonnen wird es aber regelmäßig in den Gergdstrecken, wo iede Maschine ihr Alles sitzen darf an die Ehre der Fabrik, die sic geboren. Lediglich das Dlo- »neterplus des Caracciolqschen MercedeS-Benz-KomPressor und des Kinssyschen Steyr in per Geraden verdankt der Wernersche 24er«Streckenrekord feinen tiefen Fall, - und Wollüstlinge der Geschwindigkeit, die partout mit dabei sein wollen, nremi ein Streckenrekord um einen oder mehrere Sekundenköpfe kürzer gemacht wird, sollten sich ausschließlich Port placieren, wo der Semmeringturs möglichst lang kein Eck macht, am Eckmäßigsten vielleicht zwischen den beiden, von der Wafsinfabrik beigsstellten Steyr-Schilbern unterhalb der Cinräumerkurve und . eigene Stoppuhr umschloß, Zeitnehmer spielen durfte. Dort, aber auch nur dort, hörte man den Rekord fallen, K man das FortschreUen der Automobtltechnik, sah man das hrschoinliche Ereignis werden. Wohingegen »in der Kurve der Rennkonsirvatisnlus zu Hause war. „Bon Jahr zv Jahr wird es langweiliger und öder in der AuÄjrchMurve". stvMukzte «irr Automobils der altert Schule, „nach meiner langen Weile zu schließen, halten wir bereits beim Semmerittg-Rcnnen von 1627..." Der Rekord ein Definitivum? In einer großen, dem Sport geweihten Tageszeitung ward aus Anlaß des diesjährigen Semmering-Rennens die immerhin weltbewegende Frage zur redaktionellen Diskussion gestellt, ob es überhaupt möglich sei, den Wernerschen Mercedes-Kym- Pressor-Semmeringstrecke nrekord (geboren im September 1924, gestorben iin September 1926) mit Erfolg zu Leibe zu rücken. Nun denn, das heurige Semmering-Fazit hat diese Frage, wenn es si eine »Var, in sehr positivem Sinne erledigt. Caracciola, auf Merceües-Benz-Kompreffor, bändigte die Strecke um etliche Sekunden rascher als sein Stallgenosse zwei Jahre vorher und auch der populäre Stehr-Gvaf, Herr Ulrich Kinsky, der ganz und aar Kompressorlose, indem er sich in an- und hochgeborener Bescheidenheit mit 6:53.65 Rasezeit begnügte, blieb sehr erheblich, nämlich ganze 1.65 Sekuuden, unter dem Rekord. Und die Moral davon? Kein Rekort» stellt ein Definitivum dar, ein jeder ist zu biegen, theoretisch und praktisch. Oftgehörte Prognosen von der beliebten Art: nur mit Hilfe des Kompressors wird es möglich sein, was Werner im Jahre 1924 am Semmering geleistet, zu überbieten, wurden mit anerkennenswerter Gründlichkeit ad absurdum geführt. Wie figura zeigt: Es geht auch ohne! Um einem Semmeringstreckenrekord das „ewige zweijährige" Licht auszublasen, bedarf es gerade keines Gebläses. Uebrigens, wer wettet mit uns — einigen prächtigen kleinen Renault gegen einen schäbigen Packard-Pullmann, Modell 27 auswärts — überS Jahr, sollte das Semmering-Rennen abermals Über uns verhängt werden, wird der Rekord abermals um einiges Erstaunliches verdampsin. Eine natürliche, eine gottgezogene Grenze deS Geschwindigkeitswahnsinns gibt es eben nicht. Jeder Rekord ist ein vorletztes Wort, dem, in der Regel ein Jahr später, wiederum ein vorletztes nachfolgt, und wenn einer, der eben einen neuen, ensationellen Bevgrekord an- und ausgestellt hat, schwarz in chwarz in die diesbezügliche Zukunft blickt, dann trägt er, in einer Stoppuhr verkapselt, für gewöhnlich schon eine noch sensationellere Trainingszelt mit sich herum. Noch einmal: Semmering-Rekorde gleichen den Seutmering-Preisen (in den Gasdhösin): freibleibend! Odor, auch dieses Gleichnis erfüllt uns mit Autorenstolz, Rekorde sind wie die Frauen: stetbereit, zu fallen... Die wektze Gefahr. Ern unfreiwilliger Witzbold, Baron TodeSro, in besseren Schottenring-Tagen, hat einmal die Börse mit einer Law in« verglichen; Einmal rollte sie hinauf und einmal hinunter. Die weiße Gefahr, von der hier die Rede, die Mercedes« Benz-Kompressor-Lawine, benimmt sich wonröglich noch viel sonderbarer; Sie rollt prinsipiell nur hinauf und wiederun» hinauf — Sieges- und Rekordhoffnungen der anderen untet sich begrabend. Zum Vergleich mit der Lawine regte uns das schneeig« Weiß der Mercedes-Benz-Kompreffor-Wagen im Semmering Nennen an. Und man muß zugeben: Die Farbe stcht ihne« aut. Aber weißmachen Wewer» uns diese Mercedes-Straßenkanonen dennoch nicht, daß sie so unschuldig sind wie neugeborene Lilien Und ganz frei von Vorleben. Dazu steckt denn doch zu viel Vergangenheit irr diesen gedrungenen Kolossen, zuviel Tradition rm Siegen. Auch oaS hrmrnelstürmende Temperament, das sie bei jeder Renngelegenheit entfalten, spricht keineswegs dafür, daß «S sich hier um durchaus jungfräuliche Wesen handelt. Noch liegt mrS, da wir dieser» Bericht Au Remington bringen, die Melodie des MercedeS-Siegeö in den Ohren, die irgendwer in einem Morrtagblatt mit dem Gesang heulender Domvtscho, wenn sie besonders in Stimmung sind, zu vergleichen beliebte. Unverfälscht atonale Klänge, prophLkffchen Ohres Vpvausavahnt von Mlhelm Busch, dem Caracciola deS Humors, der da sagte: „Musik wird oft nicht schön empfunden, dieweil sie mit Geräusch verbunden." Wer zweifelt daran, Busch konnte damit nur die MercedeS- Beuz-Kompressor-Musist 1926 gernoint halben.

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